Tag 535: Medjugorje – Teil 2

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Tag 535: Medjugorje – Teil 2

Tag 535: Medjugorje – Teil 2

Noch 27 Tage bis zum Treffen mit Paulina!

 

Fortsetzung von Tag 534:

Nachdem ich zurückgekehrt war, tauschten wir die Plätze. Ich passte nun auf unsere Wagen auf und Heiko streifte auf dem Kirchenplatz umher, um noch einige Bilder zu machen. Wenn wir schon einmal hier waren, dann sollten wir ja zumindest ein bisschen was gesehen haben. Ich verbrachte die Zeit damit, mich auszuruhen und ebenfalls die Menschen zu beobachten, ohne dass es dabei zu besonderen Begegnungen oder ähnlichem kam.

Als Heiko seine Tour beendet hatte, brachen wir auf, um noch einmal einen Bogen über den Kirchenplatz zu machen und dann den Ort in Richtung der Berge zu verlassen. Dabei fiel mein Blick auf ein kleines Häuschen neben der Kirche, vor dem ein Krankenwagen stand. Neben der Tür hing ein Schild mit der Aufschrift „Malteser“ sowie mit einer deutschen Flagge. Rettungsdienste hatten uns in der Vergangenheit schon öfter geholfen. Warum sollten wir es also nicht auch hier einmal versuchen.

„Hallo!“ riefen mir die beiden jungen Männer entgegen, die vor der Tür saßen, als ich mich dem Haus näherte. Ich grüßte zurück und fragte, ob sie Englisch oder Deutsch sprachen.

„Beides!“ antwortete der größere von ihnen, „Englisch und Deutsch, nur kein Bosnisch!“

Ich erfuhr, dass die beiden aus Deutschland kamen und hier nur für ein paar Wochen als freiwillige Ersthelfer arbeiteten.

„Oh,“ sagte ich, „wir kommen auch aus Deutschland! Allerdings zu Fuß. Und genau das führt mich zu euch. Wir hätten da nämlich eine Bitte…“

Die beiden entschieden, dass das eine Sache war, die der Einsatzleiter entscheiden musste und so baten sie mich herein. Ihr Chef telefonierte gerade, so dass wir etwas warten mussten.

„Möchtest du ein Glas Wasser?“ fragte der größere, der sich als Felix vorgestellt hatte. Es war fast ein bisschen irritierend, wie locker und angenehm hier alles war. Nach so langer Zeit in der wir keinen wirklich intensiven Kontakt mehr zu Menschen hatten, weil entweder die Sprachbarriere zu groß war oder das Interesse zu klein, machte es richtig Spaß wieder einmal jemanden zu treffen, bei dem man einfach locker, offen und frei sprechen konnte und bei dem man das Gefühl hatte, willkommen zu sein. Ich hatte noch nicht ganz ausgetrunken, da kam bereits der Einsatzleiter herein. Er hieß Ludger und war bereits 77 Jahre alt. Auch er arbeitete ehrenamtlich für die Malteser und kam bereits seit 10 Jahren hier her. Das wir hier übernachten können, sei selbstverständlich. Es gab sogar noch ein freies Doppelzimmer, dass wir nutzen konnten.

Nachdem wir unsere Wagen im Flur untergebracht hatten, wollten wir eigentlich gleich wieder los, um uns nun doch noch den Ort genauer anzuschauen. Doch so leicht kamen wir nicht wieder weg. Heiko fühlte sich zu sehr an seine eigene Zeit als Rettungshelfer bei der Bergwacht erinnert und war sofort begeistert dabei, die spannendsten Geschichten aus dieser Zeit zu erzählen.

Mit dem Treffen der Sanitäter änderte sich nun auch unser Bild von Medjugorje. Wenn wir sie nicht getroffen hätten, dann hätten wir den Pilgerort sicher mit einem frustrierten und mulmigen Gefühl verlassen, ohne dass wir je verstanden hätten, was hier eigentlich so besonderes sein soll. Nun aber bekamen wir eine zweite Chance, nicht nur was die Besichtigung des Ortes anbelangte, sondern auch für ein besseres Verständnis. Denn in zehn Jahren freiwilliger Hilfsarbeit hatten Ludger und seine Frau vieles über den heiligen Platz erfahren können und hatten ebenso viel selbst erlebt.

„Wenn ihr möchtet, könnt ihr auch gerne mit uns zu Abend essen!“ luden sie uns ein. Stefanie, die junge Dame am Empfang, wollte ihre berühmte Schinken-Sahne-Sauce machen, und die durften wir auf keinen Fall verpassen.

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Bevor wir an die Orte kamen, die Medjugorje ausmachten, mussten wir uns jedoch erst einmal durch noch mehr Tourismus wühlen. Wenn die Einheimischen eines verstanden hatten, dann war es, wie man Touristen ausnimmt, wie Weihnachtsgänse. Es gab nahezu keinen Ort, der nicht irgendwie vermarktet oder kommerzialisiert wurde. Selbst die kleinen Schleichwege, die mitten durch die Felder führten, waren in regelmäßigen Abständen von Souvenirbuden gesäumt. Erst jetzt verstanden wir, das Medjugorje selbst nur der Namensgeber für den ganzen Komplex war. Es war der Ort in der Mitte, in dem die große Kirche stand, die aber mit der Erscheinung selbst nicht viel zu tun hatte. Der Erscheinungsberg, lag ein gutes Stück außerhalb bei einem anderen Dorf, das heute ebenfalls fast nur noch aus Hotels bestand. Es war jenes Dorf, in das ich auf meinem Heimweg vom Schloss der Heiligen bereits ausversehen geraten war. Die Häuser, die vom ursprünglichen Ort noch übrig waren, waren wie in Medjugorje selbst größtenteils schäbig und heruntergekommen. Wo immer das viele Geld, das der Pilgertourismus hier einbrachte auch hinfloss, in die Häuser gesteckt wurde er nicht. Später fragten wir uns, ob es vielleicht sogar Absicht war, ob die Häuser vielleicht schäbig aussehen sollten, damit die Bereitschaft der Menschen, möglichst viel Geld für die armen Einheimischen hier zu lassen, erhalten blieb. Oder lag es vielleicht daran, dass die einnahmen wieder einmal nur in einige wenige Taschen flossen, während der Rest nur die Schattenseiten der Berühmtheit ihres Dorfes zu spüren bekam?

Völlig überraschend kamen wir zunächst an einer Hühnchenmast vorbei, die erst vor ein paar Jahren hier eröffnet worden sein konnte. Wer baute bitte eine Hühnchenmastanlage mitten in einen Pilgerort? Kurz darauf gelangten wir zu einer italienischen Gemeinschaft, von der uns die Malteser bereits erzählt hatten. Die Mönche und Nonnen betreuten hier vor allem Drogenabhängige, die den Entzug schaffen wollten. Zu ihrem Gemeinschaftsleben gehörte auch das Verrichten verschiedener Arbeiten, unter anderem die Hilfe beim Krankentransport gemeinsam mit den Maltesern. Als wir die Gemeinde erreicht hatten, wurde sie für Besucher jedoch gerade geschlossen, so dass wir sie uns nicht genauer anschauen konnten. Ein bisschen wunderte es mich eh, dass man sie überhaupt besichtigen konnte. Wenn ich ein Drogenanhängiger auf Entzug wäre, der sich für die Abgeschiedenheit in einem Kloster entschieden hat, dann wäre ich nicht allzu begeistert, wenn ich täglich 1000nde von Besuchern vor meiner Tür stehen hätte. Aber vielleicht bin ich da auch spießig. Auffällig war, dass uns vor allem viele Rollstuhlfahrer, bzw. Gehbehinderte aus der Gemeinde entgegenkamen. Es war also wohl ein Ort, an dem nicht nur Drogenabhängige Heilung und Erlösung suchten.

Wenige hundert Meter weiter kamen wir dann zu dem eigentlichen Ort, um den es hier ging: Den Erscheinungsberg. Dieser Platz war es, der Medjugorje überhaupt berühmt gemacht hatte.

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Vor etwas mehr als 30 Jahren hatten hier 6 Kinder eine Begegnung mit der Gottesmutter Maria gehabt. Im ersten Moment waren die sechs vollkommen erschrocken und Maria konnte rufen und beschwichtigen was sie wollte, die Kinder hatten einfach Angst und liefen weg.

Vier von ihnen fühlten sich später aber so sehr von der Erscheinung überwältigt, dass es sie noch einmal zum gleichen Berg hinzog. Sie brachen am nächsten Tag auf und begegneten der Maria erneut. Diesmal waren die vier jedoch darauf gefasst und hörten sich an, was die Erscheinung zu sagen hatte. Es war eine Botschaft des Friedens, oder besser gesagt, eine Aufforderung Frieden zu verbreiten. Dabei betonte sie, dass sowohl die Nachricht als auch der Platz nicht nur für die Kinder, sondern auch für alle Einheimischen und alle Pilger von großer Wichtigkeit waren. Insofern ist es gleich noch ein bisschen erstaunlicher, dass man für Pilger hier offensichtlich so wenig übrig hat.

Die vier Kinder berichteten im Dorf von ihrer Begegnung und der Botschaft und schon bald hatte sie sich sehr weit herumgesprochen. Da Herzegowina zu diesem Zeitpunkt kommunistisch war, waren Gottesbegegnungen von staatlicher Seite jedoch nicht allzu gerne gesehen. Alle sechs mussten sich mehrmaligen ärztlichen und psychiatrischen Untersuchungen unterziehen, die herausbringen sollten, ob die Kinder wirklich etwas gesehen hatten, oder ob sie schlicht und ergreifend nicht ganz dicht waren. Auch wenn sie es wahrscheinlich nicht allzu gerne taten, mussten die Ärzte dabei jedoch am Ende allesamt bescheinigen, dass keines der Kinder verrückt war. Der Pfarrer, der sich hinter die Kinder stellte und ihre Aussagen bekräftigte, musste jedoch für eineinhalb Jahre ins Gefängnis, obwohl vollkommen klar war, dass er nichts verbotenes getan hatte.

Auch in der folgenden Zeit und bis zum heutigen Tag erschien die Maria den vier Kindern, die ein zweites Mal aufgebrochen waren immer wieder. Die beiden anderen hatten hingegen keine Erscheinungen mehr. Die Botschaft des Friedens verbreitete sich jedoch immer weiter und gab vielen Menschen Hoffnung, die hierherkamen um selbst nach Frieden und Heilung zu suchen. In einer großangelegten Studie über Wunderheilungen im Zusammenhang mit christlichen Wallfahrtsorten, wurden in Medjugorje bereits 4000 Heilungen bestätigt. Irgendeine besondere Kraft muss der Ort also haben.

Um zum Erscheinungsberg zu gelangen muss man zunächst die Hauptstraße verlassen und zwischen einer Kirche und einem Hotel auf eine Nebenstraße abbiegen. Hier reihen sich die Souvenirläden mit Rosenkränzen und Marienstatuen noch dichter als sonst. Dazwischen leuchten einem die Cola-Automaten mit kalten Zuckergetränken entgegen. Am Ende der Straße beginnt ein steiniger, felsiger Hang, der steil nach oben führt. Auch hier stehen noch Frauen, die einem Obst oder kalte Getränke verkaufen wollen. In die Felsen hinein wurden dann zwei Altäre gebaut, vor denen einige Menschen auf großen Steinen saßen und beteten. Eine italienische Frau mit einem Smartphone am Ohr lief dahinter vorbei und unterhielt sich lauthals mit einer Person am anderen Ende der Leitung. Eine Sekunde später begann eine andere Frau laut zu schluchzen und zu weinen. Wir folgten dem Menschenschwarm nach oben und balancierten über die schroffen Felsen, die teilweise schon ganz blank poliert waren. Das musste man dem Ort lassen, dieser Teil war wirklich noch in seinem ursprünglichen Zustand erhalten geblieben. In Deutschland hätte man sicher bereits einen asphaltierten Fußweg hier hoch gebaut, da die Verletzungsgefahr einfach zu groß wäre. Hier sah man das lockerer. Wofür sonst hatte man schließlich die Malteser unten im Ort? Doch Unfallgefahr hin oder her, nur durch seine Ursprünglichkeit war der Platz noch der Kraftplatz der er war. Eine Straße oder auch nur ein Gehweg hätten ihn vollkommen zerstört und damit hätte Medjugorje alles verloren, was es als Ort des Friedens kennzeichnete.

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Oben an der Stelle der ersten Erscheinung stand eine Marienstatue. Rings herum standen die Menschen, schauten, redeten und beteten. Eine junge Frau kniete vor der Maria und hatte andächtig die Hände gefaltet. Was immer sie im Gebet auch sprach, sie meinte es ernst und es war ihr wirklich wichtig. Es war nicht einfach nur eine Show wie bei vielen anderen, die aufgeführt wurde um einen gläubigen Eindruck zu machen.

Im Hintergrund stand eine italienische Reisegruppe zusammen und hielt für sich selbst einen Gottesdienst ab. Irgendwie war es schon faszinierend, was die Menschen hier alles trieben und mit welchen Erwartungen sie hier herkamen. Eine junge Frau filmte das ganze Spektakel und machte ununterbrochen Fotos im Abstand von 30 Sekunden. Was sie damit erreichen wollte wurde uns nie ganz klar. Wir kletterten noch etwas höher auf die Felsen, bis wir ein gutes Stück oberhalb der Masse waren und setzten uns dann auf zwei große Steinblöcke. Unter uns lag Medjugorje nun wie ein Spielzeugdorf. Dahinter eröffnete sich das Tal und noch etwas dahinter ragten die Berge in den wolkenverhangenen Himmel. Einer von ihnen war so spitz, dass er wie eine ägyptische Pyramide wirkte. An dieser Stelle waren die Wolken nun etwas aufgerissen und einige Sonnenstrahlen traten daraus hervor, die Teile der Berge in ein mystisches Licht hüllten. Zum ersten Mal, seit wir in Medjugorje angekommen waren, fühlte es sich friedlich an. Hier konnte man sich plötzlich doch vorstellen, warum man dem Ort seine Kraft nachsagte.

Fortsetzung folgt…

 

 

Spruch des Tages: „Ich war schon oft draußen im Weltall!“ protzte der Kosmonaut, „aber ich habe weder Gott noch Engel gesehen!“ – „Und ich habe schon viele kluge Gehirne operiert“, antwortete der Gehirnforscher, „aber ich habe nirgendwo auch nur einen einzigen Gedanken entdeckt.“

Höhenmeter: 320m

Tagesetappe: 13 km

Gesamtstrecke: 9654,77 km

Wetter: sonnig und heiß

Etappenziel: Pfarrhaus, Dracevo, Bosnien und Herzegowina

Bewertungen:

 

About the Author:

Heiko Gärtner und Franz von Bujor sind ausgebildete Survivalexperten und Extremjournalisten. Seit 2014 wandern sie zu Fuß und ohne Geld um die Welt um auf diese Weise tiefe Einblicke in unsere Gesellschaft mit all ihren Facetten, Kulturen und Systemen zu bekommen. Als Medizinjournalisten sind sie unter anderem Mitglieder des Deutschen Fachjournalisten Verbandes und schreiben neben Artikeln für Blogs, Zeitungen und Magazine auch Sachbücher und Ratgeber. 2013 veröffentlichten sie gemeinsam ein Grundlagenwerk über Antlitzdiagnose mit dem Titel "Krankheiten auf einen Blick erkennen". 2016 folgte ihr zweites Werk "Die natürliche Heilkraft der Bäume". Dabei handelt es sich um ein Lehrbuch, um die Grundlagen der Naturheilung zu erlernen, wie sie seit Jahrtausenden von indigenen Völkern überall auf der Welt angewendet werden. Heiko Gärtner ist zudem gelernter Natur- und Landschaftspfleger, Wildnislehrer, Hochseilgartentrainer sowie Berg- und Höhlenretter. Nach seiner Ausbildung zum Versicherungsfachwirt leitete er unter anderem Motivation und Verkaufstrainings und übernahm später eine eigene Generalagentur. Aus dieser Zeit konnte er unter anderem auch ein umfangreiches Verständnis und Wissen aus den Bereichen Versicherungsrecht, Recht im Allgemeinen, Buchhaltung, Wirtschaftsmathematik und Unternehmensführung mitnehmen. Um mehr seinem Herzensweg zu folgen, gab er seine Büro-Karriere schließlich auf, um sich zum Survivalexperten, Nationalparkranger und Wildnismentor ausbilden zu lassen. In diesem Rahmen besuchte er unter anderem Naturvölker in Neuseeland, Kanada, den USA und Thailand. Dabei gründete er unter anderem seine eigene Wildnisschule, die bis heute besteht und Ausbildungen aus dem gesamten Wildnissektor anbietet. Franz von Bujor ist studierter Kultur- und Sozialpädagoge, sowie ausgebildeter Wildnislehrer, Mediator und Erlebnispädagoge. Auf seinen vielzähligen Reisen unter anderem nach Australien und Lateinamerika sammelte er Expertenwissen im Bereich alternatives Leben und Reisen, Minimalismus, Backpacking und Work and Travel, sowie allgemein im Bereich Kunst, Kultur, Religion und Geschichte. Seit 2016 lebt er als Wandermönch.

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