Tag 12: Vom Regen durchnässt

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Tag 12: Vom Regen durchnässt

Tag 12: Vom Regen durchnässt

Bei Nacht wirkte das alte Kloster nochmals um einiges imposanter als es das schon am Tag getan hatte. Die große Kirche wurde majestätisch angestrahlt und die Bäume, die noch immer mit Sternen verziert waren, verbreiteten ihre ganz eigene Stimmung.

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Heute morgen lag das Kloster dann wieder im Nebel und weckte in uns das Gefühl, als Protagonisten durch einen mittelalterlichen Film zu laufen. Vom hinteren Klostertor führte uns unser Weg über einen schmalen Pass den Berg hinauf. Das Schild mit der Aufschrift „Vorsticht Steinschlag! Betreten auf eigene Gefahr!“ war offenbar wirklich ernst gemeint. Mehr als einmal mussten wir unsere Wägen über herabgefallene Felsbrocken heben. Am Ende des Pfades erreichten wir eine Anhöhe. Hier wurden wir von der Morgensonne und den interessierten Blicken der Mitarbeiter eines Callcenters empfangen. Die jüngeren Angestellten schauten dabei nur kurz und möglichst unauffällig aus dem Fenster, um nicht vom Chef erwischt zu werden. Die älteren hingegen kümmerten sich nicht im Geringsten um die Meinung irgendeines Chefs und standen zum Teil sogar auf, um uns vom Fenster aus genauer zu beobachten. Dabei winkten sie uns freundlich zu. Ganz offensichtlich zählte sich die Sonne jedoch auch eher zu den jüngeren Mitarbeitern, denn nach dem kurzen verstohlenen Blick auf dieser Anhöhe, versteckte sie sich für den Rest des Tages.

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Im weiteren Verlauf hatten wir heute wieder das gleiche trüb-graue Nebelwetter wie gestern. Noch immer wirkte es genauso gespenstisch und mystisch wie gestern aber Gemütlichkeit wollte dabei trotzdem nicht aufkommen. Zumindest nicht, bis wir an einen Brathähnchenstand vorbeikamen, der uns mit je einem halben Hähnchen versorgte. Auf die Gefahr hin, jeden damit zu langweilen, dass ich nur übers Essen schreiben, muss ich an dieser Stelle trotzdem nochmal erwähnen, wie unwahrscheinlich lecker dieser Mittagsimbiss war! Vollkommen durchgefroren, aber satt, glücklich und mit neuer Energie machten wir uns wieder auf die Socken.

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Der Boden war zum Teil stark vereist und fast alle Pfützen waren gefroren. Wir entwickelten eine kindliche Freude daran, die dünne Eisschicht mit unseren Füßen oder den Wagenrädern zum Knacken zu bringen. Schön was einen alles Erfreuen kann, wenn man entspannt ist. Kurz vor Widdern, dem vorletzten Ort auf unserer heutigen Etappe, trafen wie eine junge Frau, die mit ihrem Hund Gassi ging. Sie schien recht fasziniert von unserer Lebensweise, meinte aber, dass sie selbst eher der sesshaftere Typ wäre. Ihre genauen Worte waren dabei: „Ich bin hier geboren und aufgewachsen und wahrscheinlich werde ich hier auch sterben!“ Ganz glücklich klang sie dabei allerdings nicht. Möckmühl, unsere heutige Tagesetappe, sei nach ihren Angaben nur noch ein Katzensprung entfernt und wir freuten uns schon darauf, dem nasskalten Wetter zu entfliehen und den Nachmittag unter der heißen Dusche eines Gemeindezentrums zu verbringen. Der Wegweiser an der nächsten Biegung behauptete jedoch etwas ganz anderes: Möckmühl 6,9km. Das war nicht unbedingt ein Katzensprung. Der Wegweiser an der übernächsten Biegung erzählte uns sogar etwas von 9km. Entweder liefen wir also in die verkehrte Richtung oder niemand hier hatte eine Ahnung was Entfernungen betrifft. Leider mussten wir feststellen, dass tatsächlich der letzte Wegweiser Recht behalten sollte. Wir waren zwar wirklich nur noch einen Ort entfernt, aber nur deswegen, weil das Land dazwischen einfach unbesiedelt war. Stattdessen gab es eine Autobahn, die mit einer überdimensionierten Betonbrücke  über das ansonsten idyllische Tal führte. Mit Stille und Harmonie war es also erst mal vorbei. Da half auch das Schild mit der Aufschrift: Willkommen auf einer der schönsten Abschnitte des Jagst-Wanderweges“ nichts. Auch wenn es ein netter Versuch war.

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Als vor uns im Nebel die ersten Wanderer auftauchten schöpften wir neue Hoffnung. Es fühlte sich so an, wie wenn einem auf hoher See die ersten Möwen begegnen. Weit konnte es jetzt nicht mehr sein. Die Menschen, denen wir begegneten waren freundlich uns interessiert und zwei mal kamen wir nicht umhin uns so lange festzuquatschen, bis wir und vor Kälte kaum mehr bewegen konnten. Auf dem letzten Stück bis zum Ortseingang wurden wir dann von zwei Nordic-Walkerinnen begleitet, die uns als Übernachtungsort das evangelische Gemeindezentrum empfahlen. Siglinde, die eine von ihnen, erzählte uns auch, dass sie im September einen Urlaub in Rom unternehmen würde. Vielleicht treffen wie sie dort wieder, denn ungefähr zu dieser Zeit müssten auch wir dort ankommen.

Jetzt kamen wir jedoch erst einmal nach Möckmühl, wo sich unsere Schlafplatzsuche als deutlich schwieriger entpuppte, als wir angenommen hatten. Die kleine Stadt hatte zwar 3 Kirchengemeinden, aber keine davon war leicht zu finden. Während Heiko auf unsere Wägen aufpasste, fragte ich im Rathaus nach der Adresse des evangelischen Pastorenehepars. Die freundliche Dame an der Information erklärte mir, dass diese außerhalb wohnten und gab mir die Telefonnummer. Sie waren jedoch nicht erreichbar und so wandten wir uns an den katholischen Pfarrer. Wenn es denn gar nicht anders ginge, hätte er zwar einen Schlafplatz für uns, allerdings in einem ungeheizten Gebäude ohne Dusche und Kochmöglichkeit. Also musste die dritte Gemeinde ran. Dies war eine freue evangelische Kirche, von der es auch irgendwo eine Telefonnummer geben musste, wenn man denn nur wüsste wo…

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Als wir schließlich die Zusage für eine Übernachtungsmöglichkeit in der freuen Gemeinde hatten, war seit meinem Betreten des Rathauses bereits eine Stunde vergangen. Heiko, der die Zeit auf dem Rathausplatz verbracht hatte, auf dem es inzwischen regnete, war darüber nur bedingt begeistert. Seine Zehen waren bereits zu Eisklumpen gefroren und die nasse Kälte war bis tief unter seine Regenkleidung gekrochen. Das Süßgebäck, dass mir die Rathausinformationsdame geschenkt hatte, konnte ihn allerdings wieder etwas aufmuntern.

Der Deal mit Lisa, unserer Kontaktfrau von der freien evangelischen Kirchengemeinde war folgender gewesen: Wir treffen uns zwischen 17:00 und 18:00 Uhr in der Mediathek neben dem Rathaus. Unsere Sachen können wir so lange dort unterstellen und uns dann bis dahin noch die Stadt anschauen. Die Frauen am Empfang der Mediathek waren nicht ganz so begeistert von diesem Plan, als sie unsere sperrigen, verschlammten und nassen Wanderkarren sahen. Aber ausgemacht war ausgemacht. Wir nutzten die Zeit um ein paar Fotos von der schönen Altstadt zu machen und um uns etwas zum Essen zu besorgen. Wir entschieden uns diesmal für Döner und Fragten im Dönerhaus am Altstadtrand. „Mh,“ antwortete der Mitarbeiter, „der Cheff ist nicht da, was machen wir den da? Was machen wir nur, was machen wir nur… Ah, wie wär´s mit einem Döner? Ihr müsst ihn euch aber teilen!“ Damit waren wir einverstanden.

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Da wir noch einiges an Zeit und Hunger hatten und eine gute halbe Stunde später zu einem anderen Dönerstand kamen, fragten wir auch dort. Hier bekamen wir sogar jeder einen. Der Besitzer erzählte uns, dass er selbst auch vor hatte, eine Weltreise zu machen. Jedoch nicht zu Fuß, sondern mit dem Wohnmobil. Er fragte uns nach Tipps und nach Dingen, die man beachten sollte, wenn man sich auf so ein Abenteuer einließ.

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Wieder an der Mediathek trafen wir uns mit Lisa, die genauso überrascht über unser großes Reisegepäck war, wie zuvor die Mediatheksdamen. Sie hatte uns eigentlich mit dem Auto fahren wollen, aber da die Wägen dort nicht hinein passten, mussten wir wohl oder übel zu Fuß laufen. Dafür lud sie uns jedoch zu sich nach Hause ein. Wir fügten unserer heutigen Gesamtkilometerzahl also noch zwei weitere hinzu, die uns ausgerechnet in genau die Richtung führten, aus der wir gekommen waren. Inzwischen war der Regen so stark geworden, dass wir bereits nach kurzer Zeit völlig durchnässt waren. Unsere Regenjacken hielten zwar dicht, aber unsere Hosen waren eher nicht Regenfest. Ungünstiger Weise sah der Weg auf der Karte deutlich leichter aus, als er es in Wirklichkeit war und so irrten wir noch gut eine Stunde in der regennassen Nacht umher, bis wir schließlich vor der Haustür unseres Vertrauens standen. Lisa erleichterte uns um unsere nassen Jacken und bat uns begossene Pudel ins warme Innere. Hier lernten wie bei einem heißen Tee Lisas Schwiegermutter kennen. Sie hieß praktischer Weise auch Lisa und wirkte mit ihren fast 94 Jahren rüstiger als manch einer in unserem Alter.

Spruch des Tages: Lass den Kopf nicht hängen, auch wenn du nen dreckigen Hals hast! (Zitat von Oma Lisa)

Tagesetappe: 23 km

Gesamtstrecke: 257,37km

Bewertungen:

 
2016-05-29T18:41:31+00:00 Deutschland, Tagesberichte|

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2 Comments

  1. short prom dresses 24. Januar 2014 at 11:37 - Reply

    Your article is a great piece of informational content I can really understand. You have done a really great job with making your points clear. I agree with many points in your content. Thank you.

  2. tabletki na odchudzanie 16. Februar 2014 at 2:11 - Reply

    Kto chce schudnac powinien kupic najskuteczniejsze tabletki na odchudzanie Thermacuts. Efekty sa zdumiewajace juz po miesiacu mozna zrzucic nawet 6kg

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