Zunehmende Armut in Deutschland

///Zunehmende Armut in Deutschland

Zunehmende Armut in Deutschland

Zunehmende Armut in Deutschland

Gerade wenn wir bei unserer Wanderung immer mal wieder daran denken, was wir in den gleichen Gegenden vor sechs Jahren erlebt haben, dann fällt uns eine Sache immer deutlicher auf. Es scheint in Europa, speziell aber bei uns in Deutschland eine generelle Verarmung eingetreten zu sein. Die Armut in Deutschland ist jedoch keine Armut im Sinne von „Die Menschen haben kein Geld mehr!“. Rein finanziell gesehen hat sich nicht allzu viel verändert. Klar, die Zahl der Menschen, die am Existenzminimum lebt, ist gestiegen. Daher kommt einem heute vieles deutlich verwahrloster und heruntergekommener vor, als noch vor ein paar Jahren. Aber noch immer sieht man jede Menge teure Autos auf den Straßen und teilweise sogar drei oder vier davon vor einem Haus. Auch gibt es nahezu niemanden, der nicht mit einem teuren Smartphone und einem noch teureren Handyvertrag durch die Gegend läuft.

Massenwohnbunker wie diese werden nun überwiegend von Flüchtlingen bewohnt

Massenwohnbunker wie diese werden nun überwiegend von Flüchtlingen bewohnt

Seelische Armut in Deutschland

Was aber auffällig ist, ist eine gewisse seelische Armut in Deutschland. Selbst, wenn wir noch immer das gleiche Geld zur Verfügung haben, wie früher, so haben wir doch das Gefühl, dass es nun weniger Wert ist. Wir fühlen uns ärmer. Und so, wie man sagt, man sei immer so alt, wie man sich fühlt, ist man definitiv auch stets so arm, wie man sich fühlt.

Jeder ist seines Unglückes Schmied

Und dies wiederum führt dazu, dass wir uns unser Leben auch immer ärmer gestalten. Es ist natürlich eine subjektive Wahrnehmung von uns, aber wir selbst empfinden es sehr stark, dass zum Beispiel Dinge wie Gemütlichkeit, Wohnlichkeit, Lebenskomfort und auch Lebendigkeit immer mehr verschwinden. Viele der Häuser, die wir besuchen, gleichen eher Museen als Wohnhäusern. Selbst wenn die Bewohner wohlhabend sind, fällt es schwer, sich darin auch wirklich wohl zu fühlen. Auf der anderen Seite fällt uns immer mehr auf, wie sehr das Dorfleben verloren geht. Wo früher noch ein gemütliches Ortszentrum mit Bäcker, Schlachter, Café, Post und Minimarkt war, gibt es nun lauter leere Schaufenster mit „Zu verkaufen“ schildern darin und Graffiti daran. Die Innenstädte kleinerer Orte sterben also aus. Und zur gleichen Zeit werden die der großen immer voller und dadurch auch lauter, aggressiver und unangenehmer.

Versteckt hinter Planen befinden sich auch bei uns kleine Slums

Versteckt hinter Planen befinden sich auch bei uns kleine Slums

Wo ist all die Freude hin?

Lächelnde oder auch nur neutral dreinblickende Menschen zu finden, ist fast schon eine Kunst geworden. Es ist ein Suchspiel, für das man viel Geduld und wachsame Augen braucht. Manchmal kommt man sich wirklich ein bisschen wie bei Momo vor, wo die „grauen Herren“ die Zeit klauen, sodass jeder immer mehr im Stress lebt und in eine Art lethargische Gleichgültigkeit verfällt. Wenn ich bedenke, wie viele Menschen vor sechs Jahren vollkommen aus dem Häuschen waren, vor Begeisterung darüber, dass wir vorhatten bis nach Santiago zu wandern, kann man kaum glauben, dass es das gleiche Land war. Heute bringen die meisten nicht mal mehr ein Zucken der Mundwinkel zustande, wenn man erzählt, dass man bereits seit 6 Jahren über den ganzen Kontinent wandert.

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Sinkende Hilfsbereitschaft als Folge zunehmender Armut

Und dementsprechend niedrig ist auch die Hilfsbereitschaft. Nicht falsch verstehen! Wir kommen noch immer super zurecht und wir stoßen noch immer täglich auf wahre Schätze von Menschen, die uns den Tag erhellen und uns ganz wunderbar unterstützen. Aber sie werden weniger. Oder zumindest wird es schwieriger, sie zu finden. Früher reichte es, irgendwo hinzuwandern und die Menschen auf der Straße anzusprechen. Wenn sie sich dann länger als 2 Minuten mit einem unterhalten haben, wusste man, dass man auf jeden Fall einen Schlafplatz bekommen würde. Heute reicht es teilweise kaum noch aus, vier oder fünf Tage im Voraus anzurufen.

Container als Wohnraum sieht man auch in Deutschland immer häufiger

Container als Wohnraum sieht man auch in Deutschland immer häufiger

Wir verschenken nicht einmal einen Internetzugang

Insgesamt erscheint es, als würde es uns immer schwerer fallen, etwas zu teilen oder anderen zu helfen. Warum? Weil wir Angst davor haben, ausgenutzt zu werden oder selbst zu kurz zu kommen. Selbst bei Dingen, bei denen wir gar nichts verlieren, wenn wir sie teilen. Wie dem Internet. Heute beispielsweise haben wir beim Nachbarhaus gefragt, ob wir das W-LAN mit benutzen dürfen, um mit unseren Programmierern in Kontakt zu bleiben. Aber unsere Bitte wurde verneint, mit der Aussage, es täte einem sehr leid, aber man fühle sich nicht wohl bei dem Gedanken, dass jemand fremdes das eigene Internet mitbenutzt.

Armut ist eine Erfindung unserer Zivilisation

Dies sind dann doch immer wieder Momente, die einen traurig machen. Vor allem, wenn man bedenkt, dass wir auf dieser Welt nicht einmal einen Funken Armut oder Mangel hätten, wenn wir einander unterstützen würden, anstatt uns zu misstrauen und uns gegenseitig wegzustoßen! Ihr glaubt das nicht? Dann überlegt euch einmal folgendes: Würden wir das gesamte Geld, das zurzeit auf diesem Planeten existiert genau gleich unter allen Menschen aufteilen, dann hätte jeder von uns ungefähr eine Million Euro! So leben aber rund die Hälfte aller Menschen an der Armutsgrenze.

Ohne die Lebensmittelverschwendung wie hier im Falle der Tomaten, gäbe es keinen Hunger auf der Erde.

Ohne die Lebensmittelverschwendung wie hier im Falle der Tomaten, gäbe es keinen Hunger auf der Erde.

Und noch etwas: Würden wir unsere Lebensmittel, die wir anbauen, voll verwerten, anstatt rund 70 % davon auf dem Weg vom Feld zum Endverbraucher wegzuwerfen, könnten wir gut 21 Milliarden Menschen verpflegen, ohne auch nur ein Gramm mehr anzubauen. Es gibt also faktisch keinen Mangel auf diesem Planeten, außer eben den, den wir selbst erzeugen. Ich weiß, das ist jetzt etwas plump in den Raum gesagt, aber lasst den Gedanken einfach mal auf euch wirken.

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Spruch des Tages: Man ist immer so arm, wie man sich fühlt

Höhenmeter: 120 m / 140 m / 120 m / 60 m

Tagesetappen: 13 km / 14 km / 20 km / 12 km

1. Etappenziel: Pfarrheim, Bruchmühlbach-Miesau, Deutschland

2. Etappenziel: Leerstehende Pfarrwohnung, Homburg, Deutschland

3. Etappenziel: Leerstehende Pfarrwohnung, St. Ingbert, Deutschland

4. Etappenziel: Pfarrheim, Saarbrücken, Deutschland

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Heiko Gärtner und Franz von Bujor sind ausgebildete Survivalexperten und Extremjournalisten. Seit 2014 wandern sie zu Fuß und ohne Geld um die Welt um auf diese Weise tiefe Einblicke in unsere Gesellschaft mit all ihren Facetten, Kulturen und Systemen zu bekommen. Als Medizinjournalisten sind sie unter anderem Mitglieder des Deutschen Fachjournalisten Verbandes und schreiben neben Artikeln für Blogs, Zeitungen und Magazine auch Sachbücher und Ratgeber. 2013 veröffentlichten sie gemeinsam ein Grundlagenwerk über Antlitzdiagnose mit dem Titel "Krankheiten auf einen Blick erkennen". 2016 folgte ihr zweites Werk "Die natürliche Heilkraft der Bäume". Dabei handelt es sich um ein Lehrbuch, um die Grundlagen der Naturheilung zu erlernen, wie sie seit Jahrtausenden von indigenen Völkern überall auf der Welt angewendet werden. Heiko Gärtner ist zudem gelernter Natur- und Landschaftspfleger, Wildnislehrer, Hochseilgartentrainer sowie Berg- und Höhlenretter. Nach seiner Ausbildung zum Versicherungsfachwirt leitete er unter anderem Motivation und Verkaufstrainings und übernahm später eine eigene Generalagentur. Aus dieser Zeit konnte er unter anderem auch ein umfangreiches Verständnis und Wissen aus den Bereichen Versicherungsrecht, Recht im Allgemeinen, Buchhaltung, Wirtschaftsmathematik und Unternehmensführung mitnehmen. Um mehr seinem Herzensweg zu folgen, gab er seine Büro-Karriere schließlich auf, um sich zum Survivalexperten, Nationalparkranger und Wildnismentor ausbilden zu lassen. In diesem Rahmen besuchte er unter anderem Naturvölker in Neuseeland, Kanada, den USA und Thailand. Dabei gründete er unter anderem seine eigene Wildnisschule, die bis heute besteht und Ausbildungen aus dem gesamten Wildnissektor anbietet. Franz von Bujor ist studierter Kultur- und Sozialpädagoge, sowie ausgebildeter Wildnislehrer, Mediator und Erlebnispädagoge. Auf seinen vielzähligen Reisen unter anderem nach Australien und Lateinamerika sammelte er Expertenwissen im Bereich alternatives Leben und Reisen, Minimalismus, Backpacking und Work and Travel, sowie allgemein im Bereich Kunst, Kultur, Religion und Geschichte. Seit 2016 lebt er als Wandermönch.

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