Kälteeinbruch in Deutschland – Tag 1628 bis 1631

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Kälteeinbruch in Deutschland – Tag 1628 bis 1631

Kälteeinbruch in Deutschland – Tag 1628 bis 1631

Es wird wieder Winter!

Heute haben wir die ersten Schlittschuhläufer in einer der Städte auf unserem Weg gesehen. Damit ist es nun wohl wirklich Winter. Allerdings scheinen die Außentemperaturen dabei weniger ein Problem zu sein, als die Unterkühlung innerhalb der Menschen. Obwohl wir in Deutschland sind, wird es gerade immer schwerer, noch gute Schlafplätze aufzutreiben. Und das obwohl wir alles im Voraus planen, um nicht in der Eiseskälte vor verschlossenen Türen zu stehen. Doch obwohl wir in einem Handyzeitalter leben in dem eigentlich jeder allzeit erreichbar sein müsste, verbringen wir zurzeit Stunden damit, mit Anrufbeantwortern und Mailboxen zu sprechen.

Und selbst wenn etwas fest organisiert ist, heißt es noch nicht, dass dies auch eine Garantie darstellt. Heute beispielsweise wurden wir drei mal von einem Gebäude ins nächste weiter geschickt, weil die Verantwortlichen immer irgendeine Veranstaltung übersehen hatten. Dabei hätte es sogar eine Pilgerherberge gegeben, die vollkommen frei und ungenutzt war. Doch die Stadtinterne Regelung verlangte, dass hierfür eine Gebühr entrichte werden müsste, zu der wir nicht bereit waren. Letztlich landeten wir in einem kleinen Mehrzweckhäuschen mitten auf dem Friedhof.

Der Graureiher wandert auf der Wiese umher.

Der Graureiher wandert auf der Wiese umher.

Ohne Ausländer geht es nicht…

Auch die Essenssuche wird schwieriger. Die Menschen haben immer mehr das Gefühl, in einem Mangel zu leben, und daher nicht mehr einfach frei geben zu können. Interessanter Weise betrifft dies hauptsächlich die Deutschen. Wenn man einen Griechen oder einen Türken trifft, der bei uns sein Restaurant oder seine Imbissbude eröffnet hat, dann bekommt man fast immer etwas geschenkt. Und dies in der Regel noch mit einem sehr guten Gefühl. Es ist nicht so, dass diese Menschen einen Teil ihres Hab und Guts für einen Opfern. Es ist viel mehr, dass sie sich freuen, beitragen zu können und dafür eine spannende Geschichte zu hören. Auch wenn hier viele rein Faktisch vielleicht ärmer sind, als der deutsche Durchschnittsbürger, haben sie das Gefühl reich zu sein, weil es ihnen insgesamt gut geht.

Auch für den Bettelmönch Franz Bujor wird der Kälteeinbruch eine Herausforderung.

Auch für den Bettelmönch Franz Bujor wird der Kälteeinbruch eine Herausforderung.

Unerwarteter Reichtum

In diesem Zusammenhang haben wir gerade noch einen spannenden Fakt herausgefunden. Was glaubt ihr, wie viel Geld jeder Mensch zur Verfügung hätte, wenn wir alle finanziellen Mittel der Erde gleichmäßig unter allen Menschen aufteilen würden? Ich selbst tippte auf einen Berg Schulden von ein paar Tausend Euro, da unser Finanzsystem ja angeblich rein auf der Erschaffung von Schulden basiert. Doch das ist ein Irrtum. Würde man wirklich alles Kapital und alle Schulden gegenrechnen und in 7 Milliarden gleichgroße Haufen verteilen, hätte jeder Mensch der Erde rund 1,1 Millionen Euro zur Verfügung. Sämtlicher Mangel, sämtliche Armut und jede Not ist also vollkommen künstlich erzeugt und basiert lediglich darauf, dass eine Hand voll Menschen Billiarden von Euro oder Dollar horten und aus dem regulären Geldfluss fernhalten.

Wäre das Geld auf der Erde gleichmäßig verteilt, könnte jeder damit genauso um sich werfen, wie dieser Bauer mit seinem Mist.

Wäre das Geld auf der Erde gleichmäßig verteilt, könnte jeder damit genauso um sich werfen, wie dieser Bauer mit seinem Mist.

Eisige Kälte

Währenddessen wird es hier immer kälter und der Glaube, dass es den eben beschriebenen Reichtum nicht gibt, lässt uns in einem permanenten Mangelzustand leben. Sogar in Deutschland beginnen wir nun, die Heizungen in der Nacht auszuschalten und nehmen es in Kauf, dass sämtliche Gemütlichkeit verloren geht, weil wir hoffen, dadurch etwas Geld sparen zu können.

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Die Bauern, die bis zum Kälteeinbruch Probleme mit ihren viel zu schlammigen Feldern hatten, freuen sich hingegen riesig über den Bodenfrost, denn nun können sie endlich ihre Jauche ausfahren. Besonders sinnvoll erscheint das zwar nicht, denn sie kann nun ja nicht mehr in den gefrorenen Boden einziehen. Stattdessen fließt der Tierdung mit all seinen Medikamenten und Chemikalien direkt in die Gräben und Flüsse. Aber das scheint hier keinen zu stören.

Deutschland stirbt aus

Eine weitere Entdeckung die wir in letzter Zeit immer wieder machen ist die, dass Deutschland mehr und mehr auszusterben scheint. Es gibt immer mehr freistehende Häuser und teilweise kamen wir sogar durch ganze Innenstädte die dem Verfall überlassen worden waren. Mehr und mehr kommt in uns der Gedanke auf, dass es vielleicht kein Zufall ist, dass plötzlich so viele Flüchtlinge in unser Land kommen. Denn häufig sind es genau diese Bezirke, die zuvor am Aussterben waren, die nun wieder bevölkert werden. Natürlich entstehen so auch leicht Brennpunkte, aber es entsteht zumindest überhaupt irgendwas.

Digitale Generation

Am letzten Tag vor unserem Übertritt nach Dänemark wurden wir von einer Pfarrersfamilie eingeladen. Beim gemeinsamen Mittagessen kamen wir ins Gespräch mit den beiden Kindern. Der Junge war etwa 11 Jahre als, das Mädchen war um die 15. Beide erzählten uns von ihrem Verhalten in der digitalen Welt des Handy und des Computers.

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Soviel zum Thema „Mögest du auf Ewigkeit in Frieden ruhen…“

Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen

Zunächst hielten wir den Jungen für den Computernerd, denn er zockte täglich etwa zwei bis zweieinhalb Stunden an verschiedenen Computerspielen. Irritierenderweise waren Computerspiele selbst dabei gar nicht so sehr sein Ding. Er spielte schon auch, aber deutlich lieber schaute er sich auf YouTube Videos an, bei denen andere Ihren Bildschirm filmten, während sie zockten. Man spielt heute also nicht mehr selber am Computer, sondern schaute anderen dabei zu. Alles in allem verbrachte der Junge damit aber nicht einmal ein Drittel der Zeit, die seine Schwester mit chatten, skypen und „stalken“ verbrachte. Zu unserer Überraschung erfuhren wir, dass Facebook heute fast schon so eine Art Börse für alte Leute war.

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Snap-Chat

Der neuste Trend was jetzt Schnap-Chat, eine Plattform, auf der man seinen Freunden Bilder zeigen konnte, die dann nach 3 Sekunden wieder verschwanden. Die Sache hatte natürlich so einen gewissen Mission:Impossible-Style, leuchtete uns aber trotzdem nicht ganz ein. Der einzig erkennbare Vorteil war, dass man nun relativ gefahrlos auch intime oder peinliche Fotos verschicken konnte. Aber eben auch nur relativ, denn das Programm hielt den Empfänger nicht davon ab, innerhalb der ersten 3 Sekunden entweder eine Bildschirmkopie zu erstellen, oder die Bilder einfach separat abzuspeichern.

Spruch des Tages: Ihr habt Glück, das hätte eigentlich meine Beerdigung sein sollen!

(Kommentar einer Pfarrerin, die uns einen Platz gab. Sie bezog sich dabei auf den Umstand, dass sie diese Beerdigung hätte halten sollen und dann keine Zeit für uns gehabt hätte)

Höhenmeter 80m / 170m / 120m / 130m

Tagesetappe: 17km / 30km / 25km / 35km

Gesamtstrecke: 29.907,27km

Wetter: Überwiegend sonnig und warm

1628. Tag – Etappenziel: River Motel, Haparanda, Schweden

1629. Tag – Etappenziel: Gästezimmer der Kirche, Kemi, Finnland

1630. Tag – Etappenziel: Ferienhaus „Ravintola Pappilan Pehtoori, 3km südlich von Simo, Finnland

1631. Tag – Etappenziel: Ferienhütte auf dem Campingplatz, 3km südlich von Kuivaniemi, Finnland

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About the Author:

Heiko Gärtner und Franz von Bujor sind ausgebildete Survivalexperten und Extremjournalisten. Seit 2014 wandern sie zu Fuß und ohne Geld um die Welt um auf diese Weise tiefe Einblicke in unsere Gesellschaft mit all ihren Facetten, Kulturen und Systemen zu bekommen. Als Medizinjournalisten sind sie unter anderem Mitglieder des Deutschen Fachjournalisten Verbandes und schreiben neben Artikeln für Blogs, Zeitungen und Magazine auch Sachbücher und Ratgeber. 2013 veröffentlichten sie gemeinsam ein Grundlagenwerk über Antlitzdiagnose mit dem Titel "Krankheiten auf einen Blick erkennen". 2016 folgte ihr zweites Werk "Die natürliche Heilkraft der Bäume". Dabei handelt es sich um ein Lehrbuch, um die Grundlagen der Naturheilung zu erlernen, wie sie seit Jahrtausenden von indigenen Völkern überall auf der Welt angewendet werden. Heiko Gärtner ist zudem gelernter Natur- und Landschaftspfleger, Wildnislehrer, Hochseilgartentrainer sowie Berg- und Höhlenretter. Nach seiner Ausbildung zum Versicherungsfachwirt leitete er unter anderem Motivation und Verkaufstrainings und übernahm später eine eigene Generalagentur. Aus dieser Zeit konnte er unter anderem auch ein umfangreiches Verständnis und Wissen aus den Bereichen Versicherungsrecht, Recht im Allgemeinen, Buchhaltung, Wirtschaftsmathematik und Unternehmensführung mitnehmen. Um mehr seinem Herzensweg zu folgen, gab er seine Büro-Karriere schließlich auf, um sich zum Survivalexperten, Nationalparkranger und Wildnismentor ausbilden zu lassen. In diesem Rahmen besuchte er unter anderem Naturvölker in Neuseeland, Kanada, den USA und Thailand. Dabei gründete er unter anderem seine eigene Wildnisschule, die bis heute besteht und Ausbildungen aus dem gesamten Wildnissektor anbietet. Franz von Bujor ist studierter Kultur- und Sozialpädagoge, sowie ausgebildeter Wildnislehrer, Mediator und Erlebnispädagoge. Auf seinen vielzähligen Reisen unter anderem nach Australien und Lateinamerika sammelte er Expertenwissen im Bereich alternatives Leben und Reisen, Minimalismus, Backpacking und Work and Travel, sowie allgemein im Bereich Kunst, Kultur, Religion und Geschichte. Seit 2016 lebt er als Wandermönch.

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