Tag 1029: Flüchtlingspropaganda

11.10.2016

Gleich in der Früh hatten wir einen Termin mit dem Deggendorfer Lokalfernsehen "Donau TV". Wir hatten uns am Vortag um 9:15 Uhr an der Stadthalle verabredet. Um 9:20 Uhr bekamen wir den Anruf, dass es noch ein wenig dauern konnte, bis unser Kamerateam eintraf. Der Dreh wurde von zwei jungen Praktikanten übernommen, die erst bei ihrer Ankunft im Büro erfahren hatten, dass sie bereits eine knappe halbe Stunde später in Osterhofen sein sollten. Die beiden waren ein lustiges Gespann, das wahrscheinlich ebenfalls erst an diesem Morgen zusammengewürfelt worden war.

Obwohl wir nun schon oft mit Radio- und Fernsehsendern zu tun hatten, waren wir doch immer wieder aufs neue von den Strukturen überrascht, mit denen diese aufgebaut waren. Im Grunde funktionierte es immer gleich. Kaum ein Sender hatte noch feste Angestellte, die über viele Jahre hinweg für den gleichen Arbeitgeber tätig waren. Solche leute gab es vor allem für die Führungspositionen und die Teamleitungen. Die anderen Posten waren in der Regel mit jungen Studenten, Volontären und Praktikanten besetzt, die zumeist einiges auf dem Kasten hatten, aber für einen Hungerlohn oder vollkommen unbezahlt arbeiteten, da sie hofften, auf diese Weise die nötigen Kontakte aufbauen zu können, um irgendwann einen bezahlten Job zu bekommen. Für die meisten ging dieser Plan jedoch nicht auf, da es die erhofften Traumjobs kaum noch gab, weil ja jeder für umsonst arbeitete.

Auch mit unserem Kammeramann kamen wir noch einmal auf das Thema Flüchtlinge zu sprechen. Er hatte sein Studium zu einem Großteil in Amerika absolviert und daher den Beginn des Flüchtlingsstroms nicht direkt mitbekommen. Erst in den Nachrichten hatte er dann gesehen, was in seiner Heimat los war. Er stammte aus einem kleinen Ort direkt an der österreichischen Grenze, in dem gleich zu beginn sehr viele Flüchtlinge angekommen waren. In den amerikanischen Medien wirkte es, als würde Deutschland regelrecht überrannt. Es wurden Szenen von Holzschiffen gezeigt, mit denen die Syrer an der Küste anlandeten, die dann immer weiter durch die Lande zogen. Als er etwas später wieder zurück in Deutschland war, bekam er die Gelegenheit, selbst beim Dreh von solchen Aufnahmen mitzuwirken und konnte dabei weit hinter die Kulissen schauen. Tatsächlich wurden die Flüchtlinge genauso gefilmt, wie wir hier in Osterhofen.

Die Kamera wurde an der besten Stelle positioniert und dann bekamen die Flüchtlinge die Anweisungen, wann sie wo wohin laufen sollten, wie sie dabei zu schauen hatten, welche Gefühle herüberkommen mussten und so weiter. Alles war also inszeniert worden, um einen möglichst großen Effekt zu erzielen. Nach dem Interview wanderten wir gemütlich weiter in Richtung norden, bis wir Plantling erreichten, wo wir die Nacht im Pfarrsaal bleiben durften.

Spruch des Tages: Traue keiner Dokumentation, die du nicht selbst gefaked hast!

Höhenmeter: 0 m Tagesetappe: 1 km Gesamtstrecke: 18.812,27 km Wetter: grau und regnerisch Etappenziel: Haus von Heikos Eltern, 92353 Postbauer-Heng, Deutschland

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