Tag 1199: Im Land von Harry Potter

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Tag 1199: Im Land von Harry Potter

Tag 1199: Im Land von Harry Potter

11.04.2017

Ich hätte nicht damit gerechnet, aber wir sind hier wirklich im Land von Harry Potter! Als ich damals die Bücher gelesen und die Filme gesehen habe, dachte ich immer, dass die Autorin eine ganz eigene, fantastische Welt erfunden hat, die sich zwar geografisch irgendwie mit Großbritannien überschneidet, aber ansonsten ihrer Phantasie entspringt. Tatsächlich aber handelt die Romankette eigentlich nur vom ganz normalen, modernen Britannien, in dem es auch ein paar Zauberer gibt. Und nicht einmal bei denen ist man sich sicher, dass sie erfunden waren. Dass hier jedes Dorf so aussieht, wie der Heimatort des jungen Romanzauberers hatten wir ja am ersten Tag schon festgestellt. Aber das ist noch nicht alles. Die Friedhöfe sehen genauso aus, wie man sie aus den alten Ritter- und Märchenfilmen kennt, die Schlösser, Burgen und Villen und selbst die Menschen inspirieren einen nicht selten zum Glauben an Fabelwelten.

Harry-Potter-Mode

Heute Abend wurden wir von einem Ehepaar zum Essen eingeladen und saßen daher bei ihnen im Wohnzimmer. An der Wand hingen Bilder von ihren Kindern und Heiko war sich sicher, dass sie Harry-Potter-Filmmuseum von Warnerbrothers aufgenommen worden waren, von dem wir kurz zuvor einen Flyer in der Hand gehalten hatten. Man konnte sogar ausmachen, wer von den jungen Leuten in Griffindor und wer in Slytherin war. Doch tatsächlich handelte es sich um Aufnahmen der Abschlussfeier ihrer Universität. Es waren keine Kostüme, sondern ihre echten, alltäglichen Uniformen gewesen.

Zuvor waren wir am Nachmittag auf einer schmalen Straße mehrfach von Doppeldeckerbussen überholt worden, die mit einem Affenzahn um die Kurven heizten, so als glaubten die Fahrer, dass ihnen alles ausweichen würde, auf das sie zusteuerten. Hier auf die Idee mit dem magischen Notfallbus zu kommen, war also durchaus auch relativ naheliegend.

Wir konnten machen, was wir wollten, egal wohin wir kamen, wir fühlten uns wie bei Harry Potter.

Zur Krönung des Tages durften wir dann sogar noch in einer alten, gotischen Steinkirche mitten auf eine verwunschenen Friedhof schlafen, in dessen Turm nachts die Fledermäuse über uns kreisten. Magischer ging es also kaum.

Zwischen Magie und Großstadt

Die einzige Ausnahme vom Harry-Potter-Feeling war unser kurzer Abstecher nach Folkstone um unsere Elektroadapter zu kaufen. Hier befanden wir uns plötzlich mitten in einer abstrakten Großstadt, die uns mehrere Male fast das Leben gekostet hätte. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie verwirrend dieser Linksverkehr ist. Alles ist falsch herum und man weiß nie, wohin man blicken muss. Gut nur, dass es hier in weiser Voraussicht an vielen Orten auf den Asphalt geschrieben wurde. Leider aber nicht überall und gerade an den besonders verwirrenden Übergängen, wie bei den Kreisverkehren oder Autobahnauffahrten, gab es keine Hinweise.

Dank eines Planes, den wir uns in der Früh bei Audreys Computer ausdrucken konnten, fanden wir schon nach kurzer Zeit einen Supermarkt, in dem man die passenden Adapter für nur einen Pfund kaufen konnte. Gut also, dass wir bereits auf der Fähre Geld geschenkt bekommen haben, denn sonst hätten wir schon wieder ziemlich alt ausgesehen.

Englische Esskultur

Um die Stadt wieder zu verlassen mussten wir einen steilen Pass zu den Klippen hinauf nehmen. An seinem Fuß trafen wir auf eine freundliche ältere Dame, die einen Straßenimbiss führte und uns mit einem Bacon-Sandwitch und einem Tee versorgte. Nach unserem typisch britischen Abendessen, und dem noch britischeren Frühstück mit Ham and Eggs bei Audry, hatten wir nun also auch noch die britische Fastfood-Tradition kennengelernt. Man muss sagen, diese ganzen Vorurteile treffen schon wieder deutlich mehr zu, als man es vermuten würde.

Viele von ihnen aber durchaus im positiven. Denn außerhalb der Städte haben wir die Menschen als sehr, offen, höflich und hilfsbereit wahrgenommen und auch das englische Essen schmeckt uns bei weitem besser, als der französische Dosenfraß.

Spruch des Tages: Harry Potter lässt grüßen

Höhenmeter: 390 m

Tagesetappe: 17 km

Gesamtstrecke: 21.975,27 km

Wetter: Sonnig und windig

Etappenziel: Kirche, TN30 6EB St. Michaels, England

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About the Author:

Heiko Gärtner und Franz von Bujor sind ausgebildete Survivalexperten und Extremjournalisten. Seit 2014 wandern sie zu Fuß und ohne Geld um die Welt um auf diese Weise tiefe Einblicke in unsere Gesellschaft mit all ihren Facetten, Kulturen und Systemen zu bekommen. Als Medizinjournalisten sind sie unter anderem Mitglieder des Deutschen Fachjournalisten Verbandes und schreiben neben Artikeln für Blogs, Zeitungen und Magazine auch Sachbücher und Ratgeber. 2013 veröffentlichten sie gemeinsam ein Grundlagenwerk über Antlitzdiagnose mit dem Titel "Krankheiten auf einen Blick erkennen". 2016 folgte ihr zweites Werk "Die natürliche Heilkraft der Bäume". Dabei handelt es sich um ein Lehrbuch, um die Grundlagen der Naturheilung zu erlernen, wie sie seit Jahrtausenden von indigenen Völkern überall auf der Welt angewendet werden. Heiko Gärtner ist zudem gelernter Natur- und Landschaftspfleger, Wildnislehrer, Hochseilgartentrainer sowie Berg- und Höhlenretter. Nach seiner Ausbildung zum Versicherungsfachwirt leitete er unter anderem Motivation und Verkaufstrainings und übernahm später eine eigene Generalagentur. Aus dieser Zeit konnte er unter anderem auch ein umfangreiches Verständnis und Wissen aus den Bereichen Versicherungsrecht, Recht im Allgemeinen, Buchhaltung, Wirtschaftsmathematik und Unternehmensführung mitnehmen. Um mehr seinem Herzensweg zu folgen, gab er seine Büro-Karriere schließlich auf, um sich zum Survivalexperten, Nationalparkranger und Wildnismentor ausbilden zu lassen. In diesem Rahmen besuchte er unter anderem Naturvölker in Neuseeland, Kanada, den USA und Thailand. Dabei gründete er unter anderem seine eigene Wildnisschule, die bis heute besteht und Ausbildungen aus dem gesamten Wildnissektor anbietet. Franz von Bujor ist studierter Kultur- und Sozialpädagoge, sowie ausgebildeter Wildnislehrer, Mediator und Erlebnispädagoge. Auf seinen vielzähligen Reisen unter anderem nach Australien und Lateinamerika sammelte er Expertenwissen im Bereich alternatives Leben und Reisen, Minimalismus, Backpacking und Work and Travel, sowie allgemein im Bereich Kunst, Kultur, Religion und Geschichte. Seit 2016 lebt er als Wandermönch.

One Comment

  1. Jacky 23. Juni 2017 at 19:28 - Reply

    Hallo!

    Wow, da fühlt man sich ja echt wie in der Zaubererwelt 😀
    Sieht auf jeden Fall toll aus * – * und ein bisschen Magie schadet ja nicht 😉

    Liebe Grüße ♡

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