Golf-Weltrekord

von Heiko Gärtner
25.10.2017 03:33 Uhr

18.06.2017

Vor rund drei Jahren haben wir in Frankreich an der Mittelmeerküste einen jungen Mann namens Ron aus Kapstadt kennen gelernt, der gerade dabei war eine mehrjährige Fahrradtour zu machen. Er hatte sich selbst den ironischen Namen „Fat Kid on a Bike“ (Dickes Kind auf nem Rad) gegeben und war auch sonst ein lustiger und fröhlicher Zeitgenosse. Als wir ihn damals trafen, hatte er gerade Afrika hinter sich gelassen und war nun auf dem Weg kreuz und quer durch Europa. Sein Kommentar dazu: „Nach über einem Jahr Radtour in ganz Afrika musste ich mir in Europa zum ersten Mal ein Schloss besorgen! Mann habt ihr das hier gefährlich!“

The longest Hole - Golf across Mongolia

The longest Hole - Golf across Mongolia (Foto: the-longest-hole.com)

Das längste Loch

Vor einem Jahr nun hat er seine Reise beendet und seitdem haben wir nichts mehr von ihm gehört. Bis wir heute eine Mail von ihm bekamen, in dem er uns sein neues Projekt vorstellte. Ein Projekt, das auf seine abstruse Art so cool ist, dass wir es euch auf jeden Fall teilen wollen. Es trägt den titel „The longest Hole“ und hat nicht das geringste mit Sex zu tun, auch wenn man das vielleicht erst einmal meinen könnte.

Gemeinsam mit einem alten Kumpel macht er sich auf eine Reise einmal quer durch die Mongolei. Das coole dabei ist jedoch, dass es sich bei dieser Reise nicht um eine Wanderung, sondern um eine ungewöhnlich lange Partie Cross-Golf handelt. Sie starten am Fuße eines Gebirges und legen dann knapp 2000 km zurück, um die längste Golf-Partie zu spielen, die je in einem Stück gespielt wurde. Dabei halten sie sich exakt an die üblichen Golfregeln: Abgeschlagen wird beim ersten Mal von einem Tee und dann wird immer von exakt dem Punkt aus weiter gespielt, wo der Ball liegen geblieben ist. Wo immer das auch sein mag. Der Ball selbst ist dabei mit einem GPS-Tracker ausgestattet. Zum einen, damit ihn die beiden Spieler im Notfall wieder finden können und zum anderen, damit alle Fans live im Internet nachverfolgen können, wo sich der Ball gerade befindet.

Am Ende wollen die beiden dann den einzigen Golfplatz der Mongolei erreichen und den Ball hier ganz ordentlich vom Grün aus ins Loch patten.

Das verrückteste Golf-Adventure der Welt.

Das verrückteste Golf-Adventure der Welt. (Foto: the-longest-hole.com)

Golf around the World

Wir haben uns gleich einmal ein paar Gedanken dazu gemacht, wie eine solche Aktion hier bei uns in England wohl aussehen würde und kamen sofort zu dem Schluss, dass es definitiv unmöglich wäre. Es sei denn natürlich, man schlägt jeden Ball nur etwa 10 Meter weit, aber das ist ja nicht Sinn der Sache. Ron und sein Kumpel haben sich (wie beim Golfen üblich) eine festgelegte Anzahl an Schlägen gegeben, die man für dieses Loch brauchen darf vorgegeben. Die Mongolei scheint einem Golfplatz insgesamt etwas näher zu kommen als England, da es dort viele weite Steppen und Ebenen gibt, auf denen man wahrscheinlich recht gut spielen kann. Aber nichts desto trotz ist es eine gigantische Herausforderung, die sich die beiden dort gestellt haben. Denn ihr Weg aufs Grün führt sie zunächst über ein Gebirge, in dem sie winterlichen Minusgraden trotzen müssen und wenig später durch einen Teil der Wüste Gobi.

Ron, der selbst – wenn wir es richtig verstanden haben – keinerlei Golferfahrung besitzt und sich auch nie hätte träumen lassen, einmal einen Golf-Weltrekord, übernimmt bei der ganzen Aktion dabei die Aufgabe des Caddies, während sein Kumpel für das Golfen verantwortlich ist. Ihr Material transportieren sie dabei ähnlich wie wir auf einem Wagen und damit es thematisch passt ist es in ihrem Fall natürlich ein Golfwägelchen.

Adam Rolston und Ron Rutland golfen um die Welt

Adam Rolston und Ron Rutland golfen um die Welt (Foto: the-longest-hole.com)

Selbst ein Teil der Legende werden

Abgesehen von der unorthodoxen Golf-Partie selbst haben die beiden auch noch einige andere coole Ideen, mit denen sie ihr Projekt abrunden. Eine davon ist, dass man als Fan oder Leser Golfbälle kaufen kann, die die beiden dann mit auf ihre Reise nehmen. Eine solche Golf-Partie wird natürlich nie nur mit einem Ball gespielt, sondern immer mit mehreren. Jeder der gekauften Bälle bekommt dann eine eigene Nummer und einen eigenen GPS-Sender, sodass jeder Spender sofort per SMS oder Mail informiert wird, wenn sein Ball gerade im Rennen ist. Obwohl die beiden vollkommen alleine durch die endlose Weite der Mongolei wandern, hat man so die Möglichkeit zumindest in gewisser Weise trotzdem mit dabei zu sein.

Golfen durch die Wüste und durch Schnee

Golfen durch die Wüste und durch Schnee (Foto: the-longest-hole.com)

Golfen für einen guten Zweck

Abgesehen von dem Spaßfaktor für die beiden Abenteurer und der Tatsache, dass sie sich damit zu Legenden in der Golfgeschichte machen, dient ihre Aktion auch einem guten Zweck. Denn mit den Erlösen aus Spenden und Ballverkäufen, werden verschiedene soziale Projekte unterstützt, darunter eine Organisation, die verschiedene Sportarten nutzt, um traumatisierten oder anderweitig leidenden Kindern wieder zurück ins Leben zu verhelfen.

Golfen durchs Gebirge

Golfen durchs Gebirge (Foto: the-longest-hole.com)

Alle Infos über den Golf-Weltrekord

Wenn ihr mehr über das Projekt und seinen Verlauf erfahren wollt, findet ihr alle Informationen auf der Webseite www.the-longest-hole.com. Hier gibt es auch die Live Berichte, den aktuellen Stand (oder besser die aktuelle Lage) des Balls und ein Video zum Golf-Weltrekord.

Spruch des Tages: Hört niemals auf, eure Träume in die Tat umzusetzen, egal wie verrückt sie auch erscheinen mögen.

Höhenmeter: 60 m

Tagesetappe: 22 km

Gesamtstrecke: 23.082,27 km

Wetter: bewölkt später regen

Etappenziel: Methodisten-Kirche, Longtown, England

Heiko Gärtner
Heiko Gärtner ist Wildnismentor, Extremjournalist, Survivalexperte, Weltreisender und einer der führenden Experten auf dem Gebiet der Antlitz- und Körperdiagnostik. Nachdem er einige Jahre als Agenturleiter und Verkaufstrainer bei einer großen Versicherungsagentur gearbeitet hat, gab er diesen Job auf, um seiner wahren Berufung zu folgen. Er wurde Nationalparkranger, Berg- und Höhlenretter, arbeitete in einer Greifenwarte und gründete schließlich seine eigene Survival- und Wildnisschule. Seit 2014 wandert er zu Fuß um die Welt und verfasste dabei mehrere Bücher.

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