Tag 837: Auswandern nach Griechenland

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Tag 837: Auswandern nach Griechenland

Tag 837: Auswandern nach Griechenland

02.04.2016

Von unserer Ärztepraxis aus wanderten wir heute rund 12km durch die Berge. Die meiste Zeit ging es bergab und wir befanden uns oben auf einem Kamm, von dem aus man links und rechts ins tal hinabblicken konnte. Wir waren umgeben von Kiefernwäldern, die ein heimeliges, vertrautes Gefühl verbreiteten. Ich kann nicht sagen warum, aber diese großen Bäume geben doch immer noch einmal ein ganz eigenes Gefühl. Die Kiefern waren voll von weißlichen Kokons, die aussahen wie riesige Spinnenweben, die man zu einer art Zuckerwattebüschel zusammengedreht hatte. Es waren die Nester der Kiefernprozessionsspinner. Die Raupen hatten sich gerade schon auf den Weg gemacht und endlose Prozessionen wanderten über die Straße. Obwohl es hier nahezu keinen Verkehr gab, waren einige der Prozessionen trotzdem zu Leichnamsprozessionen geworden, die nun zermatscht am Asphalt klebten.

Die beeindruckendste Begegnung hatten wir jedoch gleich in der Früh, als uns an einer Mauer am Ortsausgang gleich vier Fichtenkreuzschnäbel begegneten. Für mich war es das erste Mal, dass ich diese Vögel zu Gesicht bekommen hatte. Heiko hatte sie zuvor schon zwei Mal in ausgestopfter Form gesehen. Ansonsten war es auch für ihn eine Prämiere.
Was die Schlaplätze anbelang ist Griechenland jeden Tag aufs neue wieder ein wahres Überraschungspaket. Man weiß hier einfach nie was man bekommt. Heute traf ich in einem kleinen Ort zufällig eine Frau, die mir von einer älteren Damer erzählte, die aus Deutschland stammte und vor vierzig Jahren hier her ausgewandert war. Sie lebte gemeinsam mit ihrem Mann und einem ihrer Söhne draußen vor dem Ort und lud uns zum Quatschen, Essen und Übernachten ein. Am Mittag erzählte sie uns die spannende Geschichte, wie sie hier in diesem kleinen Ort gelandet war. Ursprünglich stammte sie aus Dresden, war dann aber mit ihren Eltern aus der DDR nach Mönchengladbach geflohen. Dort hatte sie ihren späteren Mann kennengelernt, der aus diesem Ort in Griechenland stammte. Zunächst war für sie klar gewesen, dass sie in Deutschland bleiben würde, doch nach einiger Zeit ließ sie sich überreden, ein Sommerhaus im Ort ihrer Schwiegereltern zu bauen.

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Damals gab es in diesem Ort weder Strom noch Wasser und das Grundstück war eine abhängende Schafswiese mit Stallungen gewesen. Es mussten erst vier Meter Erde abgetragen werden, um eine gerade Ebene für ein Haus und einen Hof zu erschaffen. Für uns war die Umstellung auf die unterschiedlichen Kulturen in den einzelnen Ländern jedes mal eine Herausforderung und ein kleiner Kulturschock. Doch für sie prallten Damals zwei vollkommen unterschiedliche Welten aufeinander. Es gab zwar ein Badezimmer, aber keine Toilette darin und die Badewanne war nicht mehr als ein flaches Zinkbecken in dem sich ein Schluck Wasser sammeln konnte. Um Wäsche zu waschen musste sie das Wasser vom Ort herbringen, in einem Kupfertrog, der alleine schon so schwer war, das man ihn kaum tragen konnte. Doch mit der Zeit bekam alles irgendwie seinen Fluss. Durch die nötige Offenheit gelang es ihr, die neuen Situationen anzunehmen und durch ihre Hartnäckigkeit und Bestimmtheit schaffte sie es, andere Dinge so zu verändern, dass sie wieder für sie funktionierten. So wurde aus dem Trampelpfad, der zur Schafswiese führte eine Straße zu ihrem Hof. Es wurde eine Strom- und Wasserversorgung installiert und nach und nach kamen auch sanitäre Einrichtungen und ähnlicher Luxus hinzu.

Spruch des Tages: Man gewöhnt sich an alles

Höhenmeter: 40 m
Tagesetappe: 11 km
Gesamtstrecke: 14.816,27 km
Wetter: sonnig
Etappenziel: Umkleidekabine des Fußballplatzes, 59200 Marina, Griechenland

Bewertungen:

 
2019-07-08T11:41:39+00:00 Griechenland, Tagesberichte|

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