Tag 283: Ganzheitliche Heilung

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Tag 283: Ganzheitliche Heilung

Tag 283: Ganzheitliche Heilung

Wir kommen nun immer tiefer in die Berge. Gestern war das Gebiet zunächst noch flach, doch die Berge kamen von allen Seiten auf uns zu, bis sie sich schließlich in einem engen Canyon trafen. Wieder einmal waren wir hin und hergerissen von der unglaublichen Schönheit der Natur auf der einen und der grausamen Hässlichkeit der Autobahnen und Schnellstraßen auf der anderen Seite. Wie konnte man so mit seinem Land umgehen? Ich meine, stellt euch einmal vor, ihr bekommt alles an Naturwundern, was dem Schöpfer so einfiel. Dort baue ich mal nen schönen Canyon mit krassen Steilklippen und einem idyllischen Bergbach in der Mitte hin. Hier kreiere ich eine schöne Steilküste unter der die Wellen zu einem einzigartigen Naturschauspiel hindurchschießen. Da versehe ich das Land mit sanften Sandstränden, die in strahlend blaues Mittelmeerwasser führen. Und dann kommt der Mensch und denkt sich: „Geil! Ein Canyon! Ich könnte dieses schöne Stück Land als Naturattraktion nutzen und Menschen einladen, die sich hier wohlfühlen und von der Schönheit meines Landes begeistern lassen. Oder ich baue einfach eine Autobahn hindurch, damit die Menschen möglichst schnell von A nach B kommen und nicht einmal mehr merken, welche Naturschauspiele um sie herum existieren!“ Oder: „Oh, ein perfekter Traumstrand! Ich denke ich sollte ihn so schnell wie möglich mit Hotelbunkern und riesigen Apartmentblöcken zubauen, damit niemand mehr sieht, wie schön es hier einmal war.“ Dass Spanien, trotz des vielen natürlichen Reichtums wirtschaftlich so schlecht dar steht, war kein Pech. Es war harte Arbeit.

Zum Glück konnten wir etwa in der Mitte des Canyons auf die alte Straße ausweichen, die nicht mitten durch die Berghänge gefräst wurde, sondern entlang des Flusses durch das Tal geschlängelt. Wenn die Autobahn hinter einer Kurve verschwand und man auch die Schnellstraße und die Zugstrecke gerade nicht sehen oder hören konnte, dann hatte man für einen Moment die ganze Faszination der Berge für sich. Es dauerte jeweils nur wenige Meter, doch allein hierfür lohnte sich der Weg durch den Canyon bereits.

In Vilaverd schlugen wir dann unser Nachtquartier auf. Der kleine Ort war für etwa 70 Jahre von der Außenwelt fast vollkommen abgeschnitten worden, weshalb hier nahezu nichts verändert wurde. Auf diese Weise blieb es als der ursprüngliche, kleine und verträumte Bergort erhalten, der er schon seit Jahrhunderten war. So ein Glück hatten leider nur wenige Städte. Mitten in dem kleinen Nest stand das Hotel Cal Maginet. Es wurde von einem liebenswerten Pärchen betreut, die ihr Hotel wirklich mit Herzblut führten. Die Chefin erzählte uns, dass die ältesten Papiere über das Hotelgebäude bereits aus dem 16. Jahrhundert stammten, dass das Haus jedoch wahrscheinlich noch wesentlich älter ist. Es hatte einen ganz eigenen Charme und steckte so voller kleiner Details, dass es Spaß machte, einfach nur darin herumzulaufen. Nach dem Horrorschlafplatz vom Vortag war dies wie eine Erlösung, für die wir gar nicht dankbar genug sein konnten. Noch dankbarer waren wir jedoch über das Essen, denn die Hotelbesitzerin entpuppte sich auch noch als hervorragende Köchin. Nach gut 2500km in Spanien, waren wir uns vom ersten Bissen an einig, dass dies das beste Essen war, das wir je in diesem Land bekommen hatten. Es gab Hühnchenstreifen mit angedünstetem und dann leicht gebratenem Gemüse und zuvor einen gemischten Salat mit Thunfisch und einem Dressing in dem man hätte baden können. Vor allem aber der Kürbis aus dem eigenen Garten war ein Traum. Mit läuft sogar jetzt beim Schreiben noch das Wasser im Mund zusammen! Heute Morgen bekamen wir dann sogar noch ein Omelette und einen Tee. Es fühlte sich fast so an, als wären wir von dem Pärchen adoptiert worden uns seit langem hatten wir wieder einmal ein richtiges Abschiedsgefühl, als wir aufbrachen.

Auch die Atmosphäre im Hotel selbst und im Speisesaal war die angenehmste, die wir in ganz Spanien gefunden haben. Zum ersten Mal stand kein rauschender oder knarrender Kühlschrank im Raum und keine Kaffeemaschine dröhnte. Es herrschte eine angenehme Stille, die am Abend von sanfter Musik untermalt wurde. Kein Fernseher, der mit dem Radio um die Wette plärrte und keine Diskoatmosphäre, in der man sich nicht mehr unterhalten konnte. Es war ein Ort, an dem man sich erholen und wirklich entspannen konnte. Ein Ort zum genießen und träumen. Wie schön könnte die Welt sein, wenn es mehr von solchen Plätzen und solchen Platzwächtern gäbe?

Außerdem gab es in dem Hotel eine luxuriöse heiße Dusche unter der ich gleich einmal meine neuen Übungen ausprobieren konnte, die ich nun seit gestern täglich machen soll. Doch ich schätze, dass muss ich etwas ausführlicher erklären.

Es ist das zweite Thema, auf der Körperebene auf das mich Paulina angesprochen hat. Ich weiß, das klingt jetzt etwas komisch, aber sie wusste darüber nur bescheid, weil wir in der Woche, in der sie da war, wirklich sehr offen über alle anstehenden Lebensthemen von jedem von uns gesprochen haben. Und damit meine ich wirklich offen! Das Thema war die Vorhautverengung. Es fühlt sich etwas komisch an, darüber in einem Blog zu schreiben, aber wenn ich bedenke, dass jeder dritte Mann zumindest als Kind davon betroffen ist, dann wird es vielleicht auch endlich einmal Zeit, dass jemand darüber spricht. Und da ich hier eh schon einen seelischen Striptease nach dem nächsten hingelegt habe, kommt es darauf jetzt auch nicht mehr an. Biologisch betrachtet ist eine Vorhautverengung einfach zu erklären und das Wort sagt eigentlich schon so gut wie alles, was man dazu wissen muss. Die Vorhaut ist zu eng und kann daher nicht über die Eichel zurückgestreift werden. Bei kleinen Kindern ist das wie gesagt nicht ungewöhnlich und auch nicht weiter tragisch. In den meisten Fällen gibt es sich nach einiger Zeit von selbst. In anderen Fällen jedoch, so auch in meinem, bleibt die Verengung auch im späteren Kindesalter noch bestehen und dann kann das ganze schon recht unangenehme Folgen haben.

Ich erinnere mich noch gut daran, dass sich meine Eichel immer wieder entzündete und ziemlich stark schmerzte. Wenn das passierte, musste ich zum Arzt, der sich mein bestes Stück genau anschaute und mir dann meist eine Salbe verschrieb, die ich auftragen sollte. Alles daran war mir so unangenehm, dass ich am liebsten im Boden versunken wäre. Angefangen von der Entzündung, über das Brennen und Schmerzen bis hin zum angeschaut werden und zum Auftragen der Salbe. Um die Vorhaut zu weiten und um das Problem langfristig zu lösen, wurde ich immer wieder in Wäschekübel gesetzt und bekam ein warmes Kamillenbad. Eigentlich war das keine schlechte Sache und wenn ich mir jetzt vorstelle in warmem Kamillentee zu baden, dann finde ich diese Vorstellung äußerst verlockend. Doch damals war die ganze Sache für mich äußerst unangenehm. Ich musste immer wieder versuchen, meine Vorhaut zurückzustreifen und das tat nicht nur weh, sondern war mir auch noch peinlich. Schon verrückt, wie sehr unser Schamgefühl bei so kleinen Dingen angetickt werden kann. Hinzu kam, dass ich damals ja keine Ahnung hatte, wie weit man diese Haut zurückstreifen konnte. Ich hatte tatsächlich Angst davor, dass die Eichel herausfallen würde, wenn ich es übertrieb. Dass das ganze nicht unbedingt dazu beitrug, ein besonders positives Verhältnis zu meiner Sexualität aufzubauen, wundert mich im nachhinein nicht mehr. Und passender Weise stehen auch die psychischen Themen von Vorhautverengung genau mit dieser Tatsache in Verbindung. Unser Buch sagt dazu folgendes:

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Warum ist es mir wichtig, meine Triebhaftigkeit zu verstecken? Warum habe ich mir einen Schutzpanzer angelegt, um meine Sensibilität im Kern zu bewahren? Warum will ich meine Schutzbehausung, die ich als Kind hatte, nicht verlassen?
Warum will ich meine Männlichkeit vor der Welt verstecken? Warum schäme ich mich meiner Sexualität?
Warum kann ich nicht zu meiner Lust und meinem Verlangen stehen?

Wieder sind es harte Fragen, die mich genau an meinen Kernpunkten erwischen. Als Kind wollte ich nie erwachsen werden und noch heute fällt es mir schwer, mich als Mann zu sehen und die Verantwortung für mein eigenes Leben zu übernehmen. Vor allem was Sexualität angelangt bin ich verklemmter als ein rostiger Klappstuhl. Als mich Heiko gestern fragte, wie es mit der Sexualität und der Vorhautverengung überhaupt funktioniert hat, saß ich da wie ein begossener Pudel und konnte wieder einmal nicht antworten. Nicht, dass ich es nicht gewollt hätte, aber über mein Sexleben zu sprechen war mir einfach so peinlich, dass ich keine Worte dafür fand. Warum ist das so? Ist es nicht das normalste der Welt?

Auf der anderen Seite führte die Vorhautverengung natürlich auch nicht dazu, dass ich den Sex besonders genießen konnte. Im Nachhinein habe ich herausgefunden, dass es mir damit immerhin schon besser ging, als vielen anderen Männern mit diesem Problem, denn als ich das erste Mal Sex hatte, war ich immerhin schon soweit, dass ich die Vorhaut ganz zurückstreifen konnte. Es war möglich, wenn auch unangenehm und es führte dazu, dass ich in diesem Bereich nicht besonders Produktiv war. Jedenfalls meistens. Aus diesem Grund muss ich mich an dieser Stelle wohl einmal bei den Frauen entschuldigen, mit denen ich bislang Sex hatte, denn auch wenn es nicht grundsätzlich schlecht war, habe ich ihnen und mir selbst dadurch viel weggenommen. Dabei war das körperliche Problem jedoch wahrscheinlich viel geringer, als das geistige, denn es war immer mit einer starken Versagensangst verbunden, die mich vom eigentlichen Verschmelzen miteinander abhielt. Wie will man sich richtig fallenlassen und einander hingeben, wenn man die ganze Zeit denkt: „Oh, hoffentlich klappt es diesmal!“ Da das Sprechen über Sex noch nie eine große Leidenschaft von mir war, vermied ich es auch mit meinen Partnerinnen über die Verengung zu reden. Heute kommt mir das ziemlich bescheuert vor, denn so musste es ja zu Frust, Angst und Endtäuschung führen.

Jetzt, wo mir diese ganzen Sachen langsam bewusst werden, wird mir zum ersten Mal klar, was für ein dichtverwobenes Spinnennetz ich eigentlich bin. Auf der einen Seite habe ich die Lebensthemen von meinen Eltern und Ahnen übernommen, zu denen unter anderem die Harmoniesucht, die Persönlichkeitseinschränkung und das Nichtausleben der Herzensfreiheit gehören. In der Familie meines Vaters wurde über Gefühle ebenso oft gesprochen wie über die Geschichte der Adelshäuser von Turkmenistan. Ok, vielleicht nicht ganz so oft. Wie also hätte mein Vater mir beibringen können, meine Gefühle auszudrücken. Das einzige Gefühl, das oft geäußert wurde war Wut und somit war auch er an einem Familienleben interessiert, das auf einer immerwährenden Harmonie beruht. Meine Mutter wurde als Kind von ihrer eigenen Mutter verstoßen und trug so die Angst in sich, nicht geliebt zu werden, wenn ein Streit aufkam. Ich übernahm dann beide Themen und fügte meine eigenen hinzu. Die Trichterbrust symbolisierte das Einengen der eigenen Persönlichkeit und nahm mir die Luft zum freien Atmen. Gleichzeitig beschloss ich nie erwachsen zu werden, versteckte meine Männlichkeit und die Sexualität hinter der verengten Vorhaut und blendete die Welt durch meine Kurzsichtigkeit aus. Jegliche Symptome, die mich mein Leben lang darauf hinwiesen ignorierte ich. Obwohl mich die Kurzsichtigkeit zwang, den Blick auf mich selbst zu richten, trickste ich sie mit einer Brille aus und ignorierte den Hinweis um weiterhin blind in meinem Kinder-Ich verhaftet bleiben zu können. Meine Haltung verursacht durch die Trichterbrust, meine Brille, die Pickel und Mitesser im Gesicht, das Hohlkreuz und die Weigerung mir einen eigenen Kleidungsstil zuzulegen, all das führte dazu, dass ich mich selbst ganz bewusst so unattraktiv wie nur möglich machte, mich meiner Angst vor der eigenen Sexualität nicht stellen zu müssen. Dabei ist jeder einzelne dieser Punkte auch wieder mit allem anderen Verwoben. Das Hohlkreuz zum Beispiel steht für folgende Fragen:

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Das Hohlkreuz symbolisiert eine Scheinaufrichtigkeit. Es wäre besser, wenn Sie zu Ihren Herzenswünschen stehen könnten. Fragen Sie sich: Kann es sein, dass ich durch meine äußere Haltung zeigen will, dass ich allen alles recht machen will?

Oh, ja, dass kann sehr wohl sein!

Die Pickel im Gesicht tauchten zum ersten Mal in der Pubertät auf. Dazu sagt unser Buch folgendes:

Das unbehandelte heiße Thema Sexualität entzündet die Haut.
 Durch Pickel schützen Sie sich vor sexuellem Kontakt. Pubertätsakne symbolisiert eine unbewusste Verunstaltung des Gesichts, um dem heißen Konfliktthema auszuweichen.
 Fragen Sie sich:
 Kann es sein, dass in meiner Familie Sexualität eher verschwiegen wird? Kann es sein, dass ich Angst vor dem neuen Unbekannten habe?

Verdammte Axt! Könnte man das noch treffender beschreiben? Woher zur Hölle wussten wir das eigentlich, als wir das Buch geschrieben haben? Wir haben ja nicht uns selbst analysiert sondern andere Menschen und wir haben uns auf die Studien moderne Antlitzdiagnostiker und antiker Völker gestützt, die das Wissen von überall auf der Welt zusammengetragen haben. Und doch fühlt es sich so an, als wäre alles direkt von mir abgeleitet. Doch es geht noch weiter, denn zum Thema Akne nach der Pubertät gibt es weitere Einträge:

Kehren Sie Ihr Inneres nach außen. Bekennen Sie Farbe, bevor Sie farbige Pusteln befallen. Lösen Sie Ihre Kontaktschwierigkeiten auf. Befreien Sie sich von den geistigen Verunreinigungen. Schlagen Sie im übertragenen Sinn aus und stellen Sie sich den Konflikten, bevor Sie Ausschlag bekommen. Erwehren Sie sich Ihrer Haut und schaffen Sie Ihre eigenen Grenzbereiche.

In einem Satz zusammengefasst: Hören Sie auf, sich für andere zu verbiegen und stehen sie endlich einmal zu sich selbst, mit allem was dazugehört.

Das Problem des Nicht-Wahrhaben-Wollens steckt wiederum in der Kurzsichtigkeit:

Sich ehrlich und realistisch in der Welt sehen. Betrachten Sie alles mit einem gesunden Abstand. Werden Sie weitsichtig und erkennen Sie die Zusammenhänge der Welt. Sie sind seit Anbeginn der Zeit ein Kreuzungspunkt im Spinnennetz des Lebens. Fragen Sie sich:
 Kann es sein, dass ich nur meinen eigenen engen Umkreis sehe und nicht mehr erkenne, dass die Welt mannigfaltig ist?
 Kann es sein, dass ich den Wald vor lauter Bäumen nicht sehe? Bin ich wirklich so kurzsichtig, dass ich nur das sehe, was in meiner unmittelbaren Nähe passiert?

Die Botschaft der Krampfadern ist ähnlich:

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Welche Hindernisse in meinem Leben sind die Ursache, dass meine Lebensenergie nicht mehr frei fließen kann? Warum kann man mich so leicht verletzen? Kann es sein, dass ich mich nur schwer an etwas binden kann? Fehlt es mir vielleicht an innerlicher Verbindlichkeit? Warum kann ich nicht gelöst durchs Leben gehen? In welchen Bereichen meines Lebens bin ich verkrampft und unflexibel?
In welchen Bereichen habe ich ungelöste Blockaden, die meinen Energiefluss aufstauen? Warum kann ich meine Lebensaufgaben in einigen Bereichen nicht annehmen?
Wo bin ich in meinem Leben frustriert oder enttäuscht, und verliere dadurch Energie?

Ist das nicht genau das, was ich seit Wochen, Monaten und Jahren mache? Mich verkrampfen, nicht genügend abstand aufbauen und dann den Wald vor bäumen nicht mehr sehen, so dass ich frustriert und hilflos bin und daher am liebsten alles ignoriere?

Plötzlich gelangt das Spinnennetz Tobias Krüger immer klarer wie aus einem dichten Nebelschleier ans Tageslicht. Es ist ein großes Puzzle, dessen Einzelteile sich alle ineinanderfügen.

„Reicht es, einen Knoten zu lösen um auch die anderen Punkte loszuwerden?“ befragte ich meine Muskeln am Mittagstisch mit Hilfe des kinesiologischen Tests. Heiko zog meine Finger auseinander als wären sie aus Butter. Ein klares Nein. Wer wahre Gesundheit erreichen will, der muss nach und nach alle Punkte lösen, auf allen Ebenen. Die Trichterbrust aufzudehnen ist ein wichtiger Teil davon, ebenso wie die Weitung der Vorhaut. Doch der neue Platz in meiner Brust führt nicht automatisch zu mehr Sauerstoff. Dazu muss ich immer noch die richtige Atemtechnik lernen. Auch die richtige Haltung kommt nicht automatisch, sondern muss antrainiert werden. Und eine gesunde Vorhaut wird nicht automatisch ein positives Verhältnis zur Sexualität auslösen. So wie im Negativen alles einander bedingt und verstärkt, so muss auch in der Heilung alles miteinander gelöst werden. Wie bei einem Blattsalat, bei dem man sich über jedes weitere Blatt immer mehr zum Kern herantastet. Die äußeren Schichten sind einfach, doch zum Kern hin wird es immer schwieriger und verwachsener. Dummerweise ist die Verdrängung eines der Kernthemen.

Wäre sie das nicht, hätte ich mit der Behandlung der körperlichen und seelischen Symptome ja auch schon vor Jahren beginnen können. Die Trichterbrust zu dehnen wäre in der Jugendzeit eine weitaus geringere Sache gewesen, da damals die Knorpel noch nicht so eng miteinander verwachsen waren. Auch waren damals die Haltungsschäden noch nicht so schlimm und die Krampfadern weniger. Mit jedem Jahr, das man wartet wird es schwieriger. Doch wahrscheinlich war es für mich wichtig, erst bis zu diesem Punkt zu gehen, um all das zu erkennen. Scheiße finde ich es gerade trotzdem. Immerhin ist das Aufdehnen der Vorhaut bei weitem nicht so Komplex, wie das des Brustkorbes. Ich habe es über die letzten Jahre hinweg immerhin schon auf etwa 70% geschafft und das ohne jegliche Mühe. Wenn man konsequent dran bleibt, kann man bereits in wenigen Wochen gute Erfolge erzielen. Das Einzige was man dazu braucht ist ein ungestörter Ort, etwas Wasser und idealerweise etwas Olivenöl und seine Hände. Im Prinzip ist es nichts anderes als meine Kamillenbäder von damals. Man lässt sein bestes Stück eine Weile einweichen, damit die Haut flexibel wird, dann massiert man etwas Öl ein und streift sie so weit zurück, bis es anfängt weh zu tun. Das ganze widerholt man dann mindestens 10 Mal und macht das täglich. Da bleibt also nur zu hoffen, dass wir in den nächsten 6 Wochen immer einen ungestörten Raum bekommen, denn sonst wird die ganze Sache wirklich etwas komisch. Gestern und heute fing es jedoch schon mal sehr gut an. Im Hotel Cal Maginet hatten wir ein schönes Badezimmer mit einer tollen Dusche und heute im Hotel Viaruelia in Montblanc bekamen wir je ein Einzelzimmer. Damit ist der Heilung in diesem Bereich also zumindest fürs erste der Weg geebnet.

Nur was die vielen anderen offenen Themen anbelangt stehe ich noch vor lauter Rätseln. Aber vielleicht kommt ja wirklich alles zu seiner Zeit und eines nach dem anderen.

Spruch des Tages: Alles ist verbunden!

Höhenmeter: 50 m

Tagesetappe: 8 km

Gesamtstrecke: 5501,37 km

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About the Author:

Heiko Gärtner und Franz von Bujor sind ausgebildete Survivalexperten und Extremjournalisten. Seit 2014 wandern sie zu Fuß und ohne Geld um die Welt um auf diese Weise tiefe Einblicke in unsere Gesellschaft mit all ihren Facetten, Kulturen und Systemen zu bekommen. Als Medizinjournalisten sind sie unter anderem Mitglieder des Deutschen Fachjournalisten Verbandes und schreiben neben Artikeln für Blogs, Zeitungen und Magazine auch Sachbücher und Ratgeber. 2013 veröffentlichten sie gemeinsam ein Grundlagenwerk über Antlitzdiagnose mit dem Titel "Krankheiten auf einen Blick erkennen". 2016 folgte ihr zweites Werk "Die natürliche Heilkraft der Bäume". Dabei handelt es sich um ein Lehrbuch, um die Grundlagen der Naturheilung zu erlernen, wie sie seit Jahrtausenden von indigenen Völkern überall auf der Welt angewendet werden. Heiko Gärtner ist zudem gelernter Natur- und Landschaftspfleger, Wildnislehrer, Hochseilgartentrainer sowie Berg- und Höhlenretter. Nach seiner Ausbildung zum Versicherungsfachwirt leitete er unter anderem Motivation und Verkaufstrainings und übernahm später eine eigene Generalagentur. Aus dieser Zeit konnte er unter anderem auch ein umfangreiches Verständnis und Wissen aus den Bereichen Versicherungsrecht, Recht im Allgemeinen, Buchhaltung, Wirtschaftsmathematik und Unternehmensführung mitnehmen. Um mehr seinem Herzensweg zu folgen, gab er seine Büro-Karriere schließlich auf, um sich zum Survivalexperten, Nationalparkranger und Wildnismentor ausbilden zu lassen. In diesem Rahmen besuchte er unter anderem Naturvölker in Neuseeland, Kanada, den USA und Thailand. Dabei gründete er unter anderem seine eigene Wildnisschule, die bis heute besteht und Ausbildungen aus dem gesamten Wildnissektor anbietet. Franz von Bujor ist studierter Kultur- und Sozialpädagoge, sowie ausgebildeter Wildnislehrer, Mediator und Erlebnispädagoge. Auf seinen vielzähligen Reisen unter anderem nach Australien und Lateinamerika sammelte er Expertenwissen im Bereich alternatives Leben und Reisen, Minimalismus, Backpacking und Work and Travel, sowie allgemein im Bereich Kunst, Kultur, Religion und Geschichte. Seit 2016 lebt er als Wandermönch.

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