Der erste Eindruck von Schweden

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Der erste Eindruck von Schweden

So gut unser Eindruck von Helsingborg und damit unser Erstkontakt mit Schweden auch war, so sehr mussten wir doch feststellen, das wir uns nicht in dem Paradies des Nordens befanden, das wir uns erwartet und erhofft hatten. Im Gegenteil, entpuppten sich die Südschweden zunächst einmal als verhalten, ängstlich abweisend und eher skeptisch gegenüber Fremden, als offen und gastfreundlich. So wurden gleich unsere ersten Tage in diesem neuen Land zu regelrechten Mammutetappen und der einzige Grund, warum wir überhaupt an Schlafplätze kamen, war der Umstand, dass es hier noch einige katholische Pfarrer gab, die aus Deutschland oder Polen zugereist waren.

So wurden wir gleich am zweiten Tag von einem deutschen Pfarrer, der selbst nicht einmal im Land war, eingeladen. Er ließ uns lediglich seinen Haustürschlüssen in einem Blumenkasten hinterlegen und beschrieb uns am Telefon wie wir uns in seiner Wohnung und seiner Küche zurechtfinden konnten. Der einzige Haken dabei war nur, dass der Mann eigentlich knapp drei Tagesetappen von Helsinborg entfernt wohnte.

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Auch am nächsten Tag wurde die Strecke nicht kürzer. Dieses Mal war es jedoch ein Polizist, der uns rettete. Er war gerade dabei, auf einem seiner Waldgrundstücke einen alten Geräteschuppen zu verbrennen und lud uns ein, unsere kalten Hände am warmen Feuer zu wärmen. Während des Gesprächs kamen wir auch auf unsere Schlafplatzsituation zu sprechen, woraufhin er uns einen Kontakt zu einem evangelischen Pfarrer und einer Lokalzeitung herstellte. Dies war der Moment, in dem wir das System hier zum ersten Mal verstanden. Denn als wir den Pfarrer selbst anriefen, gab es dort leider keinen Platz für uns, da die schwedische Kirche allgemein keine Seminar- und Gemeindesäle habe, was man natürlich sehr bedauere. Als wir jedoch die Zeitung anriefen, einen Pressetermin vereinbarten und als Gegenzug darum baten, uns eine Übernachtungsmöglichkeit zu besorgen, sah die ganze Sache schon ganz anders aus. Nun bekamen wir bei genau dem Pfarrer einen Platz, der zuvor keinen gehabt hatte. Und nicht irgendeinen, wir bekamen ein komplettes Pfarrgemeindezentrum mit über 100 Quadratmetern. Allerdings unter der Voraussetzung, dass wir unseren Interviewtermin dort in jenem Zentrum abhielten und dass der Pfarrer dabei sein und sich als unser Gastgeber zeigen durfte. So lief der Hase hier also! Man bekam durchaus alle Hilfe, die man brauchte, man bekam sie nur nicht umsonst, sondern gegen eine spezielle Form der Bezahlung. Und diese bestand zumindest in dieser Region vor allem aus Prestige.

In den nächsten Tagen kamen wir immer mehr hinter das System, das hier nötig war, um das Land auf unsere Weise zu bereisen. Wie zuvor bereits in Dänemark war auch hier nichts wichtiger, als Connections. Wenn man es schaffte, von einem Platz zum nächsten Weitervermittelt zu werden, dann lief alles wie am Schnürchen. Klappte es einmal nicht, konnte ein Tag schnell einmal in einer endlosen Wanderung enden.

Aber auch landschaftlich hatten wir den Süden von Schweden völlig anders eingeschätzt. Man spürte unverkennbar, dass hier die Industrie zu Hause war. Vor allem entlang der Küste reihte sich eine Großstadt an die nächste. Schweden mochte dünn besiedelt sein, aber für diese Region galt das offensichtlich noch nicht.

Ein weiteres Phänomen, das uns überraschte, war unser Wettlauf mit dem Schnee. Je später es im Jahr wurde, desto mehr taute er ab und verschwand. Je höher man jedoch auf der Landkarte Richtung Norden kam, desto später fand dieser Prozess statt. Das führte dazu, dass wir fast permanent entlang der Schneegrenze wanderten. Am Vormittag erreichten wir immer wieder einen Punkt, an dem noch Schnee lag. Dann kam die Sonne und taute ihn weg und am nächsten Morgen wanderten wir wieder in ein neues Schneegebiet.

Heiko Gärtner und Franz von Bujor sind ausgebildete Survivalexperten und Extremjournalisten. Seit 2014 wandern sie zu Fuß und ohne Geld um die Welt um auf diese Weise tiefe Einblicke in unsere Gesellschaft mit all ihren Facetten, Kulturen und Systemen zu bekommen. Als Medizinjournalisten sind sie unter anderem Mitglieder des Deutschen Fachjournalisten Verbandes und schreiben neben Artikeln für Blogs, Zeitungen und Magazine auch Sachbücher und Ratgeber. 2013 veröffentlichten sie gemeinsam ein Grundlagenwerk über Antlitzdiagnose mit dem Titel "Krankheiten auf einen Blick erkennen". 2016 folgte ihr zweites Werk "Die natürliche Heilkraft der Bäume". Dabei handelt es sich um ein Lehrbuch, um die Grundlagen der Naturheilung zu erlernen, wie sie seit Jahrtausenden von indigenen Völkern überall auf der Welt angewendet werden. Heiko Gärtner ist zudem gelernter Natur- und Landschaftspfleger, Wildnislehrer, Hochseilgartentrainer sowie Berg- und Höhlenretter. Nach seiner Ausbildung zum Versicherungsfachwirt leitete er unter anderem Motivation und Verkaufstrainings und übernahm später eine eigene Generalagentur. Aus dieser Zeit konnte er unter anderem auch ein umfangreiches Verständnis und Wissen aus den Bereichen Versicherungsrecht, Recht im Allgemeinen, Buchhaltung, Wirtschaftsmathematik und Unternehmensführung mitnehmen. Um mehr seinem Herzensweg zu folgen, gab er seine Büro-Karriere schließlich auf, um sich zum Survivalexperten, Nationalparkranger und Wildnismentor ausbilden zu lassen. In diesem Rahmen besuchte er unter anderem Naturvölker in Neuseeland, Kanada, den USA und Thailand. Dabei gründete er unter anderem seine eigene Wildnisschule, die bis heute besteht und Ausbildungen aus dem gesamten Wildnissektor anbietet. Franz von Bujor ist studierter Kultur- und Sozialpädagoge, sowie ausgebildeter Wildnislehrer, Mediator und Erlebnispädagoge. Auf seinen vielzähligen Reisen unter anderem nach Australien und Lateinamerika sammelte er Expertenwissen im Bereich alternatives Leben und Reisen, Minimalismus, Backpacking und Work and Travel, sowie allgemein im Bereich Kunst, Kultur, Religion und Geschichte. Seit 2016 lebt er als Wandermönch.

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