Ist der Fernpass mit dem Fahrrad auch im Winter passierbar?

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Ist der Fernpass mit dem Fahrrad auch im Winter passierbar?

Ist der Fernpass mit dem Fahrrad auch im Winter passierbar?

Was ist der Fernpass?

Der Fernpass verbindet das Inntal mit der Zugspitz-Region und stellt somit die letzte große Hürde dar, wenn man die Alpen von Süden nach Norden überqueren will. Mit dem Auto gibt es hier die Fernpassstraße, die normalerweise gut geräumt aber auch ebenso gut befahren ist. Lediglich bei starkem Schneefall, kann es sein, dass sie auch für Autofahrer gesperrt wird. Aber wie sieht es mit der Passüberquerung mit dem Fahrrad oder zu Fuß aus?

Passüberquerung zu Fuß oder mit dem Fahrrad

Fußgänger und Radfahrer können den Fernpass hingegen normalerweise auf dem Fernpassradweg überqueren. Dieser wird im Winter jedoch leider überhaupt nicht geräumt. Nicht einmal in bisschen, nicht die Bohne. Gar nicht!
Wir selbst empfanden dies als sehr schade, denn gerade im Winter lohnt sich eine Passbegehung eigentlich besonders. Zu dieser Jahreszeit ist auf der nahegelegenen Straße deutlich weniger los und es gibt sogar einige Momente, in denen es nahezu ruhig wird. Ein Privileg, das man bei einer Alpenüberquerung entlang der Talstraßen leider nur selten genießen darf.

Den unteren Teil des Fernpasses kann man selbst bei Schnee noch gut mit dem Fahrrad überwinden

Den unteren Teil des Fernpasses kann man selbst bei Schnee noch gut mit dem Fahrrad überwinden

Zum richtigen Zeitpunkt Überquerbar

Wir haben uns aber dennoch nicht abhalten lassen und haben den Fernpassradweg mitsamt unserer Pilgerwagen direkt Anfang Dezember in Angriff genommen. Tatsächlich saß uns der Schneeeinfall dabei schon ordentlich im Rücken, denn auch das deutlich tiefer gelegene Inntal war bereits vollkommen mit einer weißen Schneeschicht überzogen. Sämtliche Einheimische, die wir zur Lage der Situation befragten, waren sich darüber einig: Wenn ihr den Fernpass überwinden wollt, dann noch vor dem Wochenende! Danach wird es unmöglich sein!
Allen, die ebenfalls vorhaben, den Fernpass im Winter zu überwinden und die sich die Frage stellen, ob dies möglich ist, können wir daher vorab schon einmal einen Tipp geben: Hört auf die Einheimischen! Die kennen sich aus! Wir selbst haben genau den Tag gewählt, der uns als „letzter gerade noch möglicher Tag beschrieben wurde.“ Und wir können sagen, dass es gerade noch möglich, aber absolut grenzwertig war.

Vorbei am Schloss Schönsteinsee

Am Donnerstag sind wir bereits den ersten Teil von Imst bis Nassereith hinauf gewandert. Dabei mussten wir unsere Pilgerwagen schon fast komplett durch den Schnee ziehen. Dies war aber noch kein Problem, da der Schnee von gelegentlich fahrenden Autos vollkommen platt gedrückt worden war. Es war teilweise etwas glatt, weswegen wir uns hin und wieder so etwas wie Leki Skistöcke zur Sicherheit gewünscht hätten. Mindestens einmal hätten sie mich sicher vor einer äußerst unangenehmen Landung auf dem Hintern bewahrt, der ich so nicht entgehen konnte.
Ab Nassereith wurde der Anstieg dann immer steiler und mit jedem weiteren Höhenmeter wurde auch der Schnee immer dicker. Wir gelangten bis zum Schloss Fernsteinsee, das als Café, Restaurant und Hotel genutzt wird und direkt am malerischen Fernsteinsee liegt. Weniger malerisch war hingegen die Passstraße, die ebenfalls in der Nähe vorbeiführte und dem ganzen eine eher ungemütliche Geräuschkulisse verlieh.

Wandern im Tiefschnee

Vom Schloss aus kann man entweder in einem Bogen einer steilen Straße nach oben folgen oder aber man nimmt eine noch steilere Treppe und landet direkt an den oberen Burgtürmen. Wir entschieden uns für die zweite Variante und hätten dabei nicht gedacht, dass dies nicht einmal im Ansatz der anstrengendste Teil der Wanderung werden sollte. Doch etwas oberhalb der Burg verengte sich der Weg schließlich, sodass keine Autos mehr darauf entlang fahren konnten. Ab hier gab es nun also nichts mehr, das den Schnee für uns hatte einebnen können.

Oben auf dem Fernpass blieb uns nichts anderes als durch den Tiefschnee zu stapfen

Oben auf dem Fernpass blieb uns nichts anderes, als durch den Tiefschnee zu stapfen

Mit jedem weiteren Meter wurde er zudem höher und bald schon steckten wir mitsamt unteren Pilgerwagen in einem gut eineinhalb Meter tiefen Schneechaos fest. Um uns herum befand sich eine traumhafte Winter-Wunderwelt, mit vollkommen unberührtem Schnee. Hin und wieder sahen wir ein paar Rehspuren und manchmal wurden wir von einem Greifvogel besucht. Einmal begegneten wir sogar einem recht neugierigen Mauswiesel, das sich unsere schweißtreibende Schneedurchwühlung in aller Ruhe von einem Ast aus anschaute. Es fehlte nicht viel und es hätte sicher noch seine Nüsse ausgepackt, um während der kinoreifen Unterhaltung etwas zum Knabbern zu haben.

Tatsächlich konnten wir das kleine Tierchen auch gut verstehen, denn wir müssen wirklich ein vorzügliches Bild abgegeben haben, wie wir hier zu Zweit keuchend und ächzend an einem Pilgerwagen zerrten, der bis zu den Deichseln im Schnee steckte.
Für diese letzten zwei Kilometer brauchten wir locker vier Stunden. Dann kamen wir an eine Kreuzung, ab der uns wieder ein Waldarbeiter mit seinem Jeep den Weg vor-geebnet hatte. Von hier aus stießen wir dann aber dennoch auf die Fernpassstraße, um das letzte Stück bis zum Pass auf dem geräumten Asphalt zurückzulegen. Schade, denn die Straße ist hier wirklich kein Genuss.

Auf der Straße über den Pass

Oben auf dem Pass durften wir uns nach all den Strapazen im Restaurant Zugspitzblick bei einem gemischten Grillteller stärken. Dann machten wir uns an den Abstieg, wobei nun leider der gesamte weitere Radweg unter einer dicken Schneeschicht begraben lag, sodass wir bis in die ersten Vororte von Ehrwald an die Hauptstraße gefesselt waren.

Man kann also folgendes über den Fernpass sagen:
Zu Fuß und mit dem Rad ist er in der Regel auch im Winter passierbar. Nur kann man hier bei Schnee leider nicht mit einer Nutzbarkeit des Radweges rechnen, sodass die Straße zur einzigen Alternative wird. Daher sind der Spätherbst und der Vorfrühling, also die Zeiten vor dem ersten Schneefall und nach der Schneeschmelze die besten, um den Pass zu überqueren. Denn dann ist der Radweg nutzbar, der Verkehr auf der nahegelegenen Passstraße aber noch nicht so übertrieben stark, wie im Sommer.
Wie es uns im Tal oder genauer gesagt in Ehrwald ergangen ist, erfahrt ihr in unserem nächsten Tagesbericht.

 

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Heiko Gärtner und Franz von Bujor sind ausgebildete Survivalexperten und Extremjournalisten. Seit 2014 wandern sie zu Fuß und ohne Geld um die Welt um auf diese Weise tiefe Einblicke in unsere Gesellschaft mit all ihren Facetten, Kulturen und Systemen zu bekommen. Als Medizinjournalisten sind sie unter anderem Mitglieder des Deutschen Fachjournalisten Verbandes und schreiben neben Artikeln für Blogs, Zeitungen und Magazine auch Sachbücher und Ratgeber. 2013 veröffentlichten sie gemeinsam ein Grundlagenwerk über Antlitzdiagnose mit dem Titel "Krankheiten auf einen Blick erkennen". 2016 folgte ihr zweites Werk "Die natürliche Heilkraft der Bäume". Dabei handelt es sich um ein Lehrbuch, um die Grundlagen der Naturheilung zu erlernen, wie sie seit Jahrtausenden von indigenen Völkern überall auf der Welt angewendet werden. Heiko Gärtner ist zudem gelernter Natur- und Landschaftspfleger, Wildnislehrer, Hochseilgartentrainer sowie Berg- und Höhlenretter. Nach seiner Ausbildung zum Versicherungsfachwirt leitete er unter anderem Motivation und Verkaufstrainings und übernahm später eine eigene Generalagentur. Aus dieser Zeit konnte er unter anderem auch ein umfangreiches Verständnis und Wissen aus den Bereichen Versicherungsrecht, Recht im Allgemeinen, Buchhaltung, Wirtschaftsmathematik und Unternehmensführung mitnehmen. Um mehr seinem Herzensweg zu folgen, gab er seine Büro-Karriere schließlich auf, um sich zum Survivalexperten, Nationalparkranger und Wildnismentor ausbilden zu lassen. In diesem Rahmen besuchte er unter anderem Naturvölker in Neuseeland, Kanada, den USA und Thailand. Dabei gründete er unter anderem seine eigene Wildnisschule, die bis heute besteht und Ausbildungen aus dem gesamten Wildnissektor anbietet. Franz von Bujor ist studierter Kultur- und Sozialpädagoge, sowie ausgebildeter Wildnislehrer, Mediator und Erlebnispädagoge. Auf seinen vielzähligen Reisen unter anderem nach Australien und Lateinamerika sammelte er Expertenwissen im Bereich alternatives Leben und Reisen, Minimalismus, Backpacking und Work and Travel, sowie allgemein im Bereich Kunst, Kultur, Religion und Geschichte. Seit 2016 lebt er als Wandermönch.

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