Tag 1003: Jakobsweg Weinviertel

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Tag 1003: Jakobsweg Weinviertel

Tag 1003: Jakobsweg Weinviertel

17.09.2016

In der Nacht war Heikos linkes Ohr aus einem zunächst noch unbekannten Grund soweit angeschwollen, das er zunächst nichts damit hören konnte. Erst im Laufe des Vormittages klang es wieder etwas ab, wodurch auch die Hörfähigkeit wieder zunahm, wenngleich alles zunächst noch etwas seltsam klang. Später kam bei einigen Austestungen heraus, dass die Schwellung auf er seelischen Ebene mit einem alten Schuldmuster in Verbindung stand, das aktiv geworden war und nun wieder abklang. Es war also eine Heilungsphase, wenn auch keine angenehme.

Das Wanderwetter war heute nicht das schönste, was wir je hatten. Es war grau und regnerisch, wobei die Kühle zum Wandern durchaus angenehm war. Der Wetterbericht sagte, dass es in den folgenden Tagen tendentiell gleich bleiben, eher sogar kälter werden würde. Wie es aussah, war der Sommer wohl erst einmal vorbei. Wir waren also gerade noch rechtzeitig über die Grenze gekommen.

Seit Falkenstein führten der Greenway und der Weinviertler Jakobsweg immer wieder relativ parallel. Wie sich herausstellte, war der Jakobsweg sogar ein Teil der Via Misericordia, also des gleichen Pilgerweges, dem wir auch schon in Polen gefolgt waren. Ungefähr auf der Hälfte der Strecke wurden wir jedoch durch einen Zaun und eine tiefe Schlucht davon abgehalten, dem beschilderten Weg weiter zu folgen. Zunächst dachten wir, dass es hier zu einem Erdrutsch oder etwas in der Richtgung gekommen war, so wie wir es aus Italien kannten.

Doch die Schlucht war keine Naturkatastrophe, sondern das gezielte Produkt menschlicher Arbeitskraft. Die halbe Hügelkette war hier abgetragen worden, weil man gerade dabei war, eine Autobahn mitten hindurch zuziehen, die dann nach Tschechien weiterführen sollte. Soviel also zur Ursprünglichkeit, Stille und Romantik des Weinviertels. Die Wanderer und Radfahrer mussten nun abbiegen und an der Baustelle entlang ins Tal laufen. Dort erwartete uns leider eine recht unschöne Hauptstraße, die auf der ursprünglichen Route eigentlich nicht vorgesehen war.

Poysdorf selbst war wie auch Falkenstein ein absoluter Weinort, der von den vielen Winzereien, Weinkellern und Weinstuben lebte. Leider führten gleich zwei Hauptstraßen mitten durchs Zentrum, denn ansonsten wäre es eigentlich ein hübscher kleiner Ort. Der Pfarrer war gerade erst ein paar Tage im Amt und hatte sich selbst noch nicht aklimatisiert. Als ich ihn auf einen Schlafplatz ansprach, bekam er fast eine Krise. Nicht wegen uns, sondern weil er seine alte Gemeinde vermisste, in der er häufig Pilger aufgenommen hatte. Hier besaß er keinerlei Räumlichkeiten, nicht einmal für sich selbst. Gemeindeversammlungen wurden bislang am Kichentisch in seiner Wohnung abgehalten, weil er nicht wusste, wo er sonst hingehen sollte.

Wie also sollte er uns weiterelfen? Auch den Bürgermeister oder sonstige Ortsbewohner, die hilfreich sein könnten, kannte er noch nicht. Das einzige, was ihm einfiel, was das Kolpinghaus in dem er hin und wieder Räume für größere Tagungen mietete. Doch wie sich herausstellte war der Tipp genau das was wir brauchten. Die Zimmer waren wegen des Weinfestes in Falkenstein zwar auch hier vollkommen ausgebucht, aber wir bekamen einen Aufenthaltsbereich mit gleich drei Zimmern für uns alleine, der auch noch in den Innenhof gelegen war, so dass wir den Straßenlärm nicht mitbekamen. Besser hätten wir es also nicht erwischen können.

Kaum hatten wir unser Zimmer bezogen, wurde es auch schon Zeit für unseren ersten Österreichischen Pressetermin. Ein gemütlicher und entspannter Kerl von den niederösterreichischen Regionalnachrichten besuchte uns in unserem Reich und stellte uns einige Fragen über unsere Reise.
Anschließend bekamen wir vom Kolpinkhaus sogar noch ein Mittagessen mit einer ordentlichen Portion Wieder Schnitzel. Es lohnte sich also wirklich, dass wir durch Österreich reisten.

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Höhenmeter: 20 m
Tagesetappe: 12 km
Gesamtstrecke: 18.298,27 km
Wetter: sonnig und warm, zeitweise bewölkt
Etappenziel: Bootshaus des Rudersportvereins, 3380 Pöchlarn, Österreich

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About the Author:

Heiko Gärtner und Franz von Bujor sind ausgebildete Survivalexperten und Extremjournalisten. Seit 2014 wandern sie zu Fuß und ohne Geld um die Welt um auf diese Weise tiefe Einblicke in unsere Gesellschaft mit all ihren Facetten, Kulturen und Systemen zu bekommen. Als Medizinjournalisten sind sie unter anderem Mitglieder des Deutschen Fachjournalisten Verbandes und schreiben neben Artikeln für Blogs, Zeitungen und Magazine auch Sachbücher und Ratgeber. 2013 veröffentlichten sie gemeinsam ein Grundlagenwerk über Antlitzdiagnose mit dem Titel "Krankheiten auf einen Blick erkennen". 2016 folgte ihr zweites Werk "Die natürliche Heilkraft der Bäume". Dabei handelt es sich um ein Lehrbuch, um die Grundlagen der Naturheilung zu erlernen, wie sie seit Jahrtausenden von indigenen Völkern überall auf der Welt angewendet werden. Heiko Gärtner ist zudem gelernter Natur- und Landschaftspfleger, Wildnislehrer, Hochseilgartentrainer sowie Berg- und Höhlenretter. Nach seiner Ausbildung zum Versicherungsfachwirt leitete er unter anderem Motivation und Verkaufstrainings und übernahm später eine eigene Generalagentur. Aus dieser Zeit konnte er unter anderem auch ein umfangreiches Verständnis und Wissen aus den Bereichen Versicherungsrecht, Recht im Allgemeinen, Buchhaltung, Wirtschaftsmathematik und Unternehmensführung mitnehmen. Um mehr seinem Herzensweg zu folgen, gab er seine Büro-Karriere schließlich auf, um sich zum Survivalexperten, Nationalparkranger und Wildnismentor ausbilden zu lassen. In diesem Rahmen besuchte er unter anderem Naturvölker in Neuseeland, Kanada, den USA und Thailand. Dabei gründete er unter anderem seine eigene Wildnisschule, die bis heute besteht und Ausbildungen aus dem gesamten Wildnissektor anbietet. Franz von Bujor ist studierter Kultur- und Sozialpädagoge, sowie ausgebildeter Wildnislehrer, Mediator und Erlebnispädagoge. Auf seinen vielzähligen Reisen unter anderem nach Australien und Lateinamerika sammelte er Expertenwissen im Bereich alternatives Leben und Reisen, Minimalismus, Backpacking und Work and Travel, sowie allgemein im Bereich Kunst, Kultur, Religion und Geschichte. Seit 2016 lebt er als Wandermönch.

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