Ist der Fernpass mit dem Fahrrad auch im Winter passierbar?

Was ist der Fernpass?

Der Fernpass verbindet das Inntal mit der Zugspitz-Region und stellt somit die letzte große Hürde dar, wenn man die Alpen von Süden nach Norden überqueren will. Mit dem Auto gibt es hier die Fernpassstraße, die normalerweise gut geräumt aber auch ebenso gut befahren ist. Lediglich bei starkem Schneefall, kann es sein, dass sie auch für Autofahrer gesperrt wird. Aber wie sieht es mit der Passüberquerung mit dem Fahrrad oder zu Fuß aus?

Passüberquerung zu Fuß oder mit dem Fahrrad

Fußgänger und Radfahrer können den Fernpass hingegen normalerweise auf dem Fernpassradweg überqueren. Dieser wird im Winter jedoch leider überhaupt nicht geräumt. Nicht einmal in bisschen, nicht die Bohne. Gar nicht! Wir selbst empfanden dies als sehr schade, denn gerade im Winter lohnt sich eine Passbegehung eigentlich besonders. Zu dieser Jahreszeit ist auf der nahegelegenen Straße deutlich weniger los und es gibt sogar einige Momente, in denen es nahezu ruhig wird. Ein Privileg, das man bei einer Alpenüberquerung entlang der Talstraßen leider nur selten genießen darf.

Den unteren Teil des Fernpasses kann man selbst bei Schnee noch gut mit dem Fahrrad überwinden

Den unteren Teil des Fernpasses kann man selbst bei Schnee noch gut mit dem Fahrrad überwinden

Zum richtigen Zeitpunkt Überquerbar

Wir haben uns aber dennoch nicht abhalten lassen und haben den Fernpassradweg mitsamt unserer Pilgerwagen direkt Anfang Dezember in Angriff genommen. Tatsächlich saß uns der Schneeeinfall dabei schon ordentlich im Rücken, denn auch das deutlich tiefer gelegene Inntal war bereits vollkommen mit einer weißen Schneeschicht überzogen. Sämtliche Einheimische, die wir zur Lage der Situation befragten, waren sich darüber einig: Wenn ihr den Fernpass überwinden wollt, dann noch vor dem Wochenende! Danach wird es unmöglich sein! Allen, die ebenfalls vorhaben, den Fernpass im Winter zu überwinden und die sich die Frage stellen, ob dies möglich ist, können wir daher vorab schon einmal einen Tipp geben: Hört auf die Einheimischen! Die kennen sich aus! Wir selbst haben genau den Tag gewählt, der uns als „letzter gerade noch möglicher Tag beschrieben wurde.“ Und wir können sagen, dass es gerade noch möglich, aber absolut grenzwertig war.

Vorbei am Schloss Schönsteinsee

Am Donnerstag sind wir bereits den ersten Teil von Imst bis Nassereith hinauf gewandert. Dabei mussten wir unsere Pilgerwagen schon fast komplett durch den Schnee ziehen. Dies war aber noch kein Problem, da der Schnee von gelegentlich fahrenden Autos vollkommen platt gedrückt worden war. Es war teilweise etwas glatt, weswegen wir uns hin und wieder so etwas wie Leki Skistöcke zur Sicherheit gewünscht hätten. Mindestens einmal hätten sie mich sicher vor einer äußerst unangenehmen Landung auf dem Hintern bewahrt, der ich so nicht entgehen konnte. Ab Nassereith wurde der Anstieg dann immer steiler und mit jedem weiteren Höhenmeter wurde auch der Schnee immer dicker. Wir gelangten bis zum Schloss Fernsteinsee, das als Café, Restaurant und Hotel genutzt wird und direkt am malerischen Fernsteinsee liegt. Weniger malerisch war hingegen die Passstraße, die ebenfalls in der Nähe vorbeiführte und dem ganzen eine eher ungemütliche Geräuschkulisse verlieh.

Wandern im Tiefschnee

Vom Schloss aus kann man entweder in einem Bogen einer steilen Straße nach oben folgen oder aber man nimmt eine noch steilere Treppe und landet direkt an den oberen Burgtürmen. Wir entschieden uns für die zweite Variante und hätten dabei nicht gedacht, dass dies nicht einmal im Ansatz der anstrengendste Teil der Wanderung werden sollte. Doch etwas oberhalb der Burg verengte sich der Weg schließlich, sodass keine Autos mehr darauf entlang fahren konnten. Ab hier gab es nun also nichts mehr, das den Schnee für uns hatte einebnen können.

Oben auf dem Fernpass blieb uns nichts anderes als durch den Tiefschnee zu stapfen

Oben auf dem Fernpass blieb uns nichts anderes, als durch den Tiefschnee zu stapfen

Mit jedem weiteren Meter wurde er zudem höher und bald schon steckten wir mitsamt unteren Pilgerwagen in einem gut eineinhalb Meter tiefen Schneechaos fest. Um uns herum befand sich eine traumhafte Winter-Wunderwelt, mit vollkommen unberührtem Schnee. Hin und wieder sahen wir ein paar Rehspuren und manchmal wurden wir von einem Greifvogel besucht. Einmal begegneten wir sogar einem recht neugierigen Mauswiesel, das sich unsere schweißtreibende Schneedurchwühlung in aller Ruhe von einem Ast aus anschaute. Es fehlte nicht viel und es hätte sicher noch seine Nüsse ausgepackt, um während der kinoreifen Unterhaltung etwas zum Knabbern zu haben.

Tatsächlich konnten wir das kleine Tierchen auch gut verstehen, denn wir müssen wirklich ein vorzügliches Bild abgegeben haben, wie wir hier zu Zweit keuchend und ächzend an einem Pilgerwagen zerrten, der bis zu den Deichseln im Schnee steckte. Für diese letzten zwei Kilometer brauchten wir locker vier Stunden. Dann kamen wir an eine Kreuzung, ab der uns wieder ein Waldarbeiter mit seinem Jeep den Weg vor-geebnet hatte. Von hier aus stießen wir dann aber dennoch auf die Fernpassstraße, um das letzte Stück bis zum Pass auf dem geräumten Asphalt zurückzulegen. Schade, denn die Straße ist hier wirklich kein Genuss.

Auf der Straße über den Pass

Oben auf dem Pass durften wir uns nach all den Strapazen im Restaurant Zugspitzblick bei einem gemischten Grillteller stärken. Dann machten wir uns an den Abstieg, wobei nun leider der gesamte weitere Radweg unter einer dicken Schneeschicht begraben lag, sodass wir bis in die ersten Vororte von Ehrwald an die Hauptstraße gefesselt waren.

Man kann also folgendes über den Fernpass sagen: Zu Fuß und mit dem Rad ist er in der Regel auch im Winter passierbar. Nur kann man hier bei Schnee leider nicht mit einer Nutzbarkeit des Radweges rechnen, sodass die Straße zur einzigen Alternative wird. Daher sind der Spätherbst und der Vorfrühling, also die Zeiten vor dem ersten Schneefall und nach der Schneeschmelze die besten, um den Pass zu überqueren. Denn dann ist der Radweg nutzbar, der Verkehr auf der nahegelegenen Passstraße aber noch nicht so übertrieben stark, wie im Sommer. Wie es uns im Tal oder genauer gesagt in Ehrwald ergangen ist, erfahrt ihr in unserem nächsten Tagesbericht.

 

Greenways auf Korsika – Die besten Rad und Wanderwege der Insel

Wer gerne mit dem Rad oder als Wanderer unterwegs ist und schon einmal einen Greenway ausprobiert hat, der weiß diese zu schätzen und wird auch in neuen Regionen immer versuchen, wieder einen ausfindig zu machen. So erging es uns auch beim Wandern auf Korsika. Denn wir wollten die Insel vom südlichsten Punkt, also von Bonifacio bis in die nördlich gelegene Stadt Bastia durchwandern wollten. Unsere erste Frage lautete also: „Gibt es Greenways auf Korsika?“

Bei der Recherche im Internet fanden wir recht ambivalente und uneindeutige Informationen dazu. Hin und wieder entdeckten wir Erfahrungsberichte, die davon handelten, dass der Wanderer oder Radler auf einem Greenway unterwegs gewesen war. Nur fanden wir keine offiziellen Informationen, keine Karten und keine Wegbeschreibungen. Es blieb uns also nichts anderes übrig, als die Antwort selbst herauszufinden.

Radfahrer und Wanderer unterwegs auf Korsika

Radfahrer und Wanderer unterwegs auf Korsika

Was sind Greenways?

Für diejenigen von euch, die sie noch nicht kennen, vorab ein paar kurze Informationen zum Thema Greenways.

„Greenway“ ist eine international gültige Bezeichnung für besonders gute Radwege, die auch zum Wandern, Skaten und ähnliches verwendet werden können. Teilweise haben wir sogar Reisende gesehen, die mit Segways, Rollern oder Mikroscootern unterwegs waren. Tatsächlich gibt es entlang der Greenways heute nicht nur eine gute Dichte an Fahrradläden und -reparaturwerkstätten, sondern auch Scooter Shops, Skateläden und ähnliches mehr. Denn das Besondere am Greenway ist, dass ein Radweg bestimmte Voraussetzungen erfüllen muss, um sich Greenway nennen zu dürfen.

Wegweiser für einen europäischen Greenway

Wegweiser für einen europäischen Greenway

Dazu zählt unter anderem, dass er überwiegend abseits normaler Verkehrsstraßen verlaufen und einen guten Bodenbelag, wie z.B. Asphalt, Pflastersteine oder wassergebundene Decke haben muss. Besonders viele solcher Wege findet man in Tschechien, aber auch in Österreich, Frankreich, Italien und Großbritannien. In Frankreich heißen sie dann allerdings“Voie Verde“ und in Italien „Camino Verde“, was übersetzt auch nur wieder Greenway, also Grüner Weg bedeutet. Nur hat man es mit dem Englischen in diesen Ländern eben nicht so.

Greenways in Frankreich

Greenways in Frankreich

Was zeichnet einen Greenway aus?

Die meisten Greenways in Europa verlaufen auf ehemaligen Bahntrassen, die stillgelegt wurden. Denn diese bieten schon von Natur aus die meisten Voraussetzungen für einen großartigen Rad- und Wanderweg. Sie verlaufen größtenteils eben oder zumindest flach, sodass sie angenehm zu befahren sind. Besonders in bergigen Regionen bieten sie einen Komfort, der ohne die ehemalige Bahnstruktur für Radfahrer und Wanderer in unserer Gesellschaft nicht denkbar wäre. Sie verlaufen über Talbrücken und durch Tunnel. Wenn sie durch Hügellandschaften führen, dann wurden die Strecken in der Regel durch Böschungen oder Vertiefungen begradigt.

Nur Gut ausgebaute Radwege dürfen sich Greenway nennen

Nur Gut ausgebaute Radwege dürfen sich Greenway nennen

Zudem liegen sie abseits der Straßen, verlaufen dabei aber trotzdem stets auch durch alle wichtigen Punkte einer Region. Der gesamte Untergrund existiert bereits und braucht daher nur noch asphaltiert oder anderweitig befestigt werden. Damit ist die Erstellung eines Radweges auf einer alten Bahntrasse auch noch deutlich günstiger, als sie es normalerweise wäre. Da es zusätzlich für den Ausbau zum Greenway noch Fördergelder der Europäischen Union gibt, fragt man sich manchmal, wieso es überhaupt noch ehemalige Bahntrassen gibt, die nicht zu einem optimalen Fahrradweg ausgebaut wurden.

Kathedrale von Porto Vecchio

Kathedrale von Porto Vecchio

Natürlich ist es nicht überall möglich, den Fahrradweg auf einem solchen Bahnunterbau entlang zu legen, weshalb viele Greenways auch streckenweise auf kleineren und größeren Straßen und Feldwegen verlaufen.

Gibt es Greenways auf Korsika?

Zu unserem großen Bedauern mussten wir leider bereits am ersten Tag feststellen: „Nein! Es gibt sie nicht!“ Es gibt auf der ganzen Insel optimale Voraussetzungen, wie beispielsweise eine stillgelegte Bahnlinie. Diese verläuft auf ganzer Länge entlang der Ostküste, doch es wurde leider nie ein Radwanderweg daraus gemacht. Stattdessen hat man als Wanderer oder Radfahrer in vielen Bereichen keine andere Möglichkeit als die T10, also die große Küstenstraße zu nehmen. Und diese ist leider absolut grauenhaft! Nur um ein Gefühl dafür zu bekommen: Korsika hat ungefähr 300.000 reguläre Einwohner. Theoretisch betrachtet beträgt die Bevölkerungsdichte daher rund 30 Einwohner per Quadratkilometer. Praktisch kommen dann aber noch einmal rund 3 Millionen Menschen hinzu, die ihren Hauptwohnsitz auf dem französischen oder italienischen Festland haben und auf der Insel ein Ferienheim besitzen.

Bergdorf

Bergdorf

Und dann gibt es noch einmal mindestens genauso viele Touristen, die lediglich zum Urlaub Machen nach Korsika fahren oder fliegen und dort in einem der vielen Hotels leben. Wenn man bedenkt, dass die meisten von ihnen per Fähre und damit mit dem eigenen Auto anreisen, während sich die übrigen zu großen Teilen Mietfahrzeuge leisten, um etwas von der Insel zu sehen, dann könnt ihr euch vorstellen, wie es auf den wenigen Straßen zugeht. Denn bei allem darf man nicht vergessen, dass rund 80 % der Insel aus unbegehbaren Gebirgshängen und Steilklippen besteht. Das bedeutet, dass diese unvorstellbare Masse an Menschen nahezu keinen Platz hat, um einander auszuweichen. Und ihr seit nun als Wanderer oder Radfahrer mittendrin…

Der optimale Rad- und Wanderweg im Osten von Korsika

Die gute Nachricht ist, dass es trotz allem eine Möglichkeit gibt, eine Fernwanderung oder eine Radtour über die Insel so zu gestalten, dass man sie genießen und die Schönheit der Natur auf Korsika dennoch bewundern kann. Leider gelingt dies nicht über die gesamte Länge der Insel. Wer wie wir in Bonifacio ankommt und von dort aus weiter nach Norden in Richtung Bastia möchte, der hat auf den ersten 50 km erst einmal einen kleinen Höllentrip vor sich. Hier gibt es schlichtweg keine Alternative, außer sich mit einer Machete mitten durch den Wald zu schlagen.

Blick auf Cervione

Blick auf Cervione

Dabei ist der Abschnitt zwischen Bonifacio und Porto Vecchio leider sogar noch einer der ruhigeren, auch wenn es vielleicht schwerfällt, dies zu glauben. Zwischen Porte Vecchio und Tremo gibt es dann immer mal wieder kurzfristige Ausweichmöglichkeiten, die die Situation aber kaum verbessern. Hier ist einfach so viel Verkehr, dass man ihn nicht abschütteln kann, egal welchen Weg man wählt. Dabei darf man immer mal wieder einen Blick auf die alte Bahntrasse werfen, die so wunderschön eben und oft mit ausreichend Abstand zur Straße verläuft. Leider ist sie vollkommen zugewuchert und nicht einmal im Ansatz zugänglich gemacht. Im Gegenteil, wurde sie sogar immer wieder von Privatpersonen gekauft und mit Häusern zugebaut.

Blick auf Bonifacio

Blick auf Bonifacio

Geeignete Nebenstraßen

Erst zwischen Solenzara und Travo wurde sie dann zu einer kleinen, wenig befahrenen Nebenstraße ausgebaut. Von hier an kann man sie als eine Art Greenway betrachten und sich teils auf der Bahnstraße, teils auf anderen Nebenwegen bis kurz vor Bastia nach Norden schlängeln. Dabei gibt es einige Passagen, an denen man relativ steil den Berg hinauf muss. Doch auch dies lohnt sich, denn man bekommt eine grandiose Aussicht, sowie ein Gefühl für das ursprüngliche Leben auf Korsika dafür.

Blick über Korsika

Blick über Korsika

Hier haben wir euch einmal den genauen Streckenverlauf eingezeichnet, den wir auf unserer Korsika Wanderung genommen haben und der uns auch im Nachhinein als die sinnvollste und angenehmste Variante erscheint.

 
Cycle Route 5438456 - via Bikemap.net - Open Route in Bikemap App
 

Falls ihr Verbesserungsvorschläge für die Route habt, teilt uns diese gerne mit!

Alternativ zum Greenway: Wandern auf dem GR. 20

Wer etwas flexibler unterwegs ist und auch steile, steinige Passagen in Angriff nehmen kann, weil er nur mit dem Rucksack wandert und gut zu Fuß ist, für den bietet sich auch der Gr. 20 an, der mitten durch die Berge im Zentrum der Insel führt. Er besteht größtenteils aus Trampelpfaden und Gebirgswanderwegen und ist deshalb mit dem Rad oder dem Pilgerwagen ungeeignet. Dafür bekommt man hier für die Anstrengung jedoch die schönsten Flecken Korsikas zu sehen.

Der schönste Teil von Korsika

Der schönste Teil von Korsika

Zum Übernachten gibt es immer wieder in den Ortschaften am Wegesrand kleine Wanderherbergen, in denen man zum Teil auch sehr günstig in Gruppenschlafräumen übernachten kann. Wenn man so etwas möchte, natürlich.

Für diejenigen, die mehr über den Gr. 20 wissen wollen, haben wir hier noch einige weitere Informationen zusammengetragen.

Hier findet ihr eine hilfreiche Übersichtskarte für den Gr. 20.

Und hier eine Übersicht über die einzelnen Tagesetappen des Weges

Informationen über die schönsten Wanderwege auf Korsika

Wie die meisten Inseln bietet sich auch Korsika jedoch vor allem für Kurzzeit- und Tageswanderungen, bzw. -radtouren an. Hier wiederum bietet die Insel einiges. Wenn es eher dies ist, was ihr sucht, könnt ihr einmal einen Blick auf die folgende Liste mit Links und Büchern werfen.

Panoramaansicht von Bonifacio

Panoramaansicht von Bonifacio

Spruch des Tages: Wo ein Wille, da auch ein Weg!

Höhenmeter: 250 m / 270 m / 390 m / 180 m / 450 m /360 m Tagesdistanz: 32 km / 27 km / 35 km / 36 km / 31 km / 25 km 1. Etappenziel: Pfarrhaus, Porto Vecchia, Korsika, Frankreich 2. Etappenziel: Privates Gästehaus, Sainte-Lucie-de-Porto-Vecchio, Korsika, Frankreich 3. Etappenziel: Hôtel des Nacres, Porto Vecchia, Korsika, Frankreich 4. Etappenziel: Privates Gästezimmer, Aléria, Korsika, Frankreich 5. Etappenziel: Privater Caravan, Canale-di-Verde, Korsika, Frankreich 6. Etappenziel: Gemeindehaus der Kirche, Moriani-Plage, Korsika, Frankreich

Unser Leben als Webnomaden

Als wir am 01.01.2014 zu unserer Lebensreise aufbrachen, wären wir nicht einmal im Traum darauf gekommen, uns selbst als Webnomaden oder digitale Nomaden zu bezeichnen. Damals gab es diese Begriffe noch nicht und so waren wir einfach Wanderer oder Lebenspilger, die versuchten, ihren Alltag zu meistern, ohne dabei einen festen Wohnsitz oder eine feste Anstellung haben zu müssen.

Die Webnomaden Heiko Gärtner und Franz Bujor wandern durch Hamburg

Die Webnomaden Heiko Gärtner und Franz Bujor wandern durch Hamburg

Reisen als Lebensstil wird populär

Doch wir waren nicht die Einzigen mit dieser Idee. Immer mehr Menschen fühlen sich von unserem alltäglichen Gesellschaftsleben eingeengt und suchen daher nach Alternativen und oft auch nach nomadischen Lebensweisen. Und jeder Freiheitssucher, der sein Gesellschaftsleben mit festem Standort aufgab, hatte seine eigene Überlebensstrategie. Die einen hatten zuvor ihr ganzes Geld gespart und waren nun bereit, aufzubrechen um von ihren Reserven zu leben. Andere hingegen hatten Berufe gewählt, die sie auch von unterwegs ausüben konnten. Oder sie suchten sich Wege, um online Geld zu verdienen. Und wieder andere suchten Möglichkeiten, wie sie während ihrer Reise ein Business aufbauen konnten, das sie über Wasser hält.

In der ganzen Welt zuhause: Heiko Gärtner lebt als Webnomade

In der ganzen Welt zu Hause: Heiko Gärtner lebt als Webnomade

Digitales Nomadentum als neuer Trend

Während es früher vor allem Handwerker und moving Farmer waren, die umherstreiften und ihre Reise mit verschiedensten Arbeiten finanzierten, war es nun vor allem der digitale Sektor, der ungeahnte Reisemöglichkeiten bot. So brauchte man als Designer, Programmierer, Schriftsteller, Suchmaschinenoptimierer, Lektor oder Übersetzer nicht mehr zwingend ein festes Büro. Man brauchte lediglich einen Computer, einen Internetzugang und ein Telefon und konnte von überall auf der Welt für jeden beliebigen Auftraggeber arbeiten. Warum als sollte man noch weiter an einem Ort bleiben? Noch dazu an einem Standort wie Deutschland, der neben unbeständigem Wetter vor allem hohe Preise und verhältnismäßig schlechte Internet-Tarife bot?

Ein Laptop und ein Internetzugang ist alles, was man als Webnomade für sein mobiles Büro braucht

Ein Laptop und ein Internetzugang ist alles, was man als Webnomade für sein mobiles Büro braucht

Geld sparen durch Reisen

So stellten wir fest, dass wir dadurch, dass wir im Ausland reisten, anstatt einen festen Firmensitz im Inland zu haben, rund 90 % unserer monatlichen Fixkosten sparten. Allein die Krankenversicherungsgebühren sanken in unserem Fall von 200 bis 400 € im Monat auf rund 50 € monatlich. Wer also auf Bali, Fidschi, den Philippinen, in Marokko, Indien oder Peru lebt und arbeitet, kann dort mit einem Bruchteil des Gehaltes gut leben, das er in Deutschland als absolutes Minimum bräuchte. Folglich reduzieren sich Arbeitszeit und Alltagsstress, während der Komfort steigt und man dazu noch dort lebt, wo andere Urlaub machen. Das klingt schon fast ein bisschen zu schön, um wahr zu sein.

Als Webnomade kann man das Leben genießen und dabei noch Geld sparen.

Als Webnomade kann man das Leben genießen und dabei noch Geld sparen.

Wie baue ich ein Online-Business auf?

Und tatsächlich ist es auch nicht ganz so einfach, wie es zunächst klingt. Denn ein funktionierendes Online-Business braucht wie jedes andere Unternehmen auch, eine gute Vorbereitung, Planung und Umsetzung. Das Internet ist voll von Angeboten aller Art. Wenn man hier bestehen will, muss man zuallererst eine Strategie haben, mit der man für seine potenziellen Kunden interessant wird. Wir hatten dabei den Vorteil, dass unsere Weltreise von Anfang an ohne Geld geplant war, sodass wir zumindest am Anfang nicht auf den Erfolg ihres Internetgeschäfts angewiesen waren. Dadurch konnten wir erst einmal ganz in Ruhe unsere Erfahrungen machen und herausfinden, auf wie viele Arten es nicht funktioniert.

Der Aufbau eines eigenen Onlinebusiness ist der erste, wichtige Schritt zum Webnomaden

Der Aufbau eines eigenen Onlinebusiness ist der erste, wichtige Schritt zum Webnomaden

Welche Schwierigkeiten kommen als Webnomade auf mich zu?

Für viele, die von Anfang an auf den Gewinn aus ihrem Onlinegeschäft angewiesen sind, ist der Traum von einem Leben als Webnomade häufig bereits nach wenigen Monaten zu Ende. Nämlich dann, wenn ihr angespartes Guthaben aufgebraucht ist. Für andere funktioniert es zwar, dass sie Reisen und unterwegs Geld verdienen können, doch häufig ist der Arbeitsaufwand dabei noch höher, als wenn sie von Zuhause aus arbeiten würden. Aus diesem Grund ist es wichtig, sich bereits vor dem Aufbruch einen Plan zurechtzulegen und eine Strategie zu entwickeln.

Dazu ist es hilfreich, sich die folgenden Fragen zu stellen:

Hier findet ihr weitere Informationen zum Thema "Online Geld verdienen".
Mitunter hat man auch als Webnomade mit ordentlich Gegenwind zu Kämpfen

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Aus den Fehlern lernen

Wir sind zunächst einmal aufgebrochen, ohne uns auch nur eine dieser Fragen zu stellen. Dies führte dazu, dass wir einen Reiseblog mit mehreren Tausend Artikeln erstellten, ohne dabei nur ein einziges Mal darauf zu achten, ob diese Artikel überhaupt gefunden werden konnten. Erst mit der Zeit kamen wir dann auf die Idee, dass man einen Blog auch für die Suchmaschinen optimieren musste, wenn man nicht vollkommen unsichtbar bleiben wollte. Später entdeckten wir dann Möglichkeiten, um mithilfe des Blogs auch Geld zu verdienen. Damit konnten wir dann die verbliebenen Fixkosten immer mehr darüber decken und ein Polster für zukünftige Projekte ansammeln konnten. Wir spürten jedoch auch, dass wir aufgrund der früheren Versäumnisse nach ein paar Jahren vieles nachzuholen hatten, was mit einer ausgearbeiteten Strategie von Beginn an hätte vermieden werden können.

Durch Pannen und Missgeschicke lernt man immer wieder neues dazu

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Vom Dauerpilger zum Cyber-Nomaden

Nach den ersten fünf Jahren unserer Reise wandelte sich unser Lebenskonzept jedoch noch einmal sehr stark. Nun hatten wir bereits viele Erfahrungen als Nomaden gemacht. Damit stellte sich uns noch einmal neu die Frage, in welche Richtung es zukünftig weiter gehen sollte. Unsere Reise hatte vor allem als eine Pilgerreise angefangen, bei der der Weg selbst im Kernfokus lag. Mit der Zeit ist jedoch das Forschen und Wirken zu einem immer wichtigeren Bestandteil geworden. Ebenso, wie der Wunsch, das erforschte Wissen an andere weiterzugeben und gleichzeitig noch tiefer einzutauchen. Dabei tauchte nun auch die Frage auf, wie man andere, schwierigere Regionen der Erde bereisen konnte.

Franz Bujor mit Handheld Outdoor Computer

Franz Bujor mit Handheld Outdoor Computer

Aufgrund dieser Fragen rückte die Idee des digitalen Nomadentums noch einmal stärker in den Fokus. Aus dem reinen Reisetagebuch wurde also eine Wissensplattform und es kam mit der Erlebnisgalaxie ein Charity-Shop-Portal hinzu.