Tag 531: Zelten bei Gewitter

///Tag 531: Zelten bei Gewitter

Tag 531: Zelten bei Gewitter

Tag 531: Zelten bei Gewitter

Völlig unverhofft zog sich der Himmel zu und wurde plötzlich pechschwarz. Wenige Minuten zuvor hatten wir noch den Schäfchenwolken zugeschaut, wie sie so unschuldig über den Himmel zogen und nun das! Es braute sich ein Gewitter zusammen und zwar ein ordentliches! Wo kam das plötzlich her? Wenige Minuten später frischte der Wind auf und die ersten Tropfen fielen herab. Schnell spannten wir unser Zelt noch einmal stärker ab und schauten, ob alles Wasserdicht verpackt war.

Langsam schienen diese abendlichen Gewitter hier zur Routine zu werden. Ein guter Anlass, um sich einmal ein paar Gedanken über die Gefährlichkeit vom Zelten bei Gewitter zu machen.

Zunächst einmal stellt sich natürlich die Frage, wie gefährlich das Zelten im Gewitter überhaupt ist und welchen Arten von Gefahren man dabei begegnen kann. Wenn wir an Gewitter denken, dann kommt uns als aller erstes das Bild von einem Blitz in den Kopf, der möglicherweise in unser Zelt einschlagen kann. Dies ist natürlich eine der möglichen Gefahren, doch es ist bei weitem nicht die größte. Deutlich gefährlicher als die Blitze sind die Begleiterscheinungen des Gewitters, also der starke Wind, der starke Regen und die evtl. stark sinkenden Temperaturen. Um das Gewitter also sicher überstehen zu können, ist es wichtig, dass ihr euch auf all diese Einflüsse gut vorbereitet und auch dementsprechend einen Platz sucht. Dabei helfen euch die folgenden Hinweise:

1. Die richtige Platzwahl

Der größte Sicherheitsfaktor beim Zelten im Gewitter liegt im Standort eures Zeltes. Schaut euch daher zunächst genau um und achtet darauf, dass ihr keine Gefahrenquelle in eurer unmittelbaren Nähe habt. Baut euer Zelt daher niemals auf eine Anhöhe oder eine weite, leere Flachebene, auf der ihr der höchste Punkt seid. Dadurch macht ihr euch nicht nur selbst zu einem Blitzableiter, ihr setzt euch auch ungeschützt dem Wind aus. Auch die Nähe von alleinstehenden Bäumen solltet ihr vermeiden, da diese Blitze zu sich anziehen, ohne dass man aber vorhersehen kann, wo sie einschlagen werden. Im Zweifel gilt daher: Viele Bäume sind besser als einzelne. Waldränder bieten daher einen relativ guten Schutz. Achtet jedoch vor allem bei Nadelwäldern darauf, dass euer Zelt mindestens so weit von den ersten Bäumen entfernt steht, wie diese hoch sind. Für den Fall, dass der Wind so stark wird, dass er die Bäume umreißt, können sie euch dann nicht erschlagen. Kontrolliert die umstehenden Bäume außerdem immer auf tote Äste, die noch in den Kronen hängen und die bei einem Sturm heruntergerissen werden könnten. Wenn ihr direkt in einem Wald seit, dann versucht einen Bereich zu finden, in dem die Bäume niedriger sind, als die umstehenden. Der gute alte Spruch von wegen „Eichen sollst du weichen, Buchen sollst du suchen“, hat nichts damit zu tun, dass Blitze besonders gerne in Eichenholz einschlagen. Eichen neigen jedoch dazu, besonders viel Totholz in ihren Kronen zu haben und sind in Mischwäldern außerdem meist die höchsten Bäume. Daher ist es oft wirklich ratsam, etwas Abstand von ihnen zu halten. Auch Hochspannungsleitungen und Strommasten ziehen Blitze verstärkt an. Haltet daher zu diesen einen Sicherheitsabstand von mindestens 100m ein.

Ebenso wie Anhöhen solltet ihr aber auch tiefe Senken vermeiden. Hier sind nicht der Wind oder die Blitze die Gefahr sondern der Regen. Vor allem im Gebirge kann selbst bei einem relativ kurzen Unwetter eine gewaltige Wassermenge zusammenkommen, die ausreicht, um euer Zelt zu fluten. Vermeidet auch die unmittelbare Nähe von Flüssen und Bächen, denn diese können bei einem Unwetter ebenfalls unerwartet schnell ansteigen und über ihre Ufer hinaustreten.

2. Wie kann ich mich vorbereiten?

Wenn ihr merkt, dass ein Gewitter auf euch zukommt und ihr einen guten Platz gefunden habt, dann kommt es vor allem darauf an, dass ihr euer Zelt wind- und Wetterfest aufbaut. Achtet zunächst darauf, dass ihr dem Wind so wenig Wiederstand wie möglich bietet. Wenn also eine Seite von eurem Zelt länger ist als die andere, dann baut die kürzere in den Wind. Spannt das Zelt dabei so gut wie es geht ab und achtet darauf, dass die Heringe wirklich fest sitzen. Befestigt alles, das vom Wind gepackt und hin- und hergerissen werden kann, da dies euer Zelt ernsthaft beschädigen könnte. Bedenkt, dass euer Zelt nun der wichtigste Schutz für euch ist. Sollte es dem Wind nicht standhalten und weg- bzw. aufgerissen werden, seit ihr den Wettergewalten ungeschützt ausgeliefert. Auch dabei stellt nicht der Blitz die größte Gefahr dar, sondern viel mehr die Kälte, die oft unterschätzt wird. Selbst wenn die reale Temperatur noch 15°C beträgt, fällt sie durch den sogenannten Windchill-Effekt bereits bei einer Windgeschwindigkeit von 40km/h auf gefühlte 6,3°C. Bereits bei Temperaturen unter +10°C kann man jedoch schon Erfrierungen bekommen, vor allem, wenn dabei auch noch Nässe im Spiel ist. Für den Fall, dass ich euch nicht ganz sicher seit, ob euer Zelt dem Wetter wirklich standhält, schaut euch frühzeitig schon einmal nach anderen Schutzmöglichkeiten um. Hier ist alles geeignet, dass euch Wind und Regenschutz bieten, ohne dass es jedoch selbst vom Wind mitgerissen werden kann. Wenn der Wind wirklich so stark ist, dass er euer Zelt wegreißt, dann ist die Gefahr, die von ihm ausgeht deutlich größer, als die von einem Blitz getroffen zu werden.

Um das Risiko eines Blitzeinschlages im Zelt so gering wie möglich zu halten, solltet ihr elektrische Geräte ausschalten und metallene Gegenstände möglichst außerhalb des Zeltes, am besten wasserdicht verpackt unter einem Baum lagern.
Achtet beim Packen eures Zeltes darauf, dass nichts an die Zeltwände stößt, da das Zeltgewebe sonst das Wasser nicht mehr abhält.

3. Wie verhalte ich mich während des Gewitters

Das wichtigste ist zunächst einmal Ruhe bewahren. Wenn das Gewitter nun wirklich mitten über euch ist und ihr euer Zelt gut aufgebaut habt, könnt ihr eh nicht viel mehr tun, als euch darin zurückzuziehen und abzuwarten, bis es vorbei ist. Je nachdem, wie stark und nah das Gewitter ist und wo ihr euch gerade befindet, kann dies auch ein sehr schöner teil sein, vor allem, wenn ihr von eurem Zelt nach draußen schauen könnt. Ansonsten ist nun genau die richtige Zeit für ein gemütliches Picknick im Schutz der Zeltwände. Vorausgesetzt natürlich, euer Zelt hält dem Wind stand und bleibt Wasserdicht. Wenn das nicht der Fall sein sollte, achtet unbedingt darauf, dass ihr selbst nicht mit eventuell hereinlaufendem Wasser in Berührung kommt. Wenn euer Zeltboden überschwemmt ist, dann rollt eure Isomatten zusammen und baut euch daraus Inseln, auf denen ihr erhöht sitzen könnt. Denn im Falle eines Gewitters ist das Sitzen im Wasser nicht nur unangenehm, sondern auch gefährlich. Wenn nun der Blitz irgendwo in der Nähe einschlägt, kann durch das Wasser eine Leitungsbrücke entstehen, durch die ihr auch dann einen Stromschlag bekommt, wenn euch der Blitz selbst nicht trifft.

In unserem Fall passierte jedoch nichts der gleichen. Das Gewitter zog vorüber und nach den ersten paar Tropfen hörte auch der Regen wieder auf. Die ganze Nacht blieb es ruhig und so warm, dass man kaum einschlafen konnte. Wo war denn dieser Windchill-Effekt, wenn man ihn mal brauchte?

Heute ging es dann relativ gemütlich weiter. Wir wanderten durch die Berge auf der Straße nach Medjugorje, bis wir von einem Mann auf ein kaltes Getränk eingeladen wurden. Seine Frau bot uns dann gleich noch ein Mittagessen an und während wir gemeinsam auf ihrer Terrasse saßen, zog schon wieder ein Unwetter auf. Diesmal aber wurde es stärker und erreichte uns wirklich.



„Ich glaube es ist keine gute Idee, weiterzuwandern!“ meinte der Sohn der beiden, der als einziger Englisch sprach und für seine Eltern übersetzte. „Wenn ihr wollt, könnt ihr ja hier bleiben und unten in einem der leeren Räume übernachten!“

Das Angebot nahmen wir gerne an. Zumindest was seine eigene Familie betraf hatte der Mann nicht gelogen, als er meinte, dass die Bewohner von Herzegowina wahrlich gastfreundliche Menschen waren. Auch sonst musste man sagen, dass uns die Menschen hier wieder deutlich freundlicher begegneten. Drei Mal wurden wir von der Straße aus in eine Bar oder zu jemandem nach Hause eingeladen um etwas zu trinken. Eine gesunde Ernährung einzuhalten ist noch immer fast unmöglich, aber wenn man ein Bier möchte, braucht man sich hier keine Gedanken zu machen.

Spruch des Tages: Relax and enjoy the show.

Höhenmeter: 160m

Tagesetappe: 9 km

Gesamtstrecke: 9573,77 km

Wetter: sonnig und heiß, abends Gewitter

Etappenziel: Leerstehende Partyräume einer Familie in Tihaljina, kurz vor Drinovci, Bosnien und Herzegowina

Bewertungen:

 
Heiko Gärtner und Franz von Bujor sind ausgebildete Survivalexperten und Extremjournalisten. Seit 2014 wandern sie zu Fuß und ohne Geld um die Welt um auf diese Weise tiefe Einblicke in unsere Gesellschaft mit all ihren Facetten, Kulturen und Systemen zu bekommen. Als Medizinjournalisten sind sie unter anderem Mitglieder des Deutschen Fachjournalisten Verbandes und schreiben neben Artikeln für Blogs, Zeitungen und Magazine auch Sachbücher und Ratgeber. 2013 veröffentlichten sie gemeinsam ein Grundlagenwerk über Antlitzdiagnose mit dem Titel "Krankheiten auf einen Blick erkennen". 2016 folgte ihr zweites Werk "Die natürliche Heilkraft der Bäume". Dabei handelt es sich um ein Lehrbuch, um die Grundlagen der Naturheilung zu erlernen, wie sie seit Jahrtausenden von indigenen Völkern überall auf der Welt angewendet werden. Heiko Gärtner ist zudem gelernter Natur- und Landschaftspfleger, Wildnislehrer, Hochseilgartentrainer sowie Berg- und Höhlenretter. Nach seiner Ausbildung zum Versicherungsfachwirt leitete er unter anderem Motivation und Verkaufstrainings und übernahm später eine eigene Generalagentur. Aus dieser Zeit konnte er unter anderem auch ein umfangreiches Verständnis und Wissen aus den Bereichen Versicherungsrecht, Recht im Allgemeinen, Buchhaltung, Wirtschaftsmathematik und Unternehmensführung mitnehmen. Um mehr seinem Herzensweg zu folgen, gab er seine Büro-Karriere schließlich auf, um sich zum Survivalexperten, Nationalparkranger und Wildnismentor ausbilden zu lassen. In diesem Rahmen besuchte er unter anderem Naturvölker in Neuseeland, Kanada, den USA und Thailand. Dabei gründete er unter anderem seine eigene Wildnisschule, die bis heute besteht und Ausbildungen aus dem gesamten Wildnissektor anbietet. Franz von Bujor ist studierter Kultur- und Sozialpädagoge, sowie ausgebildeter Wildnislehrer, Mediator und Erlebnispädagoge. Auf seinen vielzähligen Reisen unter anderem nach Australien und Lateinamerika sammelte er Expertenwissen im Bereich alternatives Leben und Reisen, Minimalismus, Backpacking und Work and Travel, sowie allgemein im Bereich Kunst, Kultur, Religion und Geschichte. Seit 2016 lebt er als Wandermönch.

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