Der Heilige Thomas

///Der Heilige Thomas

Der Heilige Thomas

Heute erreichten wir Ortona, eine Stadt an der italienischen Küste, die ungünstig hoch auf einem Steilhang liegt. Dass wir sie überhaupt erreichten war knapp, denn bei der Hitze und Luftfeuchtigkeit waren wir bereits halb zerflossen, noch ehe wir überhaupt mit dem Anstieg begonnen hatten. Im Zentrum der Stadt erreichten wir dann die Kathedrale zum Heiligen Apostel Thomas. Der Name kam nicht von ungefähr, denn der Überlieferung nach sind hier in einem Schrein die Gebeine des heiligen Apostels Thomas aufbewahrt.

Italienische Kirche

Italienische Kirche

Wer war der heilige Thomas?

Thomas war einer der Jünger Jesu und galt hierbei stets ein bisschen als ein Sonderling. Er war niemand, der die Dinge einfach so glaubte, sondern hinterfragte alles. Als einziger der 12 Apostel zweifelte er auch die Auferstehung von Jesus an und wollte sie erst glauben, nachdem Jesus ihm gestattet hatte, die Wundmale an den Händen nicht nur zu sehen, sondern auch zu berühren. Er ging daher auch als Thomas der Zweifler in die Geschichte ein.

Nachdem Jesus in den Himmel zurückgekehrt war, machte sich Thomas wie auch viele andere Apostel daran, die Lehren seines alten Herren zu verbreiten. Dabei soll er vor allem Richtung Osten gezogen sein und das Evangelium in Syrien und im Irak verbreitet haben. Schließlich führte ihn seine Reise sogar bis nach Indien, wo er erst recht erfolgreich missionierte, dann aber im Rahmen seiner Bekehrungsarbeit getötet wurde. Viele Jahre lang war er daraufhin in einem Ort namens Madras im Bezirk Mailapur beigesetzt. Ein Großteil seiner Gebeine wurde dann später nach Edessa in die heutige Türkei verlegt. Dort wurden sie dann 1258 von Kreuzfahrern entdeckt und nach Europa, besser gesagt nach Italien gebracht. Seither liegen sie hier in Ortona. Vorausgesetzt natürlich, es handelte sich dabei wirklich um seine Knochen, denn bei so vielen Umzügen lässt sich das im Nachhinein natürlich schwer sagen.

Auf jeden Fall aber gibt es bis heute einen Thomas-Kult mit vielen Heiligtümern und Pilgerzielen in Indien.

Ein italienischer Altar

Ein italienischer Altar

Der etwas andere Apostel

Spannend an seiner Geschichte sind auch die Aufzeichnungen, die er uns hinterlassen hat. So gibt es auch ein sogenanntes Thomas-Evangelium, das nicht in der Bibel enthalten ist, weil es zu sehr aus dem Rahmen fällt. Es gilt zudem heute als eine Fälschung bzw. Falschzuschreibung. Das bedeutet, dass die Texte selber durchaus echt und alt sind, aller Wahrscheinlichkeit aber von jemand anderem verfasst wurden. Die Geschichtsforscher machen dies vor allem an der Schreibweise fest, die sich deutlich von denen der anderen Evangelisten unterscheidet. Außerdem widersprach die Darstellung von Thomas in vielen Punkten den Darstellungen, die die anderen Apostel über Jesus vermittelt haben. In Anbetracht unseres weitgereisten und berühmten Nachbarn war es nur passend, dass wir heute bei einer indischen Gemeinschaft unterkommen konnten.

Spruch des Tages: Auch ein Apostel muss nicht einfach alles glauben

Tagesetappe: Kirchliches Hotel „Albergo San Gabriele“, Villa Rosa, Italien

Heiko Gärtner und Franz von Bujor sind ausgebildete Survivalexperten und Extremjournalisten. Seit 2014 wandern sie zu Fuß und ohne Geld um die Welt um auf diese Weise tiefe Einblicke in unsere Gesellschaft mit all ihren Facetten, Kulturen und Systemen zu bekommen. Als Medizinjournalisten sind sie unter anderem Mitglieder des Deutschen Fachjournalisten Verbandes und schreiben neben Artikeln für Blogs, Zeitungen und Magazine auch Sachbücher und Ratgeber. 2013 veröffentlichten sie gemeinsam ein Grundlagenwerk über Antlitzdiagnose mit dem Titel "Krankheiten auf einen Blick erkennen". 2016 folgte ihr zweites Werk "Die natürliche Heilkraft der Bäume". Dabei handelt es sich um ein Lehrbuch, um die Grundlagen der Naturheilung zu erlernen, wie sie seit Jahrtausenden von indigenen Völkern überall auf der Welt angewendet werden. Heiko Gärtner ist zudem gelernter Natur- und Landschaftspfleger, Wildnislehrer, Hochseilgartentrainer sowie Berg- und Höhlenretter. Nach seiner Ausbildung zum Versicherungsfachwirt leitete er unter anderem Motivation und Verkaufstrainings und übernahm später eine eigene Generalagentur. Aus dieser Zeit konnte er unter anderem auch ein umfangreiches Verständnis und Wissen aus den Bereichen Versicherungsrecht, Recht im Allgemeinen, Buchhaltung, Wirtschaftsmathematik und Unternehmensführung mitnehmen. Um mehr seinem Herzensweg zu folgen, gab er seine Büro-Karriere schließlich auf, um sich zum Survivalexperten, Nationalparkranger und Wildnismentor ausbilden zu lassen. In diesem Rahmen besuchte er unter anderem Naturvölker in Neuseeland, Kanada, den USA und Thailand. Dabei gründete er unter anderem seine eigene Wildnisschule, die bis heute besteht und Ausbildungen aus dem gesamten Wildnissektor anbietet. Franz von Bujor ist studierter Kultur- und Sozialpädagoge, sowie ausgebildeter Wildnislehrer, Mediator und Erlebnispädagoge. Auf seinen vielzähligen Reisen unter anderem nach Australien und Lateinamerika sammelte er Expertenwissen im Bereich alternatives Leben und Reisen, Minimalismus, Backpacking und Work and Travel, sowie allgemein im Bereich Kunst, Kultur, Religion und Geschichte. Seit 2016 lebt er als Wandermönch.

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