Tag 1002: Wandern im Weinviertel

///Tag 1002: Wandern im Weinviertel

Tag 1002: Wandern im Weinviertel

Tag 1002: Wandern im Weinviertel

16.09.2016

Sowohl wir als auch Günther hatten eigentlich gehofft, dass wir uns beim Frühstück noch einma treffen würden. Bevor er am Abend gegangen war, hatte er uns zwei Gutscheine für je ein Frühstück in der gegenüberliegenden Bäckerei geschenkt und er hatte fest geplant, dort zu uns zu stoßen. Doch wie es schien, war die Nacht etwas zu kurz geworten und so konnte er seinen Wäcker nicht dazu bringen, ihn wirklich aus dem Bett zu schmeißen.
Spannend war es jedoch, nach so langer Zeit wieder einmal in ein deutsches bzw. österreichisches Café zu gehen. Wir hatten uns oft gefragt, ob die Cafés bei uns wohl genauso unangenehm waren, wie in anderen Ländern und ob wir es früher nur nicht so wahrgenommen hatten, oder ob sie sich stark unterschieden. Tatsächlich merkten wir nun, dass ersteres der Fall war. Es war bei weitem nicht so unangenehm wie in Spanien oder Italien, aber als schön empfansen wir es dennoch nicht. Auch hier brummte die Kühltruhe mit dem Eis im Hintergrund die von der Musik des Radios überdeckt werden sollte. Un darüber wiederum legten sich die Stimmen der anderen Besucher, die alle gemeinsam ein durchaus beachtliches Stimmengewirr ergaben. Es war so, dass man hier sitzen und frühstücken konnte, was in anderen Ländern unmöglich gewesen wäre, aber es war noch immer kein Ort, der einem Kraft und Energie gab oder der auf irgendeien Weise heilsam war.

Anders war es mit dem Wandern selbst. Dies war hier wieder echtes Wandern und wir verstanden sofort wieder, warum wir es immer so gerne gemacht hatten. Das Österreich in diese Region hatte zwar nichts mit dem zu tun, wie man sich Österreich eigentlich vorstellte, aber das war ddefinitiv nicht negativ. Es gab viele Hüge, weite Felder und vor allem jede Menge Weinplantagen. Kurz vor unserem Zielort tauchten sogar die ersten Schilder mit einer Jakobsmuschel auf. Wir waren nun also wieder einmal offizielle Jakobspilger. Nach entspannten und angenehmen 15km erreichten wir den Ort Falkenstein, der einer der berühmtesten Weinorte in ganz Österreich war. Der Pfarrer wohnte zwar im Nebenort, aber ich bekam seine Nummer von einer Kindergärtnerin namens Rosi, die gerade noch ein paar Nachmittagskinder betreute. Eine knappe halbe Stunde später traf uns der Pfarrer am Rathausplatz. Eigentlich hatte er geplant, uns eine Pension zu bezahlen, doch an diesem Wochenende war gerade Weinfest im Ort und dadurch war alles ausgebucht. Also zogen wir wieder einmal in den Pfarrsaal, der ebenfalls vollkommen neu errichtet worden war. Zu unserer großen Freude hatte Rosi in ihrem Kindergarten eine Waschmaschine, die wir nutzen durften, so dass unsere Kleidung nun wieder einen halbwegs passablen Eindruck macht.
Am Abend machten wir noch einen kurzen Abstecher über das Weinfest. Es erstreckte sich über eine sogenannte Kellergasse, also eien Straße, an der lauter Weinkeller und Winzereien lagen. Lustiger Weise bekamen wir hier zwei Mal etwas zu Essen von Menschen, die uns bereits kannten. Eine ältere Dame, die Gemüse verkaufte, hatte mich am Nachmittag im Kindergarten mit einem Berg Schmutzwäsche auf dem Arm gesehen. Einer jüngeren Frau war ich am Vortag aufgefallen, als ich in Wildendürnbach vor der Schule stand. Die Welt war hier schon wirklich klein und man konnte fast nichts tun oder lassen, ohne dass gleich darauf alle von einem erfuhren.

Mehr für dich:
Tag 348: Atmen zur Hingabe und zur vollkommenen Öffnung

Spruch des Tages: Alles wär nur halb so schwer, wenn´s a bisserl leichter wär! (Spruch an einer Hauswand)

Höhenmeter: 90 m
Tagesetappe: 16 km
Gesamtstrecke: 18.286,27 km
Wetter: sonnig und warm, zeitweise bewölkt
Etappenziel: Privates Gästezimmer, 3644 Emmersdorf an der Donau, Österreich

Hier könnt ihr uns und unser Projekt unterstützen. Vielen Dank an alle Helfer!

Bewertungen:

 

About the Author:

Heiko Gärtner und Franz von Bujor sind ausgebildete Survivalexperten und Extremjournalisten. Seit 2014 wandern sie zu Fuß und ohne Geld um die Welt um auf diese Weise tiefe Einblicke in unsere Gesellschaft mit all ihren Facetten, Kulturen und Systemen zu bekommen. Als Medizinjournalisten sind sie unter anderem Mitglieder des Deutschen Fachjournalisten Verbandes und schreiben neben Artikeln für Blogs, Zeitungen und Magazine auch Sachbücher und Ratgeber. 2013 veröffentlichten sie gemeinsam ein Grundlagenwerk über Antlitzdiagnose mit dem Titel "Krankheiten auf einen Blick erkennen". 2016 folgte ihr zweites Werk "Die natürliche Heilkraft der Bäume". Dabei handelt es sich um ein Lehrbuch, um die Grundlagen der Naturheilung zu erlernen, wie sie seit Jahrtausenden von indigenen Völkern überall auf der Welt angewendet werden. Heiko Gärtner ist zudem gelernter Natur- und Landschaftspfleger, Wildnislehrer, Hochseilgartentrainer sowie Berg- und Höhlenretter. Nach seiner Ausbildung zum Versicherungsfachwirt leitete er unter anderem Motivation und Verkaufstrainings und übernahm später eine eigene Generalagentur. Aus dieser Zeit konnte er unter anderem auch ein umfangreiches Verständnis und Wissen aus den Bereichen Versicherungsrecht, Recht im Allgemeinen, Buchhaltung, Wirtschaftsmathematik und Unternehmensführung mitnehmen. Um mehr seinem Herzensweg zu folgen, gab er seine Büro-Karriere schließlich auf, um sich zum Survivalexperten, Nationalparkranger und Wildnismentor ausbilden zu lassen. In diesem Rahmen besuchte er unter anderem Naturvölker in Neuseeland, Kanada, den USA und Thailand. Dabei gründete er unter anderem seine eigene Wildnisschule, die bis heute besteht und Ausbildungen aus dem gesamten Wildnissektor anbietet. Franz von Bujor ist studierter Kultur- und Sozialpädagoge, sowie ausgebildeter Wildnislehrer, Mediator und Erlebnispädagoge. Auf seinen vielzähligen Reisen unter anderem nach Australien und Lateinamerika sammelte er Expertenwissen im Bereich alternatives Leben und Reisen, Minimalismus, Backpacking und Work and Travel, sowie allgemein im Bereich Kunst, Kultur, Religion und Geschichte. Seit 2016 lebt er als Wandermönch.

Leave A Comment

Translate »