Der letzte Tag des alten Lebens

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Der letzte Tag des alten Lebens

Der letzte Tag des alten Lebens

01.01.2012

Heute ist unser letzter Tag vor dem Aufbruch! Morgen um gegen 11:00 Uhr Neumarktes Ortszeit beginnt unsere große Reise. Unsere Gefühle fahren Achterbahn und schwanken ständig zwischen Vorfreude, Abschiedsmelancholie, Angst, Erwartung und genervt sein vom Packen hin und her. Zur Feier des Tages hat uns das Universum noch mal einiges an Herausforderungen und Prüfungen gestellt. Wie man vielleicht an der Uhrzeit erkennen kann, zu der ich diesen Bericht schreibe, hat unsere Zeitplanung mal wieder nicht ganz so hingehauen, wie wir sie uns vorgestellt haben. (Es ist 6:30 und noch immer ist mein Laptop am Werkeln, um die letzten Daten für die Reise einzuladen.)

Vorfreude auf die Weltreise

Vorfreude auf die Weltreise

Die letzten Tage standen vollständig unter dem Zeichen der Vorbereitung. Heiko hat am 24. Dezember passend zu Weihnachten die Pilgerwagen bekommen und die Weihnachtstage zusammen mit seinem Schwager für den Aufbau und den Test unserer Pilgerwägen genutzt. Ich habe mich in der Zwischenzeit in jeder freien Minute um unseren Blog gekümmert, der jetzt schon fast vorzeigefertig ist. (Keine Angst, er wird demnächst noch weiter ausgebaut und auch die leeren Seiten werden noch gefüllt) Am 29.12. bin ich dann mit dem Zug wieder nach Neumarkt getingelt. Dies war der erste Tag der großen Verabschiedungen. Seit dem ist alles was wir tun eine Art Abschied. Das letzte Mal mit dem Auto durch Neumarkt fahren. Das letzte Mal in die Wohnung in der Badstraße gehen und sie an unseren Vermieter übergeben… Wirklich das letzte Mal? Nicht ganz. Nachdem Peter, unser neuer Mieter am 31.12. um 10:00 eingezogen ist und wir sämtliche Schlüssel an ihn abgegeben haben, standen wir um 22:00 schon wieder auf unserer alten Fußmatte. Diesmal als Silvestergäste. Ein komisches Gefühl, an seiner eigenen Haustür zu klingeln und in der eigenen Wohnung plötzlich Gast zu sein. Zuvor besuchten wir ein letztes Mal den Wald in Berngau, in dem in den letzten Jahren unsere Ausgesetzt in der Wildnis Seminare stattfanden. Im Schein unseres kleinen Lagerfeuers formten wir dort aus eiskaltem Lehm je eine Tonmaske, als Teil unseres Übergangsrituals ins Nomadenleben. Trotz der Kälte gab es für uns keinen Zweifel daran, dass dies unser eigentliches Zuhause ist. Nicht Berngau oder speziell dieser Wald, sondern die Natur an sich. Zum ersten Mal seit Beginn unserer Vorbereitungen Anfang des Jahres spürten wir deutlich, dass wir nicht aufbrechen um wegzugehen, sondern um noch mehr da zu sein, um die Verbindung zur Welt und zum Leben zu spüren und um ganz Präsent im jetzt zu sein.

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Doch mit der Präsenz im Jetzt war es heute noch nicht weit her. Darauf zu achten, was uns jetzt am liebsten wäre, war heute kaum Möglich. Viel zusehr war der Kopf damit beschäftigt, an alles zu denken, was wir in Zukunft brauchen werden. Und wie um zu zeigen, dass das auf Dauer keine Lösung ist, schenkte uns das Universum lauter kleine Arschtritte in Form von Pannen und Pleiten. Unsere Kameratasche ist noch immer nicht angekommen. Seit Weihnachten stand noch ein Paket aus, dass nicht abgeholt werden konnte, weil es bei einer Packstation lag, die gleichzeitig eine Pizzabude ist und über die Feiertage geschlossen hatte. Voller Erwartungen fuhren wir daher heute nach Neumarkt (das besagte letzte Mal) um das Paket und eine leckere Pizza zu holen. Wir bekamen beides. Doch keins davon war so wie gedacht. Unser Paket enthielt keine Fototasche, sondern Bücher, die uns der BLV-Verlag gesponsert hat. Großartige Bücher, auch wenn man keine Kamera darin aufbewahren kann. Die Pizza war hingegen so dermaßen scharf, das selbst wir chilierprobten Scharfesser fasst daran gestorben wären. Naja, dachten wir, immerhin können wir jetzt noch unser Paket bei der Packstation abgeben, das dringend vor der Reise noch weg muss. Leider stellte sich heraus, dass die Packstation voll war und keine Pakete mehr annehmen konnte.

In etwa diesem Stil verlief auch der Rest des Tages. Dennoch haben wir es irgendwie geschafft alles organisiert zu bekommen. Jetzt ist alles bereit was bereit sein kann und nach diesem Bericht, werde auch ich mich auf´s Ohr hauen.

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Ich bin gespannt auf die nächste Zeit!

Das Abenteuer beginnt!

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Heiko Gärtner und Franz von Bujor sind ausgebildete Survivalexperten und Extremjournalisten. Seit 2014 wandern sie zu Fuß und ohne Geld um die Welt um auf diese Weise tiefe Einblicke in unsere Gesellschaft mit all ihren Facetten, Kulturen und Systemen zu bekommen. Als Medizinjournalisten sind sie unter anderem Mitglieder des Deutschen Fachjournalisten Verbandes und schreiben neben Artikeln für Blogs, Zeitungen und Magazine auch Sachbücher und Ratgeber. 2013 veröffentlichten sie gemeinsam ein Grundlagenwerk über Antlitzdiagnose mit dem Titel "Krankheiten auf einen Blick erkennen". 2016 folgte ihr zweites Werk "Die natürliche Heilkraft der Bäume". Dabei handelt es sich um ein Lehrbuch, um die Grundlagen der Naturheilung zu erlernen, wie sie seit Jahrtausenden von indigenen Völkern überall auf der Welt angewendet werden. Heiko Gärtner ist zudem gelernter Natur- und Landschaftspfleger, Wildnislehrer, Hochseilgartentrainer sowie Berg- und Höhlenretter. Nach seiner Ausbildung zum Versicherungsfachwirt leitete er unter anderem Motivation und Verkaufstrainings und übernahm später eine eigene Generalagentur. Aus dieser Zeit konnte er unter anderem auch ein umfangreiches Verständnis und Wissen aus den Bereichen Versicherungsrecht, Recht im Allgemeinen, Buchhaltung, Wirtschaftsmathematik und Unternehmensführung mitnehmen. Um mehr seinem Herzensweg zu folgen, gab er seine Büro-Karriere schließlich auf, um sich zum Survivalexperten, Nationalparkranger und Wildnismentor ausbilden zu lassen. In diesem Rahmen besuchte er unter anderem Naturvölker in Neuseeland, Kanada, den USA und Thailand. Dabei gründete er unter anderem seine eigene Wildnisschule, die bis heute besteht und Ausbildungen aus dem gesamten Wildnissektor anbietet. Franz von Bujor ist studierter Kultur- und Sozialpädagoge, sowie ausgebildeter Wildnislehrer, Mediator und Erlebnispädagoge. Auf seinen vielzähligen Reisen unter anderem nach Australien und Lateinamerika sammelte er Expertenwissen im Bereich alternatives Leben und Reisen, Minimalismus, Backpacking und Work and Travel, sowie allgemein im Bereich Kunst, Kultur, Religion und Geschichte. Seit 2016 lebt er als Wandermönch.

4 Kommentare:

  1. Claus 2. January 2014 um 15:51 - Antworten

    Viel Spaß und viel Glück
    Claus
    Auf und Ab

  2. Dominik Goldnagl 15. February 2014 um 17:08 - Antworten

    Tja, die Arschtritte werden hoffentlich auch auf der Reise nicht ganz aufhören, schließlich lernt ma so ja am besten 😛
    – Goidi

    • Heiko Gärtner und Franz Bujor 22. November 2019 um 16:08 - Antworten

      Ich glaube die Arschtritte bleiben schon so schnell nicht aus. 😉 Also keine Angst Goidi – wir werden also weiter lernen. 😉

      Liebe Grüße

      Heiko

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