Il Cammino dell’Adriatico – Pilgern an der italienischen Adria-Küste

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Il Cammino dell’Adriatico – Pilgern an der italienischen Adria-Küste

Il Cammino dell’Adriatico – Pilgern an der italienischen Adria-Küste

Für alle Pilger unter euch haben wir gute Nachrichten! Es gibt demnächst einen neuen Pilgerweg durch Italien, der sich direkt an der Adria-Küste entlang schlängelt. Passend dazu trägt er auch den naheliegenden Namen „Il Cammino dell‘Adriatico“, also Pilgerweg an der Adria-Küste. Das schöne ist, dass hierfür der alte Bahndamm ausgebaut und in einen Wander- und Fahrradweg verwandelt wird. Es ist also nicht einfach nur eine Pilgerroute, für deren Ausbau man in ein paar Schildchen investiert hat, sondern ein komplett neuer weg, mit dem man sowohl die extremen Steigungen dieser Region als auch die unschönen Hauptstraßen umgehen kann. Zurzeit funktioniert dies leider nur zum Teil, doch wir konnten bei unserer Wanderung sehen, dass die Bauarbeiter bereits fleißig am Werk sind. Bald also wird dem ungehinderten Wandern und Radeln nichts mehr im Wege stehen.

Maskottchen des neuen Wanderweges

Wir selbst stießen zufällig auf diesen Weg. Oder besser gesagt, der Weg stieß auf uns. Denn genaugenommen wandern wir ja schon seit Venedig fast permanent an der Adria-Küste entlang. Nur eben ohne einen fest vorgeplanten Weg. Heute aber trafen wir dabei drei Wanderer, die mit Kartenmaterial, Fotoapparat, Flyern und allerlei anderen Dingen ausgerüstet waren. Sie sprachen uns an und erzählten uns, dass sie gerade dabei waren, Material für eine PR-Kampagne für diesen neuen weg zu sammeln. Das Stück, das gerade ausgebaut wird, erstreckt sich über die gesamte Küste von Abruzzen. Es beginnt also im Norden an der Grenze nach Marken und endet im Süden an der Grenze zu Molise. Die drei waren diese etwa 130km in der letzten Woche zu Fuß gewandert und wollten nun darüber Berichten, um weitere Pilger anzulocken. Da kamen wir natürlich gerade Recht und ehe wir uns versahen, gaben wir wieder einmal ein Interview in einer Sprache, die wir nicht beherrschten. Damit waren wir dann auch gleich eine Art Maskottchen für den neuen Weg, der nun noch vor seiner offiziellen Eröffnung sogar schon von Fernreisenden getestet wurde.

Franz Bujor am Kapuzinerkloster

Franz Bujor am Kapuzinerkloster

Die Geschichte des Adria-Pilgerweges

Der Verlauf des Weges geht laut unseren Pilgerweg-Vorbereitern auf eine Geschichte um drei Pfarrer zurück. Diese kamen einst aus dem Norden, möglicherweise sogar aus Deutschland und wanderten gen Süden in Richtung Apulien. Für eine lange Zeit hatten sie damit also den gleichen Plan wie wir gerade. Allerdings wollten sie später nach Griechenland abbiegen um dann weiter nach Israel zu pilgern.

Unweit des Ortes, an dem unser kleines Treffen stattfand, machten sie eine Rast und bauten ihr Nachtlager auf. Dabei hing einer der Pfarrer seinen Rucksack an einen kleinen Baum, damit er nicht im Dreck liegen musste. In der Nacht jedoch geschah ein Wunder, wenn auch eines, das den Pfarrer nicht so besonders freute. Denn während er schlief war das kleine Bäumchen zu einem echten, beeindruckenden Baum herangewachsen. Damit hing sein Rucksack nun oben in der Krone. Nur durch eine gewagte Kletter- und Angel-Aktion gelang es ihm sein Reisegepäck wieder zu gewinnen.

Die berühmte Wandmalerei in der Chiesa di Santa Maria di Propezzano

Die berühmte Wandmalerei in der Chiesa di Santa Maria di Propezzano (Quelle: Di Infinitispazi – Opera propria, Pubblico dominio)

Heute steht an dieser Stelle eine Kirche mit dem Namen Santa Maria di Propezzano. Darin gibt es einige Fresken, die die Geschichte der drei Priester und des Baumes erzählen. Sie gelten als die ältesten Aufzeichnungen über die Benutzung der Route als Pilgerweg nach Israel.

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Kultur und Sehenswürdigkeiten entlang des Weges

Der Pilgerweg selber verlief natürlich nicht nur durch Abruzzen, sondern an der gesamten italienischen Adria-Küste entlang. Doch bis alles ausgebaut sein würde, vergingen sicher noch Jahre. Die 130km die jetzt neu gemacht wurden, boten aber auch für sich genommen schon einiges an Sehenswürdigkeiten und Attraktivität. Zu aller erst muss man hierbei natürlich das Meer mit den vielen Sandstränden hinzuzählen. Denn das schöne am Pilgerweg ist, dass man dank ihm nicht nur die ganzen Massenstrände sondern auch die kleinen, einsamen, idyllischen zu Gesicht bekommt.

Wem aber nicht so nach brutzeln sondern eher nach Sightseeing ist, der findet auf der anderen Seite des Weges sein Glück. Denn hier gibt es alle paar Kilometer ein neues Heiligtum, eine neues Kloster oder ein anderes Kulturgut. Spannenderweise hatten wir viele dieser Sehenswürdigkeiten in den letzten Tagen sogar schon selbst bereits besucht.

Pescara Hafen

Pescara Hafen

Santuario Maria Santissima dello Splendore

Dies ist ein altes Kapuzinerkloster, das während des Erdbebens von 2016/2017 größtenteils zerstört wurde. Lediglich der neugebaute Teil hat unbeschadet überstanden und wirkt nun, durch die alten, halb verfallenen Gebäude im Hintergrund noch imposanter als er eigentlich ist. Schön sind vor allem die farbenfrohen Fresken im Eingangsbereich und die Aussicht vom Vorplatz über die Stadt und das Meer. Am meisten hat uns dabei der Kreuzweg beeindruckt, der unten vom Ortszentrum steil den Berg hinauf bis vor die Klostertüren führt. Auch ohne ein Kreuz hat man hier eine gute Vorstellung davon, wie anstrengend dieser letzte Weg für Jesus gewesen sein musste. Die einzelnen Stationen sind dabei mit schön ausgearbeiteten und imposant großen Bronzestatuen dargestellt.

Die Mönche selbst waren leider etwas unentspannt, nahmen uns nach einiger Überredung aber dennoch auf. Allerdings übernachteten wir nicht im Kloster selbst, sondern in einem verlassenen Konferenzraum oberhalb der Kirche, der noch zu den alten Gebäuden gehörte. Er war jedoch nicht einsturzgefährdet, keine Angst. Mehr Informationen findet ihr hier: http://www.madonnadellosplendore.it/

Abbazia di Santa Maria di Propezzano (Motto d‘Oro)

Dies ist die Kirche, mit dem Fresko von den drei Pfarrern und ihrem Baum-Problem. Da wir sie selber nicht besucht haben, können wir leider nicht allzu viel darüber sagen. Außer, dass es heute eine Benediktiner-Abtei ist. Hier findet ihr die Internetseite: www.valledelleabbazie.it

Chiesa di Santa Maria di Propezzano

Chiesa di Santa Maria di Propezzano (Quelle: Di Infinitispazi – Opera propria, Pubblico dominio)

Basilica della Madonna die Sette Dolori (Pescara)

In Pescara haben wir in einem Franziskanerkloster übernachtet. Es war ein riesiger Komplex und wurde zu einem großen Teil von sehr alten, freundlichen und dementen Brüdern bewohnt, denen wir unsere Geschichte immer und immer wieder erzählten. Es war schon hart mitzuerleben, denn viele von ihnen waren noch so gut beieinander, dass man niemals vermutet hätte, ihnen könnte etwas fehlen. Ein bisschen niedlich war es allerdings auch, wie sehr sie sich jedes Mal wieder darüber freuten, dass sie Besuch bekommen hatten, den sie noch nicht kannten.

Da unser Kloster direkt am Strand lag und wir bei der Hitze nicht allzu motiviert für lange Erkundungstouren waren, kann ich euch nichts über die Basilica erzählen. Das Meer an dieser Stelle ist aber klasse, das haben wir getestet!

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Hier findet ihr aber auch zur Kirche mehr Informationen: www.settedolori.pe.it

Basilica dei Sette Dolori in Pescara

Basilica dei Sette Dolori in Pescara (Quelle: Wikipedia, CC BY-SA 2.5)

Santuario del Miracolo Eucaristico di Lanciano

Dieses Heiligtum wiederum haben wir uns angeschaut. Es ist jedoch nicht das spannendste, das wir je gesehen haben. Die Geschichte dahinter ist interessant und mysteriös, weshalb wir ihr noch einmal einen eigenen Artikel gewidmet haben. Aber zum Anschauen gibt es nicht wirklich viel. Auch die Stadt Lanciano selbst bietet im Vergleich zu vielen anderen im Umkreis nur wenig sehenswertes.

Übernachten durften wir hier in einem Kloster von brasilianischen Nonnen. Dies wiederum ist empfehlenswert, denn es sind unglaublich freundliche und herzliche Frauen, deren Gastfreundschaft die ihrer italienischen Schwestern und Brüder soweit in den Schatten rückt, dass man sie kaum mehr erkennen kann.

Und hier direkt zu deren Internetseite: www.miracoloeucaristico.eu

 

Abbazia di San Giovanni in Venere (Fossocesia)

Auch über diese Abtei können wir nicht viel sagen. Nur dass die ansässigen Mönche aufgrund ihrer strickten Weigerung uns zu helfen beinahe gelyncht worden wären. Denn trotz Empfehlung von mehreren Pfarrern und Brüdern aus der Umgebung waren sie nicht bereit, auch nur einen Finger zu krümmen, um uns aufzunehmen. Da sie nicht die ersten waren, die so handelten, sondern nur eine weitere Gemeinschaft in einer ganzen Reihe von Mönchen und Pfarrern, die irgendwie ihre Grundprinzipien vergessen hatten, regten wir uns schon fast gar nicht mehr richtig darüber auf. An dieser Stelle möchte ich kurz auf die Ironie hinweisen, dass gerade die dementen Mönche, die sich nicht an ein Gespräch erinnern konnten, das eineinhalb Minuten zurück lag, diese Grundsätze nicht vergessen haben!

Auf jeden Fall suchten wir aufgrund der Absage im nahegelegenen Ort nach einer Alternative. Leider sah es hier zunächst nicht besser aus, da der örtliche Pfarrer mit einer Schülergruppe ins Feriencamp gefahren war. Daher fragte ich in einer Bar um Hilfe. Immerhin war es ja möglich, dass jemand seine Handynummer hatte. Sofort riet man uns, die Mönche aufzusuchen, da jeder Sicher war, dass diese uns beherbergen würden. Als wir von der Absage erzählten, schlug die Stimmung um. Plötzlich war jeder der Anwesenden wütend auf die Mönche und wollte sie zur Rede stellen. Kurz darauf erfuhren sie, dass auch die örtlichen Nonnen uns nicht helfen wollten. Spätestens jetzt hing jeder am Telefon und machte Druck. Innerhalb von einer halben Stunde, hatte die Bevölkerung ihre Geistlichen dann soweit, dass wir ein komplettes, Gemeindehaus zur Verfügung bekamen.

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Hier die Webseite der Abtei: www.sangiovanninvenere.it

Abbazia di San Giovanni in Venere bei Fossacesia

Abbazia di San Giovanni in Venere bei Fossacesia (Quelle: Wikipedia: Di Zitumassin – Opera propria, Pubblico dominio)

 

Santuario della Madonna die Miracoli di Casalbordino

Die Wunder, von denen im Namensteil Miracoli (Nein es ist keine Kirche, die nach einer Firma für Tomatensauce benannt wurde) angespielt wird, gehen schon auf das 6. Jahrhundert nach Christi zurück. Seit etwa 100 Jahren gibt es hier zudem ein Benediktiner-Kloster, in dem man als Pilger ebenfalls recht herzlich aufgenommen wird. Leider wurde die alte Kirche inzwischen abgerissen und durch eine neuere und vor allem größere ersetzt, die bei weitem nicht mehr so schön ist. Erhalten ist nur noch ein Altar. Dennoch ist das Kloster aufgrund seiner Größe recht beeindruckend. Offen gestanden war es jedoch der Garten, der es uns am meisten angetan hat. Dies lag vor allem an dem reichen Angebot an frischen und extrem saftigen Früchten, die nach unserem Aufstieg auf die Anhöhe wie eine Erlösung wirkten.

Chiesa della Madonna della Penna (Vasto)

Auch auf diese Kirche konnten wir nur einen flüchtigen Blick im Vorbeigehen werfen. Denn heute war einer der heißesten Tage des Jahres und uns lief derart der Schweiß von der Stirn, dass wir nur noch durch einen Wasserfall auf die Straße blicken konnten. Ich fühlte mich wie ein Schneemann, den es irgendwie in die Karibik verschlagen hatte.

Zum übernachten waren wir im Institut der Saliziani eingeladen worden, jenem Orden, der in Italien nahezu die gesamte Kinder- und Jugendarbeit übernimmt. Da hier gerade Sommerferien sind, sind außer uns heute auch gut 300 Schüler hier, die ein umfangendes Animationsprogramm von mehr als 70 freiwilligen Jugendbetreuern bekommen. Da sag noch einer, Jugendarbeit sei nicht lukrativ! Denn sie Saliziani gehören zu den reichsten Orden der katholischen Kirche. Wenn man bedenkt, dass hier nun drei Wochen lang 300 Kinder betreut werden, deren Eltern alle für die Aufnahme zahlen, während die Betreuer grundsätzlich Freiwilligenarbeit leisten, leuchtet das auch ein. Nicht, dass sie keine gute Arbeit machen würden und dass man es ihnen nicht gönnt. Ich will nur sagen, dass man hier durchaus mit der Jugendförderung auch reich werden kann.

Falls ihr aber zusätzlich auch noch etwas über die berühmte Kirche erfahren wollt, findet ihr hier ihre Website: www.vastospa.it

Santa Maria di Punta Penna Vasto

Santa Maria di Punta Penna in Vasto (Quelle: Wikipedia: Di Zitumassin – Opera propria, CC BY-SA 3.0)

Fazit zum Pilgerweg „Il Cammino dell’Adriatico“

Alles in allem ist der Cammino dell‘Adriatico ein sehr empfehlenswerter Weitwander- bzw. Pilgerweg, der die Vorteile der Küste mit denen des hügeligen Innenlandes vereint und der eine gute Alternative, bzw. Ergänzung zu den bekannten Jakobswegen darstellt.

Weitere Informationen zum Weg und seiner Entstehungsgeschichte findet ihr hier : www.paliurus.it

 

Spruch des Tages: Viele Wege führen nach Rom, aber eben doch nicht alle.

1. Tagesetappe: Abstellkammer im Santuario della Madonna dello Splendore, Guilanova, Italien

2. Tagesetappe: Pfarrheim, Roseto degli Abruzzi, Italien

3. Tagesetappe: Pfarrheim, Pineto, Italien

4. Tagesetappe: Von Nonnen geführtes Hotel, Silvi, Italien

5. Tagesetappe: Franziskanerkloster „San Antonio“, Pescara, Italien

6. Tagesetappe: Pfarrheim, Francavilla al Mare, Italien

7. Tagesetappe: Indische Gemeinde, Ortona, Italien

8. Tagesetappe: Leerstehendes Pfarrhaus, Frisa, Italien

9. Tagesetappe: Nonnenkloster, Lanciano, Italien

10. Tagesetappe: Pfarrhaus, Fossacesia, Italien

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