Tag 843: Der See in den Felsen

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Tag 843: Der See in den Felsen

Tag 843: Der See in den Felsen

08.04.2016

Am Abend bekamen wir noch Besuch vom Bürgermeister. Er war ein junger Mann, der es sich zur Aufgabe gemacht hatte, seinen Ort bekannter und beliebter zu machen. Es freute ihn aufrichtig, dass wir hier waren und er bat uns, die Nachricht zu verbreiten, das Xirolimni ein gastfreundlicher Ort war. Vor einiger Zeit hatte er sogar selbst ein Schild mit „Welcome“ an den Ortseingang gehängt, um Reisenden zu zeigen, dass sie hier wirklich gerne gesehen waren. Er war sich nur nicht sicher, ob das alleine wirklich reichte, um es jedem klar zu machen. Aber er hatte Recht. Der kleine Ort war vielleicht nicht der allerschönste, den wir in Griechenland besucht hatten, aber einer der gastfreundlichsten war er auf jeden Fall. Und das schienen die Menschen zu spüren, denn wir waren nicht die ersten Langzeitreisenden, die hier eine Zwischenstation eingelegt hatten. Vor einiger Zeit waren zwei französische Radwanderer vorbei gekommen und hatten im gleichen Raum übernachtet wie wir nun. Wenn ihr euch den Ort und seine Geschichte einmal genauer anschauen wollt, dann könnt ihr ja einmal einen Blick auf die Homepage unseres Gastgebers werfen: www.xirolimni.blogspot.gr

Auch der Bürgermeister versorgte uns noch einmal mit Nahrung. Neben Wurst und Käse war vor allem ein Berg an Chips dabei, was uns besonders freute. Wir hatten in den letzten Tagen stets genug zu essen gehabt, aber ein wirkliches Highlight war nur selten dabei gewesen und nun hatten wir wieder etwas, worauf wir uns freuen konnten. Zunächst aber kamen wir noch etwas tiefer ins Gespräch und erfuhren dabei einige interessante Fakten über Griechenland.
Seit die Wirtschafts- und Bankenkrise in diesem Land begonnen hatte, hatten sich wirklich einige Dinge für die Bevölkerung stark verändert. Die Griechen waren immer ein Partyvolk gewesen, dass es liebte zu feiern. Die Bars in Thesaloniki hatten sieben Tage die Woche fast rund um die Uhr geöffnet und waren immer voll gewesen. In den letzten Jahren hatte sich dies immer mehr gewandelt. Zunächst kürzten sich die Öffnungszeiten, dann blieben die Türen an ganzen Tagen geschlossen. Schließlich hatten sie nur noch Freitags und Samstags geöffnet, dann nur noch Samstags und heute sind die meisten von ihnen gänzlich geschlossen. Dass die Gehälter durch die neuen Auflagen der EU drastisch gekürzt wurden, haben wir ja bereits zuvor gehört. Doch das war noch nicht alles. Mit einer griechischen EC-Karte konnte man nun nicht mehr unbegrenzt am Automaten sein Geld abholen. Es wurde rationiert. Heute liegt das Limit bei etwa 400€ in der Woche, zuvor war es sogar noch drastischer. Noch überraschter waren wir jedoch, als wir hörten, dass Griechenland sogar für die meisten Online-Shoping-Seiten gesperrt war. Amazon, ebay und der gleichen mehr gab es nicht auf Griechisch. Man konnte hier also nur die amerikanischen oder britischen Seiten nutzen und die waren für Griechen gesperrt. Wer im Internet etwas bestellen wollte, der musste sich eine auslängische Kreditkarte besorgen seine Bestellungen über diese abrechnen. Als Sendeadresse war Griechenland in Ortnung, nur eben nicht als Rechnungsadresse.
Durch die Flüchtlingssituation sind nun noch einige Probleme hinzu gekommen. Die Angst der Menschen bezieht sich nicht nur auf den Terrorismus, sondern auch auf die Religion. Ich weiß nicht, wie sie es hinbekommen haben, den Menschen diese Panik in den Kopf zu setzen, aber viele glauben wirklich, dass es durch die Einreise der muslimischen Flüchtlinge zu einer zwangsbekehrung kommt, durch die der orthodoxe Glaube aus Griechenland verschwindet. Unter den Menschen, die dies für ausgekochten Schwachsinn halten, finden sich jedoch auch hier ausreichend Freiwillige, die die Flüchtlinge unterstützen. Ganz hier in der Nähe befindet sich ein Auffanglager, in dem die Flüchtlinge verweilen können, bis es eine Möglichkeit gibt, ihre Reise fortzusetzen. Seit Mazedonien die Grenzen für Flüchtlinge geschlossen hat, ist dies jedoch leichter gesagt als getan, denn es gibt kaum noch eine Möglichkeit der Weiterreise. Die Hintergründe für ihren Reisestopp bleiben den meisten Flüchtlingen jedoch verborgen. Sie verstehen nur, dass dass es griechische Menschen sind, die sie nicht weiter lassen und glauben daher oft, dass es die Helfer sind, die sie aufhalten wollen. Dadurch kam es immer wieder zu Ausschreitungen und Demonstrationen, die auf beiden Seiten für Unmut sorgten. Die ganze Situation wird also immer mehr zu einem Pulverfass und es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis es zu einer Explosion kommt.

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Unsere Wanderung heute war wieder bedeutend schöner als die von gestern. Der Weg führte uns durch ein flaches, steppiges Tal und über eine Hügelkuppe an einem verlassenen Militärgelände vorbei. In unserem Zielort trafen wir wieder auf den Bürgermeister, der dieses Mal jedoch kein Englisch sprach. Es dauerte eine Weile, aber dann bekamen wir einen kleinen Raum in der Umkleidekabine des Fußballplatzes. Zuvor wurden wir von der Familie des Bürgermeisters zum Essen eingeladen und anschließend schauten wir uns noch einen kleinen See an, der mitten in einem Felsrondell versteckt lag. Die Felsen leuchteten bund in allen Farben, weil sie voll von Mineralien waren. An einer Seite waren sie gelb, an der anderen rot und an der dritten grün. So eine Farbenpracht im Gestein hatten wir bislang nur selten zu Gesicht bekommen.

Spruch des Tages: Die schönsten Farben sind doch die Farben der Natur.

Höhenmeter: 70 m
Tagesetappe: 15 km
Gesamtstrecke: 14.894,27 km
Wetter: sonnig mit orkanartigem Sturm
Etappenziel: Zeltplatz vor einem verlassenen Jugendheim, 61100 Mandres, Griechenland

Hier könnt ihr uns und unser Projekt unterstützen. Vielen Dank an alle Helfer!

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About the Author:

Heiko Gärtner und Franz von Bujor sind ausgebildete Survivalexperten und Extremjournalisten. Seit 2014 wandern sie zu Fuß und ohne Geld um die Welt um auf diese Weise tiefe Einblicke in unsere Gesellschaft mit all ihren Facetten, Kulturen und Systemen zu bekommen. Als Medizinjournalisten sind sie unter anderem Mitglieder des Deutschen Fachjournalisten Verbandes und schreiben neben Artikeln für Blogs, Zeitungen und Magazine auch Sachbücher und Ratgeber. 2013 veröffentlichten sie gemeinsam ein Grundlagenwerk über Antlitzdiagnose mit dem Titel "Krankheiten auf einen Blick erkennen". 2016 folgte ihr zweites Werk "Die natürliche Heilkraft der Bäume". Dabei handelt es sich um ein Lehrbuch, um die Grundlagen der Naturheilung zu erlernen, wie sie seit Jahrtausenden von indigenen Völkern überall auf der Welt angewendet werden. Heiko Gärtner ist zudem gelernter Natur- und Landschaftspfleger, Wildnislehrer, Hochseilgartentrainer sowie Berg- und Höhlenretter. Nach seiner Ausbildung zum Versicherungsfachwirt leitete er unter anderem Motivation und Verkaufstrainings und übernahm später eine eigene Generalagentur. Aus dieser Zeit konnte er unter anderem auch ein umfangreiches Verständnis und Wissen aus den Bereichen Versicherungsrecht, Recht im Allgemeinen, Buchhaltung, Wirtschaftsmathematik und Unternehmensführung mitnehmen. Um mehr seinem Herzensweg zu folgen, gab er seine Büro-Karriere schließlich auf, um sich zum Survivalexperten, Nationalparkranger und Wildnismentor ausbilden zu lassen. In diesem Rahmen besuchte er unter anderem Naturvölker in Neuseeland, Kanada, den USA und Thailand. Dabei gründete er unter anderem seine eigene Wildnisschule, die bis heute besteht und Ausbildungen aus dem gesamten Wildnissektor anbietet. Franz von Bujor ist studierter Kultur- und Sozialpädagoge, sowie ausgebildeter Wildnislehrer, Mediator und Erlebnispädagoge. Auf seinen vielzähligen Reisen unter anderem nach Australien und Lateinamerika sammelte er Expertenwissen im Bereich alternatives Leben und Reisen, Minimalismus, Backpacking und Work and Travel, sowie allgemein im Bereich Kunst, Kultur, Religion und Geschichte. Seit 2016 lebt er als Wandermönch.

One Comment

  1. Patrick 4. Mai 2016 at 7:18 - Reply

    Ich habe keine Ahnung, was Ihr von Deutschland mitbekommt, aber dort gibt es aehnliche Ansichten ueber Fluechtlinge. Fuehrungspersonen der neuen Partei AfD haben in den Raum geworfen, im Zweifelsfall Schusswaffen gegen Kinder zu nutzen. Ein anderer spricht von einem Deutschland von 1000 Jahren…. Es gibt reichlich schockierendes ueber diese Partei. Die Partei sorgt fuer Interesse mit solchen Aussagen und sagt nachdem etwas von Presse hinterfragt wurde einfach, es sei ihnen in den Mund gelegt worden oder es sei ein Versehen gewesen. Das waere vielleicht nur halb so schlimm, aber die Partei bekommt bei Landtagswahlen durchaus 15 %. Schaut Euch mal die Facebookseiten von deren Fuehrung an. Es koennte wichtig sein, da ich als Deutscher hier in Irland auch schon mal darauf angesprochen worden bin, ob wir wieder aufruesten wollen wuerden.

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