Tag 646: Wiedervereinigung

Tag 646: Wiedervereinigung

Tag 646: Wiedervereinigung

Am Morgen wurden wir von einem Bellen direkt neben unserem Zelt geweckt. Als ich nach draußen blickte, sah ich eine kleine, magere Hündin, die ganz offensichtlich schon etwas zu sehr geprügelt wurde in ihrem Leben. Ich versuchte sie zu überreden, den Mund zu halten, doch sie bellte einfach weiter, so lange, bis ich sie schließlich packte und am Kopf festhielt. Es war kein starker Griff und auch nichts, was die Hundedame hätte verletzen können, doch kaum hatten meine Finger sie berührt, verwandelte sich ihr angriffslustiges Kläffen in ein herzzerreißendes Weinen und Wimmern.

„Ist ja gut!“ sagte ich ihr, „Ich tu dir doch nichts! Jetzt krieg dich wieder ein!“

Aufgeregt lief sie vor unserem Zelt umher und stolperte dabei über eine der Abspannschnuren. Für einen Vierbeiner war das eine wirklich erstaunliche Leistung, denn er hatte ja noch drei Beine zum ausbalancieren, wenn er mit einem hängen blieb. Doch diese Dame schaffte es, sich wirklich vollkommen auf die Schnauze zu legen. Doch das störte sie nicht weiter. Sie rappelte sich auf und lief nur noch hektischer herum, wobei sie fast gegen unsere Zeltwand gerannt wäre.

Von unserem Essen am Vorabend hatten wir noch einige Fleischreste über, die ich der Hündin zum schnuppern reichte und dann in hohem Bogen davon warf. In Deutschland wäre jeder Hund sofort aufgesprungen und hinter dem fliegenden Objekt her gerannt um es zurückzubringen oder sich als Trophäe gleich selbst einzuverleiben. Doch dieser Hund hier wusste leider nicht das geringste mit meiner Aktion anzufangen. Er schaute nur wehmütig dem Fleisch hinterher und begann dann wieder zu wimmern. Also nahm ich ein zweites und reichte es ihr, dieses mal jedoch, ohne es wegzuwerfen. Sie fraß es komplett, inclusive Knochen, was wahrscheinlich noch weniger sinnvoll war, als die Aktion von zuvor. Schließlich führte ich die ängstliche Dame über die Wiese zu dem zweiten Stück Fleisch, doch gerade als sie es erspäht hatte, fiel ihr ein, dass sie eigentlich gar nicht hier sein durfte und verschwand.

Von unserer kleinen Wiese neben dem Friedhof aus ging es hinunter auf die Straße und dann erneut an einem kilometerlangen Staubecken entlang. Kaum hatten wir den Platz verlassen war auch unsere junge Hündin wieder da und begleitete uns für die nächsten Kilometer. Sie lief dabei vollkommen unkoordiniert über die Straße und rannte so ziemlich vor jedes Auto, dass sie finden konnte. Einige Male konnten wir dabei gar nicht richtig hinschauen, weil wir befürchteten, dass sie sich nun wirklich umbringen würde. Wie hatte sie es bloß geschafft, so lange zu überleben. Sie musste mindestens drei Jahre als sein, was für einen Hund schon ein beachtliches Alter war. Zumindest für einen, der so zur Selbstvernichtung neigte, wie dieser hier.

Einige Kilometer weiter kamen wir an eine riesige Müllhalde. Überall schwelten die Brände vor sich hin mit denen die Abfälle „recycelt“ wurden. Es stank bestialisch und irgendwie machte es kein gutes Gefühl, dass diese Halde direkt neben dem Staubecken angelegt worden war, das neben der Stromgewinnung auch als Trinkwasser-Reserveur diente. Zunächst dachten wir, dass uns die Hündin vor allem deshalb begleitet hatte, weil sie zu ihren Kammeraden wollte, die hier auf der Müllhalde lebten. Doch sie hatte nicht mehr als einen müden Blick für sie übrig und trabte dann weiter neben uns her. Erst als es anstrengend wurde, weil er nun steiler den Berg hinauf ging, war sie plötzlich verschwunden. Der Weg in die Freiheit hatte wohl zunächst verlockend ausgesehen, aber in Anbetracht der Energie, die sie dafür aufbringen musste, war sie dann doch lieber zu ihren Peinigern und in ihren Zwinger zurückgekehrt.

Das Ende des Stausees markierte auch das Ende unserer Straße. Hier mündete sie auf die große Hauptstraße, die direkt vom Kokin Brod nach Prijepolje führte und auf der sich auch Paulina irgendwo befinden musste. Meinem Plan nach müssten wir nun hier an dieser Kreuzung irgendwo einen Schlafplatz finden, damit wir dann morgen die letzten 10km nach Prijepolje laufen konnten, um uns dort mit Paulina zu treffen. Dummerweise war mir nicht klar gewesen, wie ekelhaft diese Straße war. An dem Ort, an dem wir uns von Paulina verabschiedet hatten war sie auch schon nicht schön gewesen, doch hier hatte sich das Tal wieder zu einem engen Canyon verjüngt und die Felswände warfen den Autolärm zurück wie bei einem Ping-Pong-Spiel. Der Ort selbst bestand nur aus einigen wenigen Häusern, die direkt in den Hang gebaut waren und zwei kleinen Hotel-Restaurants, die unmittelbar neben der Fahrbahn lagen. Beide sagten uns ab und auch mit Zeltplätzen sah es hier mau aus. Wir hatten die Wahl, ob wir entweder 300 Höhenmeter aufsteigen und dann hinter einer Weggabelung auf einer Schräge schlafen wollte, die so schief war, dass wir einen Klettergurt gebraucht hätten um nachts nicht in den Fluss zu rutschen, oder ob wir uns direkt neben die Straße flachten und akzeptierten, dass wir keine Sekunde Ruhe abbekommen würden. Beides klang nicht gerade erstrebenswert und dementsprechend miserabel war auch unsere Stimmung. Wir beschlossen daher, Paulina eine SMS zu schreiben und sie zu fragen, ob sie nicht vielleicht doch schon so weit war, dass wir durchgehen und uns bereits einen Tag früher treffen konnten. Ihre Antwort lautete etwa folgendermaßen: „Oh, ich habe noch nicht mit euch gerechnet! Aber möglich wäre es vielleicht. Ich bin ca. 10km vor Prijepolje“

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Gerade als wir oben auf dem Berg standen um noch einmal auszukundschaften, ob es nicht doch eine Schlafmöglichkeit gab, erblickte Heiko unten im Tal auf einem Parkplatz eine Gestalt, die einen Wagen hinter sich herzog, der verdächtig nach einem Pilgerwagen aussah.

„Hey!“ rief er, „da ist sie ja!“

„Wo?“ fragte ich und schaute mich suchend um.

„Nicht da!“ korrigierte Heiko, „Du schaust auf den falschen Parkplatz! Da!“

Ich folgte seinem ausgestreckten Finger und dieses Mal fiel mein Blick wirklich auf eine Person, bei der es sich ganz eindeutig um Paulina handelte.

Schnell liefen wir zurück ins Tal und zu dem Parkplatz auf dem wir Paulina gesehen hatten. Sie selbst war verschwunden, doch ihr Wagen stand neben einem Auto.

Heiko erblickte sie als erstes. Sie saß in einem Stuhl vor dem Hotel, das uns als zweites abgelehnt hatte und spielte in ihrem Handy. Außer dem Display nahm sie nichts um sich herum wahr. Auch nicht Heiko, der nun nur noch einen knappen Meter vor ihr stand.

Die Begrüßung fiel relativ kurz aus und wurde sofort von einem neuaufkommenden Konflikt überschattet. Denn das erste, was Heiko an Paulina auffiel war, dass sie sich geschminkt hatte. Das ist unter normalen Umständen natürlich nicht verwerflich, doch in diesem Moment war Heiko deswegen entsetzt und aufgebracht. Warum?

Zum einen hatte sie sich in der ganzen Zeit, in der sie hier war so gut wie nie geschminkt. Sie hatte einfach nicht das Gefühl, dass es zum Zeltleben passte und hatte es nicht als nötig empfunden, wo es doch nicht einmal eine Dusche gab. Die einzigen Ausnahmen, die sie bislang gemacht hatte, waren die beiden Hotelnächte in Sarajevo und in Serbien gewesen. Für sie kam schminken also nur dann in Frage, wenn sie einen Spiegel und ein Badezimmer zur Verfügung hatte. Wenn das aber hin und wieder der Fall war, dann nutzte sie es, ohne sich deswegen großartige Gedanken zu machen.

Heiko war dieses Muster in diesem Augenblick jedoch nicht bewusst gewesen und so sah die Situation für ihn vollkommen anders aus. Für ihn wirkte es, als hätte sie es in der ganzen Zeit, die sie nun zusammen waren nie als nötig empfunden, sich chic zu machen. Doch kaum war er einmal zwei Tage nicht da, putzte sie sich heraus. Das war doch nicht fair, oder? Der Eindruck wurde noch verstärkt, da Paulina ja kurz zuvor die SMS geschrieben hatte, in der sie extra noch einmal betonte, dass sie heute noch nicht mit uns gerechnet hatte. Sollte das also heißen, dass sie sich nicht geschminkt hätte, wenn sie erwartet hätte, Heiko und mich heute wieder zu sehen? Wahrscheinlich nicht, aber in dem Moment wirkte es so.

Der Hauptgrund für Heikos ärger war jedoch ein anderer. Bevor wir uns getrennt haben, haben wir viel über Ausstrahlung und Magnetismus gesprochen, vor allem darüber, wie gefährlich es sein konnte, in einem Land wie diesem mit der Aura eines Opferlamms herumzulaufen. Vor ihrer Abreise aus Deutschland hatte Paulina ihren Pilgerwagen von der 15 jährigen Tochter einer Freundin bunt ansprayen lassen. Sie wollte damit Freude, Leichtigkeit und Verspieltheit ausdrücken, übersah dabei jedoch, dass sie auch noch eine vollkommen andere Botschaft vermittelte. Die Wagengestaltung war das Werk einer fünfzehnjährigen und dass sah man ihm auch an. Es war nicht der Wagen einer starken, selbstbewussten Frau, die Anmut und Erhabenheit aussendete, der man aber nicht dumm zu kommen brauchte, wenn man seine Genitalien mochte. es war der Wagen eines naiven, leichtgläubigen und beeinflussbaren Mädchens, das man mit einer Tafel Schokolade in seinen unauffälligen Van mit den getönten Scheiben locken konnte, wenn man es wollte. Dies allein machte das Wandern ohne Begleitung bereits riskant. Doch lange der Wagen jedoch von einer unauffälligen grauen Maus gezogen wurde, die keinerlei sexuelle Reize nach außen sendete, war das Risiko einigermaßen kalkulierbar. Durch die Schminke jedoch verdeutlichte Paulina nun auch noch, dass sie eine sexuell attraktive Frau war, für die sich ein kurzer Zwischenstopp im Wald durchaus lohnen würde. Natürlich war es nur ein Detail und der Unterschied, den es machte war vielleicht nicht besonders groß. Aber es machte einen Unterschied und es erhöhte unnötig das Risiko, dass sie eigentlich so gering wie möglich halten wollte. Niemand würde auf die Idee kommen, in einer solchen Situation ein Schulmädchenkostüm mit langen weißen Söckchen, einem kurzen karierten Rock, einer passenden Bluse und den typischen Zöpfen zu tragen. Zumindest nicht dann, wenn er nicht ganz bewusst vergewaltigt werden will. Klar machte das Schminken nur ein Bruchteil von dem aus, was so eine Schuluniform für Fantasien wecken würde, aber es ging in die gleiche Richtung. Heiko konnte nicht verstehen, wie sie auf diese Weise die Wahrscheinlichkeit, sich selbst in eine Gefahrensituation zu bringen, erhöhte, einfach nur deshalb, weil sie sich keine Gedanken darüber machte.

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Paulina wiederum konnte nicht verstehen, warum Heiko gleich zu beginn des Wiedersehens so mürrisch war und ihr Vorwürfe wegen ihres Eyeliners machte. Für sie war seine Reaktion eine Abwertung und sie fasste sie als Geste der mangelnden Zuneigung und Wertschätzung für sie auf. Beide waren zudem, genau wie auch ich aufgrund der wirklich unangenehmen Verkehrssituation ohnehin schon gereizt und so wurde unser wiedersehen eher ein Zusammenprall als ein freudige Begegnung.

Um der Verkehrshölle zu entfliehen beschlossen wir, das ausstehende Gespräch über unsere gemeinsame oder auch nicht gemeinsame Zukunft zu vertagen und uns erst einmal einen ruhigen Platz zu suchen. Das war jedoch leichter gesagt als getan, denn die Hauptstraße verlief weiterhin im Canyon, ohne dass es dazu eine sinnvolle Alternative gab. Nach zehn Kilometern erreichten wir Prijepolje, was uns jedoch auch nicht weiter half, denn sie Stadt wirkte sogar noch grässlicher als die Hauptstraße selbst. Also wanderten wir weiter und weiter. Paulina ließ sich immer wieder zurück fallen. Zum Teil, weil sie erschöpft war, da dieser Tag der bislang längste Wandertag auf ihrer hiesigen Reise wurde, zum Teil aber auch, weil sie noch immer in der Wolke der schlechten Laune feststeckte, den die Schminkgeschichte ausgelöst hatte. Dies wiederum führte noch einmal zu einer Steigerung der schlechten Laune, da wir gerne so schnell wie möglich aus der Lärmhölle verschwinden wollten, aber immer wieder gezwungen waren, an der Hauptstraße auf Paulina zu warten. Gleichzeitig zog sich der Himmel immer weiter zu und hinter den Bergen begann es bereits zu donnern. Nicht mehr lange und es brach ein heftiges Gewitter über uns herein. Wir konnten es uns also nicht leisten großartig zu trödeln und Heiko und ich konnten nicht verstehen, wieso das Gewittergrummeln in Paulina keine Absicht auslöste. Natürlich konnten wir nachvollziehen, dass sie erschöpft war, uns ging es ja nicht viel anders. Aber auch wenn man körperlich ausgepowert war musste man doch trotzdem erkennen, dass eine Gefahr auf uns zukam der wir entgehen sollten. Wenn uns das Gewitter erreichte, bevor wir unsere Zelte aufgebaut hatten, dann käme zur Erschöpfung noch vollkommenes Durchnässtsein und Frieren hinzu, was die Situation sicher nicht besser machte.

Kurz: Die Situation war alles andere als Ideal. Um vielleicht doch noch das Beste daraus zu machen fragten wir einen Jungen, der auf einem LKW voller Melonen saß, ob er uns nicht eine abgeben würde. Bis Paulina kam, dauerte es eh noch und da konnten wir die Zeit auch sinnvoll nutzen. Der Junge sprach Englisch und erklärte uns, dass er leider nicht der Chef sei, weshalb er uns nichts geben konnte, obwohl er es gerne getan hätte. Wenn die Kasse am Ende nicht stimmte, dann wurde ihm die Differenz vom Gehalt abgezogen und er bekam so schon nur 8€ am Tag. Als wir das erfuhren hätten wir ihm am liebsten selbst irgendetwas angeboten. Wie hielt er das nur aus, den ganzen Tag an dieser ekelhaften Straße im Lärm und in den Abgasen zu sitzen, hin und wieder eine Melone zu verkaufen und am Ende gerade einmal 8€ für den ganzen Tag zu bekommen. Allein die Zigaretten, die er gemeinsam mit seinem Kumpel rauchte, um den Tag irgendwie zu überstehen, mussten schon mehr kosten, als er überhaupt verdiente. Noch mehr Achtung hatten wir jedoch vor dem Kumpel, der seine Freizeit freiwillig in dem Laster verbrachte ohne etwas dafür zu bekommen, nur weil er seinem Freund Gesellschaft leisten wollte. Als Paulina kam verabschiedeten wir uns, wobei ich gerade noch die Frage einwarf, wie lange wir der Straße noch folgen mussten, um nach Jabuka zu gelangen. Fast hätte ich gar nichts gesagt, weil ich sicher war, dass es noch einige Kilometer sein mussten, doch zu meiner Überraschung meinte der Junge, dass wir schon direkt an der Kreuzung standen. Ohne ihn wären wir also auch noch einen gewaltigen Umweg gelaufen.

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Auch nach der Abzweigung wurde die Verkehrslage nicht viel angenehmer. Dafür ging es nun aber auch noch steil bergauf.

„Wartet mal!“ rief Paulina von hinten, „Ich gehe zurück! Ich habe mich dafür entschieden, nicht weiter mit euch mitzugehen!“

„Moment!“ sagte Heiko überrascht und irritiert von dieser Aussage. „Was ist denn eigentlich los?“

„Ich pack das nicht und habe auch keinen Bock mehr! Ich habe mich wirklich auf unser Wiedersehen gefreut und dann werde ich gleich als erstes blöd angemacht, dass die Stimmung gleich wieder im Keller ist. Ich finde das unmöglich! So kann man einfach nicht zusammenleben! Außerdem rennen wir jetzt die ganze Zeit hier herum, ich bin vollkommen kaputt und will einfach nicht mehr laufen! Ich habe keine Ahnung wie weit ihr noch gehen wollt und wohin uns das alles führt. Aber dieser Berg hier ist nichts mehr für mich! Ich gehe zurück nach Prijepolje und suche mir da ein Hotel!“

Für einen Moment sah es so aus, als wäre die gemeinsame Zeit mit Paulina damit wirklich beendet. Einen Augenblick lang waren wir soweit, ihren Wunsch einfach abzusegnen und ohne sie unsere Wege zu gehen. Doch dann fiel uns auf, dass an der ganzen Situation wieder etwas nicht passte. Sie hatte sich nicht dafür entschieden umzudrehen, weil sie dies für eine gute Idee hielt, sondern weil es eine Trotzreaktion auf die Anstrengung und die brodelnde Stimmung war. Es war keine Herzensentscheidung sondern eine Wutentscheidung, eine Kurzschlussreaktion, die sowohl sie als auch wir wahrscheinlich bereuen würden, wenn wir sie einfach so mitten auf der Straße über´s Knie brachen. Also beschlossen wir, die Sache noch einmal zu bereden und in ruhe zu überdenken. Wir hatten gehofft, dass wir das an einem ruhigeren und friedlicheren Ort und ohne drohenden Gewittersturm im Rücken machen konnten, doch offensichtlich war das so nicht vorgesehen. Heiko erklärte Paulina, warum er sich gleich bei der ersten Begegnung so aufgeregt hatte. Es war nicht geschehen, weil er sie nicht mochte, sie nicht da haben wollte oder weil es seine Absicht war, sie zu verletzen oder runter zu machen. Er hatte so reagiert, weil er sie mochte, weil sie ihm wichtig war und weil er Angst um sie hatte, wenn sie das Risiko einer Vergewaltigung durch unüberlegtes Handeln künstlich in die Höhe steigen ließ. Es war natürlich nicht hilfreich gewesen, sie deshalb anzumaulen aber die gesamte Situation mit der Lautstärke hatte ihn bereits zuvor so sehr gereizt, dass nur noch ein kleiner Auslöser nötig war, damit er in Resonanz ging. Eine ganze Weile war sich Paulina unsicher, dann aber sah sie es ebenso, dass sie nicht mit frohem Herzen sondern aus Wut und Trotz gegangen wäre. Wir beschlossen, den ungemütlichen Platz auf der Straße zu verlassen und uns irgendwo in der Nähe einen Zeltplatz zu suchen. Rund eineinhalb Kilometer weiter kamen wir in ein kleines Dorf, an dessen Ende uns eine Familie erlaubte, auf ihrer Obstwiese zu zelten. Die Tochter erzählte uns, dass sie Journalistin bei einem kleinen regionalen Fernsehsender in Prijepolje war und bat uns um ein kurzes Interview. Dafür wurden wir auf ein reichhaltiges und gutes Abendessen eingeladen und bekamen sogar noch einige Paar Socken vom Cousin der Journalistin geschenkt. Spannend war, dass es sich bei dem Fernsehsender um einen Frauenrechtssender handelte, der es sich zur Hauptaufgabe gemacht hatte, die Position der Frauen in Serbien etwas mehr zu stärken. Sicher ist es auch wieder kein Zufall, dass uns ausgerechnet heute eine Frau begegnet, die etwas gegen die Bevormundung und Unterdrückung der Frauen in Serbien unternehmen will.

Spruch des Tages: Die Herde ist wieder zusammen

Höhenmeter: 710 m

Tagesetappe: 46 km

Gesamtstrecke: 11.517,27 km

Wetter: Regen, Sonne, Nebel, Wind, Hagel, Sturm: Die ganze Palette. Abends heftiger Dauerregen

Etappenziel: Zeltplatz auf einem Feld, kurz vor Leskovik, Albanien

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