Tag 1480 bis 1483: Kurzurlaub in Metz – Ein Erfahrungsbericht

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Tag 1480 bis 1483: Kurzurlaub in Metz – Ein Erfahrungsbericht

21.11.2017

Die Stadt Metz markiert in unserer Erinnerung einen wichtigen Wendepunkt zu Beginn unserer Reise. Sie war unser erstes großes Etappenziel auf dem Weg nach Santiago und außerdem die erste große Stadt im Ausland, in der wir uns irgendwie orientieren mussten.

Die Banque de France in Metz

Die Banque de France in Metz

Wenn wir in unseren Erinnerungen zurückkehren, dann verbinden wir mit unserem Aufenthalt in dieser Stadt die Begegnung mit einer unwahrscheinlich hübschen und sympathischen Frau an einer Bushaltestelle, einen vollkommen misslungenen Versuch, eine Privatadresse in der Innenstadt zu finden, mit nichts als der Karte, die sich in unserem Jakobsführer befand, ein unerwartetes Wiedersehen mit alten Bekannten, die wir einige Tage zuvor beim Besuch einer ebenso chaotischen wie herzlichen Jägersfamilie kennengelernt hatten, eine unverhoffte Pause bei McDonnalds, eine wilde Autofahrt, bei der uns der Weg an unser Ziel gezeigt wurde, eine Wanderung, bei der wir weit nach Einbruch der Dunkelheit das Apartment von Adrian, unserem Gastgeber erreichten, ein erholsames und stärkendes Abendessen und eine witzige, informative und interessante Stadtführung unseres Gastgebers, bei der er uns mit einem Car-Sharing-Wagen von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten gebracht hat.

Das Portal eines ehemaligen Klosters in Metz

Die Einkaufsmeile in der Innenstadt von Metz

Ich erinnere mich auch noch an Fußschmerzen, die dazu führten, dass ich kaum Laufen konnte, aber dennoch sind all diese Erinnerungen grundpositiv. (Wenn ihr mehr darüber wissen wollt, könnt ihr euch dazu ja noch einmal unseren Tagesbericht von Tag 32 ansehen.)

An das Kraftwerk konnten wir uns nicht mehr erinnern

An das Kraftwerk konnten wir uns nicht mehr erinnern

Metz zu besuchen war anstrengend gewesen, aber es war ein Erlebnis, das man nicht missen sollte. Alles in allem, war uns die Stadt dabei zudem sehr schön erschienen und hatte später noch oft als Gegenpol fungiert um festzustellen, dass andere Städte eher hässlich waren. „Vergleich das hier mal mit Metz und Nancy! – Das sind ja Welten!“ war beispielsweise ein beliebtes Kommentar geworden, wenn wir eine unangenehme Großstadt erreichten.

Nur eines von vielen beeindruckenden Gebäuden in Metz

Nur eines von vielen beeindruckenden Gebäuden in Metz

Heute sollten wir nun wieder unsere Füße und Räder über die Schwellen der Stadtgrenze setzen, doch dieses Mal zeigte sich die Metropole von einem ganz anderen Licht. Obwohl wir bis zum Schluss auf einem Fahrradweg wandern durften, der an sich sehr schön gewesen wäre, wurde die Wanderung vom permanenten Autobahnlärm überschattet, der so stark war, dass uns fragten, wie wir ihn beim ersten Mal hatten überhören können. Auch in der Stadt selbst waren die Autos und Trucks die rund fünfhundert Meter entfernt vorbeirauschten permanent präsent.

Die Einkaufsmeile in Metz

Die Einkaufsmeile in Metz

Ohne ein festes Ziel und ohne eine Verabredung schien es zudem unmöglich und auch nicht allzu erstrebenswert, hier einen Schlafplatz zu finden. Und ohne unseren Stadtführer waren wir gezwungen, die Wege zwischen den einzelnen Sehenswürdigkeiten zu laufen, wodurch wir einige Seiten der Stadt zu Gesicht bekamen, die ganz und gar nicht mehr schön und angenehm waren.

Ein modernes Einkaufszentrum

Ein modernes Einkaufszentrum

Es dauerte kaum zehn Minuten, bis wir vor uns selbst zugeben mussten: Metz war eine ganz normale Großstadt in Autobahnnähre, mit allen dazugehörigen Vor- und Nachteilen. Es gab hier nichts, weshalb wir hier bleiben wollen würden. In unserer Erinnerung hatten wir diese ganze Gegend also offenbar stark romantisiert. Oder jetzt gerade lagen wir einer äußerst unromantischen Wirklichkeitsverzerrung auf, die mal wieder das Gedankenmuster von „alles ist schlecht“ stärken sollte.

Das Eingangsportal zur Kathedrale mit Weihnachtsmarkt

und Riesenrad im Hintergrund

Das Innere der Kathedrale von Metz ist immer

wieder beeindruckend.

Einen kleinen Stadtrundgang sowie eine Pizza-Pause ließen wir uns dennoch nicht nehmen, bevor wir uns wieder an die Weiterreise machten. Leider wurde die Geräuschkulisse nicht besser.

Der Altarbereich der Kathedrale in Metz

Die Bleiglasfenster der Kathedrale würden

ein ganzes Fußballfeld füllen.

Die Autobahn entfernte sich bis auf sieben Kilometer von uns, ohne dabei merklich leiser zu werden. Kurioserweise tauchte nach einer knappen Stunde eine weitere Autobahn auf, die unseren Weg kreuzte, die wir jedoch auch 100m Meter vor der Unterführung kaum hören konnten. Es war also ganz offensichtlich möglich, leise Autobahnen zu bauen. Fragte sich nur, warum man sich hier so vehement dagegen entschieden hatte.

Am Ufer der Mosel kehren wir der Stadt langsam wieder den Rücken zu.

Am Ufer der Mosel kehren wir der Stadt langsam wieder den Rücken zu.

Wie bereits beim  ersten Besuch der Stadt dauerte es auch heute wieder bis zum Abend, ehe wir eine Übernachtungsmöglichkeit fanden. Dieses Mal durften wir im Haus eines Pfarrers in einem kleinen, industriell geprägten Vorort nächtigen, der durch eine Hügelkuppe leicht vom Autobahnlärm abgeschottet wurde.

Einzigartige Fensterkunst

Blick über die Brücke und die Kirche

in Metz

Unser Gastgeber wurde uns von der Frau im Rathaus als eine Art Hausmeister angekündigt, der im Pfarrhaus lebt, wenn der Pfarrer nicht da ist. Als wir den Mann kennenlernten stellten wir jedoch fest, dass er selbst Pfarrer war.

Der Industriehafen von Metz

Der Industriehafen von Metz

Die Bemerkung der Sekretärin war offenbar nicht informativer sondern viel mehr rassistischer Natur gewesen, denn der Pfarrer stammte aus dem afrikanischen Staat Togo. Es stimmte, dass es noch einen weiteren Hauptpfarrer gab, der für die ganze Region zuständig war, aber der junge Afrikaner war nun hier für das Dorf zuständig, Offenwar wollte die Rathausmitarbeiterin diesen Umstand noch nicht akzeptieren und beharrte weiterhin auf ihren alren, fewohnten und vor allem einheimischen Pfarrer.

Die Kirche zwischen den Ufern

Ein einsamer Kirchturm

Der junge Togoaner hatte es nicht leicht, wie man aus seinen Erzählungen heraushörte. Nicht nur, dass es schwer war, von den Einheimischen anerkannt zu werden, er selbst konnte sie auch nicht wirklich verstehen.

der Blick auf die Kathedrale von Metz

der Blick auf die Kathedrale von Metz

„Nach meiner ersten Messe dachte ich, ich sei kaputt und hätte mein Handwerk verlernt!“ erzählte er, „Normalerweise konnte ich immer erstklassige Messen leiren, die die Menschen mitrissen und begeisterten.

Die Kirche in der Mosel

Die Kirche in der Mosel

Es war normal, dass man beim Gottesdienst in Rränen oder Jubelschreie ausbrach und jeder fieberte bei den Gebeten und Gesängen mit um die Verbindung zu Gott und Jesus tief zu spüren. Hier hingegen ist es, als hielte Man einen Vortrag vor einer Leichenhalle.

der Marktplatz von Metz

der Marktplatz von Metz

Die meisten Menschen schauen einen nicht einmal richtig an, sondern starren zu Boden, zählen die Dielenbretter an der Decke oder lesen irgendwelche Schriftzeichen die sie im Kircheninneren entdecken.“

Das Innere der Metzer Kathedrale

Auch Hochhäuser findet man in Metz

Heiko und ich mussten lachen. „Ja!“ sagte ich, „das ist das normale Verhalten vorn Europäern in der Kirche, das wirst du kaum verhindern können!“

Die Metzer Innenstadt mit Kathedrale und Brücke

Die Metzer Innenstadt mit Kathedrale und Brücke

Er lachte auch und meinte:. „Ja, inzwischen habe ich das auch verstanden und mache mir keinen Kopf mehr deswegen, aber die erste Male war es wirklich ein Schock!“

Opferkerzen in der Kathedrale von Metz

Opferkerzen in der Kathedrale von Metz

Spruch des Tages: Besuche niemals einen Ort zwei Mal, denn das frustriert nur.

Höhenmeter 36m / 17m / 80m / 10m

Tagesetappe: 15km / 17km / 16km / 15km

Gesamtstrecke: 27.809,27km

Etappenziel 1: Evangelisches Gemeindehaus, Bov, Dänemark

Etappenziel 2: Gemeindehaus der Kirche, Tnglev, Dänemark

Etappenziel 3: Gemeindehaus der Kirche, Uge, Dänemark

Etappenziel 4: Gemeindehaus der Kirche, Hjordkaer, Dänemark

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By | 2018-11-09T05:29:04+00:00 Mai 1st, 2018|Categories: Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Luxemburg, Niederlande, Tagesberichte|0 Comments

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