Tag 409: Das Rundum-Sorglos-Paket für die Füße

/, Italien, Tagesberichte/Tag 409: Das Rundum-Sorglos-Paket für die Füße

Tag 409: Das Rundum-Sorglos-Paket für die Füße

Tag 409: Das Rundum-Sorglos-Paket für die Füße

Wir haben nun bereits mehr als 7500 Kilometer hinter uns und wandern noch immer. Dafür möchten wir heute einmal ganz besonders denjenigen Danke sagen, die uns dies überhaupt ermöglicht haben und die tagtäglich eine Leistung vollbringen, die kaum vorstellbar ist, über die man jedoch so gut wie nie nachdenkt. Die Rede ist von unseren Füßen. Wir muten ihnen auf die Dauer tonnenschwere Drucklasten zu, erwarten, dass sie immer einen festen Tritt finden und nutzen sie in einer Regelmäßigkeit und Konstanz wie eine Nähmaschine. Ohne unsere Füße wären wir noch immer in Postbauer-Heng, in der Küche von Heikos Eltern und würden uns fragen, wie wir wohl die Ausgangstür erreichen. Jeden Tag tragen sie uns weiter, kontinuierlich und ohne jedes Murren. Zumindest solange, wie wir es nicht übertreiben. Marathonstrecken von mehr als 40km mit knapp 50kg Gepäck im strömenden Regen, bei Eiseskälte und frostigem Wind mit komplett durchweichten Schuhen, das geht natürlich nicht spurlos an ihnen vorbei. Sie wollen schließlich auch ihre Zeit zur Entspannung haben.

Auf seinem ersten Jakobsweg hat sich Heiko aufgrund einer langen Einsamkeitsphase ein Gesicht auf seinen linken Fuß gemalt und ihn Fridolin genannt. Seit diesem Moment, war Fridolin eine Art Gewerkschaft für Heikos Körperorgane, die immer dann zu Fluchen begann, wenn Heiko ein gesundes Maß an Anstrengung überschritt und seine körperliche Gesundheit aufs Spiel setzte. Damals hatte Fridolin einiges zu meckern, denn Heiko hatte mehr Blasen als eine Armee Seifenblasenkünstler. Seine Fersen waren geprellt und die Sehnen schmerzten. Damals hat er sich geschworen, dass er nie wieder auf eine lange Reise gehen wird, ohne seine Füße zuvor so zu betten, dass sie alles bekamen, was sie brauchten um sich bei ihrer Arbeit wohlzufühlen. Das begann damals als erstes mit den Socken.

Ich muss ganz ehrlich zugeben, ich habe mir bis zum Beginn dieser Reise niemals Gedanken über Socken gemacht. Ich dachte immer, dass es eigentlich keine Rolle spielt, welche man trägt, da sie ja eh in den Schuhen verschwinden. Lange Zeit achtete ich nicht einmal darauf, ob sie farblich zueinander passten, da sie ja eh niemand sehen konnte. Doch ich durfte lernen, dass diese unterste Schicht der Fußbekleidung doch ihre Wichtigkeit hat. Etwa auf der Mitte seiner Steinzeitpilgerreise bekam Heiko von der Firma Falke einige Wandersocken gesponsert und zugeschickt. Diese sind so gestrickt, dass sie nicht nur ideal um den Fuß passen, so dass sich keine kleinen Knöllchen bilden und Blasen oder Druckstellen verursachen können. Sie haben außerdem an den Fuß angepasst unterschiedliche Dicken, so dass sie beispielsweise den Fußballen und den Hacken abpolstern, den Fußspann aber nicht drücken. Auch an den Zehen sind sie etwas dicker, so dass diese nicht kalt werden, der Rest aber nicht so schnell zu schwitzen beginnt. Seit wir nun gemeinsam um die Welt wandern habe auch ich zum ersten Mal diese Socken getestet und muss sagen, dass sie mich seit über 7500km begeistern.

Natürlich können die Socken alleine keine Schmerzenden Füße verhindern, wenn die Schuhe nicht passen. Doch passende Schuhe zu finden ist in der heutigen Zeit eine Herausforderung, die ihres Gleichen sucht. Es gibt zwar unendlich viele Schuhe an jeder Ecke zu kaufen, doch fast alle scheinen nicht dafür ausgelegt zu sein, dass man mit ihnen wirklich geht. Es ist mehr eine Art Fußschmuck, den man trägt, wenn man irgendwo in einem geschlossenen Raum oder in einem Auto sitzt. Für längere Strecken hingegen sind die meisten leider ungeeignet. Zum einen, weil sie immer irgendwo drücken und scheuern und zum anderen, weil es nur sehr wenige mit einer Fersendämpfung gibt. Läuft man jedoch ohne eine solche Dämpfung für lange Zeit über Asphalt-, Stein- oder Betonboden, dann kommt es zu Prellungen an der Fußunterseite. Dies kann sehr schmerzhaft sein. Wirklich schmerzhaft, denn es ist ein bisschen so, als würde man sich mit seinem ganzen Körpergewicht immer und immer wieder auf einen blauen Fleck stützen. Als wir uns vor rund zwei Jahren für unsere Landstreichertour vorbereitet haben, scheiterten wir bei dem Versuch und Schuhe zuzulegen, die wir als hinreichend bequem empfanden. Schließlich gaben wir es auf und beschlossen, dass es eh stilechter war, in unseren alten Lumpen zu gehen. Doch für die Weltreise kam das natürlich nicht in Frage. Hier brauchten wir gutes Schuhwerk, auf das wir uns verlassen konnten. Nicht immer haben wir damit ins Schwarze getroffen und einige Male hatten wir größere Blasen an den Füßen als unsere Füße selbst groß waren, aber das wisst ihr ja bereits. Mit unseren letzten Schuhen sind wir jedoch sehr zufrieden. Scarpa ist eine Schuhmarke, die mir bis vor kurzem noch völlig unbekannt war und wir sind eigentlich mehr zufällig darauf gestoßen, doch ich hatte in meinem Leben glaube ich noch keine Schuhe, in denen ich mich so wohl gefühlt habe. Vor allem die Langlebigkeit und die Wasserfestigkeit ist beeindruckend. Die letzten haben wir über 3000km getragen, bis sie wirklich so abgelaufen waren, dass wir sie entsorgen mussten. Doch selbst da waren sie noch immer so Wasserfest, dass wir länger trockenen Fußes mit ihnen durch den Regen laufen konnten, als mit manch einem Schuh, der extra mit seiner Wasserdichten Membran wirbt.

Vor einiger Zeit, als das letzte Paket angekommen ist, haben wir von pedag schon das Imprägnierspray getestet. Damit ausgestattet waren unsere Regenjacken deutlich besser gegen die Wassergüsse von oben geschützt als zuvor, wenngleich natürlich auch das seine Grenzen hatte. An den Tagen, an denen wir 8 Stunden ohne Pause durch den Monsunregen gewandert sind, waren wir bis auf die Haut nass, da konnte uns weder die Membran der Regenjacken noch das Imprägnierspray helfen. Doch bei dem weniger starken Regen zuvor waren wir mit der Leistung des Sprays zufrieden. Jetzt, da die neuen Schuhe angekommen sind, konnten wir endlich auch die Einlegesohlen von pedag testen. Damit wurde unser Rundum-Sorglos-Paket für die Füße dann perfekt. Denn die VIVA SPORT Sohlen haben ein Fersenpolster im hinteren Bereich, das den Fuß bei jedem Schritt noch einmal verstärkt abfedert. Damit läuft man nun immer weich, selbst dann wenn der Untergrund noch so hart ist. Und das ist wirklich ein Unterschied. Es ist ein bisschen, als würde man auf Federn wandern. Gleichzeitig gibt die Sohle dem Fuß jedoch auch noch einmal einen zusätzlichen Halt und stabilisiert ihn, was besonders bei Leuten wie mir und Heiko gut ist, die ihre Schuhe gerne unrund ablaufen.

Mehr für dich:
Tag 74: für blutende Füße machbar

Nach nun einer Woche kann man also sagen, dass unsere Füße von ihrer neuen Ausrüstung mehr als nur überzeugt sind. Weiche Sohlen, stabile Schuhe und geschmeidige, funktionale Socken. Das ist Selbstliebe für die Füße!

Für den Fall, dass ich eine längere Wanderung plant und ebenfalls ein Sorglos-Paket für eure Füße braucht, könnt ihr es euch hier zusammenstellen:

– Falke-Socken
– pedag-Einlegesohlen
– Scarpa-Schuhe

Dass einzige, was ihnen im Moment nicht vergönnt ist, sind lange Erholungspausen und Wärme. Das heißt tagsüber wird es schon immer wieder so warm, dass man es gut aushält, aber die Räume am Abend und in der Nacht sind noch immer saukalt. Auch das frühe Ankommen, das wir uns wünschen will einfach nicht klappen. Heute konnten wir wieder keinen Pfarrer auftreiben und selbst das Rote Kreuz hatte Siesta bis um 16:00 Uhr. Das haute mich glatt aus den Socken. Wie kann denn bitte ein Notfalldienst, der für die Erstversorgung bei Unfällen zuständig ist, eine Siesta von täglich 3,5 Stunden einlegen? Oder ist in dieser Zeit hier wirklich alles Stillgelegt, so dass nicht einmal der Tod seine Arbeit vollrichtet?

Da es zum Warten zu kalt war hieß das, dass wir noch einmal 6km weiter mussten. Hier wurde uns immerhin wieder warm, denn wir mussten von unten aus der Schlucht bis nach ganz oben auf den Berggipfel steigen, um zur Kirche zu kommen.

Das Tageshighlight hingegen hatte bereits am Morgen stattgefunden. Wir waren an einem Markt vorbeigekommen und während ich nach Essen fragte, bewachte Heiko unsere Wagen. Es dauerte nicht lange und er bekam Besuch von einem freundlichen Marokkaner, der ihn ansprach und ihm allerleih lustige Dinge aus seinem Leben erzählte. Plötzlich, mitten in der Unterhaltung hielt er inne, sagte mit geheimnisvoller Stimme: „Tranquillo!“ – „Ruhig!“ und öffnete Seine Jacke.

Mehr für dich:
Tag 705: Materialspenden

„Brauchst du etwas?“ fragte er dann und präsentierte Heiko seinen feinsäuberlich geordneten Kompaktmarkt für Drogen aller Art. Links unten befand sich das Heroin, darüber das Extasy, dann Speed und auf der anderen Seite ging es mit Koks, Gras und Cristal-Mess weiter. Es gab wirklich alles, was das Junkie-Herz begeht. Heiko war perplex. Damit hatte er beim besten Willen nicht gerechnet. Kopfschüttelnd wies er den Mann an, seine Jacke wieder zu schließen und machte ihm klar, dass er an den Drogen nicht interessiert war. Nein, auch dann nicht, wenn die Qualität noch so gut sein mochte.

Spruch des Tages: Vielen Dank an unsere Füße und an ihre Helfer!

 

Höhenmeter: 130 m

Tagesetappe: 16 km

Gesamtstrecke: 7543,27 km

Wetter: sonnig, später bewölkt

Etappenziel: Pilgerherberge der Pfarrgemeinde, 01035 Gallese, Italien

Bewertungen:

 
51
Heiko Gärtner und Franz von Bujor sind ausgebildete Survivalexperten und Extremjournalisten. Seit 2014 wandern sie zu Fuß und ohne Geld um die Welt um auf diese Weise tiefe Einblicke in unsere Gesellschaft mit all ihren Facetten, Kulturen und Systemen zu bekommen. Als Medizinjournalisten sind sie unter anderem Mitglieder des Deutschen Fachjournalisten Verbandes und schreiben neben Artikeln für Blogs, Zeitungen und Magazine auch Sachbücher und Ratgeber. 2013 veröffentlichten sie gemeinsam ein Grundlagenwerk über Antlitzdiagnose mit dem Titel "Krankheiten auf einen Blick erkennen". 2016 folgte ihr zweites Werk "Die natürliche Heilkraft der Bäume". Dabei handelt es sich um ein Lehrbuch, um die Grundlagen der Naturheilung zu erlernen, wie sie seit Jahrtausenden von indigenen Völkern überall auf der Welt angewendet werden. Heiko Gärtner ist zudem gelernter Natur- und Landschaftspfleger, Wildnislehrer, Hochseilgartentrainer sowie Berg- und Höhlenretter. Nach seiner Ausbildung zum Versicherungsfachwirt leitete er unter anderem Motivation und Verkaufstrainings und übernahm später eine eigene Generalagentur. Aus dieser Zeit konnte er unter anderem auch ein umfangreiches Verständnis und Wissen aus den Bereichen Versicherungsrecht, Recht im Allgemeinen, Buchhaltung, Wirtschaftsmathematik und Unternehmensführung mitnehmen. Um mehr seinem Herzensweg zu folgen, gab er seine Büro-Karriere schließlich auf, um sich zum Survivalexperten, Nationalparkranger und Wildnismentor ausbilden zu lassen. In diesem Rahmen besuchte er unter anderem Naturvölker in Neuseeland, Kanada, den USA und Thailand. Dabei gründete er unter anderem seine eigene Wildnisschule, die bis heute besteht und Ausbildungen aus dem gesamten Wildnissektor anbietet. Franz von Bujor ist studierter Kultur- und Sozialpädagoge, sowie ausgebildeter Wildnislehrer, Mediator und Erlebnispädagoge. Auf seinen vielzähligen Reisen unter anderem nach Australien und Lateinamerika sammelte er Expertenwissen im Bereich alternatives Leben und Reisen, Minimalismus, Backpacking und Work and Travel, sowie allgemein im Bereich Kunst, Kultur, Religion und Geschichte. Seit 2016 lebt er als Wandermönch.

Schreibe einen Kommentar:

Translate »