Tag 235: Verabschiedung

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Tag 235: Verabschiedung

Tag 235: Verabschiedung

Das erste Mal waren es nur drei. Sie saßen gemeinsam auf einem verdorrten Baum und flatterten wild mit den Flügeln, so dass selbst die unaufmerksamsten Zeitgenossen, wie beispielsweise Paulina und ich, auf sie aufmerksam werden mussten. Es waren Weißstörche, die hier in der Gegend ja häufig vorkommen, doch heute verhielten sie sich irgendwie merkwürdig. Zunächst dachten wir uns nichts weiter dabei, doch dann wurde es so abstrakt, dass wir vor lauter Staunen mit offenen Mündern da standen. Ein Schwarm von bestimmt hundert Weißstörchen kreiste direkt über unseren Köpfen. Sie nutzten die Thermik und flogen wie ein lebendiger Wirbelsturm in großen Kreisen. Dann wechselten sie die Position und bildeten eine neue Formation. Heiko packte sofort die Kamera aus und anders als sonst blieben die Vögel wo sie waren. Sie wichen nicht zurück und machten keine Anstalten zu verschwinden.

„Schaut!“ rief Heiko aufgeregt, „seht ihr, dass sie immer in Paaren zusammenfliegen, sich dann wieder trennen und mit einem anderen Vogel ein neues Paar bilden?“

Es war uns zuvor nicht aufgefallen, doch jetzt sahen wir es auch. Es war ein so fantastisches und majestätisches Bild, dass wir nicht mehr machen konnten, als einfach nur dazustehen und fasziniert in den Himmel zu schauen. Das krasse daran war, dass Störche normalerweise strickte Einzelgänger, bzw. Paar-Bildner sind. Sie leben sozialmonogam, was bedeutet, dass sie sich einen festen Haupt-Partner suchen mit dem sie normalerweise ihr Leben lang zusammenbleiben. Dies ist jedoch nicht ganz so romantisch, wie wir uns das immer vorstellen, denn es handelt sich dabei eigentlich um eine sogenannte Horsttreue. Die Paare finden sich nur zur Jungenaufzucht zusammen und gehen dann jeder wieder seinen eigenen Weg. Wenn ein Weibchen zuerst am Horst ankommt und sein Männchen noch nicht da ist, kann es jedoch passieren, dass ihr ein neuer Mann den Hof macht. Wenn dann natürlich der Alte nach Hause kommt, kann es schon einmal passieren, dass der neue ordentlich eins auf die Schnauze, bzw. auf den Schnabel bekommt. Als wir später am Abend mehr über Störche heraussuchten, stellten wir wieder einmal fest, wie weit der Mensch davon entfernt ist, Tiere zu verstehen. In den Büchern wird der Storch in der Regel als sehr selten gewordener Vogel beschrieben, der sich hauptsächlich von Amphibien und Reptilien ernährt und der daher auf Feuchtgebiete angewiesen ist. Dass er in Deutschland kaum noch zu sehen ist, wird mit dem zunehmenden Rückgang eben jener feuchten Biotope erklärt. ‚Hin und wieder’, so heißt es, ‚können sie auch auf trockene Gebiete umsteigen, uns sich dort zur Not von Heuschrecken, Mäusen und Eidechsen zu ernähren.’ Die Autoren scheinen noch nie in Spanien gewesen zu sein, denn hier ist der Storch einer der häufigsten Vögel und das mitten in einer schier unendlichen Savanne.

Doch weitaus spannender war die Bedeutung des Storchs als Tierbote. Wenn einem der Storch auf ungewöhnliche Weise begegnet, dann weist er einen darauf hin, dass ein neuer Lebensbegleiter in das Leben tritt. Oft wird das mit Kindern in Verbindung gebracht, woher der Storch auch seinen Ruf als Kinderbringer bekommen hat. Doch es können genauso gut auch alle anderen Arten von Partnerschaften und Freundschaften sein. Der neue Lebenspartner kann ein neuer Freund oder eine neue Liebe aber auch ein Begleiter aus der Tierwelt sein. ‚Der Storch will dich darauf hinweisen, dass du der neuen Partnerschaft mit offenem Herzen begegnen und dich auf das gemeinsame Wachstum freuen sollst. Egal um was für eine Art von Begleiter es sich handelt, er wurde dir von der geistigen Welt geschickt um weiter wachsen zu können und um dich bei deiner Entwicklung zu unterstützen. Heiße die hilfreiche Seele willkommen! Gemeinsam werdet ihr wunderbare Erfahrungen machen!’

Hätte uns das Universum auf irgendeine andere Art und Weise deutlicher Mitteilen können, dass wir drei von nun an im Herzen eine Herde sind? Nicht nur, dass der Storch an sich diese Botschaft in sich trägt, der überzeugte Einzelgänger versammelt sich für uns in einer riesigen Gruppe und zeigt uns, mit wie viel Leichtigkeit und Freude er den Himmel erobern kann. Er lässt sich vom Lebensfluss in vorm des Windes tragen, spürt nach, wohin es ihn gerade treibt und nutzt die Kraft der Elemente um etwas wirklich großes und majestätisches zu erschaffen.

Als wir die Brücke des Rio Tajo überquerten, jenem Fluss dem wir in Portugal bereits als Rio Tejo gefolgt waren, vereinte sich die Storchformation über einem Punkt am Flussufer. Immer mehr Vögel kamen nun von allen Seiten und die Gruppe wurde immer größer.

„Meint ihr, wir sollten hier vielleicht das Ritual machen?“ fragte ich in die Runde. „Könnte ja sein, dass die Störche nicht umsonst genau hier sind.“

Die anderen beiden waren der gleichen Meinung und so verließen wir die Straße, um in einen kleinen Seitenweg hinunter zum Ufer einzubiegen.

Paulina hatte vor längerer Zeit eine hölzerne Jakobsmuschel von ihrem Vater geschnitzt bekommen. Seither hatte diese Muschel sie auf ihren beiden Jakobswegen begleitet und sie war ein fester Bestandteil ihrer Reisen geworden. Auf der Innenseite der Muschel hatte ihr Vater einen für ihn wichtigen Leitsatz eingraviert: „Das Leben ist ein ständiger Kampf! Siege!“

In den vergangenen Tagen hatte Paulina immer wieder festgestellt, dass sie diesen Leitsatz von ihrem Vater übernommen hatte. Unbewusst zog sie damit all jene Menschen, Ereignisse und Situationen in ihr Leben, die es ihr so schwer wie möglich machten. Sie hatte stets das Gefühl, stark und hart sein zu müssen. Sie glaubte, dass es wichtig war, eine knallharte Kriegerin zu sein, die keine Gefühle hatte und der niemand weh tun konnte. Doch durch die Erfahrungen, die sie in den letzten Tagen gesammelt hatte und durch die vielen klaren Spiegel die wir ihr immer wieder vorgesetzt hatten, wurde ihr immer mehr bewusst, dass dies nicht der richtige Weg sein konnte. Denn genau durch diese Einstellung zog sie immer wieder Leid und Verletzungen in ihr Leben. Jetzt begann sie zu begreifen, dass wahre Stärke nicht aus Härte, sondern aus Weichheit herrührt. Es ging darum flexibel und aufmerksam zu sein, nicht starr und dickköpfig.

Um sich von den alten Glaubensmustern endgültig zu befreien, hatte sie beschlossen, die Muschel mit dem Satz ihres Vaters in einem Ritualfeuer zu verbrennen. Und genau dies sollte nun am Ufer des Flusses geschehen. Wir teilten uns auf: Paulina suchte Zundermaterial und Gräser, ich suchte dickeres Holz und Heiko holte Wasser um hinterher alles wieder löschen zu können. Dabei fand er eine Puppe, die jemand hier weggeworfen hatte. Sie war verschmutzt und ausgeblichen und schaute auf eine eigenartige Weise traurig. Sofort hatte Heiko das Gefühl, dass auch diese Puppe für das Ritual wichtig war. Als er sie Paulina zeigte, ging es ihr genauso. Für sie symbolisierte die Puppe den anderen Teil der alten Glaubensmuster. Sie war das schwache und leidende Kinder-Ich, dass immer in der Opferposition war und glaubte, die ganze Welt wäre Schuld an ihrem eigenen Leid. Nur wenn sie sich aus dieser Opferhaltung befreien konnte, konnte sie auch eine lebendige, bewusste, aufmerksame und attraktive Frau werden, die für sich selbst einstehen kann und die ihren wahren Wert auch nach außen ausstrahlt. Nur dann würde sie zu jener Frau werden, die nicht mehr von Deppen angegraben wurde und die sie als leichte Beute wahrnahmen. Nur dann konnte sie wahrlich ihrem Darma und ihrer Lebensaufgabe folgen und zu einem wirklich hilfreichen Teil der Natur werden.

Nachdem wir das Feuer vorbereitet hatten, suchten wir nach einem idealen Platz, an dem wir geschützt vor den Blicken der Menschen waren und an dem uns nichts anbrennen konnte. Zwischen einigen Büschen flatterte eine Pekasine auf und flog davon. Wir schauten uns den Platz genauer an und stellten fest, dass er geradezu perfekt war.

Mit einem Feuerstein, einem Funkenschläger und einem Stück Zunderschwamm entfachte Paulina nach unserer Anleitung das Feuer. Zunächst wollte es nicht klappen und sie verkrampfte immer mehr.

„Hast du eigentlich eine Absicht, mit der du den Stahl gegen den Stein schlägst?“ fragte Heiko, „Oder machst du es einfach nur um zu schauen, was passiert?“

Ertappt schaute Paulina auf: „Verdammt, daran habe ich wieder nicht gedacht! Also nochmal!“

Sie holte tief Luft und konzentrierte sich. ‚Warum mache ich dieses Ritual? Warum brauche ich das Feuer?’ Dann sagte sie laut: „Ich bitte die Hüter und Keeper und alle Wesen, die hier irgendwie anwesend sind darum, mich zu unterstützen, meine alten Glaubensmuster abzulegen. Ich lasse meine Opferhaltung los und übernehme die Verantwortung für mich selbst, so dass ich zu einer bewussten, lebendigen und hilfreichen Frau werde, die ihr inneres Kind stets beschützt und die dafür einsteht. Ich lasse mein Härte und mein Kriegersein los, so dass ich weich, aufmerksam und gefühlvoll werde und die Hinweise, die mir mein Körper und meine Intuition sowie das Universum geben. Dazu lade ich das Feuer der Wandlung ein, um mir zu helfen.“

Sie lockerte ihre Schultern und versuchte es noch einmal. Diesmal dauerte es nur Sekunden, bis ein Funke auf den Zunderschwamm fiel und eine kleine Glut erzeugte. Sie gab mir den Stein und das Eisen und legte den Zunderschwamm in das kleine Nest aus Gräsern und trockenem Fluschelzeug, dass sie vorbereitet hatte. Dann nahm sie es hoch und begann, vorsichtig in die Glut zu pusten. Nach zwei kräftigen Zügen, begann sie zu husten. Der Rauch strömte ihr mitten ins Gesicht, brannte in ihren Augen und verhinderte das Atmen.

„Halt das Nest etwas höher!“ sagte Heiko und beide mussten wir grinsen, weil wir noch nie einen Anfänger im Feuermachen gesehen hatten, dem dies nicht passiert war. Uns selbst natürlich eingeschlossen. Paulina geriet etwas in Hektik, denn je größer die Glut wurde, desto heißer wurden natürlich auch ihre Finger und das gefiel ihr gar nicht. Am liebsten hätte sie das Zundernest einfach fallen gelassen. Doch Heiko ermahnte sie weiterzumachen, bis plötzlich eine lodernde Flamme aus dem Nest schoss. Nun legte sie das brennende Bündel auf den Boden und bedeckte es mit dünnen Ästen. Kurz darauf brannte das Feuer mit hellen und heißen Flammen. Es waren sogar ungewöhnlich heiße Flammen, heißer als sie eigentlich hätten sein dürfen. Es war ein einfaches Pappelholz, doch es brannte heißer als jedes Holunderfeuer, das wir bis jetzt entfacht hatten. Offenbar hatten die Hüter des Feuers beschlossen, Paulina mit aller Kraft zu unterstützen. Nun legte Paulina zuerst die Muschel und dann die Puppe in die Flammen und bedeckte beides mit weiteren Ästen. Es dauerte rund eine Viertelstunde, dann war nichts mehr übrig als das Eisendrahtskelett der Puppe und etwas Asche. Paulina war voller Erde und Ruß und hatte sofort das Gefühl, sich gründlich waschen zu müssen. Erst am Abend wurde ihr bewusst, dass es ihr dabei nicht wirklich um das Abwaschen der Erde ging, sondern viel mehr um das Reinwaschen von den alten Gefühlen und Verhaltensmustern, vor denen sie sich zum teil selbst ekelte.

Als wir nach dem Ritual wieder auf die Straße traten, waren die Störche verschwunden. Kein einziger war mehr am Himmel zu sehen.

Bis nach Toledo war es noch ein weiter Weg. Normalerweise versuchen wir bei größeren Städten immer am Vortag so dicht wie möglich heranzukommen, um dann in der Stadt genügend Zeit zu haben. Doch in diesem Fall lag die nächstgelegene Ortschaft etwas über 20 Kilometer entfernt. So kam es, dass wir das Eingangsschild erst am Nachmittag passierten. Doch wir waren frohen Mutes. Immerhin war ja heute Paulina letzter Tag und da würde das Universum schon etwas für uns parat halten. Genau das war auch der Fall, nur leider auf eine vollkommen andere Art, als wir es uns gewünscht hatten. Wir hatten auf ein anständiges 5-Sterne-Hotel mit Sauna spekuliert, doch die Schöpfung schickte uns stattdessen eine ordentliche Prüfung.

Kurz nach dem Ortseingang kamen wir an einem Hotel vorbei, das gerade erst neu eröffnet hatte. Entspannt und optimistisch stiefelten Paulina und ich hinein und fragten nach einem Zimmer. Leider war das Hotel komplett ausgebucht, doch als Trostpreis bekamen wir immerhin ein Mittagessen. Und glaubt mir wenn ich euch sage, dass es ein Essen war, das über vieles hinweggetröstet hätte! Es gab eine Gemüsekaltschale zum hineinsetzen, dazu Oliven und Erdnüsse und als Hauptgang Bratkartoffeln mit Rührei und dazu zwei dünne Rindersteaks, bei denen sogar dem Rind selbst das Wasser im Munde zusammengelaufen wäre.

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Beim Essen erzählte uns Paulina, dass sie vor ihrer Reise ein Armband mit einem Amulett von einer Freundin bekommen hatte. Die Freundin hatte ihr gesagt, dass es irgendeine Geschichte, oder ein Geheimnis zu dem Amulett gab, welche sie ihr jedoch erst nach der Reise erzählen wollte. Heute in der Früh hatte sie dann festgestellt, dass das Amulett gebrochen war. Es bestand aus einer Kupferscheibe und war eigentlich sehr stabil, doch nun hatte es einen Riss, der von oben bis in die Mitte reichte. Heiko schaute sich die kleine Metallscheibe genauer an und prüfte sie auf ihre Festigkeit. Seiner Meinung nach war sie wirklich stabil. Dann gab er sie mir und noch ehe ich sie richtig in den Händen hielt, hatte ich sie ganz kaputt gemacht. Paulina war zu dieser Zeit gerade auf der Toilette und es war mir etwas peinlich, ihr gestehen zu müssen, dass ich ihr Amulett nun ganz zerstört hatte. Doch da musste ich nun durch. Spannend an der Geschichte waren jedoch vor allem zwei Dinge. Erstens war die Münze so gebrochen, dass sie nun aus zwei genau gleichgroßen Hälften bestand. So als ob sich etwas gütlich und gerecht trennen würde. Zweitens gab es in vielen Kulturen solche Amulette und Talismane, die mit bestimmten Energien, Erinnerungen oder Kräften aufgeladen wurden, damit sie ihrem Träger Kraft oder Schutz geben konnten. Darell hatte uns immer wieder darauf aufmerksam gemacht, dass solche Gegenstände ein Eigenleben entwickeln und eine eigene Präsenz haben. Wenn sie zerbrechen ist dies nach seinen Informationen immer ein Zeichen dafür, dass ihre Aufgabe beendet ist, oder das es an der Zeit ist, eine Wandlung einzugehen, die mit den Qualitäten des Amuletts in Verbindung stehen. Was es damit genau auf sich hat weiß ich nicht, aber in den letzten 7 Tagen ist einfach zu viel passiert, als dass ich an dieser Stelle nun plötzlich an einen Zufall glauben könnte.

Nachdem, was wir in Toledo erfahren haben würde ich gerne schreiben, dass es eine ekelhafte Scheißstadt ist, in der nur herzlose Zombies wohnen und von der jeder, der etwas auf sich hält einen großen Abstand halten sollte. Vor einigen Wochen hätte ich das vielleicht auch noch getan, denn so hat es sich gestern Abend wirklich angefühlt. Doch mir ist dabei auch bewusst geworden, dass unsere Erfahrungen nichts mit der Stadt zu tun hatten, sondern lediglich mit uns selbst. Es war eine große Prüfung für Paulina und es war auch eine ebenso große für mich. Natürlich stimmt es, dass die Menschen in der Stadt deutliche weniger hilfsbereit waren, als in den kleinen Ortschaften davor und viele haben sich uns und sich selbst gegenüber wirklich wie Zombies verhalten. Doch die Erfahrungen, die wir gemacht haben, waren unsere eigenen Themen. Hätten wir auf unsere Intuition gehört, wären wir wirklich vertrauensvoll in die Stadt gekommen und hätten wir uns wirklich von unserem Lebensfluss leiten lassen, dann hätten wir mit absoluter Gewissheit einen netten Menschen getroffen, der uns einen schönen Platz zum Übernachten angeboten hätte. Doch unsere Köpfe waren wieder einmal voller Sturheit, voll von Haben-Will und voll von Zweifeln. Irgendwie mussten wir in dieser Stadt einen Platz finden, denn sonst konnte Paulina am nächsten Tag nicht mit dem Zug nach Valencia fahren. Wir waren also irgendwie gebunden. Zumindest im Kopf, denn eigentlich sprach ja nichts dagegen, einen Ort weiterzuwandern, so dass Paulina heute mit dem Bus zurückgefahren wäre, oder die 8km gemütlich zurückgewandert wäre. Immerhin hatte sie ja den ganzen Tag Zeit und ihr Flieger geht erst am Montag. Doch in unseren Gedankengängen kam diese Option nicht vor. Es MUSSTE hier etwas geben! Und dieses ‚MUSSTE’, war bereits das erste, das jedes Fließen der Leichtigkeit zerstörte. Ich WILL oder ich MUSS erzeugt einen Zwang und Zwang ist eine Grenze durch die kein Fluss mehr hindurchkommt.

Doch das allein war es noch nicht einmal. Das, was die Situation wirklich brenzlich machte, war die Kombination aus Unüberlegtheit, Unachtsamkeit und Sturheit, die sich sowohl durch Paulina als auch durch mein Leben zog, wie ein roter Faden. Jene Kombination an Eigenschaften, die einem das Leben zum Kampf machte und die wir beide ablegen wollten.

Toledo selbst ist eine wunderschöne Stadt, die hoch oben auf den Felsen über dem Rio Tajo thront. Die Altstadt besteht aus unzähligen Klöstern, Kirchen und Kathedralen, sowie vielen schmalen Gassen und lauter mittelalterlichen Häusern, die heute Unmengen an Touristen anziehen. Caceres und Ávila waren bereits Touristenhochburgen, doch Tolede setzte allem noch einmal die Krone auf. Und man konnte es verstehen, denn wenn man sich die Stadt so ansah, dann fühlte man sich wirklich um mindestens 500 Jahre in der Zeit zurückversetzt. Um in die Innenstadt zu gelangen muss man den Rio Tajo auf einer der vier Brücken überqueren. Bevor wir die erste erreichten, kamen wir an einem 5-Sterne-Hotel vorbei, dass genau unseren Träumen und Wünschen für diese Nacht entsprach. Als Paulina und ich zur Rezeption gingen, wurde sie plötzlich ganz still.

„Was ist los?“ fragte ich.

„Mir macht das Hotel irgendwie Angst. Ich hab grad totalen Respekt davor, die Leute zu fragen.“

Ich musste lachen. „Ja, das kenn ich! Aber du darfst dich von dieser schicken Fassade nicht abschrecken lassen. Das ist nichts anderes als eine schäbige Absteige mit Kakerlaken in den Wänden. Es sind Menschen die dort Arbeiten und ihre Suppe genauso mit Wasser kochen wie wir. Es gibt keinen Unterschied, nur weil sie eine Uniform oder einen Anzug anhaben und uns die Chefin eines Hostels in einer fettigen Schürze die Tür aufmacht. Beide brauchen Kunden und beide brauchen Werbung und die können wir ihnen bieten. Der Unterschied ist nur, dass die hier wahrscheinlich Englisch sprechen und du ihnen unser Anliegen daher leichter erklären kannst.“

„Ok!“ sagte Paulina und rang sich ein Lächeln ab. Dann wollen wir mal sehen!“

Doch die Nervosität siegte. Als wir an der Rezeption standen war Paulina so aufgeregt, dass sie alles vergaß, was wir zuvor besprochen hatten. Sie fragte nicht nach freien Zimmern und bat den Rezeptionisten auch nicht mit dem Chef sprechen zu dürfen. Es war daher ein Leichtes, uns mit einer flüchtigen Ausrede abzuspeisen.

Auf dem Weg zurück zur Einfahrt erzählte ich ihr von meinen eigenen ersten Versuchen als Verkäufer. Ich erinnerte mich noch gut daran, wie ich vor zwei Jahren vor einem Schulleiter gestanden hatte, dem ich unsere erlebnispädagogischen Klassenfahrtprogramme vorstellen wollte. Ich hatte das Konzept dafür selbst geschrieben und kannte es auswendig, doch als er mich danach fragte, hatte ich alles vergessen. Ich stotterte und stammelte und sagte schließlich so Dinge wie: „Wir bieten 32 verschiedene Erlebnisgeschenke an“, obwohl ich ihm eigentlich von einem Portal mit 32.000 Angeboten erzählen wollte. Ich hatte so eine Angst davor, nicht gut genug zu sein, dass ich mich kleiner machte als der Tomatensaucenfleck auf seinem Hemd. Heiko neben mir wäre am liebsten in Grund und Boden versunken, weil er sich so sehr dafür schämte. Er versuchte die Kuh noch irgendwie vom Eis zu bringen und erklärte unser Angebot noch einmal in zusammenhängenden Sätzen. Doch es war zu spät. Wie wollte uns jemand einen Kurz zur Steigerung des Selbstbewusstseins abnehmen, wenn der Trainer nicht einmal in der Lage war, einen einzigen, sinnvollen Satz herauszubringen?

Nicht anders ging es nun Paulina und mir. Sie selbst glaubte nicht an die Größe des Projektes und sie hatte das Gefühl, dass sie es nicht verdient hatte, hier zu übernachten, da sie ja noch keine 4600km gewandert war. Dies war alles, was der Mann mitbekam. Warum also hätte er uns helfen sollen?

Doch es gab ja noch genügend andere Möglichkeiten und damit auch genügend Zeit zum Üben!

Vor der Fußgängerbrücke, die in die Altstadt führte, machten wir unseren Treffpunkt aus. Heiko nahm die Kamera um die Zeit in der wir unterwegs waren, zum Fotografieren zu nutzen und wir stapften los. Dies war die erste große Dummheit, die wir an diesem Tag machen sollten: Unüberlegtheit. Der Mann in dem Nobelhotel hatte uns eine Karte gegeben und gesagt, dass es rechts von der Fußgängerbrücke noch einige andere Hotel gab, bei denen wir vielleicht mehr Glück hatten. Eines davon war ein Parador, also ein Hotel der gleichen Kette, in der wir auch in Villalba übernachtet hatten. Damit kam die zweite Dummheit hinzu: Haben-Will! Wäre es nicht schön, wieder in so einem Hotel abzusteigen?

Ohne uns einen Plan von der Situation zu machen, stolzierten wir die Straße hinauf. Hätten wir auch nur einen einzigen kurzen Blick auf die Karte geworfen, hätten wir gemerkt, dass das Parador nicht um die Ecke lag, sondern ganz am anderen Ende der Stadt. Denn die Straße, die uns der Rezeptionist genannt hatte, führte einmal auf der anderen Uferseite außen um die Stadt herum. Es stimmte, dass hier fast 10 Hotel angesiedelt lagen, doch hatten sie einen Abstand von jeweils fast einem halben Kilometer. Wenn wir uns dann auch noch die Zeit genommen hätten, uns zu überlegen, wo in dieser Stadt die Chance auf Unterstützung am höchsten war, dann hätten wir uns viel unnötige Zeit sparen können. In einer Touristenmetropole wie dieser, in der jedes Hotel in der Innenstadt im Sommer ausgebucht war, war die Chance eines zu finden, das Werbung brauchte relativ gering. In der Neustadt, die keinerlei Touristenattraktionen bot, war sie hingegen etwas höher. Noch höher lagen die Chancen jedoch, dass uns einer der Pfarrer oder der Klösterbründer weiterhelfen würde. Und wenn sich herausstellen sollte, dass das nicht funktioniert hätten wir dann immer noch genügend Zeit gehabt, an einem anderen Ort nach einem Schlafplatz zu suchen. Doch all diese Gedanken kamen uns nicht für eine Sekunde in den Sinn. Wie Zombies, die frisches Blut gerochen hatten trotteten wir den Berg hinauf, auf der Suche nach den Hotel. Und hier kam es dann zur dritten großen Dummheit. Denn bereits bevor wir diese Richtung eingeschlagen hatten, hatte ich ein komisches Bauchgefühl dazu. Meine Intuition sagte mir, dass es nicht klappen kann. Doch wie so oft ignorierte ich sie und ging trotzdem weiter. Das erste Hotel war ausgebucht, das zweite sagte ab. Spätestens hier hätten wir umkehren müssen, da von nun an absolut klar war, dass wir auch bei den anderen nicht weiterkommen würden. Doch es dauerte noch ein drittes und ein viertes Hotel, bis ich endlich merkte, dass ich die ganze Zeit gegen mein inneres Bauchgefühl handelte. Plötzlich wurde ich nervös. Mir wurde bewusst, dass ich nichts weiter tat, als wertvolle Zeit zu verplempern. Doch anstatt umzukehren und meinen Fehler einzusehen wollte ich nun noch verbissener, dass dieser Marsch irgendeinen Erfolg hatte. Um die verlorene Zeit wieder einzuholen beschleunigte ich meine Schritte. Paulina kam kaum noch hinter mir her und ich musste immer wieder stehen bleiben, um auf sie zu warten. Ich merkte, dass es nichts brachte, doch ich konnte meine Schritte nicht zügeln. Wie von einer inneren Wut getrieben, die mich immer weiter anpeitschte lief ich schneller und schneller von einem Hotel zum nächsten. Dabei ärgerte ich mich die ganze Zeit über mich selbt.

„Paulina, das ist überhaupt nicht sinnvoll, was wir hier machen, es ist reine Zeitverschwendung! Ich hatte von Anfang an das Bauchgefühl, dass es Quatsch ist und ich könnte mir gerade selbst in den Arsch beißen, dass ich nicht darauf gehört habe!“ Ich erklärte Paulina wirklich bis ins Detail was los war und doch war ich nicht in der Lage abzubrechen und die Niederlage hinzunehmen, ohne sie noch schlimmer zu machen. Erst als uns auch das Parador eine Absage erteilte und es nun keine weiteren Möglichkeiten mehr gab, traten wir den Rückweg an. Das Parador war etwa drei Kilometer von jeder Brücke entfernt und damit der ungünstigste Platz für eine Übernachtung überhaupt. Zumindest dann, wenn man zu Fuß war und noch Essen brauchte. Ansonsten war seine Lage natürlich der Knaller! Hoch oben über dem Fluss mit einem herrlichen Ausblick auf die alte Stadt mit ihren Mauern und Tempelanlagen. Wütend auf mich selbst kehrte ich mit Paulina zum Treffpunkt zurück. Das Ignorieren meiner Intuition und die gottverdammte Sturheit hatten uns bis hierhin etwas mehr als 2 Stunden gekostet. Zwei Stunden wertvolle Zeit, die wir eigentlich mit einer schönen Abschiedcelebration verbringen wollten. Das paradoxe an der Situation war außerdem, dass die Straße um die Stadt herum wahrscheinlich eine der schönsten in ganz Spanien ist. Ich habe es zwar registriert, aber genießen konnte ich es nicht. Paulina hingegen hatte noch überhaupt kein Bauchgefühl zu der ganzen Sache. Sie wollte eigentlich nur eine Dusche und ansonsten folgte sie mir wohin ich auch ging. Es war also nicht nur meine Prüfung und ich war nicht der einzige, der sie versemmelt hatte. Ab morgen musste sich Paulina auf ihr eigenes Bauchgefühl verlassen und wenn sie sich nicht verrennen wollte, dann musste sie dazu aufmerksam, klar und strukturiert sein. Mit jemandem mitzulaufen, der selbst keinen Plan hatte, würde sie dabei nicht weiterbringen.

Doch unsere Odyssee war noch nicht zu Ende. Wir standen noch immer ohne Schlafplatz da und irgendetwas musste passieren. Um Zeit zu sparen tauschten wir die Aufgaben. Paulina passte auf unsere Sachen auf und Heiko und ich gingen in die Stadt, so das Heiko noch einige Fotos machen konnte, wenn wir schon nicht wussten, ob wir bleiben können.

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Die Innenstadt war verwirrender als jedes Labyrinth. Wieder verpasste ich es, mir einen Plan zu machen und mir zu überlegen, was sinnvolle Schritte sein könnten. Stattdessen lief ich kreuz und quer in der Stadt herum, fragte bei weiteren Hotels und suchte die Klöster und Kirchen nach Pfarrern ab. Alles ohne jeden Erfolg. 20 Minuten vor der vereinbarten Zeit traf ich auf Heiko. Mir war eigentlich klar, dass der Fall hoffnungslos war, doch ich war noch immer verbissen und starrköpfig. Wie groß war die Chance, Heiko ohne Verabredung in irgendeiner Seitengasse wiederzutreffen? Sie ging gegen Null. Und doch ignorierte ich das Treffen und sah es als Zufall an, anstatt zu sagen, dass wir die ganze Aktion abbrechen müssen. Dies war das zweite Mal, dass ich meine Intuition ignorierte. Und es war das X-te mal, dass ich die Möglichkeiten aus Verbissenheit nicht erkannte. Wie viele Menschen mochten hier herumlaufen, die uns helfen würden? Sicher nicht viele, doch würde ich die wenigen erkennen, wenn sie vor mir standen? Sicher nicht. Ich würde sie zur Seite schieben, weil sie den Weg zum Hotel mit dem griesgrämigen Besitzer versperrten.

Ich kam an ein Clarissa-Kloster, eines von der Sorte, die uns auf dem Camino del Norte schon nicht helfen wollten. Ich wusste, dass sie es auch hier nicht tun würden, doch ich fragte trotzdem. Als die verabredete Zeit längst überfällig war, tauchte ein neuer Hoffnungsschimmer auf. Irgendwo in der Stadt sollte es eine kostenlose Herberge geben. Ich rannte durch die Gassen, doch als ich sie endlich fand, musste ich feststellen, dass sie im Sommer geschlossen hatte. Warum auch immer. Viel zu spät sah ich es ein. Toledo wollte und nicht haben und wir konnten dagegen anstrampeln was wir wollten.

Als ich am Treffpunkt eintraf, war Heiko noch nicht zurück. Auch er irrte noch durch die Gassen und war mit Fotografieren beschäftigt. Die Zeit bis zu seiner Rückkehr nutzte ich, um in einer Bar nach der Nummer der Polizei zu fragen. Immerhin hatten sie uns an anderen Orten schon oft weitergeholfen. Doch hier erwiesen sie sich ebenfalls als Sackgasse. Es war wie verhext. Kaum war eine Stadt größer und touristisch erschlossen, wollte einem plötzlich niemand mehr helfen.

Ein Mann vor der Bar, der die Geschichte mit angehört hatte, bot uns einen Zeltplatz in seinem Garten an. Als Notlösung schien mir das akzeptabel zu sein und ich kehrte um, um den anderen Bericht zu erstatten. Heiko war inzwischen eingetroffen und hörte sich die Optionen an.

„Um halb neun sind die Gottesdienste zu ende. Dann können wir vielleicht einen Pfarrer erwischen, doch ich bin unsicher, ob sie uns hier helfen werden. Am anderen Ende der Stadt gibt es eine Jugendherberge, die uns vielleicht noch aufnehmen könnte, aber das ist auch eher unwahrscheinlich. Ansonsten könnten wir im Garten von einem Mann zelten.“

„Das halte ich auch nicht für eine gute Idee!“ sagte Heiko, „Erstens laufen hier viel zu viele Touristen und Jugendliche herum, die sich die ganze Nacht betrinken werden. Das ganze wäre also viel zu gefährlich. Zweitens haben wir dann keine Toilette und wir können dem Mann ja nicht einfach in den Garten scheißen. Und drittens passen wir ja gar nicht alle ins Zelt. Wir müssten also auch noch das Tarp spannen und morgen ist dann alles nass.“

Erst spät in der Nacht merkte ich, dass ich schon wieder vergessen hatte, eine Idee, die ich für gut oder zumindest für annehmbar empfand auch so zu verkaufen. Diesmal war mein Gegenüber zwar kein Hotelier sondern mein Freund, aber der Effekt war der gleiche. Der Garten hatte eine hohe Mauer, die uns vor besoffenen Randalierern schützte. Zum Kacken konnten wir seine Toilette sicher benutzen und zum Pinkeln würde sich schon eine Ecke finden. Und das Tarp aufzubauen war noch immer besser, als weiter im Kreis zu laufen und nicht zu wissen, ob etwas kommt. Außerdem war es bereits nach 20:00 Uhr. Auf die Idee, den Mann zu fragen, ob er nicht vielleicht auch eine Garage hätte, bin ich gar nicht gekommen. Dieser eine kurze Gedankengang hätte uns wahrscheinlich auch wieder viel Kraft und Leid gespart.

So aber mussten wir jetzt eine Entscheidung treffen. Entweder, wir verließen die Stadt und versuchten unser Glück in einem 10km entfernten Dorf, oder wir durchforsteten die Neustadt nach einer Alternative.

Wir entschieden uns für letzteres und beschlossen uns diesmal wirklich von unserer Intuition leiten zu lassen. Doch es half noch immer nichts. Die Polizeidienststelle verwies uns auch beim persönlichen Besuch, das Hostal hatte keine Zimmer mehr frei, das Schwimmbad war bereits geschlossen, ebenso wie die Sporthalle und der Jogger, den Heiko als sympathisch und hilfsbereit identifizierte wollte uns zwar helfen, hatte aber keinen Platz, an dem er uns hätte unterbringen können. Er lebte mit seiner ganzen Familie in einer Zweizimmerwohnung ohne Keller. Schließlich gab es als Option nur noch das Hilton-Hotel und ein weiteres 5-Sterne-Hotel. Das Hilton war ebenfalls ausgebucht und das zweite lehnte uns ab. Paulina war langsam am verzweifeln. Warum um alles in der Welt wollte es heute nicht klappen? Was war hier los? Lag es an den Menschen, an uns, an der Stadt?

An einer Tankstelle fragten wir schließlich nach der Nummer des Campingplatzes. Zelten hätten wir zwar auch schon früher gekonnt, aber unsere Ansprüche waren nun bereits deutlich gesunken. Zumindest die Großkotzigkeit hatten wir inzwischen abgelegt. Der Campingplatzbetreiber sagte uns, dass er am Preis leider nichts machen konnte. Bis um 23:00 Uhr habe er aber noch geöffnet und bis dahin konnten wir es uns ja noch überlegen. Vor der Tankstelle hielt ein Krankenwagen. Auch diesmal waren Paulina und ich nicht aufmerksam genug, um ihn wahrzunehmen und wenn Heiko nicht über die Straße gebrüllt hätte, dann wäre er einfach wieder verschwunden. So aber konnten wir ihn fragen und dabei in Erfahrung bringen. Dass es in Toledo eine Feuerwehr gab, die uns vielleicht aufnehmen würde. Sie war nicht weit weg und die Chancen standen sicher nicht schlecht.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Paulina wacker gekämpft. Sie wollte, dass es möglich ist, irgendwie einen kostenlosen Schlafplatz zu bekommen. Sie wollte sehen, dass man ohne Geld zurecht kommen konnte. Sie wollte es noch einmal erleben, um mit einem guten Gefühl nach hause gehen zu können. Doch ohne es zu merken, tappte sie dabei wieder in die alte Falle. Sie WOLLTE! Es gab keine Lockerheit und vor allem gab es kein Vertrauen. Doch die Schöpfung lässt sich nicht zwingen. Wer nicht vertraut wird auch nichts bekommen. Hinzu kam natürlich, dass sie noch weitaus starrer war, als ich, denn es war ja ihr Zug, den sie am Morgen bekommen musste. Meine eigene Starrheit kam, wie mir erst jetzt aufgeht, ja nur daher, dass ich ihre Ängste übernahm. Ohne diesen Heimreisetermin hätte ich zu Heiko wahrscheinlich nach dem ersten gescheiterten Versuch gesagt: „die Stadt ist scheiße! Lass uns verschwinden!“ Doch so hatte ich immer im Kopf, dass hier etwas gehen muss, da Paulina diese Stadt ja brauchte. So waren wir gleich zwei, die in die selbe Falle tappten und das machte alles natürlich nur noch schlimmer.

Jetzt aber traf Paulina eine Entscheidung, die ihr sehr schwer fiel und die sich für sie nach aufgeben anfühlte.

„Lasst uns zum Campingplatz gehen!“ sagte sie niedergeschlagen. „Ich weiß, dass ist wie aufgeben, aber ich will hier nicht mehr herumirren. Ich bezahle den Eintritt für uns drei und dann haben wir wenigstens einen Platz.“

Es war bereits zwanzig vor elf, was bedeutete, dass wir nicht versuchen konnten, ob es bei der Feuerwehr klappen konnte oder nicht. Wenn wir den Campingplatz nehmen wollten, dann mussten wir gleich los.

„Paulina,“ sagte Heiko, als wir den Weg zum Campingplatz antraten. „Das hat nichts mit aufgeben zu tun! Im Gegenteil, ich bin wirklich beeindruckt, wie lange du das hier mitgemacht hast. Und gleichzeitig muss ich auch sagen, dass es absolut bescheuert war. Denn wir wussten ja eigentlich bereits seit Stunden, dass in dieser Stadt nichts gehen würde. Doch statt die Situation anzuerkennen wie sie ist, habt ihr euch wieder so darin verbissen, dass ihr komplett gegen jede Logik und jeden Verstand handelt.“

„Aber als ich vorhin vorgeschlagen habe, den Campingplatz zu nehmen, hast du doch gesagt, dass er scheiße ist,“ protestierte Paulina.

„Ja,“ antwortete Heiko, „aber da hast du auch nur gefragt, ob wir ihn nehmen wollen. Du hast nichts dazu erklärt, warum er dich angesprochen hat. ‚Heiko, Tobi, wollen wir nicht einfach den Campingplatz nehmen? Mir wäre es wichtig, dass wir genügend Zeit haben, um meine Reise zu reflektieren und um einen schönen Abschluss zu feiern.’ Das wäre für den Tag eine gute Lösung gewesen. Aber: ‚Campingplatz?’ ohne weitere Information klang für mich nicht besonders verlockend. Ich glaube aber, dass es wichtig war, dass die Dinge so gelaufen sind, wie sie gelaufen sind! Und zwar für euch beide, damit ihr die Kreise, die ihr dreht noch einmal wirklich wahrnehmt. Ihr glaubt beide immer wieder, dass ich es endlich verstanden habt und dass ihr einen Schritt weiter seit und dann lauft ihr sofort wieder in die gleichen Fallen. Ich glaube es ist wirklich wichtig für euch, das einmal richtig begriffen und wahrgenommen zu haben. Denn merkt ihr, was wir gerade machen?“

Wir merkten es und es war fast gespenstisch! Seit wir in Toledo angekommen sind, waren nun bereits 7 Stunden vergangen. In dieser Zeit sind wir tatsächlich einmal komplett um die ganze Stadt herumgelaufen. Nun war es stockdunkel und wir mussten uns mit Blinklichtern und Stirnlampen bewaffnen, um für die Autos sichtbar zu werden. Gerade in diesem Moment erreichten wir den Kreisverkehr, den wir heute Nachmittag zum ersten Mal passiert hatten. Rechts vor uns lag das Hotel, in dem wir zu Mittag gegessen hatten. Nun war es hell erleuchtet und strahlte ein Gefühl der Heimeligkeit aus. Von hier aus waren es noch etwa 300 Meter bis zum Campingplatz.

„Merkt ihr das?“ fragte Heiko noch einmal, „Wie kann euch die Schöpfung das Muster noch deutlicher vor Augen führen. Eigentlich war es der Plan, an einem schönen Ort in ruhe einen Abschluss von Paulinas Reise zu zelebrieren, so dass sich der Kreis dieser Erfahrung schließen kann. Doch stattdessen laufen wir in einem großen Kreis um uns selbst und kommen am Ende wieder dort an, wo wir gestartet sind. Es ist wie in dem Beispiel von dem Esel, der mit einem langen Strick an einen Pflock gebunden ist. Er will in die Freiheit, doch der Pfahl hält ihn fest. Daher versucht er immer so weit wie möglich nach außen zu kommen und geht immer weiter nach vorne. Doch anstatt seinen Weg zu gehen, lenkt ihn der Strich immer ganz leicht davon ab und der Esel läuft ununterbrochen im Kreis. Er zertritt den Rasen und baut sich schließlich einen richtigen Trampelpfad, so lange, bis er sich bis zum Hals in die Erde eingegraben hat. Fallen euch da Parallelen auf?“

Wir nickten beide und die Tatsache fiel uns wie Schuppen von den Augen.

Als wir den Campingplatz schließlich erreichten, gelang es uns sogar, doch noch einen günstigen Preis auszuhandeln. Der Platz war nicht ganz umsonst, aber der Mann von der Rezeption berechnete uns nur eine einzige Person ohne Zelt. Damit musste Paulina statt 26€ nur 6€ zahlen. Es war also wirklich kein Aufgeben gewesen.

Wie sich herausstellte, war der Zeltplatz leider auch nicht viel mehr wert, denn es gab keine Wiesen sondern nur staubige Erdflächen, die so hart waren, dass man ohne Hammer keinen Hering hineinbrachte. Zum Glück hatten wir nette Italienische Nachbarn, die uns mit etwas Tunfisch und einem Hammer ausstatteten. Denn darin bestand das nächste Problem. Seit dem Mittagessen hatten wir noch nichts gegessen und wir waren alle drei so hungrig, dass wir einen Bären hätten verschlingen können. Doch zunächst galt es, das Zelt und das Tarp im Dunkeln aufzubauen und dabei nicht alles mit trockener Erde einzusauen.

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Paulina hatte eine etwas andere Prioritätenliste. Vor Essen und Schlafplatz kam bei ihr erst einmal die Dusche. Sie fühlte sich noch immer schmutzig und wollte sich von den Themen ihrer Vergangenheit reinwaschen.

Bis alles stand, bis wir Essen erbeutet und zubereitet hatten und bis wir mit unserem Mitternachtsmahl fertig waren, war es bereits 3:00 Uhr in der Nacht.

„Das letzte Abendmahl!“ sagte ich scherzhaft als wir mit dem Essen begannen. Für Paulina fühlte es sich jedoch wirklich so an. In ihr sträubte sich alles dagegen, nach Nürnberg in ihr altes Leben und in ihre alte Arbeit zurückzukehren. Sie hatte in den letzten 7 Tagen erkannt wer sie wirklich war und sie hatte gesehen, was sie alles mit sich angestellt hatte, um ihren wahren Kern zu verbergen. Sie hatte erkannt, wie sehr sie sich mit Dingen ablenkte, die nicht zu ihrem Leben gehörten, um ihrem wahren Lebensweg nicht folgen zu müssen. Und sie hatte erkannt, was sie alles tun musste, um den Raubbau an ihrem eigenen Körper und ihrer Seele wieder gut zu machen, den sie in den letzten 29 Jahren begangen hatte. Es war ein hartes Stück Arbeit, das da vor ihr lag und sie hatte große Angst es nicht zu schaffen. Was war, wenn sie doch wieder zurück in die alten Muster des Opferseins zurückfiel? Wenn sie es nicht schaffte, die Kraft, die Konsequenz und den Mut aufzubringen, um den Pfahl in der Mitte herauszuziehen und wirklich frei zu sein? Was, wenn sie sich wieder nur im Kreis drehte und wirklich irgendwann einmal so tief drin steckte, dass sie nicht mehr herauskam? In den letzten Tagen hatte sie von der Schöpfung so viele Zeichen bekommen, dass klar stand, dass Paulina auf ihrem Weg nicht alleine war. Auch wir würden sie weiterhin aus der Ferne unterstützen. Doch die Hüter, die sie wachgerufen hatten, würden ab sofort kein Pardon mehr zu lassen. Bis jetzt hatte sie ausblenden können, dass sie ständig gegen sich handelte, dass viele ihrer Handlungen nicht vom Herzen, sondern aus einer Sucht nach Anerkennung herrührten und dass sie ihre eigenen Kräfte und Talente im Garten vergraben hatte. Doch ab jetzt würde es nicht mehr möglich sein. Sie würde harte und schmerzliche Hinweise bekommen, wenn sie vom Weg abkam und sie würde immer wissen, dass es sie früher oder später krankmachen und töten würde. Doch was war, wenn sie es trotzdem nicht schaffte? Wenn sie eines Tages als verbitterte, alte und kranke Frau, in der Tür stand und eine gruppe junger Reisender vertrieb, weil sie es hasste, dass diese die Chance, die sie bekommen hatten vielleicht nutzten? Was wenn sie ihr Leben lang merken würde, dass sie selbst die Chance ihres Lebens verpasst hatte?

Sie spürte, dass sie etwas ändern musste. Am liebsten hätte sie sofort ihren Job geschmissen, hätte die neue Wohnung gekündigt und wäre gleich wieder losgezogen. Doch irgendetwas in ihr, sagte ihr, dass sie das nicht machen konnte. Es war die Angst davor, der Schöpfung wirklich zu vertrauen und den Sprung ins ungewisse zu wagen. Was würden ihre Eltern sagen, wenn sie alles aufgab und hinter sich ließ um als Nomadin zu leben? Was würden ihre Freunde dazu sagen? Konnten sie überhaupt auch nur einen kleinen Teil von dem Verstehen, was sie hier erlebt hatte?

Wir konnten die Angst in ihr gut nachvollziehen und der Gedanke daran, nun selbst zurück in unser altes Leben zu müssen, schnürte uns ebenfalls die Kehle zu. Eins stand für uns in diesem Moment jedenfalls absolut fest. Für uns gab es kein Zurück mehr. Es war eine Option, irgendwo auf einer Almhütte zu leben und eigene Nahrung anzubauen. Es war auch eine Option, im kanadischen oder schwedischen Busch zu leben und jeden Tag in die Sauna zu gehen. Bei Shaolin-Mönchen in Japan zu leben und von ihnen die Kunst der inneren Balance zu lernen, ein Bushman-Training in Afrika zum machen, auf Neuseeland in einem Heilungszentrum zu leben, von einem Stamm der Aborigines oder eines anderen Naturvolkes adoptiert zu werden oder auch bis in alle Tage gemütlich um die Welt zu wandern, dies alles konnten wir uns vorstellen. Aber heimkehren und wieder in den alten Job, den alten Stress, die alten Verpflichtungen und die alten absurden Erwartungen eines geregelten Lebens einzusteigen, das war keine Option!

Damit Paulina ihren Weg schaffen konnte und damit sie sich nicht vom Alltag auffressen ließ, hatten wir ihr am Vortag einen Arbeitsplan gemacht, an den sie sich halten musste. Damit hatten wir sie nun so gut ausgestattet, wie wir konnten. Dennoch fühlte es sich so an, als würden wir sie im Schützengraben zurücklassen. Es war nicht leicht, sie so ziehen zu lassen, doch auch das gehörte zum Prozess. Alles dreht sich immer wieder um Vertrauen. Und so wie Paulina es schaffen muss, in sich und in die Schöpfung zu vertrauen, so müssen auch wir es schaffen, in sie zu vertrauen.

Passender Weise haben wir zu diesem Thema am Abend per Mail eine Geschichte aus der Bibel bekommen. Jesus schlappt mal wieder gemütlich auf dem Wasser herum um ermutigt Petrus, es ihm gleich zu tun. Der Jünger ist etwas zögerlich, schafft es aber schließlich genügend Vertrauen aufzubauen um einen Schritt zu waren. Völlig überrascht stellt er fest, dass auch er übers Wasser gehen kann. Er geht ein gutes Stück raus und freut sich über das Vertrauen, das er aufgebaut hat. Plötzlich kommt jedoch ein leichter Windstoß und sofort bekommt es Petrus mit der Angst zu tun. Sein Vertrauen ist verschwunden und mit einem Satz landet er im Wasser und strampelt wie ein Wahnsinniger, um nicht zu ertrinken. „Du ungläubiger Depp!“ schnauzt ihn Jesus an, während er seinen Kumpel aus dem Wasser zieht: „Was bist du nur für ein Schisser, das ein einziger Windhauch ausreicht, um dein Gottvertrauen in Luft aufzulösen, obwohl du gerade den Beweis dafür hast, dass es vollkommen gerechtfertigt ist.“

Ok, es mag sein, dass die Bibel seine Worte etwas anders wiedergibt, aber des Sinn ist der gleiche. Verhalten wir uns nicht alle wie Petrus? Jeden Tag aufs neue? Wir glauben an unsere Stärken und es reicht eine einzige Kritik, um alles in Luft aufzulösen. Wir glauben an die Liebe zu einem Freund oder Partner und ein einziges Streitgewitter, lösst uns zweifeln. Wir glauben an die Kraft des Lebens und ein eingerissener Zehennagel, reicht aus um uns wieder zu verängstigen. Sind wir wirklich so schwach?

Heute Morgen war der Tag des Abschieds nun wirklich gekommen. Mit Paulina verloren wir dazu auch gleich noch ein weiteres, treues Mitglied unserer Herde, das uns sehr ans Herz gewachsen war. Unsere große Canon EOS 5D Mark III Kamera würde mit Paulina zurück nach Deutschland reisen um dann wieder in den Dienst der Presse zu treten. Ihr verdanken wir die meisten der schönen Bilder, die unseren Blog zieren und die uns auch in hundert Jahren noch in die alten Situationen zurückversetzen werden. In ca. 10 Tagen wird mit der EOS 70D eine neue, kleinere Kamera kommen, doch bis dahin steht Heikos Fotografenherz nahezu nackt dar. Spannenderweise hat Paulina ihm einige neue Tricks bei Photoshop beibringen können, so dass er sich nun mehr in die Möglichkeiten der digitalen Verarbeitung einfuchsen kann. Es ist vielleicht kein Zufall, dass beides wieder genau zur gleichen Zeit geschieht.

Paulina wollte uns zum Abschied gerne noch zu einem gemeinsamen Frühstück einladen, doch leider gab es kein Restaurant auf unserem Weg, das geöffnet hatte. Ironischer Weise führte uns unser Weg aus der Stadt wieder über jene Straße mit den Nobelhotels, die ich am Vortag so verflucht hatte. Diesmal jedoch konnte ich sie genießen. Paulina musste auf die Gegenüberliegende Stadtseite, entschied sich aber, uns noch ein Stück zu begleiten, da sie es nicht eilig hatte.

An einer Kreuzung, an der sich unsere Wege eigentlich hätten trennen müssen, hatte mein Wagen plötzlich einen Platten. Als ich ihn ausbaute und untersuchte, konnte ich keinen Dornen finden, der ihn verursacht haben konnte. Ein winzig kleiner Spleiß, der nicht einmal durch das Gummi des Mantels reichte war alles, was ich entdecken konnte. Der Reifenwechsel lud uns zu einer Pause ein und wahrscheinlich war er ein hinweis darauf, dass es nun an der Zeit war, wirklich Abschied zu nehmen. Doch Paulina war noch nicht bereit und so kam es, dass sie noch gut eine Stunde mit uns mitwanderte, obwohl der Weg nun in die vollkommen falsche Richtung führte. Schließlich setzten wir uns unter einen Baum in den Schatten und frühstückten unsere letzten Obstvorräte. Jetzt gab es kein weiteres Hinauszögern mehr. Es war unser vorerst letztes gemeinsames Essen als Herde. Von nun an, würden wir erst einmal wieder getrennte Wege gehen. Auch dies hatten wir mit den Störchen gemeinsam. Wir waren Zugvögel, die ihre langen Wege alleine bestritten um sich dann wieder zu treffen und etwas neues auf die Erde zu bringen.

„Geh deinen Weg Paulina und dreh dich nicht um!“ sagte Heiko als sich die beiden zum Abschied umarmten. „Das gute ist, dass du jetzt viele Kilometer vor dir hast, in denen du weinen kannst, ohne dass dich jemand sieht!“ fügte er dann neckend hinzu. „Und du pass auch gut auf dich auf, kleine Kamera! Auch du wirst mir fehlen!“

Anschließend umarmte sie mich, dann wieder Heiko und schließlich noch einmal mich. Dann ging sie die Straße hinunter und schaute nicht mehr zurück. Unser Paulina-Storch war losgeflogen um wieder im Norden zu landen.

Wir hingegen setzten unseren Weg nach Süden fort, wo wir einige schweißtreibende Hügelketten überwinden mussten, bis wir schließlich nach Cobisa kamen. Dabei fiel uns auf, dass wir seit Paulinas Abreise plötzlich wieder auf unbefahrenen Nebenstraßen wanderten. In den letzten 7 Tagen war das nahezu nie vorgekommen. Noch einige Dinge vielen uns auf, doch davon werde ich morgen berichten, da der Artikel eh schon wieder Überlänge hat und es bereits wieder nach 1:00 Uhr ist.

Für heute möchte ich nur noch kurz den Tag abschließen. Als wir in Cobisa ankamen, war dort gerade Markt. Ein Obst- und Gemüsehändler schenkte uns gleich eine ganze Kiste voller frischer Früchte. Der Olivenhändler daneben schenkte uns eine Tüte Oliven und eine Honigmelone. Kurz darauf kam eine Frau und fragte, ob wir nicht Tomaten aus ihrem Garten brauchen würden und da wir diese schon hatten, schenkte sie uns Öl und Eier und eine spanische Spezialität, die ich nicht kannte, die aber sehr lecker war. Deutlich besser als eingelegte Schweineohren!

Der Pfarrer sträubte sich zunächst ein wenig, weil er die Gemeindesäle als zu unordentlich empfand um jemanden hineinzubitten. Doch nach kurzer Überredungsphase gab er uns sein Ja-Wort. Wir bekamen zwei Räume, von denen einer bis unter die Decke mit Essen gefüllt war. All diese Erfahrungen zeigten noch einmal deutlich, dass die Dürre von gestern nicht oder zumindest nicht erstrangig für uns gedacht war. Natürlich war es auch eine Lehre für mich, doch in erster Linie galt sie wohl offenbar Paulina, denn sonst wäre mit ihrem Verschwinden wohl kaum so ein Schlaraffenland auf uns zugekommen. Wahrscheinlich war es noch einmal wichtig für sie zu erleben, wie unwirtlich so eine Großstadt ist. Auf jedem kleinen Dorf hatte man uns immer sofort geholfen, doch in der Stadt ließ uns sogar die Polizei verrecken. War das wirklich der Ort an dem sie leben wollte?

Spruch des Tages: Nur ein Vogel der freigelassen wird, kann auch wieder zurückkommen.

 

Höhenmeter: 150 m

Tagesetappe: 10 km

Gesamtstrecke: 4634,47 km

Bewertungen:

 
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About the Author:

Heiko Gärtner und Franz von Bujor sind ausgebildete Survivalexperten und Extremjournalisten. Seit 2014 wandern sie zu Fuß und ohne Geld um die Welt um auf diese Weise tiefe Einblicke in unsere Gesellschaft mit all ihren Facetten, Kulturen und Systemen zu bekommen. Als Medizinjournalisten sind sie unter anderem Mitglieder des Deutschen Fachjournalisten Verbandes und schreiben neben Artikeln für Blogs, Zeitungen und Magazine auch Sachbücher und Ratgeber. 2013 veröffentlichten sie gemeinsam ein Grundlagenwerk über Antlitzdiagnose mit dem Titel "Krankheiten auf einen Blick erkennen". 2016 folgte ihr zweites Werk "Die natürliche Heilkraft der Bäume". Dabei handelt es sich um ein Lehrbuch, um die Grundlagen der Naturheilung zu erlernen, wie sie seit Jahrtausenden von indigenen Völkern überall auf der Welt angewendet werden. Heiko Gärtner ist zudem gelernter Natur- und Landschaftspfleger, Wildnislehrer, Hochseilgartentrainer sowie Berg- und Höhlenretter. Nach seiner Ausbildung zum Versicherungsfachwirt leitete er unter anderem Motivation und Verkaufstrainings und übernahm später eine eigene Generalagentur. Aus dieser Zeit konnte er unter anderem auch ein umfangreiches Verständnis und Wissen aus den Bereichen Versicherungsrecht, Recht im Allgemeinen, Buchhaltung, Wirtschaftsmathematik und Unternehmensführung mitnehmen. Um mehr seinem Herzensweg zu folgen, gab er seine Büro-Karriere schließlich auf, um sich zum Survivalexperten, Nationalparkranger und Wildnismentor ausbilden zu lassen. In diesem Rahmen besuchte er unter anderem Naturvölker in Neuseeland, Kanada, den USA und Thailand. Dabei gründete er unter anderem seine eigene Wildnisschule, die bis heute besteht und Ausbildungen aus dem gesamten Wildnissektor anbietet. Franz von Bujor ist studierter Kultur- und Sozialpädagoge, sowie ausgebildeter Wildnislehrer, Mediator und Erlebnispädagoge. Auf seinen vielzähligen Reisen unter anderem nach Australien und Lateinamerika sammelte er Expertenwissen im Bereich alternatives Leben und Reisen, Minimalismus, Backpacking und Work and Travel, sowie allgemein im Bereich Kunst, Kultur, Religion und Geschichte. Seit 2016 lebt er als Wandermönch.

One Comment

  1. Stefanie 26. August 2014 at 13:21 - Reply

    Vermisse euch jetzt schon sehr!

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