Tag 530: Der rote und der blaue See

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Tag 530: Der rote und der blaue See

Tag 530: Der rote und der blaue See

Wir sind wieder in Bosnien. Vor ein paar Stunden haben wir die Grenze überquert, was reibungslos und ohne besondere Zwischenfälle von Stätten ging. Der Grenzübergang wär beeindruckend schäbig und schien noch halb im Bau zu sein. Eigentlich wollten wir uns deswegen Beschweren und fragen, ob sie in der Nähe nicht vielleicht noch einen schöneren Grenzübergang hätten. Wir ließen es dann aber doch bleiben, zum einen, weil wir hier ja nicht einziehen wollten und zum anderen, weil uns eh niemand verstanden hätte.

Kurz hinter der Grenze gab es eine Art Kloster, das jedoch bis auf zwei Männer vollkommen verlassen war. Beide behaupteten, selbst nichts entscheiden zu können und hatten auch keine Lust jemanden zu suchen, der das konnte. Einer behauptete der Pfarrer sei verreist, der andere meinte, er würde schlafen. Wahrscheinlich stimmte weder das erste, noch das zweite. Auf jeden Fall bedeutete es, dass es für uns hier trotz mehrerer leerstehender Räume und Hallen keinen Platz gab. Dafür fanden wir einige Kilometer weiter eine schöne grüne Wiese abseits der Straße, auf der wir unser Zelt aufbauten. Innen war es jedoch noch zu heiß also setzten wir uns in den Schatten eines Baumes und machten ein richtiges Picknick, mit ausgebreiteten Halstüchern als Decke und mit lauter verschiedenen Leckereien, die wir zuvor von einigen Anwohnern bekommen hatten. Anschließend legten wir uns zurück und sahen den Wolken dabei zu, wie sie über den Himmel zogen. Ich hatte ganz vergessen, wie schön das war. Es ist schon verrückt, wie viel Schönheit das Leben einem bietet und trotzdem hat man ständig das Gefühl, dass irgendetwas anders oder besser sein müsste. An sich sollte nichts leichter sein, als das Leben zu genießen. Warum also fällt uns das so schwer?
Kurz bevor wir die Grenze erreicht hatten, wurden wir von einer älteren Dame auf ein Getränk auf ihre Terrasse eingeladen. Dabei erzählte sie uns auch von zwei Seen, die hier ganz in der Nähe sein sollten und die wir uns unbedingt schauen mussten. Da sie oben am Berg lagen und außerdem hinter einer Stadt, durch die wir bereits gewandert waren, steckte sie uns kurzerhand in ihr Auto und fuhr uns hin.

Zunächst erreichten wir den blauen See, der seinen Namen nicht zu Unrecht bekommen hatte. Inmitten eines tiefen Kraters leuchtete sein Wasser tiefblau. Laut einem Schild war er etwa hundert Meter breit und gute hundertfünfzig Meter tief. Im Moment hatte er allerdings einen extrem niedrigen Wasserstand. anhand der Linien in den Felsen konnte man erkennen, dass er normalerweise gute 10 bis 15 Meter Höher war.

Der rote See war ebenfalls ein Kratersee. Er war noch kleiner und noch tiefer und das Gestein der Felsen leuchtete ebenso rot, wie das Wasser blau. Unsere Führerin erzählte uns, dass vor einiger Zeit Forscher aus Deutschland und China den See erkundet hatten. Sie waren hinunter getaucht, bis in einen Schacht, der am Grund des Sees noch weiter nach unten und leicht zur Seite reichte. mehr als zwei Kilometer waren die Forscher darin vorgedrungen, ohne dass sie ein Ende ausmachen konnten. Die Chinesen hatten dabei jedoch berichtet, am Ende wieder Licht gesehen zu haben. Leider hatte ihre Technik nicht ausgereicht um herauszufinden, woher es kam. Das Geheimnis dieses Sees konnte also bis heute nicht gelüftet werden.

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Als letztes Abschiedsgeschenk von Kroatien bekamen wir von einem Obsthändler eine komplette Kiste mit Pfirsichen, die wir einfach bei Heiko auf den Wagen stellten. Alle paar Minuten konnten wir dann einen frischen, saftigen Pfirsich herausnehmen. Gott, ist das ein Unterschied zu gepökeltem Schweinespeck!

Spruch des Tages: Es geht nichts über frisches, saftiges Obst!

Höhenmeter: 120m

Tagesetappe: 17 km

Gesamtstrecke: 9564,77 km

Wetter: sonnig und heiß, abends leichte Anwallungen eines Gewitters

Etappenziel: Grüne Wiese, kurz vor Drinovci, Bosnien und Herzegowina

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About the Author:

Heiko Gärtner und Franz von Bujor sind ausgebildete Survivalexperten und Extremjournalisten. Seit 2014 wandern sie zu Fuß und ohne Geld um die Welt um auf diese Weise tiefe Einblicke in unsere Gesellschaft mit all ihren Facetten, Kulturen und Systemen zu bekommen. Als Medizinjournalisten sind sie unter anderem Mitglieder des Deutschen Fachjournalisten Verbandes und schreiben neben Artikeln für Blogs, Zeitungen und Magazine auch Sachbücher und Ratgeber. 2013 veröffentlichten sie gemeinsam ein Grundlagenwerk über Antlitzdiagnose mit dem Titel "Krankheiten auf einen Blick erkennen". 2016 folgte ihr zweites Werk "Die natürliche Heilkraft der Bäume". Dabei handelt es sich um ein Lehrbuch, um die Grundlagen der Naturheilung zu erlernen, wie sie seit Jahrtausenden von indigenen Völkern überall auf der Welt angewendet werden. Heiko Gärtner ist zudem gelernter Natur- und Landschaftspfleger, Wildnislehrer, Hochseilgartentrainer sowie Berg- und Höhlenretter. Nach seiner Ausbildung zum Versicherungsfachwirt leitete er unter anderem Motivation und Verkaufstrainings und übernahm später eine eigene Generalagentur. Aus dieser Zeit konnte er unter anderem auch ein umfangreiches Verständnis und Wissen aus den Bereichen Versicherungsrecht, Recht im Allgemeinen, Buchhaltung, Wirtschaftsmathematik und Unternehmensführung mitnehmen. Um mehr seinem Herzensweg zu folgen, gab er seine Büro-Karriere schließlich auf, um sich zum Survivalexperten, Nationalparkranger und Wildnismentor ausbilden zu lassen. In diesem Rahmen besuchte er unter anderem Naturvölker in Neuseeland, Kanada, den USA und Thailand. Dabei gründete er unter anderem seine eigene Wildnisschule, die bis heute besteht und Ausbildungen aus dem gesamten Wildnissektor anbietet. Franz von Bujor ist studierter Kultur- und Sozialpädagoge, sowie ausgebildeter Wildnislehrer, Mediator und Erlebnispädagoge. Auf seinen vielzähligen Reisen unter anderem nach Australien und Lateinamerika sammelte er Expertenwissen im Bereich alternatives Leben und Reisen, Minimalismus, Backpacking und Work and Travel, sowie allgemein im Bereich Kunst, Kultur, Religion und Geschichte. Seit 2016 lebt er als Wandermönch.

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