Tag 463: Die düsteren Geschäfte der Energiekonzerne

///Tag 463: Die düsteren Geschäfte der Energiekonzerne

Tag 463: Die düsteren Geschäfte der Energiekonzerne

Tag 463: Die düsteren Geschäfte der Energiekonzerne

… Fortsetzung von Tag 462:

Darüber hinaus gibt es zwischen der Bundesregierung und den Energiekonzernen sogenannte Externalisierungsverträge. Dies bedeutet: Der Kraftwerksbetreiber baut das Kraftwerk, liefert den Strom und streicht dafür die Gewinne ein. Alle entstehenden Folgekosten werden hingegen vom Steuerzahler getragen. Über Subventionen finanzieren wir auf diese Weise sogar den Kraftwerksbau, den Betrieb und die Instanthaltung. Der beste Clou sind jedoch die sogenannten Hermesbürgschaften. Diese sichern dem Kraftwerksbetreiber eine Gewinngarantie zu. Das bedeutet im Klartext: Sobald ein Termin festgelegt wurde, an dem ein neues Kraftwerk ans Netz geht, bekommt der Betreiber ab diesem Zeitpunkt sein Geld. Dabei ist es vollkommen egal, ob der Bau rechtzeitig fertiggestellt wurde oder nicht. Jeder Verdienstausfall, den das Kraftwerk aus irgendeinem Grund zu verbuchen hat, wird durch Steuergelder abgedeckt. Wenn also der Bau eines Kraftwerkes durch eine Bürgerinitiative verhindert oder zumindest verzögert wird, wird der dadurch entstandene Verdienstausfall von den Steuerzahlern übernommen. Einem Kraftwerksbetreiber ist es also vollkommen egal, ob er ungestört bauen kann, oder ob sich ein paar Tausend Demonstranten auf seiner Baustelle mit der Polizei prügeln. Er kann sich gemütlich in seine Villa zurückziehen und Wetten auf den Ausgang der Straßenschlachten abschließen. Er selbst gewinnt in jedem Fall. Wahrscheinlich macht es ihm sogar noch Spaß mitzurechnen, wie viel Geld die Demonstranten sich durch ihre Aktionen selbst kosten.

Doch nicht nur gegen die lästigen Bürgerrechtler sind die Kraftwerke abgesichert auch gegen Pannen und Unfälle, durch die ein Reaktor zeitweise vom Netz gehen muss. Und selbst mögliche Katastrophen, die einem Kraftwerk passieren können, das überhaupt nicht in Deutschland gebaut wird, sind dank der Hermesbürgschaften für den Betreiber kein Problem. Besonders seit dem Atomausstieg in Deutschland ist das besonders wichtig. Denn nur weil sich hierzulande die Kernkraft auf dem Rückzug befindet, heißt das ja nicht, dass die Betreiber ihre Arbeit deswegen einstellen. Im Gegenteil! Während die Medien voll mit Berichten und Plänen über die Abschaffung der Kernenergie in Deutschland sind, geht es der Atomindustrie im Hintergrund besser als je zuvor. Zurzeit sind zwischen 100 und 180 Kernkraftwerke deutscher Energieunternehmen in Planung oder im Bau. Nur eben nicht mehr in Deutschland, sondern irgendwo auf der Welt, wo die Menschen keinen Aufstand deswegen machen. Zum Beispiel in Brasilien. Hier entsteht gerade ein Atomkraftwerk, dass wieder aus irgendeinem Grund neben einer Millionenmetropole und mitten in ein Erdbebengebiet gebaut wird. Sicherheiten, dass das Kraftwerk je in Betrieb genommen werden kann und dass es, wenn es soweit ist, zu keinen dramatischen Pannen kommt, gibt es natürlich nicht. Der Bau wäre also wirtschaftlich betrachtet ein unkalkulierbares Risiko für die Betreiberfirma. Doch auch hier ist alles mit Hilfe einer Hermesbürgschaft abgesichert. Egal was schief geht, der Betreiber bekommt sein Geld auf jeden Fall.

Und dann bleibt schließlich noch die Entsorgung der abgebrannten Brennelemente. Da es bis heute kein Endlager dafür gibt, müssen sie zunächst einmal zwischengelagert werden und dies funktioniert aufgrund der Proteste nur mit jeder Menge Polizeischutz. Das alles ist so teuer, dass es sich für den Konzern nicht lohnen kann und somit werden auch diese Kosten wieder von den Demonstranten selbst übernommen. Hinzu kommen die Gelder, die das Forschen nach einem sicheren Endlager verschlingt. Eine Forschung, die seit nunmehr 50 Jahren ohne jedes Ergebnis bleibt. Wie sollte das auch anders sein? Wir suchen nach einem Lager, dass die strahlenden Abfälle für 1 Million Jahre sicher verwahrt, ohne dass ihnen irgendetwas zustoßen kann. Eine Million Jahre ist eine Zeitspanne, die wir uns nicht einmal im Ansatz vorstellen können. Die meisten Menschen bekommen schon eine Krise, wenn wir ihnen erzählen, dass wir für fünf Jahre um die Welt wandern wollen, einfach, weil ihnen diese Zeit so lang vorkommt, dass sie dazu keinen Bezug mehr haben. Es fällt uns schwer, Dinge zu planen, die weiter in der Zukunft liegen, als unser nächster Geburtstag und wenn etwas hundert Jahre dauert, dann ist es für uns das selbe, wie die Unendlichkeit. Wie also wollen wir etwas finden, das sicher für eine Million Jahre hält? Abgesehen davon wissen wir ganz genau, dass sich die Erde ständig verändert. Selbst die massivsten Gesteinsformationen bewegen sich ständig. Langsam zwar, aber doch schnell genug, so dass wir sicher wissen, dass es keine dreißig Jahre gutgehen würde. Hundert Jahre wären also bereits utopisch und eine Million Jahre sind absoluter Blödsinn. Es werden hier also Gelder für eine Frage ausgegeben, die völlig falsch gestellt ist. Und dass diese Ausgaben nicht von einem Energiekonzern getragen werden können, der auf seine Wirtschaftlichkeit achten muss, das sollte absolut klar sein. Nicht umsonst ist diese Angelegenheit eine politische und keine konzerninterne. Oder habt ihr schon einmal gesehen, dass sich der Chef von E.ON oder RWE den Kopf darüber zerbricht, wohin er mit dem ganzen Atommüll soll? Diejenigen, die sich zumindest scheinbar Gedanken darüber machen, sind die Politiker und dementsprechend sind auch die Entscheidungen für die Endlager politische und keine wissenschaftlichen. Gorleben beispielsweise wurde nicht deshalb als Endlager ausgewählt, weil es so besonders sicher ist, sondern weil es zur Zeit seiner Gründung so praktisch dicht an der Grenze zur DDR lag und somit niemanden störte, den man mochte. Für die Medien und auch für die Politik ist die Atommülllagerung seit Jahren ein wichtiges Thema. Für die Energiekonzerne spielt sie jedoch keine Rolle, denn rein rechtlich, sind sie dafür nicht verantwortlich.

Alles in allem gerechnet ist die Atomindustrie, wie wir sie betreiben also ein immenses Minusgeschäft. Nicht für die Betreiberfirmen, denn sie würden sicher keine Kernkraftwerke bauen, wenn es so wäre. Sie machen mit nur einem einzigen Kraftwerk rund eine Million Euro gewinn am Tag. Am Tag! Ich weiß nicht ob das so deutlich rüber kam, deswegen wiederhole ich es lieber noch einmal: Jedes Kernkraftwerk bringt dem Betreiber am Tag rund 1 Million Euro ein! Dafür lohnt es sich doch, so ein Ding zu bauen! Der Staat jedoch, der für alle Unkosten aufkommen muss, macht ein ordentliches Minusgeschäft mit der ganzen Sache. Und dies wiederum wirft eine Frage auf, die vielleicht noch wichtiger ist, als alle anderen, die wir bislang gestellt haben: Warum macht er das? Welches Interesse hat ein Staat daran, eine Technik zu finanzieren und zu subventionieren, die ihm nichts als Ärger einbringt, die sein Volk zumindest der offiziellen Meinung nach für Millionen von Jahren in Gefahr bringt und die, nach allem was man so hört, eigentlich keine Vorteile zu haben scheint?

Mehr für dich:
Tag 559: Traditionelles Frauenbild

Das gilt übrigens nicht nur in Deutschland, sondern für fast alle Regierungen der westlichen Zivilisation. Großbritannien war das erste Land, das nach dem Fukushima-Unglück wieder ein Atomkraftwerk baute. Es kostete mehrere Milliarden Euro und der größte Anteil davon wurde vom Staat übernommen. Ein weiterer Teil kam von einem Investor aus China. Vertraglich verpflichtete sich der britische Statt dazu, den Strom des Werkes nach dessen Fertigstellung für das doppelte des normalen Preises abzunehmen. Warum macht der Staat das? Wenn ich schon Milliarden in den Bau stecke, dann will ich doch zumindest im Nachhinein Vergünstigungen haben. Selbst die Staaten, in denen es überhaupt keine eigenen Atomkraftwerke gibt, sind auf irgendeine Art und Weise mit der Kernindustrie vernetzt. Norwegen beispielsweise hat keine eigenen Kraftwerke, besitzt aber Aktien der japanischen Betreibergesellschaften. Auch hier in Italien gibt es keine Atomkraftwerke, doch hier kauft der Staat seinen Atomstrom aus Frankreich und hat auf diese Weise irgendwie seine Finger mit im Spiel. Irgendetwas muss die einzelnen Staaten also dazu veranlassen, trotz aller Nachteile und Kosten unbedingt an der Kernenergie festhalten zu wollen.

Einer der Gründe ist wahrscheinlich die finanzstarke und äußerst effektive Atomlobby, sowie die Tatsache, dass im Energiebereich Politik und Wirtschaft stärker verwoben sind, als in fast allen anderen Branchen. Denn nicht nur in Japan wechseln die Spitzenpolitiker, die sich für die Interessen der Energiekonzerne einsetzen gerne zwischen ihrem politischen Amt und einem lukrativen Wirtschaftsposten hin und her. Einige der prominentesten Beispiele dafür sind Gerhard Schröder, Joschka Fischer, Wolfgang Clement, Georg Freiherr von Waldenfels, Joachim Lang und Werner Müller. Sie alle bekamen nach ihrer politischen Karriere Posten oder Aufträge von Energiekonzernen oder ihren Tochtergesellschaften. Das ist natürlich ein guter Grund, um sich dafür einzusetzen, dass die Konzerne möglichst viel Gewinn erwirtschaften können. Doch ist es der einzige Grund? Interessant ist an dieser Stelle auch, dass einige der genannten Politiker wie Gerhard Schröder und Joschka Fischer eigentlich eine Anti-Atom-Politik betrieben haben. Es war ihre Regierung, die den Atomausstieg beschlossen hat und somit hätten sie sich bei besagten Konzernen eigentlich sehr unbeliebt machen müssen. Doch wenn man genau hinschaut, dann geht es den Konzernen durch diese Geschlüsse keinen Deut schlechter. Im Gegenteil, durch die Bereitschaft, der Atomenergie den Rücken zu kehren, trugen sie viel dazu bei, ihre Weste wieder grün zu waschen und können nun schön Werbung mit nachhaltiger erneuerbarer Energie machen, während sie ihre Kraftwerke nun eben einfach im Ausland bauen. Die Vernetzung zwischen Politik und Wirtschaft ist hier also nicht ganz so oberflächlich, wie man zunächst annehmen darf und das legt auch die Vermutung nahe, dass der persönliche Vorteil einiger Politiker nicht der einzige Grund ist, warum sich der Staat auf den Deal mit der Atomkraftsubventionierung einlässt.

Fortsetzung folgt…

Spruch des Tages: Das Problem ist heute nicht die Atomenergie, sondern das Herz des Menschen. (Albert Einstein)

Mehr für dich:
Tag 217: Eingelegte Schweineohren

Höhenmeter: 5

Tagesetappe: 19 km

Gesamtstrecke: 8459,77 km

Wetter: sonnig,

Etappenziel: Gemeindehaus, 34079 Staranzano, Italien

Bewertungen:

 
Heiko Gärtner und Franz von Bujor sind ausgebildete Survivalexperten und Extremjournalisten. Seit 2014 wandern sie zu Fuß und ohne Geld um die Welt um auf diese Weise tiefe Einblicke in unsere Gesellschaft mit all ihren Facetten, Kulturen und Systemen zu bekommen. Als Medizinjournalisten sind sie unter anderem Mitglieder des Deutschen Fachjournalisten Verbandes und schreiben neben Artikeln für Blogs, Zeitungen und Magazine auch Sachbücher und Ratgeber. 2013 veröffentlichten sie gemeinsam ein Grundlagenwerk über Antlitzdiagnose mit dem Titel "Krankheiten auf einen Blick erkennen". 2016 folgte ihr zweites Werk "Die natürliche Heilkraft der Bäume". Dabei handelt es sich um ein Lehrbuch, um die Grundlagen der Naturheilung zu erlernen, wie sie seit Jahrtausenden von indigenen Völkern überall auf der Welt angewendet werden. Heiko Gärtner ist zudem gelernter Natur- und Landschaftspfleger, Wildnislehrer, Hochseilgartentrainer sowie Berg- und Höhlenretter. Nach seiner Ausbildung zum Versicherungsfachwirt leitete er unter anderem Motivation und Verkaufstrainings und übernahm später eine eigene Generalagentur. Aus dieser Zeit konnte er unter anderem auch ein umfangreiches Verständnis und Wissen aus den Bereichen Versicherungsrecht, Recht im Allgemeinen, Buchhaltung, Wirtschaftsmathematik und Unternehmensführung mitnehmen. Um mehr seinem Herzensweg zu folgen, gab er seine Büro-Karriere schließlich auf, um sich zum Survivalexperten, Nationalparkranger und Wildnismentor ausbilden zu lassen. In diesem Rahmen besuchte er unter anderem Naturvölker in Neuseeland, Kanada, den USA und Thailand. Dabei gründete er unter anderem seine eigene Wildnisschule, die bis heute besteht und Ausbildungen aus dem gesamten Wildnissektor anbietet. Franz von Bujor ist studierter Kultur- und Sozialpädagoge, sowie ausgebildeter Wildnislehrer, Mediator und Erlebnispädagoge. Auf seinen vielzähligen Reisen unter anderem nach Australien und Lateinamerika sammelte er Expertenwissen im Bereich alternatives Leben und Reisen, Minimalismus, Backpacking und Work and Travel, sowie allgemein im Bereich Kunst, Kultur, Religion und Geschichte. Seit 2016 lebt er als Wandermönch.

Schreibe einen Kommentar:

Translate »