Tag 1202: Angst vor dem nächsten Schritt

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Tag 1202: Angst vor dem nächsten Schritt

Tag 1202: Angst vor dem nächsten Schritt

14.04.2017

Es gibt nun einen festen Termin für mein Ritual mit dem Branding. Oder einen relativ festen, denn die Dinge laufen hier sehr locker. Wir sollen am Dienstag oder Mittwoch irgendwann im Laufe des Tages in Worthing sein, trinken dann gemeinsam einen Tee und besprechen wie wir weiter vorgehen. Das Telefonat mit Quentin, dem Mann, der das Ritual durchführen wird, habe ich die letzten Tage immer wieder hinausgezögert. Natürlich waren es immer wieder gute Gründe, die einen Anruf verhindert haben, aber die Wahrheit ist, ich hatte Angst, es konkret zu machen. Heute Mittag haben wir bei einem Picknick noch einmal nachgetestet, wie sehr ich mich bereit fühle und wie sehr ich nun bereits davon überzeugt bin, mit dem Ritual wirklich den richtigen Schritt zu machen.

Mein Herz, meine Seele, mein Geist, mein Körper, meine Intuition, mein inneres Kind und mein höheres Selbst, sie alle stehen zu 100% hinter der Entscheidung. Nur mein Verstand bricht etwas aus der Rolle. Obwohl hier ein vollkommenes Verständnis besteht, versucht er noch immer zu 99,9% die Entscheidung abzuwenden. Ich spüre es auch deutlich. Vom Gefühl her weiß ich, dass es richtig ist, ich kann auch die Kraft spüren, die darin liegt, fühle den Medizinmann in mir, der durch diesen Schritt an die Oberfläche kommen will und wird und ich kann es als ein Geschenk annehmen. Aber die ganze Zeit über ist es, als säße mein Verstand in Form eines kleinen Mannes in meinem Kopf der wild mit den Armen wackelt und permanent „Aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaahhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh!“ schreit.

Kaum hatten wir darüber gesprochen, sorgte ich auch schon durch eine Fehlinterpretation meiner Karte dafür, dass wir irgendwo an einem ganz anderen Ende herauskamen, als wir eigentlich geplant hatten. So wanderten wir insgesamt noch einmal einen Umweg von rund acht oder neun Kilometer. Dabei kamen wir an einer Kirche vorbei, in der wir eine freundliche Dame trafen, die uns den Weg zurück in unsere Richtung zeigte. Sie war kurz davor zu fragen, ob wir hier nicht einen Schlafplatz bräuchten und von der Uhrzeit war es durchaus auch nicht verkehrt, bereits jetzt anzukommen. Doch als wir nach testeten war die Antwort eindeutig.

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Wir sollten weiter wandern bis zu dem Ort, der für heute für uns angedacht worden war. Denn tatsächlich hatten wir bereits einen Schlafplatz sicher. Wie immer in der Kirche und wie immer sollten wir einfach hineingehen und es uns gemütlich machen, bis jemand kommen und nach uns schauen würde. Der Kirchenvorsitzende von St. Michael, der uns gestern in unserem Heim betreut hatte, war heute in der Früh noch einmal mit dem Auto hinter uns her gefahren, um uns mitzuteilen, dass er mit seiner Kollegin aus unserem Zielort gesprochen hatte, dass sie uns erwarte und sich auf unsere Ankunft freue.

Gestern Abend hatten wir übrigens noch eine weitere lustige Begegnung. Wie bereits am Vorabend gab es eine Chorprobe, die lustigerweise von genau der gleichen Frau geleitet wurde, wie der letzte. Sie kannte uns also schon und da der Chor so kurz vor Ostern eine Sondersitzung hatte, die weniger aus Singen und mehr aus Essen bestand, wurden wir zur Chorverköstigung mit eingeladen. Es gab traditionelles „Fish and Chips“ von der Imbissbude. Dafür wurde im Mittelgang der Kirche ein Tisch aufgebaut, um den herum wir alle Platz nahmen. Dann saßen wir gemeinsam mit sechs älteren Damen vor dem Altar und aßen Fastfood mit Plastikgabeln direkt aus der Papiertüte. Man kann sagen, Kirche wird nicht überall gleich zelebriert.

Spruch des Tages: Aaaaaahhhhhhhhhhhh! (mein Verstand zum Thema rituelles Branding)

Höhenmeter: 350 m

Tagesetappe: 34 km

Gesamtstrecke: 22.084,27 km

Wetter: heiter bis wolkig und windig

Etappenziel: Kirche, Edburton, England

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About the Author:

Heiko Gärtner und Franz von Bujor sind ausgebildete Survivalexperten und Extremjournalisten. Seit 2014 wandern sie zu Fuß und ohne Geld um die Welt um auf diese Weise tiefe Einblicke in unsere Gesellschaft mit all ihren Facetten, Kulturen und Systemen zu bekommen. Als Medizinjournalisten sind sie unter anderem Mitglieder des Deutschen Fachjournalisten Verbandes und schreiben neben Artikeln für Blogs, Zeitungen und Magazine auch Sachbücher und Ratgeber. 2013 veröffentlichten sie gemeinsam ein Grundlagenwerk über Antlitzdiagnose mit dem Titel "Krankheiten auf einen Blick erkennen". 2016 folgte ihr zweites Werk "Die natürliche Heilkraft der Bäume". Dabei handelt es sich um ein Lehrbuch, um die Grundlagen der Naturheilung zu erlernen, wie sie seit Jahrtausenden von indigenen Völkern überall auf der Welt angewendet werden. Heiko Gärtner ist zudem gelernter Natur- und Landschaftspfleger, Wildnislehrer, Hochseilgartentrainer sowie Berg- und Höhlenretter. Nach seiner Ausbildung zum Versicherungsfachwirt leitete er unter anderem Motivation und Verkaufstrainings und übernahm später eine eigene Generalagentur. Aus dieser Zeit konnte er unter anderem auch ein umfangreiches Verständnis und Wissen aus den Bereichen Versicherungsrecht, Recht im Allgemeinen, Buchhaltung, Wirtschaftsmathematik und Unternehmensführung mitnehmen. Um mehr seinem Herzensweg zu folgen, gab er seine Büro-Karriere schließlich auf, um sich zum Survivalexperten, Nationalparkranger und Wildnismentor ausbilden zu lassen. In diesem Rahmen besuchte er unter anderem Naturvölker in Neuseeland, Kanada, den USA und Thailand. Dabei gründete er unter anderem seine eigene Wildnisschule, die bis heute besteht und Ausbildungen aus dem gesamten Wildnissektor anbietet. Franz von Bujor ist studierter Kultur- und Sozialpädagoge, sowie ausgebildeter Wildnislehrer, Mediator und Erlebnispädagoge. Auf seinen vielzähligen Reisen unter anderem nach Australien und Lateinamerika sammelte er Expertenwissen im Bereich alternatives Leben und Reisen, Minimalismus, Backpacking und Work and Travel, sowie allgemein im Bereich Kunst, Kultur, Religion und Geschichte. Seit 2016 lebt er als Wandermönch.

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