Tag 988: Lügen haben kurze Beine

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Tag 988: Lügen haben kurze Beine

Tag 988: Lügen haben kurze Beine

02.09.2016

Gegen sieben Uhr in der Früh sprang die Tür auf und der Pfarrer platzte herein, um uns eine Packung Cornflakes und eine Flasche Milch als Frühstück hinzustellen. Dann verschwand er wieder und wir sahen ihn nie wieder.

In den letzten Tagen war es relativ flach und eben gewesen, was zum Wandern deutlich angenehmr war. Heute wurde es nun wieder etwas hügeliger, doch noch immer konnten wir über viele kleine Straßen wandern. Wirklich ruhig und friedlich war es aber trotzdem nicht. Aus irgendeinem Grund herrschte hier immer ein wenig eine Atmonsphäre wie im Krieg. Es war unterschwällige, aber man hatte das Gefühl, dass unter der Oberfläche eine wahnsinnige Aggression in den Menschen schlummerte, die sie über lauter indireke Aggressionshandlungen nach außen brachten.

Im Laufe unserer Reise hatten wir ja bereits viele Ausreden von Pfarren gehört, warum sie uns nicht helfen konnten. Dieser hier schlug jedoch dem Fass den Boden aus. Als ich an seiner Haustür klingelte und fragte, ob er der Pfarrer sei, sagte er einfach Nein. Er war ein alter, leicht tattriger Mann ohne Pfarrerskrause und so nahm ich erst an, dass diese Aussage stimmte. Als ich jedoch kurz darauf einer Nachbarin erklärte, dass wir einen Platz brauchten, der Pfarrer aber leider im Urlaub sei, schüttelte sie nur verständnislos den Kopf. „Das ist unmöglich, denn ich heirate Morgen und er führt die Trauung durch!“ Als sie mir dann die Beschreibung des Pfarrers gab wurde klar, dass es wirklich der Mann gewesen war, mit dem ich mich unterhalten hatte.

Dreister ging es nun ja wohl wirklich nicht mehr. Die junge Frau sah das genauso und war von meiner Idee, noch einmal gemeinsam zum Pfarrer zu gehen deshalb gar nicht begeistert. Nicht weil sie nicht glaubte, ihn üerreden zu können, sondern weil sie fürchtete, sich so über ihn aufzuregen, dass sie sich einen neuen Pfarrer für ihre Hochzeit suchen musste, wenn sie einmal damit anfing. Stattdessen lud sie uns in das Hostel eines Freundes ihrer Mutter ein, das sich knapp zwei km vor dem Ort befand.

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Spruch des Tages: Lügen haben kurze Beine

Höhenmeter: 50 m
Tagesetappe: 33 km
Gesamtstrecke: 18.036,27 km
Wetter: Sonnig und extrem heiß
Etappenziel: Gemeindesaal des Pfarrhofs, Laa an der Thaya, Österreich

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About the Author:

Heiko Gärtner und Franz von Bujor sind ausgebildete Survivalexperten und Extremjournalisten. Seit 2014 wandern sie zu Fuß und ohne Geld um die Welt um auf diese Weise tiefe Einblicke in unsere Gesellschaft mit all ihren Facetten, Kulturen und Systemen zu bekommen. Als Medizinjournalisten sind sie unter anderem Mitglieder des Deutschen Fachjournalisten Verbandes und schreiben neben Artikeln für Blogs, Zeitungen und Magazine auch Sachbücher und Ratgeber. 2013 veröffentlichten sie gemeinsam ein Grundlagenwerk über Antlitzdiagnose mit dem Titel "Krankheiten auf einen Blick erkennen". 2016 folgte ihr zweites Werk "Die natürliche Heilkraft der Bäume". Dabei handelt es sich um ein Lehrbuch, um die Grundlagen der Naturheilung zu erlernen, wie sie seit Jahrtausenden von indigenen Völkern überall auf der Welt angewendet werden. Heiko Gärtner ist zudem gelernter Natur- und Landschaftspfleger, Wildnislehrer, Hochseilgartentrainer sowie Berg- und Höhlenretter. Nach seiner Ausbildung zum Versicherungsfachwirt leitete er unter anderem Motivation und Verkaufstrainings und übernahm später eine eigene Generalagentur. Aus dieser Zeit konnte er unter anderem auch ein umfangreiches Verständnis und Wissen aus den Bereichen Versicherungsrecht, Recht im Allgemeinen, Buchhaltung, Wirtschaftsmathematik und Unternehmensführung mitnehmen. Um mehr seinem Herzensweg zu folgen, gab er seine Büro-Karriere schließlich auf, um sich zum Survivalexperten, Nationalparkranger und Wildnismentor ausbilden zu lassen. In diesem Rahmen besuchte er unter anderem Naturvölker in Neuseeland, Kanada, den USA und Thailand. Dabei gründete er unter anderem seine eigene Wildnisschule, die bis heute besteht und Ausbildungen aus dem gesamten Wildnissektor anbietet. Franz von Bujor ist studierter Kultur- und Sozialpädagoge, sowie ausgebildeter Wildnislehrer, Mediator und Erlebnispädagoge. Auf seinen vielzähligen Reisen unter anderem nach Australien und Lateinamerika sammelte er Expertenwissen im Bereich alternatives Leben und Reisen, Minimalismus, Backpacking und Work and Travel, sowie allgemein im Bereich Kunst, Kultur, Religion und Geschichte. Seit 2016 lebt er als Wandermönch.

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