Heimaturlaub

Heimaturlaub

Heimaturlaub

Ein Heimaturlaub ist eigentlich entweder der Urlaub, den Soldaten bekommen, um während des Krieges ihre Familie zu besuchen, oder die Möglichkeit für Flüchtlinge, kurzzeitig in ihre Heimat zurückzukehren. In unserem Fall trifft natürlich beides nicht zu, denn wir sind ja weder im Krieg noch auf der Flucht. Und dafür sind wir sehr Dankbar! Dennoch passt das Wort „Heimaturlaub“ an sich sehr gut zu dem, was wir in den letzten Wochen gemacht haben. Nach fünf Jahren ununterbrochener Wanderung durch Europa haben wir nun 21 Tage lang wieder das Leben von sesshaften Bürgern geführt. Und dies Zuhause im Haus von Heikos Eltern.

Dabei sind diese drei Wochen wie im Flug vergangen. Fast so, als hätte jemand mit den Fingern geschnippt und „Zack!“ war die Zeit vorbei. Das seltsame dabei ist nur, dass die Tage eigentlich sehr ereignisreich waren und dass es sogar einiges zu berichten gibt, obwohl wir lediglich zu Hause waren. Doch beginnen wir am Anfang.

Noch ein kurzer Blick in die Kirche von Altdorf und dann geht es zur letzten Etappe vor dem Heimaturlaub.

Noch ein kurzer Blick in die Kirche von Altdorf und dann geht es zur letzten Etappe vor dem Heimaturlaub.

Die letzten Meter gen Heimat

Der erste große Punkt war natürlich unsere Heimkehr nach gut zweieinhalb Jahren, seit wir Postbauer-Heng zuletzt verlassen hatten. Nach unserem Wettlauf mit der Currywurst von 2016, bei dem wir die letzten 70km auf einen Tage gelaufen sind, haben wir uns dieses mal eine entspanntere Ankunftstaktik überlegt. Bereits am Tag zuvor sind wir bis nach Altdorf gewandert, was von Postbauer-Heng nur noch rund 10km entfernt liegt.

Theoretisch hätten wir also nahezu nach hause stolpern können. Doch gleich der erste Blick aus dem Fenster morgens in der Früh zeigte, dass es so entspannend dann doch nicht werden würde. Draußen befand sich wieder einmal eine Winterwunderwelt bei der alles unter einer 15cm dicken Schneeschicht begraben lag. So schön das auch aussah, bedeutete es leider auch, dass sich unsere Pilgerwagen anfühlten, als hätte man sie am Boden festgeleimt. Dementsprechend anstrengend wurde die Etappe und im Nachhinein konnte ich nicht mehr genau sagen, ob sie wirklich entspannter war, als unser Currywurst-Marsch.

Weltreisender im Tiefschnee

Bei dem vielen Schnee ist auch für erfahrene Weltreisende kaum ein Durchkommen.

 

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Auch Zuhause gibt es etwas zu entdecken

Das bedeutete aber nicht, dass diese Wanderetappe nicht dennoch abenteuerlich und spannend war. Im Gegenteil, wir haben sogar trotz der Nähe zu Heikos Kindheitsheimat noch einen Erkundungsgang machen können. Direkt vor den Toren vom Neumarkter Landkreis entdeckten wir eine Höhle im Felsen, die wir zuvor nicht kannten. Sie trug den verheißungsvollen Namen „Teufelshöhle“. Um sie zu erreichen, musste man eine steile und völlig vereiste Stiege hinuntersteigen, über die man ebenso gut hätte im Wasser landen können. Mit klatschnassen Handschuhen und einigem Adrenalin im Körper kamen wir aber dennoch in der Höhle an. Sie war nicht spektakulär aber durchaus ganz sehenswert. Und sie war definitiv ein schöner Anfang für unseren Heimaturlaub.

Heimische Spezialitäten

An dieser Stelle möchten wir uns auch noch einmal ganz herzlich bei Heikos Eltern bedanken. Dafür, dass sie uns so herzlich aufgenommen und so hervorragend bewirtet haben. Wenn einem eine Weltreise eine Sache nicht bieten kann, dann ist es der Genuss der heimischen Küche. Und die war wieder einmal Spitzenklasse! Auch sonst wäre unser Heimaturlaub ohne die beiden natürlich nicht möglich gewesen. Vor allem, weil es in der Zeit einiges zu tun gab. Angefangen beim Akquirieren neuer Sponsoren, über das Sortieren und Aufbereiten des vorhandenen Materials bis zum Umbau unserer Wagen. Zudem mussten die Computer eingerichtet, unsere neuen Personalausweise besorgt und unsere USA-Visa organisiert werden. Gut also, dass es zwischendurch immer wieder eine Stärkung gab!

Heimische Spezialitäten – Das beste am Heimaturlaub

Heimische Spezialitäten – Das beste am Heimaturlaub

Pässe und Behörden

Ein Großteil unserer Urlaubszeit in der Heimat ging dieses Mal für Behördengänge drauf. Bereits im Vorfeld hatten wir neue Reisepässe und Personalausweise beantragt. Immerhin sollte alles rechtzeitig vor unserem Vorstellungstermin für unser US-Visum fertig sein. Leider hatte ich dabei wohl nicht deutlich genug gesagt, dass wir einen Express-Reisepass brauchen und so mussten wir alles noch einmal von vorne organisieren.

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Nicht viel anders erging es uns mit allen möglichen versteckten Verträgen. Sie hatten sich all die Jahre über im Verborgenen gehalten und dabei fleißig Geld vom Konto gesaugt, ohne dass sie benötigt wurden. Allein hier aufzuräumen dauerte gefühlt schon unseren halben Heimaturlaub.

Heimaturlaub zum Reparieren und Nachrüsten

Heimaturlaub zum Reparieren und Nachrüsten

Danke an alle Sponsoren

Aber es gab natürlich auch Grund zum Freuen und Feiern. So bekamen wir während der drei Wochen Heimaturlaub wieder einige neue Sponsoren und Partner hinzu, die uns von nun an Unterstützen werden. Auch bei ihnen möchten wir uns an dieser Stelle bedanken! Da wären zum einen Magura, Ergon, FLKS, Hinterher, Weber, Ortlieb und Topeak, die uns tatkräftig beim reparieren und verbessern unserer Pilgerwagen geholfen haben.

Hinzu kommen der Computer-Store CDX-Datentechnik in Nürnberg, sowie Synology, DELL, Foto-Hesse, Seagate, Zyxel und SanDisk, die unsere technische Ausrüstung wieder auf den neusten Stand gebracht haben. Für den großartigen Beitrag zum Schutz unserer Gesundheit bedanken wir uns beim Hörhaus, beim DMSO-Shop und beim Gehörschutz-Versandt. Und nicht zuletzt möchten wir uns noch bei Thule, Ziener, Engel Sports, Astri, Tatonka, Scarpa und pedag für die Erneuerung unserer Kleidung und unserer täglichen Ausrüstung bedanken. Auf die einzelnen Bereiche gehen wir in den nächsten Berichten noch einmal spezifischer ein.

Im Heimaturlaub gab es viele Pakete zum Auspacken.

Im Heimaturlaub gab es viele Pakete zum Auspacken.

 

Besuch im US-Konsulat in München

Das spannungstechnische Highlight unseres Heimaturlaubes war jedoch unser Besuch im US-Konsulat in München. Denn hier mussten wir unser Konzept für den zweiten Teil unserer Reise präsentieren, der uns als Journalisten nach Nordamerika führt. Dort wollen wir dann weiter das Thema Naturmedizin erforschen. Dieses Mal mit einer Reportage über die Heiler und Schamanen der amerikanischen Ureinwohner. Bis zur letzten Sekunde war es eine Zitterpartie, ob unser Antrag genehmigt würde, doch dann bekamen wir grünes Licht. Kiloschwere Steine vielen uns vom Herzen und die Erleichterung darüber, dass die Zukunft unseres Weltreiseprojektes gesichert war, was unermesslich.

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Gleich am nächsten Tag jedoch merkten wir, dass wir noch nicht den Jackpot in der Hand hielten. Denn für eine fünfjährige USA-Reise mit umfassendem Journalismus-Projekt braucht es mehr als nur das Visum. Viele Fragen sind noch offen und mit der Ungewissheit rückten die USA schnell wieder in weite Ferne. So beschlossen wir, den Reisestart nach Übersee noch eine Weile zu verschieben und zunächst einmal wieder gen Süden zu pilgern. Unser erstes Ziel außerhalb Europas lautet nun Tunesien. Von dort geht es weiter über Libyen nach Marokko und von dort wieder zurück nach Spanien. Bis dahin sollte dann für die USA alles geklärt sein und es kann weiter gehen über den großen Teich.

Spruch des Tages: Kaum hat der Heimaturlaub begonnen, ist er auch schon wieder vorbei…

Höhenmeter: 70m / 21x 0m
Tagesetappe: 12km / 21x 4km
Gesamtstrecke: 33.985,27km
Wetter: Mal sonnig, mal bewölkt, am Anfang und am Ende heftiger Schneefall
Etappenziel Tag 1809-1830: Haus von Heikos Eltern, Postbauer-Heng

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About the Author:

Heiko Gärtner und Franz von Bujor sind ausgebildete Survivalexperten und Extremjournalisten. Seit 2014 wandern sie zu Fuß und ohne Geld um die Welt um auf diese Weise tiefe Einblicke in unsere Gesellschaft mit all ihren Facetten, Kulturen und Systemen zu bekommen. Als Medizinjournalisten sind sie unter anderem Mitglieder des Deutschen Fachjournalisten Verbandes und schreiben neben Artikeln für Blogs, Zeitungen und Magazine auch Sachbücher und Ratgeber. 2013 veröffentlichten sie gemeinsam ein Grundlagenwerk über Antlitzdiagnose mit dem Titel "Krankheiten auf einen Blick erkennen". 2016 folgte ihr zweites Werk "Die natürliche Heilkraft der Bäume". Dabei handelt es sich um ein Lehrbuch, um die Grundlagen der Naturheilung zu erlernen, wie sie seit Jahrtausenden von indigenen Völkern überall auf der Welt angewendet werden. Heiko Gärtner ist zudem gelernter Natur- und Landschaftspfleger, Wildnislehrer, Hochseilgartentrainer sowie Berg- und Höhlenretter. Nach seiner Ausbildung zum Versicherungsfachwirt leitete er unter anderem Motivation und Verkaufstrainings und übernahm später eine eigene Generalagentur. Aus dieser Zeit konnte er unter anderem auch ein umfangreiches Verständnis und Wissen aus den Bereichen Versicherungsrecht, Recht im Allgemeinen, Buchhaltung, Wirtschaftsmathematik und Unternehmensführung mitnehmen. Um mehr seinem Herzensweg zu folgen, gab er seine Büro-Karriere schließlich auf, um sich zum Survivalexperten, Nationalparkranger und Wildnismentor ausbilden zu lassen. In diesem Rahmen besuchte er unter anderem Naturvölker in Neuseeland, Kanada, den USA und Thailand. Dabei gründete er unter anderem seine eigene Wildnisschule, die bis heute besteht und Ausbildungen aus dem gesamten Wildnissektor anbietet. Franz von Bujor ist studierter Kultur- und Sozialpädagoge, sowie ausgebildeter Wildnislehrer, Mediator und Erlebnispädagoge. Auf seinen vielzähligen Reisen unter anderem nach Australien und Lateinamerika sammelte er Expertenwissen im Bereich alternatives Leben und Reisen, Minimalismus, Backpacking und Work and Travel, sowie allgemein im Bereich Kunst, Kultur, Religion und Geschichte. Seit 2016 lebt er als Wandermönch.

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