Tag 1316: Kathedralen für Alle!

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Tag 1316: Kathedralen für Alle!

Tag 1316: Kathedralen für Alle!

Als würden wir durch eine Stadt schleichen

Unser erster Eindruck von Nordirland war wieder eher gemischt. Das Land war deutlich flacher und freier als Schottland und bot auf jeden Fall schon einmal wieder deutlich mehr Nebenstraßen auf denen man ausweichen konnte. Doch es war auch wieder deutlich dichter besiedelt und machte insgesamt den Eindruck, als wären wir wieder in England.

Irische Kirche

Irische Kirche

Nur leider eben im dichtbesiedelten Teil von England. Hauptstraßen waren nicht nur unbegehbar, sondern aufgrund des beliebten Asphalts der Grausamkeit auch meilenweit zu hören. Es war ein bisschen, als würden wir durch eine riesige Stadt gehen, die zwar Schleichwege und viele Parkanlagen hatte, jedoch niemals einen Ort der Stille kannte. Der Straßenlärm war immer von irgendwo zu hören, egal wie weit man auch in die Felder kam.

Carncullagh Road, eine einsame Srraße in Nordirland

Carncullagh Road, eine einsame Srraße in Nordirland

Besonders schade aber war, dass die Ortschaften auch hier wieder so ungünstig und unangenehm gelegt wurden, wie man es sich nur vorstellen kann. Es gibt keine Dörfer in dem Sinne wie bei uns. Es gibt nur Straßenknotenpunkte an denen mit der Zeit einige Häuser entstanden sind. Wohnhäuser und leider auch Kirchen befinden sich also immer genau an den Punkten, die man normalerweise weiträumig umgehen würde. Wie lange wir uns hier in diesen Gefilden aufhalten würden und ob es nicht doch das Beste war, einfach einen weiteren Schlenker durch Frankreich zu machen, da waren wir uns noch überhaupt nicht sicher. Denn so wie es aussah, gab es zumindest in diesem Bereich der Insel nichts wirklich schönes. Es gab die üblichen, eingezäunten Felder, wie überall in Britannien. Dazu kleine und große Straßen mit dem rauen, unangenehmen Asphalt, sowie unspektakuläre und oftmals wirklich hässliche Gebäude, die dem Baustil des Balkans um nichts voraus hatten. Das einzige, was es hier wirklich zu sehen gibt sind Hühnerfarmen, denen man wirklich alle paarhundert Meter begegnet. Aber auf Dauer ist das nun auch wieder nicht so spannend.

Die Gegend wirkt verlassen, doch der Eindruck trügt.

Die Gegend wirkt verlassen, doch der Eindruck trügt.

Mehr Kirchen als Kirchgänger

Ein Phänomen in diesem Land, das wir uns bislang noch nicht erklären konnten, sind die Kirchen hier. In England und Wales hatten sie ihren mittelalterlichen Flair, der sie zu besonderen Orten gemacht hat. In Schottland waren es einfache, kleine Kirchen, die weder im positiven noch im negativen Sinne besonders auffällig waren. Hier sind es regelrechte Tempelanlagen, die wirken, als würde regelmäßig ein Großevent stattfinden, bei dem mindestens fünf Jungfrauen geopfert würden.

Eine typisch irische Kirche

Eine eher kleine irische Kirche

Der Ort, den wir heute erreichten, bestand gerade einmal aus 340 Häusern, also rund 1000 Einwohnern. Dennoch gab es allein hier vier verschiedene Kirchen, die alle die Größe einer kleinen Basilika hatten und zu denen jeweils ein Gemeindesaal in der Größe einer handelsüblichen Sporthalle gehörte.

Kirche mit Friedhof

Kirche mit Friedhof

Davor befanden sich Parkplätze auf denen man mehr Autos unterbringen konnte, als vor jedem Einkaufszentrum. Wie passte das zusammen? Wurden diese Einrichtungen jemals genutzt?

Es kann gar nicht Prunkvoll genug sein.

Es kann gar nicht Prunkvoll genug sein.

Die umliegenden Nachbarorte hatten ihre eigenen Kirchen, die genauso groß und umfassend waren, was bedeutete, dass sich die Zielgruppe nur aus den hier lebenden Personen zusammensetzen konnte. Dörfer in Wales von der gleichen Größe hatten Mühe, eine einzige Kirche mit mehr als fünf Personen zu füllen, wenn der Pfarrer einmal im Monat auf einen Gottesdienst vorbei kam.

Gibt es wirklich genug Gläubige für all die großen Kirchen?

Gibt es wirklich genug Gläubige für all die großen Kirchen?

Entweder waren die Kirchen hier also vollkommen überdimensioniert, oder aber die Pfarrer machten hier etwas komplett anders, als im Rest von Britannien. Und was immer es war, es musste verdammt überzeugend sein.

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Spruch des Tages: Vielleicht kommt es ja doch auf die Größe an…

Höhenmeter: 90 m

Tagesetappe: 18 km

Gesamtstrecke: 24.864,27 km + ca. 400km auf dem Schiff

Wetter: Erst Sonne, dann Regen

Etappenziel: Fähre von Irland nach Frankreich, Internationale Gewässer, irgendwo auf dem Atlantik vor der Britischen Küste.

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About the Author:

Heiko Gärtner und Franz von Bujor sind ausgebildete Survivalexperten und Extremjournalisten. Seit 2014 wandern sie zu Fuß und ohne Geld um die Welt um auf diese Weise tiefe Einblicke in unsere Gesellschaft mit all ihren Facetten, Kulturen und Systemen zu bekommen. Als Medizinjournalisten sind sie unter anderem Mitglieder des Deutschen Fachjournalisten Verbandes und schreiben neben Artikeln für Blogs, Zeitungen und Magazine auch Sachbücher und Ratgeber. 2013 veröffentlichten sie gemeinsam ein Grundlagenwerk über Antlitzdiagnose mit dem Titel "Krankheiten auf einen Blick erkennen". 2016 folgte ihr zweites Werk "Die natürliche Heilkraft der Bäume". Dabei handelt es sich um ein Lehrbuch, um die Grundlagen der Naturheilung zu erlernen, wie sie seit Jahrtausenden von indigenen Völkern überall auf der Welt angewendet werden. Heiko Gärtner ist zudem gelernter Natur- und Landschaftspfleger, Wildnislehrer, Hochseilgartentrainer sowie Berg- und Höhlenretter. Nach seiner Ausbildung zum Versicherungsfachwirt leitete er unter anderem Motivation und Verkaufstrainings und übernahm später eine eigene Generalagentur. Aus dieser Zeit konnte er unter anderem auch ein umfangreiches Verständnis und Wissen aus den Bereichen Versicherungsrecht, Recht im Allgemeinen, Buchhaltung, Wirtschaftsmathematik und Unternehmensführung mitnehmen. Um mehr seinem Herzensweg zu folgen, gab er seine Büro-Karriere schließlich auf, um sich zum Survivalexperten, Nationalparkranger und Wildnismentor ausbilden zu lassen. In diesem Rahmen besuchte er unter anderem Naturvölker in Neuseeland, Kanada, den USA und Thailand. Dabei gründete er unter anderem seine eigene Wildnisschule, die bis heute besteht und Ausbildungen aus dem gesamten Wildnissektor anbietet. Franz von Bujor ist studierter Kultur- und Sozialpädagoge, sowie ausgebildeter Wildnislehrer, Mediator und Erlebnispädagoge. Auf seinen vielzähligen Reisen unter anderem nach Australien und Lateinamerika sammelte er Expertenwissen im Bereich alternatives Leben und Reisen, Minimalismus, Backpacking und Work and Travel, sowie allgemein im Bereich Kunst, Kultur, Religion und Geschichte. Seit 2016 lebt er als Wandermönch.

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