Tag 1104: Jagdregeln in Frankreich

08.01.2016

Am Nachmittag begannen Heikos Ohren mehrmals laut zu pfeifen. Ein gelegentliches Aufflammen war er ja gewohnt, aber so heftig und so oft hintereinander war es schon länger nicht mehr. Er verfiel nicht mehr in die alte Panik, da er ja wusste, dass dies zum Heilungsprozess mit dazugehörte, aber es berührte ihn dennoch. Ein Abendessen mit drei Hunden und einem fremden Mann im Raum war nun ganz sicher nicht das richtige. Doch Gerard war ein sehr mitfühlender und fürsorglicher Gastgeber und auch wenn es mir nicht gelang, ihm auf Französisch genau zu erklären, was Heikos Problem war, verstand er, dass es ihm nicht gut ging, und das reichte ihm aus. Es akzeptierte nicht nur, dass Heiko nicht mit uns Essen wollte, sondern brachte ihm auch immer wieder den nächsten Gang aufs Zimmer, so dass er in Ruhe für sich sein konnte, ohne aber hungern zu müssen. Später am Abend und vielleicht nicht zuletzt dank unseres verständnisvollen Gastgebers beruhigten sich die Ohren wieder und Heiko konnte sogar an unserem täglichen Work-Out teilnehmen, das wir nun bereits seit Sylvester täglich durchhielten. Es fiel heute etwas kürzer aus als üblich, war aber deswegen nicht weniger anstrengend. Ich hätte nie gedacht, wie sehr man sich mit ein paar einfachen aber gezielten Übungen innerhalb von 7 Minuten so auspowern kann, dass man am Ende zu kaputt ist, um auch nur einen Finger zu krümmen.

Die Landschaft, die wir nun durchstreifen ist ein fast menschenleeres, steppenartiges Hügelland mit kargem, felsigem Boden und vielen kleinen, dornigen Gewächsen. Im Sommer muss es hier ähnlich heiß sein wie in Spanien oder Montenegro, denn die gesamte Vegetation unterscheidet sich nur marginal von der, die wir in diesen Ländern gesehen haben. Zum Wandern dürften wir auch für dieses Gebiet wieder einmal die beste Zeit erwischt haben. Gerard hatte uns erzählt, dass man hier in der Region nur drei Monate lang jagen durfte und dass es genaue Reglementierungen und Abschussquoten gab. Wildschweine lebten in dieser Gegend offenbar einige, weshalb sie recht frei bejagt werden durften. Rehe hingegen gab es kaum, was bei dem nicht vorhandenen Nahrungsangebot auch nicht weiter verwunderlich war. Pro Jagdgemeinde, die sich hier über zwei Dörfer erstreckt dürfen im Jahr gerade einmal 5 Rehe geschossen werden. Jetzt auf dem Weg kamen wir an einer Jagdgemeinschaft vorbei, die eine Treibjagd veranstaltete. Außer ihrer eigenen Langeweile vertrieben sie allerdings nichts, den Tiere waren nirgendwo zu sehen. Hin und wieder hörten wir ein paar Schüsse, die aber nicht auf das Wild abgegeben wurden, sondern einfach frei in die Luft. Die einzigen, die also bei dieser Jagd wirklich in Gefahr waren, waren die Fahrradfahrer und Wanderer wie wir, denn die meisten herumstehenden Jagdposten achtete nicht im Geringsten auf ihre Gewehre, die ihnen lässig über die Schultern hingen. Den Nachmittag verbrachten wir damit, unsere Bremsen noch einmal neu einzustellen und andere kleinere Reparaturen am Wagen vorzunehmen.

Spruch des Tages: Die Jagd ist wenigstens einmal eine gute Gelegenheit, seinen Nachbarn zu erschießen, ohne dass man dafür belangt werden kann.

Höhenmeter: 360 m Tagesetappe: 15 km Gesamtstrecke: 20.202,27 km Wetter: kalt aber sonnig Etappenziel: Veranstaltungsraum des Sportplatzes, 34380 Viol-le-Fort, Frankreich

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