Tag 1194: Urlaub in der Jagdhütte

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Tag 1194: Urlaub in der Jagdhütte

Tag 1194: Urlaub in der Jagdhütte

08.04.2017

Unsere letzten Tage in Frankreich sind gezählt. Heute habe ich bereits die ersten Etappen für England rausgesucht, damit wir nach der Überfahrt nicht irgendwo in der Bredoullie stehen. Die Situation dabei war etwas abstrakt und ist durchaus eine Erwähnung wert.

Vom Bürgermeister haben wir heute die Jagdhütte seines Vaters bekommen. Es ist ein kleines Häuschen im Wald an einem kleinen Fischteich und es wird für gewöhnlich nur von den Männern während der Jagdsaison genutzt um zu grillen, zu feiern und sich zu betrinken. Ihr könnt euch wahrscheinlich vorstellen, dass das so einem Haus nicht unbedingt gut tut und obwohl es eigentlich eine tolle Hütte ist, sieht es hier ein bisschen aus, wie nach einem Zombieangriff. In der Spüle lag sogar noch eine unabgewaschene Schöpfkelle mit Krautresten daran, die sicher mehr als einen Monat alt waren. Am Boden lagen zerbrochene Weingläser und wenn man den Gewürtzschank in der Küche öffnete, zerstörte man damit die monatelange Arbeit von mindestens sechs fleißigen Spinnenfamilien.

Da die Heizung nicht funktionierte bekamen wir am Nachmittag noch Besuch vom Hausbesitzer, der schauen wollte, ob er sie wieder zum Laufen brachte. Er brachte es nicht, aber er erzählte ein bisschen von seinen sonst üblichen Aktivitäten hier im Haus und er war fast ein bisschen enttäuscht, dass wir uns nicht mit ihm besaufen wollten.

Zu den Vorzügen der Hütte gehörte zwar eine Badewanne aber kein Internetanschluss, weshalb ich mich noch einmal auf die Suche nach einem freundlichen Nachbarn machte. Dabei lernte ich einen freundlichen alten Mann ohne Kehlkopf kennen, der mir einen Platz in seinem Arbeitszimmer anbot. Ich brauchte etwa eine halbe Stunde, um die Strecke rauszusuchen und während der gesamten Zeit blieb er stumm neben mir sitzen und beobachtete jeden meiner Schritte. Mehrmals wies ich ihn darauf hin, dass es etwas dauern könnte, aber das störte ihn nicht im geringsten. Ein wenig komisch fühlte es sich schon an, unter diesen Bedingungen zu arbeiten, aber für mich war es wahrscheinlich nicht schlecht, denn auf diese Weise musste ich wirklich effektiv sein und konnte nicht wie üblich herumtrödeln.

Die Badewanne funktionierte dieses Mal übrigens wirklich und sie bot ausreichend Platz und heißes Wasser für einen entspannten Tagesausklang.

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Spruch des Tages: Auf ihrer hektischen Jagd nach einem imaginären Glück, verpassen viele Menschen dabei die eigentlichen Glücksmomente. (Burckhard Adam)

Höhenmeter: 180 m
Tagesetappe: 16 km
Gesamtstrecke: 21.898,27 km
Wetter: Sonnig und relativ warm
Etappenziel: Jagdhütte des Bürgermeisters, etwas außerhalb von 62850 Escœuilles, Frankreich

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About the Author:

Heiko Gärtner und Franz von Bujor sind ausgebildete Survivalexperten und Extremjournalisten. Seit 2014 wandern sie zu Fuß und ohne Geld um die Welt um auf diese Weise tiefe Einblicke in unsere Gesellschaft mit all ihren Facetten, Kulturen und Systemen zu bekommen. Als Medizinjournalisten sind sie unter anderem Mitglieder des Deutschen Fachjournalisten Verbandes und schreiben neben Artikeln für Blogs, Zeitungen und Magazine auch Sachbücher und Ratgeber. 2013 veröffentlichten sie gemeinsam ein Grundlagenwerk über Antlitzdiagnose mit dem Titel "Krankheiten auf einen Blick erkennen". 2016 folgte ihr zweites Werk "Die natürliche Heilkraft der Bäume". Dabei handelt es sich um ein Lehrbuch, um die Grundlagen der Naturheilung zu erlernen, wie sie seit Jahrtausenden von indigenen Völkern überall auf der Welt angewendet werden. Heiko Gärtner ist zudem gelernter Natur- und Landschaftspfleger, Wildnislehrer, Hochseilgartentrainer sowie Berg- und Höhlenretter. Nach seiner Ausbildung zum Versicherungsfachwirt leitete er unter anderem Motivation und Verkaufstrainings und übernahm später eine eigene Generalagentur. Aus dieser Zeit konnte er unter anderem auch ein umfangreiches Verständnis und Wissen aus den Bereichen Versicherungsrecht, Recht im Allgemeinen, Buchhaltung, Wirtschaftsmathematik und Unternehmensführung mitnehmen. Um mehr seinem Herzensweg zu folgen, gab er seine Büro-Karriere schließlich auf, um sich zum Survivalexperten, Nationalparkranger und Wildnismentor ausbilden zu lassen. In diesem Rahmen besuchte er unter anderem Naturvölker in Neuseeland, Kanada, den USA und Thailand. Dabei gründete er unter anderem seine eigene Wildnisschule, die bis heute besteht und Ausbildungen aus dem gesamten Wildnissektor anbietet. Franz von Bujor ist studierter Kultur- und Sozialpädagoge, sowie ausgebildeter Wildnislehrer, Mediator und Erlebnispädagoge. Auf seinen vielzähligen Reisen unter anderem nach Australien und Lateinamerika sammelte er Expertenwissen im Bereich alternatives Leben und Reisen, Minimalismus, Backpacking und Work and Travel, sowie allgemein im Bereich Kunst, Kultur, Religion und Geschichte. Seit 2016 lebt er als Wandermönch.

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