Tag 846: Wie begrenzt sind unsere Ölreserven wirklich?

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Tag 846: Wie begrenzt sind unsere Ölreserven wirklich?

Tag 846: Wie begrenzt sind unsere Ölreserven wirklich?

Fortsetzung von Tag 845:

Die gleichen geologischen Bedingungen herrschen auch bei allen anderen großen Öllagerstätten. 90 Prozent aller Materie, die unsere Erdoberfläche ausmacht, entsteht unter hohem Druck und großer Hitze genau in diesem Bereich der Erde. Dies ist die Schicht, auf der die Platten unserer Erdkruste schwimmen. Von hier dringt auch das flüssige Gestein nach oben vor, dass schließlich als Lava aus den Vulkanen fließt. Der Erdmantel ist eine Schicht, in der sich die Moleküle ständig neu ummodellieren. Warum sollte nicht auch das Öl dort seinen Ursprung haben? Wasserstoff und Kohlenstoff gibt es in dieser Erdschicht erwiesener Maßen in großen Mengen. Die Frage ist also lediglich, ob die bloße Hitze und der hohe Druck ausreichen um daraus komplexe Molekülketten zu bilden. Um das herauszufinden stellten die russischen Wissenschaftler um Vladimir Kutcherov die Bedingungen des Erdmantels im Labor nach. Sie fertigten ein Gemisch aus Kohlenstoff, Wasser und Eisenoxid an, so wie es auch im oberen Erdmantel vorkommt. Dieses Gemisch setzten sie über eine Stunde lang einer Temperatur von 1.400°C und einem Druck von 30.000 Bar aus, was den Bedingungen in 200 km Tiefe entspricht. Als sie die Probe anschließend untersuchten, konnten sie Methan, Ethan, Propan und Butan nachweisen. Vier verschiedene Erdgase, die nach der gängigen Theorie nur auf organischem Wege entstehen konnten. Damit ist die Theorie also widerlegt.

Allerdings heißt die Tatsache, dass Öl anorganisch entstehen kann noch nicht, dass es auch auf diese Weise entstehen muss. Die Wissenschaftler, die an der Fossilientheorie festhalten unterscheiden daher zwischen anorganischem und organischem Öl. In kleinen Mengen sei die Produktion von anorganischem Öl zwar möglich, die weltweiten Großvorräte seien aber dennoch durch Fossilien entstanden sind. Als Argument dafür verweisen sie auf einige Bestandteile im Erdöl, die ohne jeden Zweifel organisch sind. So gibt es beispielsweise in allen Ölvorkommen Spuren von abgestorbenen Algen und Bakterien. Die Algen besitzen eine sehr komplexe Membran, die ringförmig angeordnete Moleküle enthält. Das diese durch reinen Druck entstehen, ist tatsächlich äußerst unwahrscheinlich.

Doch auch diese Molekülketten beweisen nicht, dass ein Teil des Öls durch Steinzeitpflanzen entsteht und ein anderer durch Druck im Erdkern. Sie zeigen nur, dass auf irgendeinem Weg organisches Material ins Öl gelangt. Ob es mit seiner Entstehung etwas zu tun hat oder nicht, ist dabei noch nicht gesagt. Doch jetzt passt auf. Die Lösung dieser Frage ist nämlich der eindeutige Beweis dafür, dass Öl überhaupt kein fossiler Brennstoff sein kann!
Die erste erstaunliche Entdeckung, die zu einer Lösung führte, wurde nicht kilometerweit unter der Erde, sondern an der Meeresoberfläche gemacht. Dort fand man nach großen Tankerunglücken nämlich Unmengen von Bakterien, die sich von den Ölteppichen ernährten. Es handelte sich dabei um eine Bakterienart, die bis dahin unbekannt war. Daher vermuten einige Wissenschaftler, dass sie erst mit dem Auftauchen der Ölteppiche entstanden.

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Ihr müsst wissen, dass es solche Bakterien nicht nur bei Ölkatastrophen gibt. Immer wenn es an einem Ort eine unnatürlich hohe Konzentration von irgendeinem Material entsteht, tauchen nach kurzer Zeit Bakterien auf, die diesen Stoff abbauen. Die Wissenschaftler überlegten nun, ob es derartige Bakterien nicht vielleicht auch in großer Tiefe geben könnte. Wie ihr vielleicht wisst, sind Einzeller die robustesten und wandlungsfähigen Geschöpfe dieser Erde. Sie wurden nahezu überall gefunden und einige von ihnen lebten ohne jeden Sauerstoff. Die organischen Stoffe im Öl konnten also auch von Lebewesen stammen, die bis vor kurzem noch gelebt hatten. Wenn es sie gab, dann waren sie jedoch auf die Druckverhältnisse in großer Tiefe angepasst. Den Auftransport zur Erdoberfläche konnten sie daher nicht überleben. Ihr Innendruck musste so hoch werden, dass sie schlichtweg platzten. Ähnlich wie es auch uns zerreißen würde, wenn wir und ohne Schutz in eine Vakuumkammer begeben würden. Dass es derartige Mikroben im Öl gibt, ist übrigens kein Geheimnis, denn es ist ein altbekanntes Problem, dass sie regelmäßig die Ansaugstutzen der Bohrpumpen verstopfen. Nur galt dies bislang als Beweis für die organische Entstehung des Öls. Die Mikroben wären vor Urzeiten verstorben und wandelten sich nun langsam in Erdöl und Erdgas. Dann gelang es einem Forscherteam jedoch, eine Probe der Bakterien in einer speziellen Druckkammer an die Oberfläche zu befördern. Und wirklich, die Bakterien waren am Leben und knabberten genüsslich am Öl herum!
Dies zeigt, das Erdöl ständig nachproduziert wird. Denn wäre es nicht so, dann hätten die Bakterien sämtliche Vorräte bereits vor Jahrmillionen zersetzt. Der Mensch wäre mit seiner Idee, das schwarze Gold für sich zu verwenden, ohne jeden Zweifel zu spät gekommen. Seine Pumpen hätten nichts zu Tage fördern können, außer ein Schild mit der Aufschrift ‚Leider ausverkauft!‘
Heißt das nun also, dass es überhaupt keine Öl-Krise gibt?

Nur eine hausgemachte! Es ist kein Zufall, dass es sich bei den Vorreitern auf dem Gebiet überwiegend um russische Forscher handelt, wären die westliche Wissenschaft kein sonderliches Interesse an anorganischem Öl zeigt. Es ist immer die Frage, wem nützt es gerade etwas und wem nicht. Habt ihr euch nie gefragt, warum schon euren Großeltern als Kindern erzählt wurde, dass es bald kein Öl mehr geben wird? Wir hören das bereits seit rund 100 Jahren und haben noch immer die gleiche Angst, kurz vor dem Öl-Aus zu stehen. Seitdem uns eingeredet wird, dass das Öl bald zur Neige geht, ist unser weltweiter Verbrauch sogar noch drastisch gestiegen. Es heißt immer, dass unsere Vorräte nur noch für zwei, drei oder vier Jahrzehnte halten, wenn wir unseren Verbrauch so beibehalten wie bisher. Doch statt ihn zu drosseln, werden wir immer verschwenderischer. Aber die Angst vor der Ölknappheit treibt die Preise in die Höhe und sorgt für ein Bombengeschäft der Ölkonzerne. Stellt euch einmal vor, wie viel Macht so ein Konzern hätte, wenn jeder wüsste, dass es soviel Öl gibt, wie Sand am Meer. Öl ist nur deswegen ein wertvolles Gut, weil es ein knappes Gut ist. Was wären Diamanten wehrt, wenn es sie in unbegrenzter Menge gäbe? Keinen Cent. Ebenso Gold, Silber oder Platin. Nicht anders ist es mit dem Öl. Durch die ständig geringer werdende Rohölmenge und die ebenso stetig wachsende Nachfrage, sieg der Preis pro Barrel 17 Dollar im Jahr 1998 auf 147 Dollar im Jahr 2008. Damit verneunfachten die Ölkonzerne ihren Umsatz innerhalb von zehn Jahren. Um das ganze Ausmaß zu verstehen, müsst ihr euch die Zahlen einmal vor Auge halten, über die wir hier sprechen. Jeden Tag verbrauchen wir 14 Milliarden Liter an Erdöl. Das macht im weltweiten Schnitt 2 Liter pro Person und Tag. Der Verbrauch ist dabei natürlich nicht gleichmäßig verteilt. Ein Inder braucht im Schnitt nicht einmal einen Liter, ein Europäer dafür fünf und ein Amerikaner sogar zehn. Hochrechnungen zufolge wird sich der Verbrauch der Asiaten bis 2030 verdoppeln. Damit ist Öl das wichtigste Gut unserer Gesellschaft. Es ist der Schmierstoff der modernen Zivilisation. Ohne das Öl geht nichts mehr! Wir brauchen es für Kunststoffe, Verpackungen, Medikamente, Kleidung, Düngemittel, Farben, Lacke, Möbel und was nicht sonst noch alles. Vor allem aber als Kraftstoff und Energielieferanten. Ohne Öl gehen bei uns die Lichter aus und der gesamte Verkehr kommt zum Erliegen. Das bedeutet wir hätten keine Wahren mehr und auch keine Nahrung. Überlegt euch einmal, wie sich das Öl auch insgesamt auf unser Leben ausgewirkt hat. Pro Kalorie Nahrung brauchen wir inzwischen 4 Kalorien an Erdöl! Das beginnt beim Diesel des Traktors und endet bei der Energie, die wir fürs Kochen verbrauchen. Hinzu kommen die chemischen Pestiziden und Düngemitteln, der Transport über die LKWs, die industrielle Verarbeitung in strombetriebenen Fabriken, Plastikverpackungen, den Sprit, den wir fürs Einkaufen und die Plastiktüten in die wir alles noch zusätzliche stopfen. Durch die Maschinengestützte Landwirtschaft und die chemischen Dünge- und Giftmittel, die dabei verwendet werden, steigerte sich unsere Nahrungsmittelproduktion seit den 50ger Jahren um 250%!

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Wenn man jedoch bedenkt, dass unsere Industrienahrung im Schnitt 286% weniger Nahrungsenergie als Wildnahrung hat, fällt einem jedoch noch ein anderer Zusammenhang auf. In dem Maß in dem die Nahrungsmenge steigt nimmt auch ihre Qualität ab.
Wir haben uns durch das Erdöl zwar mehr Nahrung, dafür aber auch mehr Krankheiten und eine ganze Reihe von anderen Problemen geschaffen. Denkt dabei nur einmal an die enorme Umweltverschmutzung. Auch die gewaltigen Müllberge verdanken wir fast ausschließlich dem Erdöl und seinen Produkten. Die Entdeckung der unbegrenzten Vorräte ist daher auch etwas ambivalent. Natürlich bedeutet es, dass wir keine Angst vor einem Energieausfall haben müssen. Gleichzeitig bedeutet es aber auch, dass wir dadurch unbegrenzt viel Müll produzieren können. Bereits jetzt haben wir schiere Inseln aus Plastikmüll im Pazifik und in anderen Meeren, die 16 mal größer sind als die Fläche Österreichs. Die Menge an Plastikpartikeln übersteigt die Menge an Plankton bereits um ein Sechsfaches. Selbst wenn sich auch hierfür Bakterien entwickeln würden, die den Kunststoff wieder abbauen, kämen sie kaum gegen unsere Massenproduktion an. Bereits heute sterben unzählige Fische und Meeresvögel, weil sie die Plastikteile fressen und daran mit vollem Magen verhungern. Wohin soll das führen, wenn wir unbegrenzt weiterproduzieren können?

Fortsetzung folgt…

Spruch des Tages: Wenn es wirklich nur so wenig Öl gibt, wo kommt es dann ständig her?

Höhenmeter: 210 m
Tagesetappe: 12 km
Gesamtstrecke: 14.930,27 km
Wetter: sonnig, abends starker Regen
Etappenziel: Untergeschosswohnung in einem Privathaus, 57017 Xilopoli, Griechenland

Hier könnt ihr uns und unser Projekt unterstützen. Vielen Dank an alle Helfer!

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About the Author:

Heiko Gärtner und Franz von Bujor sind ausgebildete Survivalexperten und Extremjournalisten. Seit 2014 wandern sie zu Fuß und ohne Geld um die Welt um auf diese Weise tiefe Einblicke in unsere Gesellschaft mit all ihren Facetten, Kulturen und Systemen zu bekommen. Als Medizinjournalisten sind sie unter anderem Mitglieder des Deutschen Fachjournalisten Verbandes und schreiben neben Artikeln für Blogs, Zeitungen und Magazine auch Sachbücher und Ratgeber. 2013 veröffentlichten sie gemeinsam ein Grundlagenwerk über Antlitzdiagnose mit dem Titel "Krankheiten auf einen Blick erkennen". 2016 folgte ihr zweites Werk "Die natürliche Heilkraft der Bäume". Dabei handelt es sich um ein Lehrbuch, um die Grundlagen der Naturheilung zu erlernen, wie sie seit Jahrtausenden von indigenen Völkern überall auf der Welt angewendet werden. Heiko Gärtner ist zudem gelernter Natur- und Landschaftspfleger, Wildnislehrer, Hochseilgartentrainer sowie Berg- und Höhlenretter. Nach seiner Ausbildung zum Versicherungsfachwirt leitete er unter anderem Motivation und Verkaufstrainings und übernahm später eine eigene Generalagentur. Aus dieser Zeit konnte er unter anderem auch ein umfangreiches Verständnis und Wissen aus den Bereichen Versicherungsrecht, Recht im Allgemeinen, Buchhaltung, Wirtschaftsmathematik und Unternehmensführung mitnehmen. Um mehr seinem Herzensweg zu folgen, gab er seine Büro-Karriere schließlich auf, um sich zum Survivalexperten, Nationalparkranger und Wildnismentor ausbilden zu lassen. In diesem Rahmen besuchte er unter anderem Naturvölker in Neuseeland, Kanada, den USA und Thailand. Dabei gründete er unter anderem seine eigene Wildnisschule, die bis heute besteht und Ausbildungen aus dem gesamten Wildnissektor anbietet. Franz von Bujor ist studierter Kultur- und Sozialpädagoge, sowie ausgebildeter Wildnislehrer, Mediator und Erlebnispädagoge. Auf seinen vielzähligen Reisen unter anderem nach Australien und Lateinamerika sammelte er Expertenwissen im Bereich alternatives Leben und Reisen, Minimalismus, Backpacking und Work and Travel, sowie allgemein im Bereich Kunst, Kultur, Religion und Geschichte. Seit 2016 lebt er als Wandermönch.

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