Tag 621: Bereit für eine neue Liebe?

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Tag 621: Bereit für eine neue Liebe?

Tag 621: Bereit für eine neue Liebe?

 Fortsetzung von Tag 620:

Die Fragen pulsierten durch meine Gehirnwindungen wie ein Presslufthammer, der auf der Straße tanzte, wenn ihn der Bauarbeiter führte. Ich flog zu Hans und fragte ihn: „Was war es für ein Gefühl, als du gehen musstest?“

„Weißt du Heiko“, sagte er traurig, „ich habe mich nicht gut genug gefühlt. Ich dachte, ich kann nichts und ich kann der Familie nichts bringen und deswegen muss ich gehen.“

Genau das gleiche fühlt nun auch Paulina. Die Frage ist nur wie will ich damit umgehen? Ich erwiderte zu Hans: „Heißt das, du hattest das Gefühl, dass du nichts wert warst?“

„Nein, das nicht. Aber so ähnlich. Ich glaubte, das ich durch meine Behinderung ein Außenseiter sei und ich deswegen keine Liebe verdient hätte.“

Nur zu oft hatte ich dieses Gefühl in meinem Leben und nun bekomme ich das gleiche Thema noch einmal durch Paulina gespiegelt. Sie ist so eine wunderbare und spezielle Person, dass man sie nicht in eine Schublade schieben kann. Sie ist ein Paradiesvogel der Menschen zum strahlen bringen kann. Die Frage ist nur, wie kann sie ihr Talent einsetzen um zu wirken und nicht nur um sich vom wahren Sein abzulenken?

Anscheinend war ich mit Hans doch tiefer verbunden als ich glaubte. Wenn ich aber nun bedenke, dass ich zur Heilung fast 30 Jahre gebraucht habe, wie will ich dann auf Paulina warten? Und doch sagt mir die Schöpfung glasklar über die Muskeltests, dass sie mein Bestimmungspartner ist. So haben wir im Verstand schon lange die Flinte ins Korn geworfen. Doch wenn wir unser Herz und unsere Seele testen haben wir stets vollen Muskelausschlag. Das heißt, sie ist ein Bestimmungsmitglied. Wenn sie dies wirklich ist, wird die Schöpfung uns einen Lösungsweg aufzeigen. Die Frage ist nur ob ihn Paulina auch begehen will. So fühlte auch ich mich oft als Außenseiter weil ich einfach anders war. Ich wollte keinen Alkohol trinken, da ich bewusst bleiben wollte, ich war der Mensch der fühlen wollte, der sich schon immer zu Shaolin hingezogen fühlte und am liebsten mit Indianern und anderen Stämmen gelebt hätte. Mich hat das Forschen, das Weltenwandeln interessiert. Ich war einfach kein normaler Jugendlicher und Paulina ist genauso. Sie trägt diese Wünsche schon immer in sich, kann sich aber selbst nicht glauben, dass sie diese Person sein darf. So habe ich mich, als ich etwa 15 war, mit parapsychologischen Phänomenen befasst. Ich wollte wissen, ob das, was ich damals als kleines Kind im Alter von Hans gesehen hatte, auch wirklich da war oder ob mir nur mein Verstand einen Streich gespielt hat. Und glaubt mir ich las wirklich ungern. In diesem Alter durfte mir in der Regel wegen meiner Rechtschreibschwäche nicht mal ein Buch in die Nähe kommen, aber diese Berichte und Bücher saugte ich in mich auf. Natürlich zumeist versteckt und heimlich aber nicht immer. Anscheinend wollte ich mir beweisen, dass ich nicht vollkommen verrückt war. Wenn ich damals schon gewusst hätte, dass mein geistiger Gesprächspartner kein Fremder gewesen ist sondern Hans, hätte ich wahrscheinlich ganz anders reagiert. Aber warum war es mir so wichtig zu beweisen, dass ich normal war? Was bedeutete es denn, normal zu sein? Ein Mensch, der in der Norm der Gesellschaft lebt. Wollte ich das überhaupt oder wollte ich ein Forscher, Entdecker, ein Lebensphilosoph und Heiler sein?

Klar wusste ich schon mit sechs Jahren, dass ich ein unkonventionelles Leben führen will und trotzdem lehnte ich mich auf Grund der Angst ab, nicht geliebt zu werden. Kann es sein, das ich Angst davor hatte, wie Hans in seiner Weltsicht abgeschoben zu werden, wenn ich meine Verrücktheit lebte so wie er?

‚Du bist anders als die anderen! Du kommst nun in ein Konzentrationslager oder in eine Psychiatrie, wo du verhungern musst.’

Kann es sein, dass ich mich deswegen schon vorher für den Hungertod entscheiden wollte, da ich keinen Ausweg aus dieser Misere gesehen habe? Natürlich ist dies alles nicht rational erklärbar und doch ist dies alles passiert.

Nach meinen Fragen damals an Hans war ich noch verwirrter als zuvor. Er will seinen Platz in der Familie haben. Ich hob mit dem Mäusebussard erneut ab und wir segelten in Richtung Himmel. Wie mit langen Spinnenwebfäden zog ich nun an den festgesetzte Positionen der Menschen und brachte sie in ein formgerechtes Familiensystem. Die Eltern standen zu sich gewandt und blickten auf alle ihre Kinder. Hans war glücklich, da er bei seinen Brüdern und Schwestern stehen durfte. Aber welche Angst begleitete die zwei Brüder, die nicht mehr über Hans sprechen wollten? Kann es sein, dass sie Schuld in sich spürten oder doch eher selbst die Angst in sich trugen, ebenfalls in diese Psychiatrie zu müssen? Ich weiß es nicht. Doch Hans war glücklich und dies war für mich damals in den Bergen das wichtigste. Die Ahnen reihten sich hinter den Eltern von Hans ein. Aber auch die Kinder und die Kindeskinder der Geschwister reihten sich in einer oder zwei Linien vor ihnen ein. Es war harmonisch und friedlich. Es war ein Bild, so wie man sich ein intaktes System vorstellt. Erst jetzt begriff ich, dass man nicht einfach ein Kind zeugen und dann davor flüchten oder es an eine andere Familie abgeben kann. Es wird einem immer das Familiensystem in seinen Bann ziehen und Gerechtigkeit fordern. Das Gesetz der Natur der Familiensystematik erscheint, als wäre es in diesem Bereich unumstößlich. Als ich mit meinem segelnden Krafttier nach unten geleitete, fragte ich Hans, was ich noch tun könne, dass er wieder zu seiner Seele zurückkehren kann. Seine Worte waren so einfach wie bezeichnend: „Heiko, wenn meine Ahnen und meine Familie sich im Kreis aufstellen könnten und sich mit den Händen fest verbinden, kann meine Seele ihren Frieden finden und wieder eins werden.“

Ich nickte und bat, dass sich alle in einem Kreis aufstellten. Ich holte Bob den Baumeister, der ein wichtiger Helfer in meiner Arbeit ist. Warum er gerade Bob heißen muss und der Baumeister aus einer Kinderserie ist, liegt wohl daran, dass mein Dodem, also das Tier das mich durchs Leben führt und mir hilft ins Sein zu kommen, ein Kojote ist. Seine größte Stärke ist, dass er mit vielen Tricks und mit Humor heilt und dass man seine Wege nie ganz nachvollziehen kann. Und wer wenn nicht Bob der Baumeister ist ein lustiger Helfer, der alle Probleme wieder kitten kann? Bob legte eine Energiekordel um den Kreis und Hans stand in der Mitte. Klares weißes Licht floss durch die Energieschnur. Alle stimmten mit ein und sagten Danke an Hans, dafür, dass er das Sein jedes einzelnen bereichert hatte. Wie das Netz einer Spinne legte sich eine Kuppel aus weißen, glitzernden Fäden um die Köpfe der Personen. Plötzlich entstand in der Mitte der Kuppel eine kleine goldene Kugel. Sie zitterte, flog ein Stück nach oben und zog Hans in sich hinein. Nachdem der verlorene Sohn in ihr war, brach sie auf und eine weise Taube flatterte auf und flog in den Himmel, mitten in ein lebendiges, weißes Licht. Es war ein Bild das mich so sehr berührte, dass ich mich fallen lassen konnte und eine Erleichterung spürte, die ich nur wenigen Menschen beschreiben kann. Damals in den Bergen arbeitete mein Darm auf Hochtouren wie auch nach diesem Ritual. So versuchte ich auch dieses Mal die erlebten Gedanken und Gefühle zu verarbeiten und loszulassen. Da ja der Darm die Zentrale der Gefühlsverarbeitung ist, kann ich sehr gut verstehen, warum er gerade versucht so viel loszuwerden. Als ich an dem damaligen Abend nachschaute, was die weiße Taube für eine spirituelle Bedeutung hat konnte ich es kaum glauben.

„Eine ungewöhnliche Begegnung mit einer Taube sagt dir, dass du nun bereit bist, eine bestehende Liebe zu einer Person zu vertiefen. Du bist nun bereit um bedingungslos und frei zu lieben. So wie die weiße Taube den Zweig des Friedens im Schnabel hält, so sagt sie dir auch, dass nun aufgrund der Lösungsprozesse, die friedliche Liebe in dein Leben ziehen kann. Wenige Monde zuvor hatte ich Paulina auf dem Jakobsweg für wenige Sekunden in einer Bar kennengelernt. Wir fragten nach einem Wasser und da war sie.

„Hallo!“

Das war schon fast alles. Ich wusste nur das sie Paulina hieß, aus Nürnberg war und eine hellbraune Holzmuschel von ihrem Vater mit auf dem Weg bekam. Da wir noch keinen Schlafplatz hatten, mussten wir weiter. Ich war hin- und hergerissen.

Spreche ich sie an?

Mein Gesundheitsich sagte leise: „Bist du denn mit deinen Ohrgeräuschen überhaupt bereit für eine neue Liebe?“

Mein Verstand konterte: „Nein, wir brauchen Ruhe um gesund zu werden!“

Also gingen wir weiter, zum einen weil mein Verstand nein gesagt hat und zum anderen weil wir noch keinen Schlafplatz hatten und zeitlich schon sehr spät dran waren.

Mit jedem Schritt dachte ich mir: „Verdammt, hättest du sie doch nach einer Kontaktmöglichkeit fragen sollen?“

Klar waren wir in Portugal, irgendwo im Nirgendwo und doch konnte man sich in der modernen Welt via Skype und Facebook so leicht wie noch nie verständigen.

„Ok Heiko, wenn wir in den nächsten vier Kilometern einen Schlafplatz finden, dann gehen wir noch mal zurück und besuchen sie in der Herberge.“

Doch es kam wie es kommen musste. Erst nach 12 Kilometer fanden wir neben einem Bahngleis einen Zeltplatz der uns als einziger halbwegs zusagte und nicht vollkommen annervte weil der Ort so laut war. Als ich meine Bilder bearbeitete dachte ich an Paulina. Hätte ich sie doch ansprechen sollen?

Schlaubi-Ich fiel mir ins Wort: „Hallo Meister, es ist doch eine Frau wie jede andere auch. Was willst du denn von ihr? Du bist auf Weltreise und sie arbeitet in Nürnberg und ist für ein paar Tage auf dem Jakobsweg?“

Mein Herz antwortete: „Klar, das weiß ich und doch spüre ich einen Magnetismus den ich nicht beschreiben kann!“

 

Spruch des Tages: Wann sind wir wirklich bereit, eine Herzensbeziehung einzugehen?

Höhenmeter: 290 m

Tagesetappe: 15 km

Gesamtstrecke: 10.925,27 km

Wetter: bewölkt und trübe, nachts sternenklar

Etappenziel: Zeltplatz im Wald, in der Nähe von Bublje, Kosovo

Hier könnt ihr unser und unser Projekt unterstützen. Vielen Dank an alle Helfer!

Bewertungen:

 
Heiko Gärtner und Franz von Bujor sind ausgebildete Survivalexperten und Extremjournalisten. Seit 2014 wandern sie zu Fuß und ohne Geld um die Welt um auf diese Weise tiefe Einblicke in unsere Gesellschaft mit all ihren Facetten, Kulturen und Systemen zu bekommen. Als Medizinjournalisten sind sie unter anderem Mitglieder des Deutschen Fachjournalisten Verbandes und schreiben neben Artikeln für Blogs, Zeitungen und Magazine auch Sachbücher und Ratgeber. 2013 veröffentlichten sie gemeinsam ein Grundlagenwerk über Antlitzdiagnose mit dem Titel "Krankheiten auf einen Blick erkennen". 2016 folgte ihr zweites Werk "Die natürliche Heilkraft der Bäume". Dabei handelt es sich um ein Lehrbuch, um die Grundlagen der Naturheilung zu erlernen, wie sie seit Jahrtausenden von indigenen Völkern überall auf der Welt angewendet werden. Heiko Gärtner ist zudem gelernter Natur- und Landschaftspfleger, Wildnislehrer, Hochseilgartentrainer sowie Berg- und Höhlenretter. Nach seiner Ausbildung zum Versicherungsfachwirt leitete er unter anderem Motivation und Verkaufstrainings und übernahm später eine eigene Generalagentur. Aus dieser Zeit konnte er unter anderem auch ein umfangreiches Verständnis und Wissen aus den Bereichen Versicherungsrecht, Recht im Allgemeinen, Buchhaltung, Wirtschaftsmathematik und Unternehmensführung mitnehmen. Um mehr seinem Herzensweg zu folgen, gab er seine Büro-Karriere schließlich auf, um sich zum Survivalexperten, Nationalparkranger und Wildnismentor ausbilden zu lassen. In diesem Rahmen besuchte er unter anderem Naturvölker in Neuseeland, Kanada, den USA und Thailand. Dabei gründete er unter anderem seine eigene Wildnisschule, die bis heute besteht und Ausbildungen aus dem gesamten Wildnissektor anbietet. Franz von Bujor ist studierter Kultur- und Sozialpädagoge, sowie ausgebildeter Wildnislehrer, Mediator und Erlebnispädagoge. Auf seinen vielzähligen Reisen unter anderem nach Australien und Lateinamerika sammelte er Expertenwissen im Bereich alternatives Leben und Reisen, Minimalismus, Backpacking und Work and Travel, sowie allgemein im Bereich Kunst, Kultur, Religion und Geschichte. Seit 2016 lebt er als Wandermönch.

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