Roadtrip Schweden: 4000 km mit dem LKW durch Skandinavien

 

Wie ihr euch sicher schon denken könnt, gingen unsere Pläne zum Thema “Container Überführen nicht ganz so auf, wie es geplant war. Wobei das noch sehr optimistisch ausgedrückt ist, denn im Grunde lief nichts so, wie es hätte laufen sollen. Es war wie ein Fluch: wann immer etwas schiefgehen konnte, ging es auch schief. Doch das Ganze hatte auch seine guten Seiten, denn so wurde aus einer einfachen Containerüberführung ein abgefahrener Roadtrip durch Schweden, den ich zugleich noch mit einigen Tagen Urlaub bei Heiko verbinden konnte.

Ob der kleine Pechvogel hier schon ein Omen für die vielen Pleiten und Pannen mit unserem Roadtrip nach Schweden war?

Ob der kleine Pechvogel hier schon ein Omen für die vielen Pleiten und Pannen mit unserem Roadtrip nach Schweden war?

 

Der Fluch des Universums

Alles begann damit, dass Franz nach einer langen Telefon-Session aus seinem Arbeitszimmer gelaufen kam und voller Stolz und Freude verkündete: “Ich habs geschafft! Wir haben jetzt endlich einen Plan, mit dem wir unseren Wohncontainer nach Schweden bekommen, ohne dass wir dafür Bankrott anmelden müssen! Jetzt darf nur nichts schiefgehen!”

Es war, als hätte er mit diesem Satz eine böse Magie heraufbeschworen, die genau das verursachte, was er hatte verhindern wollen. So ist das eben mit dem Gesetz der Anziehung: Ein “nicht” wird nicht gehört und darum verstand das Universum in diesem Moment offenbar: “Am besten wäre es, wenn von jetzt an alles schiefgeht!” Und das Universum antwortete: “Na ja, wenn das dein Wunsch ist, das bekommen wir hin!”

Man kann sagen: Es hat hier nicht zu viel versprochen!

Das Universum nimmt Wünsche mitunter sehr wörtlich

Das Universum nimmt Wünsche mitunter sehr wörtlich.

 

Umplanung, Ersatzfahrer und mein Ticket zum Schweden-Roadtrip

Kaum eine halbe Stunde, nachdem er diesen Satz laut ausgesprochen hatte, bekamen wir einen Anruf von Schotti. Er hatte noch einmal einen Großauftrag hereinbekommen, den er unmöglich ablehnen konnte, da es sich um einen Stammkunden handelte. Seine freie Woche war damit gestrichen und er fiel als Fahrer unweigerlich aus. Blieb also nur noch Maik übrig, doch gerade als wir überlegten, ob er die Fahrt auch alleine meistern würde, bekam er eine Nachricht von seinem Chef. Der Urlaub, den er für den Roadtrip nach Schweden eingereicht hatte, war abgelehnt worden. Damit waren nun innerhalb von nur zwei Stunden unsere beiden Fahrer ausgefallen. Zum Glück hatte Schotti bereits eine Lösung parat und rief einen alten Kollegen und Kumpel von sich an, der ebenfalls LKW-Fahrer war. Er war sofort begeistert dabei als er hörte, dass man ihm die Chance auf einen Roadtrip durch Schweden schenken wollte. Uns allen fiel ein Stein vom Herzen. Offen blieb zunächst nur, dass einer von uns mit auf den Roadtrip nach Schweden fahren sollte, um unseren Fahrer in organisatorischen Punkten zu unterstützen. Nach kurzer Überlegung fiel die Wahl dabei auf mich, was mich sehr freute, da der Schweden-Roadtrip nach Wochen der Eintönigkeit eine sehr willkommene Abwechslung war. Außerdem konnte ich dadurch nun endlich Heiko einmal wieder sehen, worauf ich ja bereits eine gefühlte Ewigkeit wartete.

Der Antrag auf Urlaub wurde auch für Maik knallhart abgelehnt

Der Antrag auf Urlaub wurde auch für Maik knallhart abgelehnt.

 

Der Trip nach Münster und zurück

Schließlich war es dann so weit und der erste Teil der Tour konnte starten. Hier war es noch Maik, der die Fahrt übernahm, denn einen Tag hatte er von seinem Chef trotzdem freibekommen. Also machte er sich in aller Herrgottsfrühe auf die Socken und nahm den ersten Zug um 5:00 Uhr in der Früh nach Nürnberg und von dort nach Dillenburg. Und hier ging die Serie an Pleiten und Pannen gleich nahtlos weiter. Denn damit er den Termin mit dem Mann vom TÜV am Nachmittag einhalten konnte, musste er die Fahrt so schnell wie möglich hinter sich bringen. Aber jeder, der schon einmal mit der Bahn gefahren ist weiß, dass die Deutsche Bahn und eine straffe Zeitplanung zwei Dinge sind, die überhaupt nicht zusammen passen. Es war also nicht weiter überraschen, dass er gut eineinhalb Stunden später in Dillenburg ankam, als es geplant war.

Mit der Bahn geht es für Maik nach Dillenburg, um den Miet-LKW abzuholen.

Mit der Bahn geht es für Maik nach Dillenburg, um den Miet-LKW abzuholen.

 

Warten auf den LKW

Letztlich war dies aber nicht so wichtig, da auch der Miet-LKW verspätet bei EuroLeasing eingetroffen war und nun zunächst gewartet und gewaschen werden musste. Bis Maik also endlich in Nordwalde beim Anhänger-Verkäufer ankam, war es bereits später Nachmittag. Wenn der Termin beim TÜV noch klappen sollte, dann musste er den LKW-Anhänger nun schon fast im Vorbeifahren hinter seine Zugmaschine schnallen.

Bis der LKW ordnungsgemäß übergeben wurde, musste Maik noch einmal zwei Stunden warten

Bis der LKW ordnungsgemäß übergeben wurde, musste Maik noch einmal zwei Stunden warten.

 

Wettlauf gegen die Zeit

Doch natürlich wollte auch hier wieder nicht alles rund laufen, sodass weitere wertvolle Zeit verloren ging. So musste beispielsweise zunächst noch die Dolly auf dem Hänger verzurrt werden, damit sie nicht herunterfallen konnte. Dies hätte eigentlch bereits erledigt sein sollen, aber auch bei unserem Verkäufer waren an diesem Tag einige Dinge nicht nach Plan verlaufen. Und als Maik sich dann schließlich bereit glaubte, losfahren zu können, stellte er fest, dass die Beleuchtung am Hänger nicht funktionierte und erst noch repariert werden musste. Der Übeltätter war ein leicht gebrochenes Kabel, in das Feuchtigkeit eingedrungen war. Dadurch hatte das Kabel zu rosten begonnen und schließlich seine Leitfähigkeit verloren. Die Reparatur war nicht schwer, aber den entscheidenden Punkt zu finden dauerte wertvolle Minuten, die wir eigentlich nicht hatten.

Auch die Beleuchtung wollte nicht funktionieren und kostete wertvolle Zeit

Auch die Beleuchtung wollte nicht funktionieren und kostete wertvolle Zeit.

 

Der Kampf gegen den TÜV

Franz war zu diesem Zeitpunkt bereits so nervös und überzeugt davon, dass sein Plan nicht aufgehen würde, dass er verschiedenste Alternativ-Lösungen ausarbeitete. Und tatsächlich muss man sagen, dass diese Idee nicht verkehrt war. Denn als Maik schließlich in Steinfurt beim TÜV ankam, war der Inspekteur vom TÜV zwar gerade noch da, doch gewonnen war damit leider noch nichts. Denn der gute Mann war aufgrund der langen Zeit, die man ihn hier hatte stehen lassen, so verärgert, dass er nah einer kurzen Begutachtung des Anhängers nur grimmig mit dem Kopf schüttelte. “Dafür gibt es leider keine Abnahme!” sagte er in einem Ton, der deutlich machte, dass ihm dies keineswegs Leid tat. Eine wirklich nachvollziehbare Begründung gab es letztlich nicht, aber Maik hatte auch kaum Gelegenheit, ihn danach zu fragen. Er schaffte es jedoch, mit dieser Aktion gerade so lange zu brauchen, dass nun auch die Zulassungsstelle in Steinfurt geschlossen hatte. Wäre es schneller gewesen, hätten wir zumindest versuchen können, eine Zulassung auch ohne vorherige TÜV-Abnahme zu bekommen, doch nun standen wir mit unserem Anhänger ziemlich im Regen.

Der TÜV-Inspekteur schaute sich unseren LKW-Anhänger an und beschloss uns keine Abnahme zu geben

Der TÜV-Inspekteur schaute sich unseren LKW-Anhänger an und beschloss, uns keine Abnahme zu geben.

 

Gestrandet im Münsterland

Ein wenig verzweifelt rief Maik bei uns an und berichtete vom aktuellen Stand der Dinge. Das Problem war nun, dass wir nicht nur keine LKW-Zulassung für den Hänger hatten, sondern dass Maik dadurch auch die Rückfahrt versperrt worden war. Denn ohne die Zulassung durfte er den Hänger nur als landwirtschaftliches Gespann ziehen, was bedeutete, dass er nicht schneller als 30 km/h damit fahren durfte. Als LKW-Fahrer gab es nach deutschem Recht jedoch die feste Regel, dass er nicht länger als 9 Stunden am Stück fahren durfte, ohne eine lange Schlafpause einzulegen. Wenn er dies jedoch einhielt, konnte er unmöglich rechtzeitig am nächsten Morgen in Neumarkt sein, um dort den Termin bei der Zulassungsstelle und anschließend unser Date mit der Kranfirma wahrzunehmen. Zum Glück war nun wieder Maiks Vater Schotti zur Stelle. Er fuhr mit seinem privaten PKW seinem Sohn entgegen und traf diesen auf einem Autobahnrastplatz, an dem Punkt, an dem er nicht mehr weiterfahren durfte. Dann tauschten die beiden Fahrer einfach die Fahrzeuge, denn es gibt kein Gesetz, das es einem LKW-Fahrer verbietet, nach Auslastung seiner neun Stunden LKW-Fahrzeit in einem PKW weiterzufahren. Die erste Etappe unseres großen Roadtrips nach Schweden hatte damit nun letztlich doch noch ein gutes Ende genommen.

Ohne die Zulassung als LKW-Anhänger musste Maik bis spät in die Nacht hinein über die Straßen zuckeln

Ohne die Zulassung als LKW-Anhänger musste Maik bis spät in die Nacht hinein über die Straßen zuckeln.

 

Der Tag der Abfahrt mit dem Container

Dieser Tag hatte es wirklich in sich und hielt im Nachhinein betrachtet, das ganze Team ordentlich auf Trab. Doch fangen wir von vorne an, oder besser gesagt super früh, denn mein Wecker klingelte mich bereits um halb sieben aus den warmen Federn. Ehrlich gesagt bin ich kein Frühaufsteher, aber durch die Vorfreude auf den heutigen Aufbruch unseres Roadtrips nach Schweden, sprang ich wie ein junger Grashüpfer aus dem Bett.

Wenn man bedenkt, wie lange sich unsere Vorbereitungsphase auf diesen Tag hingezogen hatte, dann verstand man doch sehr genau warum es uns unter den Fingernägeln juckte, sodass wir endlich starten wollten. Doch so schnell ging es dann doch noch nicht, denn auch wenn Maik es pünktlich aus dem Münsterland  zurückgeschafft hatte, brauchten wir noch immer ein Kennzeichen für den Transport des LKW-Anhängers.

Roadtrip Schweden: Müdigkeit abschütteln und los gehts!

Roadtrip Schweden: Müdigkeit abschütteln und los gehts!

Shania-Tolinka: Bereit für den Roadtrip nach Schweden

Shania-Tolinka: Bereit für den Roadtrip nach Schweden

Besuch auf der Zulassungsstelle

Da wir noch immer kein gültiges Kennzeichen hatten, mit dem wir mehr als 30km/h fahren durften, musste ich an diesem Tag bereits um sieben Uhr morgens im Landratsamt Neumarkt in der Zulassungsstelle sein. Denn dort ist oft die Hölle los und ohne Kennzeichen, gibt es keinen Transport nach Schweden. Oder nur einen sehr langsamen und so sehr ich mich auf den Roadtrip durch Schweden auch freute, das wäre dann doch etwas viel geworden. Gleichzeitig hatten wir jede Menge Glück auf unserer Seite, da genau an diesem Tag wurde der Coronabedingte Lockdown wieder gelockert, sodass überhaupt Termine vor Ort im Amt wieder möglich waren. Wäre dies nicht passiert, hätten wir einige Tage für einen Termin bei der Zulassung warten müssen.

Auf der Zulassungsstelle ging es nun ans Ausfüllen der entsprechenden Papiere

Auf der Zulassungsstelle ging es nun ans Ausfüllen der entsprechenden Papiere.

 

Kontrollbesuch bei der DEKRA

Zeitgleich fuhr Maik zur DEKRA in Neumarkt, um zu erfragen, ob wir eine LKW-Genehmigung für Aufliegers bekommen, für den Fall, dass das Landratsamt diese vorgelegt haben wollte. Bei einer telefonischen Anfrage von Franz bei der Zulassungsstelle in der vergangenen Woche, hatte er die klare Aussage bekommen, dass wir diese Genehmigung unbedingt brauchen. Da der TÜV-Inspekteur vom Vortag sie nicht hatte erteilen wollen, versuchten wir unser Glück nun noch einmal bei der DEKRA. Zu Maiks großem Erschrecken wurde ihm dort aber mitgeteilt, dass man sich den Anhänger zwar anschauen könne, das Prüfpaletten und Zertifikate aber nur montags von einem speziellen Sachverständigen vergeben wurden, der sonst nicht einmal im Haus war. Die ganze Aktion war also wieder einmal vollkommen umsonst. Und das, obwohl wir zuvor extra angerufen, nachgefragt, unsere Situation geschildert und einen Termin vereinbart hatten. Ehrlich gesagt waren wir zu diesem Zeitpunkt bereits alle ganz schön angenervt, weil wir ständig falsche Aussagen von den Ämtern bekamen. Weiß denn dort einfach niemand was wirklich an Dokumenten benötigt wird? Den Ämtern ist es derart egal, was man selbst für einen Aufwand betreiben muss, um einfach eine simple Zulassung durchführen zu können. Wir waren schockiert, wie viele Falschaussagen wir insgesamt erhielten.

Die Dame von der DEKRA konnte zwar ein Gutachten erstellen, jedoch keine Genehmigungen erteilen

Die Dame von der DEKRA konnte zwar ein Gutachten erstellen, jedoch keine Genehmigungen erteilen.

 

Ausgleichende Ungerechtigkeit

Zum Glück stimmten die Aussagen, die wir bekommen hatten aber auch in die andere Richtung nicht und so traf ich auf der Zulassungsstelle auf einen Sachbearbeiter, der bereits vorab alle Formalitäten soweit fertig machten, ohne den Anhänger auch nur zu sehen. Als ich fragte, ob noch Unterlagen von TÜV oder DEKRA benötigt würden, schüttelte er nur den Kopf und wirkte dabei, als hätte ich etwas vollkommen absurdes gefragt. Ich gab Maik Bescheid, dass von seiner Seite keine zusätzlichen Abnahmen mehr notwendig waren und verabredete mich mit ihm auf dem Parkplatz vor der Zulassungsstelle. Die Zeit, die er für die Fahrt brauchte, nutzte ich bereits, um unsere Überführungskennzeichen abzuholen und kurz darauf kehrten wir gemeinsam mit allen Unterlagen zum gleichen Sachbearbeiter zurück. Der schlug seinen Stempel auf die Zulassungspapiere und wünschte uns einen schönen Tag, ohne auch nur eine weitere Frage zu stellen. Mit unserem neuen Kennzeichen unter dem Arm machten Maik und ich uns auf den Rückweg zum LKW und unserem Anhänger.

Nach langem bangen haben wir nun endlich unsere Zulassungspapiere

Nach langem bangen haben wir nun endlich unsere Zulassungspapiere.

 

Der Kran wartet bereits

Dort angekommen erfuhren wir, dass der bestellte Kran zum Container verladen, eine halbe Stunde früher erschienen war und wir daher umgehend mit dem LKW nach Postbauer-Heng fahren mussten, um keine Zeit zu verlieren. Also Kennzeichen auf den Auflieger montieren und ab mit uns in den Hof von Heikos Eltern, wo der Container und der Kran bereits auf uns warteten. Um den LKW zusammen mit dem Auflieger richtig im Hof zu positionieren, musste Maik rückwärts fahren, was er wirklich super gemacht hat. Denn mit einem 13 Meter langen Auflieger richtig rangieren, ist wirklich eine herausfordernde Sache für sich. Auch die Nachbarn waren wohl sichtlich beeindruckt, was man ihnen an den großen Augen, dem offenen Mund und ihrer Regungslosigkeit anmerkte. Bevor die Verladung des Containers starten konnte, besprachen wir alle zusammen mit dem Kranführer, was in welcher Reihenfolge nun getan werden musste.

Maik fährt rückwärts in die Hocheinfahrt

Maik fährt rückwärts in die Hocheinfahrt.

 
Der Kran wartet bereits bei uns auf dem Hof

Der Kran wartet bereits bei uns auf dem Hof - Mal wieder...

 

7 Tonnen Container und 4 Tonnen Equipment müssen in die Luft

Der Kran stand fest auf den vorgesehenen Bodenplatten und hatte seine Stützbeine ausgefahren. Maik war mit dem LKW und dem Auflieger ganz nah rückwärts an den Container herangefahren und der Kranführer befestigte die Ketten des Krans an den Ecken des Containers. Soviel zur Vorbereitung. Nun kam der entscheidende Moment. Der Kran hob den Container vertikal nach oben und versuchte dabei ihn so ruhig wie es nur möglich war, zu halten. Es ist einfach unglaublich zu sehen wie viel der selbst 20 Tonnen schwere Kran heben kann. Klar, dafür wurde er gebaut, aber diese Leistung mit den eigenen Augen zu sehen, war doch noch einmal etwas ganz besonderes. Als der Container sicher in seiner Höhe hing, fuhr Mike den Auflieger exakt unter seine Position. Nun konnte der Kranführer langsam und sicher den Container wieder ablassen, sodass er irgendwann genau auf dem Auflieger landete. In der Zwischenzeit kamen unsere Nachbarn und Verwandten Ingrid, Jürgen und Monika hinzu, da sie sich das Spektakel nicht entgehen lassen wollten. Jürgen wollte auch aktiv mit dabei sein, und half Maik und Heikos Papa Karl dabei, dass der Container seine exakte Position fand. Ich war während dessen dabei, die ganze Aktion zu fotografieren und zu filmen, während mir meine Finger vor Kälte fast eingefroren wären. Beim Positionieren war es zudem wichtig, den Container so weit nach vorne wie möglich zu stellen, da unsere Dolly dahinter noch einen Platz für den Transport finden musste.

An allen vier Ecken müssen die Kranketten eingehängt werden

An allen vier Ecken müssen die Kranketten eingehängt werden.

 
Nachdem alles sicher vertaut ist, kann der Kranführer sein Werk beginnen

Nachdem alles sicher vertaut ist, kann der Kranführer sein Werk beginnen.

 
Mit Leichtigkeit hebt der Kran den rund 8 Tonnen schweren Kontainer in die Luft

Mit Leichtigkeit hebt der Kran den rund 8 Tonnen schweren Kontainer in die Luft.

 
Mit Leichtigkeit hebt der Kran den rund 8 Tonnen schweren Kontainer in die Luft

Mit Leichtigkeit hebt der Kran den rund 8 Tonnen schweren Kontainer in die Luft.

 

Das Problem mit der Dolly

Der nächste Schritt war, dass der Kranführer seine Kranketten von dem Container löste - da dieser nun richtig auf dem Auflieger stand - um die Ketten an der in der Wiese stehenden Dolly zu befestigen. Beim Anheben der Dolly musste er super vorsichtig sein, um das Gleichgewicht der langen Dolly austarieren zu können, sodass sie nicht ins Schwingen kam. In dieser Zeit traf unser LKW-Fahrer Tobias mit seiner Frau auf dem Hof ein, der uns für den Roadtrip nach Schweden von Schotti wärmstens empfohlen worden war. Wir haben uns alle auf Anhieb sehr gut verstanden und da Tobias ein Macher ist, half er sofort tatkräftig mit, die fliegende Dolly zu positionieren. Maik kletterte auf das hintere Dachende des Containers, Jürgen und Karl gaben Bodenanweisungen und ich filmte die Umsetzung ganz gespannt. Nach vielem hin und her und gefühlten tausend Versuchen gelang es uns leider nicht, die Dolly so auf der hinteren Fläche des Aufliegers zu verstauen, dass es für den Transport geklappt hätte. Wir versuchten jeden Winkel und jede Drehung, die es gab, um dann schließlich die traurige Feststellung machen zu müssen, dass sie zu groß ist. Denn sie durfte weder zu weit hochstehen, noch zu weit nach hinten hinausragen. Dies hätte sonst an Brücken ein Problem gegeben und uns im Falle einer Kontrolle zusätzlich eine saftige Strafe eingebrockt. So entschieden wir schweren Herzens, unsere Dolly erst einmal in Postbauer-Heng stehenzulassen, um sie später nach dem Winter zu holen.

Gemeinsam werkeln die Männer an der Dolly herum

Gemeinsam werkeln die Männer an der Dolly herum.

 
Immer wieder wird sie auf und abgeladen

Immer wieder wird sie auf und abgeladen.

 
Doch am Ende müssen wir einsehen, dass die Dolly einfach zu lang ist

Doch am Ende müssen wir einsehen, dass die Dolly einfach zu lang ist.

 

Gurte statt Ketten

Der Kranfahrer fuhr nun nach Hause und wir machten uns daran, den Container mit großen Zurrgurten an dem Auflieger festzubinden, sodass er fest saß und nicht mehr verrutschen konnte. Auch dies war übrigens wieder ein Punkt gewesen, der so ganz und gar nicht nach Plan hatte verlaufen wollen. Denn Heiko und Franz hatten zuvor extra über die Sächsische Hebe- und Zurrtechnik GmbH extrem stabile Zurrketten organisiert, mit denen der Container eigentlich hätte verzurrt werden sollen. Doch diese befanden sich noch immer irgendwo auf dem Postweg zwischen Sachsen und hier, sodass wir sie nicht nutzen konnten. Glücklicherweise war es Maik gelungen, einige Zurrgurte von seinem Chef zu ergattern, die wir als Ersatz nutzen konnten. Andernfalls wäre unser großes Roadtrip-Schweden-Projekt nach all den gemeisterten Hürden an dieser Stelle doch noch gescheitert.

Da unsere Zurrketten leider verspätet ankamen, mussten wir mit Spanngurten vorlieb nehmen

Da unsere Zurrketten leider verspätet ankamen, mussten wir mit Spanngurten vorlieb nehmen.

 
Ringsum sicher verspannt - So kann unserem Container auf dem Roadtrip nach Schweden nichts mehr passieren

Ringsum sicher verspannt - So kann unserem Container auf dem Roadtrip nach Schweden nichts mehr passieren.

 

Die Ablöse der LKW -Fahrer für den Roadtrip nach Schweden

Jetzt, da alles soweit fertig war, was den Container betraf, konnte es nun endlich etwas ruhiger werden. Karl war so lieb und fuhr Maik nach Hause, da dieser seinen LKW nun dem neuen Fahrer Tobias überließ und somit kein Gefährt mehr für den Heimweg hatte. Tobias war total begeistert von dem modernen Sattelschlepper und konnte es kaum erwarten, den Roadtrip nach Schweden zu beginnen. Das Fahrerhaus wurde inspiziert und erstmal eingerichtet. Seine Frau machte ihm eine Kühlbox mit leckerem Essen und einigen Getränken fertig, aber auch das kuschelige Bettzeug zum Schlafen in der Koje durfte nicht fehlen. Schließlich wird Tobias insgesamt fast eine Woche lang on the Road sein. Doch bevor wir starteten, gab es eine großartige Stärkung von Anneliese, Heikos Mutter. Es gab wohltuenden Tee und leckeren Kuchen für alle, da ich aber mein Mittagessen verpasste, gönnte ich mir eine warme Mahlzeit zur Stärkung. Denn ehrlich gesagt, war ich komplett durchgefroren von dem kalten windigen Wintertag. Nun packte ich meine restlichen Sachen für die baldige Abreise ein, da ich ja zusammen mit Tobias unseren Roadtrip nach Schweden antreten durfte. Ich freute mich riesig in solch einem großen LKW mitfahren zu dürfen, denn man sitzt dort super hoch und hat einen tollen Ausblick. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir schon Nachmittags ca. drei Uhr.

Wow, was für ein Tag! Wer hätte gedacht, dass so viele spontane und aufregende Aufgaben auf uns zukommen würden? Zwischendurch hatten wir immer mal wieder das Gefühl, es werden uns nur noch Streiche gespielt da es super viel Kraft kostete, aber zu wissen aus war für unglaublichen Situationen wir immer noch Lösungen und Ideen aufbringen konnten, war einfach genial.

Noch ein letztes Mal die gute, bayrische Küche von Anneliese genießen und dann können wir gestärkt auf unseren Roadtrip nach Schweden starten.

Noch ein letztes Mal die gute, bayrische Küche von Anneliese genießen und dann können wir gestärkt auf unseren Roadtrip nach Schweden starten.

 

Letzte Vorbereitungen vor dem Abschied

Es war nun endlich so weit, ich packte etwas aufgeregt meine letzten Sachen ein und merkte, wie ich mich innerlich schon auf die Abreise einstellte. Ich fühlte Freiheit und zugleich Ungewissheit in mir, was ich aber als etwas Freudvolles wahrnahm. Gedanken wie „Wird der Roadtrip angenehm werden und gut verlaufen?“ oder „Kommen wir gut durch alle Grenzen nach Schweden?“ oder „Wie wird die Ankunft in Skorped und das lang ersehnte Wiedersehen mit Heiko sein?“ schwirrten in meinem Kopf umher. Fragen über Fragen, die ich wahrnahm, die aber gerade nicht beantwortet werden mussten. Meinen fertigen und voll bepackten Rucksack mit Essen, Trinken und Kleidung und natürlich einem Kissen und einem Schlafsack, verstaute ich neben meinem Sitz im Fahrerhaus. Mit Tobias besprach ich noch kurz die Wünsche, die er für die Fahrt hatte. Dazu gehörte zum Beispiel, das wir keine Straßenschuhe tragen sollten und er die Klimaanlage gerne etwas kühler einstellen möchte, da er ein “Warmblüter” ist, wie er selbst sagte. In einer dicken Decke eingemummelt war das für mich in Ordnung, schließlich sollte er durch zu viel Wärme nicht müde werden während der Fahrt.

Tobias inspiziert das Führerhaus seines LKWs ganz genau

Tobias inspiziert das Führerhaus seines LKWs ganz genau.

 

Ein großes und herzliches Danke an alle Helfer!

Jetzt kam der Moment des Abschieds. Nach zwei Monaten die ich nun bei meinen Schwiegereltern Anneliese und Karl wohnen durfte, um alles im Lager vorzubereiten, verabschiedeten und umarmten wir uns vorerst ein letztes Mal. Es ist einfach unglaublich wie zuvorkommend und hilfsbereit beide die ganze Zeit über waren und noch immer sind. Wir wussten, dass ich gar nicht allzu lange weg sein würde, aber dennoch fiel uns der Abschied etwas schwer. Trotz der etwas ungewöhnlichen Situation hatten wir immerhin eine tolle Zeit miteinander verlebt. Anneliese hatte mir zum Beispiel ihre legendären Kochtricks beigebracht und uns Vorhänge für unser neues Haus genäht. Karl wiederum hatte mir bei allen technischen Fragen, beim Aussortieren und Tragen von schweren Sachen geholfen. Außerdem war er eine große Unterstützung, als er und sein Neffe Hans zusammen mit mir den Container beladen haben. Dabei hatten wir immerhin  insgesamt fast 4 Tonnen an Dämmmaterial, Böden, Platten, Baumaterialien, Möbel, Kleidung und Lebensmitteln verstaut, die ähnlich hatten sortiert werden müssen, wie bei einem Tetris Spiel. Zum Glück hatte Hans durch seine ehemalige Berufserfahrung als Umzugs-Mitarbeiter super viel Erfahrung und wusste am besten von uns, eine stabile Positionierung der Gegenstände hinzubekommen. An dieser Stelle ein großes und herzliches Dankeschön an Anneliese, Karl und Hans, die ein Teil dieser sagenhaften Vorbereitungsphase waren.

Anneliese hat mir viele Unterrichtsstunden im Kochen und Backen gegeben

Anneliese hat mir viele Unterrichtsstunden im Kochen und Backen gegeben.

Der Roadtrip nach Schweden beginnt

Dann ging es los! Zum Einsteigen in das Fahrerhaus ging es fast zwei Meter nach oben, für mich als kleiner Zwerg mit gerade mal 1,67 Meter Körpergröße ist das schon sehr hoch. Es fühlt sich an, wie wenn man auf einem sehr hohen Thron oder einem großen Pferd sitzen würde, wirklich krass. Tobias und ich winkten und hupten (nicht leise) Anneliese und Karl zum Abschied, bis wir sie nicht mehr sehen konnten. Auch alle Nachbarn sollten nach dem Hupen wach sein. Nun waren wir das erste Mal on the Road in Richtung Schweden und besprachen zusammen, welche Tankstelle angefahren werden sollte, um den Tank gleich zu Beginn vollzufüllen. Ich war mehr als perplex zu sehen, wie viel Liter in den beiden Tanks an Diesel hineinpasst. Man steht dann doch einige Minuten länger an der Zapfsäule, als beim Betanken eines normalen Autos.

Ein letzter Blick zurück in den Hof, dann geht er los unser Schweden Roadtrip

Ein letzter Blick zurück in den Hof, dann geht er los unser Schweden Roadtrip.

 

Unser erstes Ziel lautete Dänemark

Das Abenteuer konnte beginnen und wir fuhren in die Nacht hinein. Tobias hatte vor, so lange wie möglich gen Norden zu fahren, bis es ihm durch die maximal zulässige Lenkdauer nicht mehr erlaubt war, da er sich ausgeschlafen und fit fühlte. Irgendwann spät nachts suchte Tobias für die erste Übernachtung in Dänemark einen geeigneten LKW Parkplatz. Da ich bereits eingeschlafen war, bekam ich die Grenzüberquerung nicht so genau mit. Eigentlich wollte ich hinten im Container schlafen, um die Schlafenszeit von Tobias nicht zu stören, da es aber ordentlich kalt wurde, entschied er, dass ich auf jeden Fall mit im beheizten Fahrerhaus schlafen sollte. Es gab zwei Betten die übereinander hängend ausgeklappt werden konnten, daher war es vom Platz her sogar gut umsetzbar.

Gute Nacht, erster Schweden-Roadtrip Tag.

Unser Roadtrip nach Schweden beginnt kurz vor Sonnenuntergang und wir fahren bis tief in die Nacht hinein

Unser Roadtrip nach Schweden beginnt kurz vor Sonnenuntergang und wir fahren bis tief in die Nacht hinein.

 

Tag 2 unserer Roadtrip-Schweden Tour

Wir hatten beide sehr gut geschlafen, aber trotzdem war mir sehr übel. Ich spürte wie viel ich mit der Übelkeit, dem Magenkrämpfen und dem Schwindel in diesem Moment verarbeitete. Es war zum einen ein Prozess des Loslassens in mir aktiv, aber auch wie eine Art Weltensprung den ich durchlief. Von einer alten surrealen und hektischen Welt in eine neue bewusstere, reale Welt. Das war natürlich einiges was mein Körper, mein Geist und meine Seele versuchten zu durchfühlen, da konnte mir schon mal schwindlig werden. Je weiter wir in den Tag hineinfuhren, desto leichter wurde es für mich damit umzugehen.

In meinem Kopf dreht sich alles, aber die Straßen führen stur geradeaus

In meinem Kopf dreht sich alles, aber die Straßen führen stur geradeaus.

 

Überfahrt der Baelt-Brücke

Schließlich wurden wir sogar mit einem sagenhaften Meerblick bei der 18 km langen Brückenüberfahrt von Nyborg nach Korsor in Dänemark belohnt. Diese Brücke verbindet Ost- und Westdänemark miteinander. Es war zwar ordentlich windig, aber das machte dem Truck und unserem Container nichts aus, sie waren super standhaft gegen Wind. Der Ausblick auf das tosende Meer und die beeindruckende Brückenkonstruktion waren wirklich fantastisch. Nach der Brücke kommt man direkt auf die große Mautstation zu, denn diese Brücke ist gebührenpflichtig. Die Mautgebühren richten sich nach der Länge des Fahrzeugs, und da wir einem sehr langen Gefährt unterwegs waren, schossen die Gebühren ordentlich in die Höhe. Aber es half nichts, wir wollten schließlich weiter fahren. Zu unserem Erstaunen gab es keinerlei Kontrollen, weder an den Mautstationen noch an den Grenzen, so konnten wir stets, ohne angehalten zu werden durchfahren. Wir hätten irgendwie wohl erwartet, aufgrund der andauernden Regelungen und Vorschriften zwecks Corona, in einige Kontrollen zu kommen. Deshalb nahmen wir alle Container, Transport und Equipment Unterlagen im Ordner mit, um für eventuell bevorstehende Kontrollen gewappnet zu sein.

Die Baelt-Brücke ist eine der spannendsten Stationen auf unserem Schweden Roadtrip

Die Baelt-Brücke ist eine der spannendsten Stationen auf unserem Schweden Roadtrip.

 

Die kombinierte Öresund-Brücke

Da wir nun in die Dunkelheit der Nacht hineinfuhren, konnten wir die fast 8 km lange Öresund Brücke nicht mehr wirklich gut sehen, was wir sehr schade fanden. Denn sie ist die weltweit längste Schrägseilbrücke für kombinierten Straßen – und Eisenbahnverkehr und verbindet Kopenhagen in Dänemark mit Malmö in Schweden. Das bedeutet man fährt über diese Brücke und landet sofort in Schweden. In Schweden ließ mich Tobias an einer kaum befahrenen Strecke einige Meter mit dem Truck selber lenken, denn ich wollte wissen, wie sich solch eine große Maschine fahren lässt. Ich begann unseren Roadtrip durch Schweden nun also sogar für einen Moment als Fahrerin. Durch das Tempomat musste ich weder Gas geben noch Bremsen, nur Lenken, aber sogar das fand ich total anstrengend, ehrlich gesagt. Denn zu wissen wie viel Gewicht und was für eine Größe hier gezogen wird, machte meinen Verstand nervöser als ich vermutete. Da es bereits wieder Nacht wurde und die nächste LKW-Fahrer-Pause eingehalten werden musste, suchten wir uns in Autobahn Nähe einen ruhigen Rasthof mit Parkplatz zum Schlafen für die LKWs aus.

Die erste Übernachtung in Schweden auf unserem Roadtrip

Die erste Übernachtung in Schweden auf unserem Roadtrip.

 

Das Thema mit dem Lärm

Kurz vor dem Einschlafen machten sich ein paar nervige Rowdys einen Scherz daraus, mit quietschenden Reifen auf dem Rasthof ihre Runden mit dem Auto zu drehen. Ja es war Samstag Nacht, aber das war noch lange kein Grund alle LKW-Fahrer in ihrer Schlafenszeit derart zu stören. Dies machte mich so aggressiv, dass ich kurz zuvor war, aus dem LKW zu springen und alle anzuschreien. Da das für mich als Frau keine Lösung und zu gefährlich war, versuchte ich meinen Geist zu beruhigen und zu entspannen. Aber das kann doch nicht sein, dass so etwas geduldet wird, fragte ich mich ständig. Stört das die LKW-Fahrer denn gar nicht? Hören sie den Lärm nicht mehr? Ist ihnen ihre Ruhe nicht wichtig? Haben sie schlechte Erfahrungen damit gemacht? Eigentlich müssten doch einige aus ihrem LKW rausstürmen und den Rowdys mal zeigen, was hier ganz und gar nicht in Ordnung ist! Na ja, ich vermute sie schlafen alle mit Oropax in den Ohren, damit sie gar nichts mehr hören. So wartete ich einfach ab, bis ihre blöden Reifen nicht mehr zu hören waren, um dann endlich schlafen zu können. Ich hatte ja vieles an Herausforderungen auf meinem Roadtrip durch Schweden erwartet, aber das nun doch nicht.

Draußen auf dem Parkplatz drifteten ein paar Rowdies mit quietschenden Reifen

Draußen auf dem Parkplatz drifteten ein paar Rowdies mit quietschenden Reifen.

 

Tag 3 auf unserem Roadtrip durch Schweden

Am folgenden Morgen musste ich Tobias gleich mal fragen, ob er denn die quietschenden Reifen in der Nacht nicht gehört habe. Ja, hätte er, aber er fände es wohl nicht so schlimm wie ich und könne darüber hinweghören. Was für eine Gabe dachte ich mir. Aber ist es wirklich eine Gabe? Wir vernehmen soviel Lärm um uns herum, dass es uns gar nicht mehr auffällt. Manchen Menschen macht es super viel aus und manchen ist es total egal. Das schlimmste ist, wenn wir Lärm einfach als Normalzustand akzeptieren, denn dann nehmen wir ihn automatisch in unserem Leben als selbstverständlich wahr. Uns fällt dann nicht mehr auf, wie viel Lärm uns wirklich stört, wie viel Lärm uns super nervt und was einfach gar nicht mehr akzeptabel ist. Wie will man denn in seiner inneren Balance bleiben, wenn man ständig im Außen mit Lärm konfrontiert wird? Der äußere Lärm macht schließlich auch den inneren Lärm, also die Dysbalance aus. Was bei Menschen die bekannte Unruhe, Nervosität und den schleichenden Stress herbeiruft, hat natürlich auch mit dem Lärm und der immerwährenden Lautstärke der Straßen, der Autos, der Menschen, den Zügen, usw. zu tun.

Wie konnte es dazu kommen, dass Stress, Hektik und Lärm für uns zur Normalität wurden

Wie konnte es dazu kommen, dass Stress, Hektik und Lärm für uns zur Normalität wurden?

 

Warum ist Lärm allgegenwärtig?

Mit Tobias unterhielt ich mich während der Fahrt sehr gerne, denn wir hatten einiges an interessanten Gesprächen und daher wurde uns auch so schnell nicht langweilig. Mir fiel aber eine Sache bei ihm auf, was eben auch bei diesem Thema im Zusammenhang steht. Ich fragte ihn, warum er sich meist etwas lauter unterhielt und auch immerwährend reden kann? Mich hat es einfach sehr interessiert, woran das wohl liegen mag. Er antwortete „Weißt du, ich bin mir selber etwas zu laut.“ Das hat mich total überrascht, dass er so ehrlich war und sich selbst bei diesem Thema schon reflektiert hatte. Denn nur jemand, der es schafft sich selbst zu beobachten und zu hinterfragen, kann auf solch aufrichtige Antworten über sich selbst kommen. Wenn wir nun also in einer Gesellschaft leben, die sich entweder selbst zu laut ist, oder die eigenen Gedankenströme oder Gefühle nicht wahrnehmen also unterdrücken will, dann ist sonnenklar warum wir uns das Laute im Außen erschaffen haben. Wir brauchen den vermeintlichen Lärm in Form von Musik, Fernsehen, Ablenkungen, Gesprächen, Stadtlärm usw. um die innere Dysbalance oder Unruhe nicht wahrnehmen zu müssen. Versteht mich nicht falsch, man kann Musik oder einen interessanten Film für eine gewisse oder kurze Zeit genießen. Aber man entscheidet selbst, ob man diese Variante der Ablenkung als etwas Freudvolles nutzt oder ob man es ausnutzt, um sich selbst dabei zu schädigen. Diese Frage sollte sich jeder selbst einmal gestellt haben, um herauszufinden, was sich gesund anfühlt und was nicht.

Wir haben uns so sehr an einen permanenten Geräuschpegel gewöhnt, dass Stille fast unerträglich für uns ist

Wir haben uns so sehr an einen permanenten Geräuschpegel gewöhnt, dass Stille fast unerträglich für uns ist.

 

Bulgarischer Kaffee für Tobias

Als Tobias morgens den ersten Schritt aus dem Truck machte, wurde er umgehend von einem älteren und lustigen bulgarischen LKW-Fahrer auf eine sehr starke Tasse Kaffee eingeladen. Genau das richtige um wach zu werden, dachte sich Tobias und willigte gerne ein. Das lustige war, dass der Bulgare mit seiner riesigen Bauchschürze sich gerne mit uns unterhalten wollte, er aber nur zehn Wörter Englisch sprechen konnte. Ihm machte das aber sichtlich wenig aus und so erzählte er uns einfach auf Bulgarisch mit Händen und Füßen wohin er gerade unterwegs war und das seine Frau mal in Nürnberg bei einem Arzt war. Mein Gefühl dazu war, dass er seit Jahren schon im Truck leben und wohnen würde. Er war wohl froh irgendeinen Job zu haben, auch wenn er nicht mehr die Möglichkeit hatte seine Familie regelmäßig sehen zu können. Viele Truck-Fahrer nehmen durch die weiten Fahrten in verschiedenste Länder in Kauf, kein eigenes Leben mehr führen zu können. Mich macht so eine Geschichte immer sehr traurig, weil ich mir wünschen würde, er könnte seine Liebsten öfter sehen. Aber ich vermute auch, dass ihm der Job wichtig war. Die Hauptsache für sie ist, dass sie Geld für ihre Familien verdienen können, um zu leben oder auch zu überleben.

Tobias mit seinem frischen Kaffee

Tobias mit seinem frischen Kaffee.

 

Alles war „Geil“

Nachdem wir uns auf einer einfachen kleinen Rasthof Toilette frisch gemacht hatten, holten wir uns noch heißes Wasser für einen Tee, weil es kostenlos war. Frisch poliert und gestärkt machten wir uns auf den Roadtrip weiter durch Schweden. Heute wurden wir zudem mit viel Sonnenschein belohnt, was die letzten zwei Tage leider nicht der Fall war. Ich nutzte das Wetter, um viel zu fotografieren und zu filmen. Je höher wir in den Norden Schwedens fuhren, desto dünner wurde die Zivilisation und auch die Natur zeigte sich von ihrer schönsten Seite. Unglaublich viele Seen, manchmal auch große Steinfelsen und viele Wälder zierten unseren Weg. Auf der Autobahn waren immer weniger Autos oder LKWs zu sehen, was für unsere Fahrtzeit hervorragend war. Denn wir hatten nicht einmal einen Stau auf der Autobahn, außer als wir an Stockholm vorbeifuhren, da gab es eine kurze Situation zum Abbremsen aber es ging gleich wieder weiter. Tobias war derart von den Fahrverhältnissen auf der Straße, dem reibungslosen Tour Ablauf und der Natur so begeistert, sodass sein Lieblingswort „Geil“ wurde. Ich fand es total amüsierend, da er es immer mit voller Freude sagte und das Wort Geil alles unterstrich, was er einfach super oder herausragend fand. Auch dass die LKW-Fahrer in Schweden mit noch längeren Trucks als in Deutschland unterwegs waren, machte ihn neidisch ohne Ende, da er unbedingt auch mal so einen riesengroßen LKW fahren will. Die Inspirationen und Pläne für die Zukunft waren also vorhanden.

Tobias und ich auf unserem Roadtrip durch Schweden

Tobias und ich auf unserem Roadtrip durch Schweden.

 

Polarlichter als Willkommensgeschenk

Als wir uns langsam Skorped unserem Zielort näherten, passierte etwas unglaublich schönes, was wir fast verpasst hätten. Nach einem kurzen Nickerchen wachte ich auf und sah, dass ungewöhnliche grüne Farben auf dem Nachthimmel zu sehen waren. Je länger ich das bewegende sich windende Schauspiel beobachtete, desto klarer wurde mir, dass dies die wunderschönen Polarlichter sind, die auch im Norden Skandinaviens im Winter zu sehen sind. Schnell sagte ich Tobias Bescheid und wir hielten an der Straße an, um uns die Besonderheit in Ruhe anschauen zu können. Ich schrieb auch Heiko sofort eine Nachricht, damit er das Spektakel nicht verpassen konnte. Es war bereits abends ca. acht Uhr, daher war kein Verkehr auf der Straße, den wir dabei hätten behindern können. Wir waren fassungslos und ohne Worte, wie schön dieser Augenblick auf uns wirkte. Ich versuchte jede Sekunde, in der ich die Leuchterscheinung beobachtete in mich aufzusaugen und dankte dem Universum für dieses traumhafte Geschenk. Was für ein atemberaubender Willkommensgruß eine halbe Stunde vor unserem Ziel Skorped, dachte ich mir.

Hätte es ein schöneres Finale für unseren Schweden-Roadtip geben können, als von Polarlichtern begrüßt zu werden

Hätte es ein schöneres Finale für unseren Schweden-Roadtip geben können, als von Polarlichtern begrüßt zu werden?

 

Nachdem die Polarlichter weniger wurden und kaum mehr sichtbar waren, machten wir uns auf den finalen Weg. Die Straßen wurden immer verschneiter und glatter, da sich bereits Schnee und etwas Eis darauf befand. Und Tobias wurde gleichzeitig etwas nervöser, da er relativ selten auf verschneiten Straßen unterwegs war bzw. nicht das regelmäßige Fahrtraining auf solchen Wegen hatte.

Mein Roadtrip durch Schweden ist nun vorbei - Wir haben unser Ziel in Skorped erreicht

Mein Roadtrip durch Schweden ist nun vorbei - Wir haben unser Ziel in Skorped erreicht.

 

Ankunft in Skorped

Abends um ca. neun Uhr war es endlich so weit, wir erreichten sicher unseren Zielort Skorped, wo auch bereits Heiko auf uns wartete, um uns zu zeigen, in welcher Parknische wir den LKW vor dem Ort parken konnten. Es war so aufregend, nach 2400 km und 53 Stunden später im hohen Norden von Schweden unseren Roadtrip zu beenden. Nach der ersten herzlichen Begrüßung waren wir alle sehr froh, dass unser Trip nach Schweden so gut verlaufen ist. Heiko und ich lagen uns seit zehn Monaten das erste Mal wieder in den Armen und wir konnten kaum glauben, diese lange Zeit mit dieser großen Distanz geschafft zu haben. Was für eine Herausforderung für ein verliebtes Pärchen, das zudem immer sein Ziel im Auge hat und sich von den Gegebenheiten nicht unterkriegen lässt. Natürlich war es nicht immer leicht sich nicht sehen zu können, ehrlich gesagt, manchmal sogar richtig hart, aber wir wussten, dass die Zeit der Entbehrung irgendwann vorbei sein wird.

Endlich sind Heiko und ich wieder vereint

Endlich sind Heiko und ich wieder vereint.

 

Bildquellen:

© Heiko Gärtner | © Heidi Reindl | © studio v-zwoelf - AdobeStock | © nordroden - AdobeStock | prostooleh - www.freepik.com | senivpetro - www.freepik.com | standret - www.freepik.com | snowing - www.freepik.com | freepik - www.freepik.com | aleksandarlittlewolf - www.freepik.com

Die letzte Station in Dänemark, die wir anliefen, war die Hafenstadt Helsingör. Von hier aus fuhr dann eine Fähre in die schwedische Stadt Helsingborg, die unser Ausgangsort für unsere Schwedenreise sein würde.

Was hat Helsingör zu bieten?

Helsingör war eine Stadt mit zwei Gesichtern. Auf der einen Seite war sie ein Ort voller Attraktionen und Sehenswürdigkeiten, die tatsächlich recht sehenswert waren. Da war zum Beispiel das alte Fort im Hafen, das Früher die dänische Küste vor bösen Schweden und anderen Tunichtguts beschützt hat. Gegenüber lag das moderne und neu errichtete Kulturzentrum mit einer Bibliothek, mehreren Cafés und Treffpunkten und einer Art Panorama-Plattform von der aus man aufs Meer blicken konnte.

 
Der Hafen von Helsingör mit der modernen Bibliothek im Hintergrund

Der Hafen von Helsingör mit der modernen Bibliothek im Hintergrund.

 
Die Bibliothek von innen

Die Bibliothek von innen.

 
Die Innenstadt von Helsingör

Die Innenstadt von Helsingör.

 
Die alte Hafenfestung von Helsingör

Die alte Hafenfestung von Helsingör.

 

Als Touristenattraktion war dieses Gebäude sicher großartig, nur als Lern- und Leseort taugte es nichts, da es keine einzelnen Räume gab. Alles war irgendwie miteinander verbunden und somit war es überall laut. Man hörte jedes Gespräch und jeden Klang der Musik aus den Cafés. Aber wenn einen das nicht störte und man nicht wirklich lernen oder lesen wollte, dann konnte man hier sicher viele soziale Kontakte mit Menschen knüpfen, die ebenfalls so taten als wollten sie etwas Wichtiges tun.

Helsingör - Eine Hafenstadt mit monumentalen Backsteingebäuden

Helsingör - Eine Hafenstadt mit monumentalen Backsteingebäuden.

 

Schwedischer Alkohol-Tourismus in Dänemark

Auf der anderen Seite war Helsingör aber auch ein düsterer und trostloser Ort voller negativer Energien. Das Gefühl mag natürlich verstärkt worden sein, da wir an einem eiskalten, regnerischen, ungemütlichen und vor allem stürmischen Tag hier ankamen, an dem es bereits um 12:00 Mittags wirkte, als wäre die Sonne gerade untergegangen. Zum anderen kam dieser Eindruck aber vor allem durch eine sehr spezielle Art des Tourismus, der hier praktiziert wurde. Und zwar der bekannte und allzeit beliebte Sauf-Tourismus. Wie allgemein bekannt ist, ist Alkohol in Schweden eher schwierig zu bekommen und man muss in der Regel teuer dafür bezahlen. Anders als beispielsweise in Osteuropa ist Alkoholismus hier daher ein Hobby das sich nur wenige leisten können. Es sei denn natürlich, sie haben das Glück, in der Nähe einer Fährverbindung zu leben, die Sie direkt in ein Ausland führt, in dem der geliebte Stoff günstig und einfach zu haben ist. Dementsprechend fahren Tag für Tag hunderte von Menschen allen Alters nach Helsingör, um sich hier die Kante zu geben oder um zumindest einen ordentlichen Vorrat an Sprit mit nach Hause zunehmen. Dass dies dem allgemeinen Straßenbild von Helsingör nicht gerade guttut, kann man sich leicht vorstellen. Denn besoffene und zum Teil bewegungsunfähige Menschen, die wie Zombies ohne ein eigenes Bewusstsein in den Gassen herumirren und den Gehsteig gezielt ausgewählten Stellen mit etwas Kotze verzieren, sind leider nicht der angenehmste Anblick der Welt.

Der Bahnhof von Helsingör

Der Bahnhof von Helsingör.

 

Die Fährfahrt nach Schweden

Wir waren daher nicht böse, gleich am nächsten Morgen selbst einen Platz in der Fähre ergattern und Dänemark hinter uns lassen zu können. Die Zeit hier war durchaus nicht verkehrt gewesen, wenngleich sie auch vollkommen anders verlaufen war, als wir es erwartet hatten. Dennoch waren wir nun bereit für etwas Neues! Interessanterweise erwies sich die Fährfahrt als erstaunlich angenehm und unstressig. Verglichen mit der Fahrt von Irland nach Frankreich, war diese Fähre geradezu ein Traum, und das, obwohl sie zu einem großen Teil mit verkarterten oder noch immer betrunkenen Schweden gefüllt war. Offensichtlich war es in unserer heutigen, modernen Zeit doch möglich, Schiffsmotoren zu bauen, sie so ruhig liefen, dass sie nicht alle Gäste von Bord schüttelten.

 
Der letzte Blick zurück auf Helsingör

Der letzte Blick zurück auf Helsingör.

 
Unsere Ankunft im Helsingborger Hafen

Unsere Ankunft im Helsingborger Hafen.

 

Helsingborg - Unser Tor nach Schweden

Und Schweden begrüßte uns auf eine Weise, wie es freundlicher nicht hätte sein können. Helsingborg erwies sich in vielerlei Hinsicht als die angenehmere der beiden Städte. Zum einen war es hier warm und sonnig als wir ankamen und am Nachmittag war es sogar so angenehm, dass wir ein Schläfchen auf einer Relaxliege an der Uferpromenade machen konnten. Allein diese Tatsache verrät schon sehr viel über die Stadt.

 
Blick auf Helsingborg vom Meer aus

Blick auf Helsingborg vom Meer aus.

  Hier noch drei Punkte, die uns besonders gut gefallen haben:

1. Es gibt eine Uferpromenade, an der man flanieren kann, ohne sich vor lauter Straßenlärm die Ohren zuhalten zu müssen.

2. Es gibt Relaxliegen, was eine super feine Geste der Stadtegierung ist.

Und 3., es war hier bereits sommerlich warm.

 
Das Grandhotel in Helsingborg

Das Grandhotel in Helsingborg.

 
Die Einkaufsmeile von Helsingborg

Die Einkaufsmeile von Helsingborg.

 
Die Innenstadt von Helsingborg

Die Innenstadt von Helsingborg.

 
Ein Piratenspielplatz in der Stadt

Ein Piratenspielplatz in der Stadt.

 
Helsingborg von Oben

Helsingborg von Oben.

 
Unser erster schwedischer Strand

Unser erster schwedischer Strand.

 

Auch sonst entpuppte sich Helsingborg als eine durchaus ansehnliche Stadt, vor allem für eine Stadt ihrer Größe. Zum Übernachten wurden wir dabei in die katholische Kirchengemeinde eingeladen, die allerdings vollständig aus polnischen Pfarrern und Nonnen bestand.

 
Helsingborg ist eine beeindruckende Hafenstadt

Helsingborg ist eine beeindruckende Hafenstadt.

   

Wandertipps für Dänemark

Damit das Wandern in Dänemark Spaß macht, gibt es tatsächlich ein paar Dinge, die man beachten sollte. Denn ähnlich wie Holland ist Dänemark ein verhältnismäßig kleines Land mit recht dichter Besiedelung. Die normalen Straßen sind daher für Wanderer vollkommen ungeeignet und man sollte sich ein bisschen Zeit nehmen, um sich kleine Nebenstraßen, Feldwege oder Wanderwege herauszusuchen. Dann nämlich ist Dänemark mit seinen vielen Küsten, dem weiten Dünenland und der leicht hügeligen aber überwiegend flachen Landschaft ein ideales Wanderland. Empfehlenswert für Wanderer, die etwas länger und rustikaler unterwegs sein wollen sind auch die beiden Fernwanderwege.

Fernwanderwege in Dänemark

Der E1 führt in Richtung Norden bis zum Nordkap und in Richtung Süden bis nach Italien. Der E6 verläuft hingegen vom Nordwesten Finnlands bis hinunter zu den Dardanellen in der Türkei. Leider mussten wir auf unserer Reise immer wieder feststellen, dass die E-Wege, also die Europäischen Fernwanderwege anders als die Jakobswege nur sehr lückenhaft ausgebaut wurden. Das heißt, sie sind mit einem Pilgerwagen größtenteils unzugänglich und nur geeignet, wenn man mit relativ leichtem Gepäck und sicherem Tritt unterwegs ist. Außerdem benötigt man in jedem Fall gutes Kartenmaterial oder die entprechenden GPS-Verlaufspunkte, denn die Ausschilderung lässt mehr als nur zu wünschen übrig. Hier findet ihr eine recht gute Übersicht mit den dänischen Wanderwegen und den passenden Koordinaten dazu: https://hiking.waymarkedtrails.org/

Sehenswürdigkeiten in Dänemark

Anders als beispielsweise Italien ist das kulturelle Angebot in Dänemark eher mau. Vor allem die größeren Städte lohnen sich in der Regel nicht als Ausflugsziele. Wir selbst haben sie als laut, hektisch und nicht besonders schön empfunden. Eine Ausnahme stellt hier nur Koppenhagen dar. Sie ist natürlich die größte Stadt und daher durchaus auch mehr als nur reichlich mit Verkehr gesegnet. Gerade der Altstadtbereich bietet aber dennoch einiges und ist auch deutlich ruhiger und angenehmer, als viele kleinere Städte im Umkreis. Sehenswert ist dabei vor allem die Freistadt Christiania. Es ist eine Commune, die sich selbst für vollkommen unabhängig von Dänemark erklärt hat und daher eigene Regeln und Gesetzte hat, die vom dänischen Staat sogar mehr oder weniger akzeptiert werden.

Kopenhagen Innenstadt

Kopenhagen Innenstadt

 
Segelschiffe in Kopenhagen

Segelschiffe in Kopenhagen

 
Kleine Kanäle in Kopenhagen

Kleine Kanäle in Kopenhagen

 

Besonders schön ist auch der Nyhavn mit seinen bunten Häuschen und den kleinen Kanälen, in denen sich die Schiffe sammeln. Auch die Universität und der Vergnügungspark Tivoli sind einen Besuch wert. Zudem gibt es einige schöne Schlösser, wie das Schloss Amalienborg und das Schloss Rosenborg mit seinem beeindruckenden Garten, sowie die Schlosskirche Christiansborg. Auch die Frederikskirche und das große Aquarium "Der Blaue Planet" sind einen Besuch wert.

Die Universität von Kopenhagen

Die Universität von Kopenhagen

 
Der Hauptplatz von Kopenhagen

Der Hauptplatz von Kopenhagen

 
Kopenhagener Altstadt Schlosskirche

Kopenhagener Altstadt - Schlosskirche

 

Auf den Wegen der Kindheit

Als wir vor rund 2 Jahren durch den Norden Italiens wanderten und dabei durch Rimini und San Marino kamen, waren in Heiko viele alte Erinnerungen an die Familienurlaube seiner Kindheitstage geweckt worden. Ganz ähnlich erging es nun mir, als wir die Grenze nach Dänemark überquerten. Als Kind hatte ich einen Großteil meiner Sommerferien in kleinen, reetgedeckten Ferienhäusern an dänischen Stränden verbracht. Wir waren in den Dünen umhergewandert, hatten Burgen am Strand gebaut, Feuerholz für das knisternde Kaminfeuer gesucht, Kerzen gezogen, im Meer gebadet, Steine und Muscheln gesammelt und was man eben sonst noch so im Familienurlaub tut. Sehr präsent erinnerte ich mich auch noch an eine ganz Spezielle Fleischpastete, die man mit Röstzwiebeln, einer unwahrscheinlich gelben Remoulade und süß-sauer eingelegten Gurken auf Brot aß. Ausgehend von all diesen Erinnerungen, sowie von unseren Begegnungen, die wir bisher mit Dänen auf unserer Reise hatten, hatten wir eine ganze Reihe positiver Vorurteile über dieses kleine Land entwickelt. Dänemark, da waren wir uns sicher, würde das reinste Zuckerschlecken werden. Eine entspannte Wanderung durch eine idyllisch-ursprüngliche Dünenlandschaft voll von interessanten Vögeln, urigen Dörfchen und netten, hilfsbereiten und herzlichen Menschen.

Geschickte Lösungen

Tatsächlich sah es auch bei unserem Grenzübertritt so aus, als würden diese Vorurteile direkt bestätigt werden. Der Wanderweg, der in Deutschland kaum mehr als ein Trampelpfad auf einer Wiese war, war direkt nach der Grenze zu einem erstklassigen Fahrrad- und Wanderweg ausgebaut worden. Er schlängelte sich geschickt durch die Landschaft, wich den Straßen aus und führte uns schließlich in den ersten Ort, der auch unser Zielort werden sollte. Hier waren wir dann gleich noch mehr begeistert von dem, was wir sahen. Die dänischen Ortschaften schienen komplett anders aufgebaut zu sein, als alle, die wir zuvor gesehen hatten. Die Wohnviertel waren dabei so angeordnet, dass man die Belästigung durch den Verkehr minimiert hatte. Es gab keine großen Stadtbereiche, durch die man hindurch fuhr, um zum nächsten zu gelangen, sondern immer nur kleine Stichstraßen, die für Autofahrer als Sackgassen endeten, aber durch Fuß- und Radwege miteinander verbunden waren. Auf diese Weise gab es in jedem Viertel stets nur die Autos der Fahrer, die auch wirklich hier wohnten oder die ein direktes Anliegen hatten. So ruhig wie hier war es bislang daher nur in wenigen Dörfern gewesen.

Unangenehmes Erwachen

Kaum hatten wir jedoch die Kirche erreicht, in dessen Gemeinde wir nach einer Übernachtungsmöglichkeit suchen wollten, nahm das Blatt eine jähe Wendung. Man begegnete uns ausgesprochen kühl, distanziert und abweisend und es schien niemanden zu geben, der auch nur eine Sekunde überlegen wollte, ob es im Ort eine Übernachtungsmöglichkeit gab. So wenig Hilfsbereitschaft hatten wir erst selten erlebt. Auch in den umliegenden Hotels und Pensionen wurde es nicht besser und beschlich uns langsam das Gefühl, dass sich Dänemark vom Traumurlaub in einen Höllenritt wandeln könnte. Heute war es noch sonnig und einigermaßen warm, so dass es nicht groß etwas ausmachte im Freien zu warten, aber bereits für die nächsten Tage war ein Kälteeinbruch mit Schneefall vorhergesagt worden. Wenn wir dann keinen Schlafplatz fanden, konnte die ganze Sache sehr schnell unangenehm und sogar gefährlich werden.

Neue Zuversicht

Um nicht zu viel Zeit mit erfolglosen Gesprächen zu vergeuden brachen wir die Suche ab und setzten unsere Wanderung in den nächsten Ort fort. Vielleicht hatten wir ja einfach Pech und haben auf einen schlag alle unfreundlichen Dänen erwischt die es gibt.

weiße kirche

Bei dieser weißen Kirche wurden wir herzlich empfangen

Und tatsächlich fanden wir uns im nächsten Dorf schneller in einer Unterkunft wieder als wir bis drei zählen konnten. Gleich im Zentrum traf ich einen Mann, den ich nach dem Weg zum Pfarrhaus fragte. Wir kamen ins Gespräch und er erzählte, dass er eine Kunstgalerie hier im Ort besaß und dass seine Eltern eine Ferienwohnung vermieteten, die sich im gleichen Haus oben drüber befand. Sie stand leer und es reichte ein einziger Anruf bei seiner Mutter um uns mit allem zu versorgen, was wir für den Abend brauchten.

Einige Stunden später besuchte uns die Familie mit einem großzügigen Abendessen und wir erfuhren noch ein Detail, das der ganzen Geschichte eine gewisse Ironie hinzufügte. Der Bruder unseres Gastgebers war nämlich Pfarrer in genau der Kirchengemeinde, in der wir zuvor so schlechte Erfahrungen gemacht hatten. Er war derjenige gewesen, nach dem wir gefragt hatten und zu dem uns niemand weiterleiten wollte, da es ja ohnehin keine Möglichkeiten für fremdartiges Wandererpack gab, um sich hier einzunisten. Als er von der Geschichte erfuhr, war er traurig uns verpasst zu haben und äußerst sauer auf seine Mitarbeiter, dass sie uns auf diese Art begegnet waren und ihn nicht einmal informiert hatten. Es gab nun wohl einige Mitarbeiter in seiner Gemeinde, die es in den nächsten Wochen nicht leicht haben würden.

Eintrittskarte in den inneren Kreis

Am nächsten Morgen wanderten wir weiter und erreichten nach einiger Zeit eine kleine Gemeinde, die von einer jungen Pastorin geleitet wurde. Auch sie war zunächst etwas vorsichtig damit, Fremde einzuladen, über die sie so gar nichts wusste, doch das hielt sie nicht davon ab, uns einen separaten Gemeindesaal zur Verfügung zu stellen. Als später das Eis ein bisschen gebrochen war, erklärte sie sich bereit, den Pfarrer im nächsten Ort über unser Kommen zu informieren und uns gewissermaßen als Gäste zu empfehlen. Damit begann eine Kette, die bis zu unserer Überfahrt nach Schweden auch nicht mehr abreißen sollte. Jeder Gastgeber, der uns aufnahm, fragte uns nach dem nächsten Ziel und telefonierte dann so lange herum, bis er einen geeigneten Platz für uns gefunden hatte. Teilweise waren es Kirchenzentren oder Pfarrhäuser, häufig aber auch private Gästezimmer bei unterschiedlichsten Personen. Wir übernachteten bei Polizisten, bei den Betreibern eines kleinen, christlichen Verlages, bei Rentnern, Doktoren und natürlich bei Pfarrern. Teilweise bekamen wir sogar Einladungen in Häuser in denen niemand zuhause war. „Ihr findet den Schlüssel unter der Fußmatte! Die Gästezimmer befinden sich links und rechts der Küche. Macht euch Tee und was zu Essen wenn ihr wollt! Wir kommen dann irgendwann!“ hieß es in diesen Fällen. Man kann also nicht sagen, dass die Dänen generell ängstliche, skeptische Leute sind. Es gibt hier durchaus Unterschiede.

Wandern im Winter-Wunder-Land

Ohne die Weiterleitungen von einem Gastgeber zum nächsten, so dass wir vollkommen ohne Zwischenwartezeiten direkt nach dem Wandern an einem neuen Platz ankommen konnten, wäre unser Dänemarkurlaub um diese Zeit sicher ein Desaster geworden. Denn bereits am zweiten Tag fing es zu schneien an. Und das nicht nur ein bisschen! Es schneite wie im Märchen von Frau Holle und schon nach wenigen Stunden waren die Straßen von 30 bis 40cm Schnee bedeckt. Hinzu kamen eisige Winde und mindestens jeden zweiten Tag gab es Neuschnee. Unter diesen Bedingungen wäre jede Minute Stillstand im Freien zum Verhängnis geworden. Doch da wir bereits am Morgen wussten, dass für uns gesorgt war, konnten wir das Schauspiel genießen. Die Welt ist einfach eine vollkommen andere, wenn sie verschneit ist. Am schönsten und eindrucksvollsten war es jedoch am Meer, wo die Brandung eine dicke Eisschicht auf den Felsen am Ufer hinterlassen hatte, die gleichzeitig martialisch und filigran wirkte.

Nicht ganz so schön wie gedacht

Leider entpuppte sich Dänemark selbst nicht als das Traumwanderland, das wir erwartet oder zumindest erhofft hatten. Genau wie Holland hatte es das Problem, dass hier zu viele Menschen auf sehr engem Raum lebten, wodurch es nahezu unmöglich wurde, dem starken Verkehr auszuweichen. Vor allem die größeren Städte erwiesen sich als unangenehme Lärmburgen, die uns sehr stark an England erinnerten. Beruhigte Fußgängerzonen und Stadtzentren gab es in der Regel nicht und auch die Wohnviertelregelung mit dem Sackgassenprinzip ließ sich hier nicht mehr finden. Wir lernten also schnell, dass es auch in diesem Land galt, alles zu vermeiden, was größer war als ein Dorf. Sofern dies eben möglich war. Denn um nach Schweden zu gelangen gab es nur zwei sinnvolle Wege, die beide ihre Vor- und Nachteile hatten. Einer führte bis hinauf an den nördlichsten Punkt von Dänemark, von wo aus man mit dem Schiff nach Norwegen übersetzen konnte. Von dort aus konnte man dann nach Schweden weiter wandern. Wir entschieden uns jedoch für die zweite Variante. Sie führte über die Dänischen Inseln, auf die man über eine Brücke und mit einem Zug gelangen konnte. Für die letzte Überquerung der Ostsee von Helsingør nach Helsingborg brauchten wir dann wieder eine Fähre. Gerade der hintere Bereich, der bereits relativ nahe an Kopenhagen gelegen war, erwies sich als recht dicht bevölkert und hatte nur noch wenige Stellen, die wirklich schön waren. Die ursprüngliche Romantik der Stranddörfer mitten in den Dünen gab es anscheinend nur in einigen gezielt gewählten Touristenregionen. Der Rest war ähnlich ernüchternd wie Ostfriesland.

Kinder, Kirchen und Küchen

Zum Abschluss über unsere Dänemarkzeit bleiben noch drei Punkte, die erwähnenswert sind. Zunächst wäre da die Kindererziehung die ja international in den skandinavischen Ländern meist über alles in den Himmel gelobt wird. Dies konnten wir leider nicht bestätigen. Im Gegenteil ließ sich feststellen, dass die antiautoritäre Erziehung, die hier üblich war, häufig dazu führte, dass die Familien regelrecht von ihren Kindern terrorisiert wurden. Es kam einige Male vor, dass wir Plätze ablehnten, weil es mit zwei oder drei Kindern im Haus einfach unaushaltbar war. Und damit meine ich nicht, dass es schwierig war, sich zu konzentrieren, weil die Kinder im Wohnzimmer spielten. Ich meine, dass es sich viele Kinder zu einer gezielten Strategie gemacht hatten, dadurch die Aufmerksamkeit ihrer Eltern zu erhaschen, dass sie ganz bewusst alles störten, was nicht sie selbst in den Mittelpunkt des Geschehens rückte. Spannend dabei war, dass einigen Eltern die Dramatik des Zustandes in ihrem Haus erst durch uns bewusst wurde. Zuvor war es für sie einfach normal gewesen, dass Kinder laut und unangenehm sind und dass man am Abend einfach vollkommen erschöpft und ausgelaugt in sein Bett fiel. Nun, da sie es uns aber angenehm machen wollten, fiel ihnen zum ersten Mal auf, dass dies unmöglich war und dass sie dieser Umstand selbst viel mehr störte, als sie es sich je eingestanden hatten. Es dauerte daher zumeist nicht lange, bis sie eine Alternativlösung für uns gefunden hatten. Dafür dauerte es meist um so länger, bis sie bereit waren, diese Alternativlösung selber wieder zu verlassen und zu ihrer Familie zurückzukehren.

Ebenfalls spannend war die Stellung der Kirche hier im Land. Sie hatte durchaus eine gewisse Präsenz, hatte dabei aber fast vollkommen die Rolle einer Jugendbetreuungseinrichtung übernommen, wohingegen Religion eher ein untergeordnetes Thema war. So bestand der Konfirmationsunterreicht vor allem aus Bastelstunden. Unser persönliches Highlight in diesem Bereich war eine Unterrichtseinheit in der die Kinder Kirchen aus Marshmallows und Spagetti bauen sollten.

Was die dänische Küche anbelangte entsprach sie tatsächlich noch ziemlich genau dem, was ich aus unseren Familienurlauben in Erinnerung hatte. Wohin wir auch kamen gab es reichhaltig gedeckte Tische mit Räucherfisch, besagter Fleischpastete, Remoulade, Röstzwiebeln, Gurken, Käse, Trinkjogurt und einigem mehr. Erstaunlicherweise sah aber dennoch jeder Essenstisch nahezu gleich aus. Es gab die gleiche Pastete, den gleichen Fisch, die gleichen Röstzwiebeln und den gleichen Jogurt in jedem Haushalt. Ein Phänomen, das wir übrigens nicht nur in Dänemark sondern in sehr vielen Ländern beobachteten. Kam man über eine Grenze, so betrat man fast immer ein vollkommen neues Reich der Kulinarik. Hielt man sich längere Zeit im gleichen Land auf, so stellte man fest, dass es sich um eine kollektive Kulinarik handelte, die kaum noch Variationen innerhalb dieses Länderspezifischen Kulturkreises hatte.

Schreibe einen Kommentar:

Speichere Namen, Email und Webseite im Browser fur zukunftige kommentare