Tag 763: Glycerin als Ursache von Parkinson

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Tag 763: Glycerin als Ursache von Parkinson

Tag 763: Glycerin als Ursache von Parkinson

Unser Besuch in der Flachebene währte dieses mal nur sehr kurz. Heute ging es schon wieder in die Berge, zunächst nur langsam, dann immer Steiler. Wir kamen durch unendliche Olivenwälder, die fast komplett mit riesigen Netzen ausgelegt worden waren. Nachdem wir durch Antonio vom Oliven-Lepra erfahren hatten, achteten wir heute einmal genauer darauf. Keine einzige Olive, die auf den Netzen lag war verwertbar. Alle waren schrumpelig, eingefallen und verstrocknet. Es musste enorm viel Geld und Zeit gekostet haben, die Netze unter den Bäumen aufzuspannen. Do wofür? Für einen Berg voll wertloser Trockenoliven und eine Handvoll gesunder Früchte, die kaum genug Öl für nur eine einzige Flasche ergaben? Wie sollte sich das rechnen? Es war natürlich denkbar, dass die guten Oliven noch alle am Baum hingen und erst später hinab fielen, doch wenn das so war, dann stellte sich noch immer die Frage, warum man die Netze bereits jetzt ausgelegt hatte. Hätte man noch gewartet, bis überhaupt eine Chance bestand, das gute, reife Oliven auf ihnen landen konnten, dann hätte man sich zumindest einen Großteil der Arbeit gespart, die man nun zum Aussortieren brauchte.

Wenn man sich die Felder einmal genauer ansah, dann war es eigentlich kein Wunder, dass die Oliven am Baum verdorrten. Die Böden unter den Bäumen wurden jedes Jahr bereinigt und sahen aus wie geleckt. Jedes noch so kleine Blatt, das vom Olivenbaum fiel oder von umliegenden Bäumen hier her geweht kam, wurde weggefegt und verbrannt. Wie sollte der Boden so auch nur einen Funken Energie und Nährstoffe bewahren? Alles was der Baum in Blätter umwandelte, kam dem Boden anschließend nicht mehr zu gute, sondern ging ihm für immer verloren. Genau wie die Oliven selbst. Andere Pflanzen, die Nährstoffe hätten zurückbringen können, gab es nicht mehr, da sie entweder ausgerissen oder vergiftet wurden. Der Boden hatte also nur das Kontingent an Nährstoffen, dass er vor dem Beginn der Bewirtschaftung besaß und dieses wurde nun nach und nach aufgebraucht. So ging es bereits seit Jahren und da wunderte man sich dann am Ende allen Ernstes darüber, dass die Bäume keine gesunden Früchte mehr ausbilden konnten? Waren wir wirklich so blauäugig um zu glauben, dass dies für immer gutgehen konnte?

Die Gegenmaßnahmen gegen die schlimme und vollkommen unerklärbare Olivenkrankheit kamen uns ebenso absurd vor. Immer wieder wüteten Männer mit Kettensägen in den Hainen, um die Olivenbäume bis auf einen kleinen Grundstummel zurückzuschneiden. Hauptäste und -stämme wurden ebenso abgeschnitten wie frische Triebe. Ich bin mir unsicher, ob die Zeit, in der die Bäume ihre Früchte austragen wirklich auch die Beste für den Baumbeschnitt ist. Doch sicher ist es keine gute Idee, die Hauptstämme einfach gerade abzuschneiden, so dass das Regenwasser oben in den Stumpf einziehen kann und der Baum von innen zu Schimmeln beginnt. Aber was weiß ich schon.

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Unser erstes Dorf lag auf einer Anhöhe von rund 150 Metern. Es war winzig und die Kirche musste bereits vor einigen Jahren aufgegeben worden sein. Es gab mehrere Gebäude, die zur Gemeinde gehörten doch alle waren verfallen, schimmlig und vergammelt, hatten eingeschlagene Fenster sowie kaputte Türen und schienen so baufällig, dass sie kaum noch nutzbar waren. Ein Mann erklärte uns, dass es keinen Pfarrer mehr im Ort gäbe. Wir könnten aber kurz weiter bis zum nächsten laufen, denn der wäre nur 9km entfernt, also zu Fuß nicht weiter als eine halbe Stunde.

„Sind sie schon einmal 9km am Stück gelaufen?“ fragte ich den Mann, denn ich fand diese Zeitangabe mehr als nur unrealistisch. Doch er ließ sich nicht beirren und war felsenfest davon überzeugt, dass er locker 9km in einer halben Stunde wandern konnte, wenn er es nur wollte.

Ein Stück weiter die Straße hinauf befand sich ein Heim für AIDS-Kranke Patienten. Es wurde ebenfalls von der Kirche betrieben und so versuchten wir unser Glück dort. Die Mitarbeiter reagierten sehr freundlich und zuvorkommend, doch die Heimleiterin teilte dieses Entgegenkommen leider nicht. Erstaunlich fand ich an dieser Stelle gar nicht so sehr, dass sie uns nicht aufnehmen wollte, sondern dass sie keinerlei Interesse an irgendeiner Form des Kontaktes hatte. Da kamen zwei Wanderer aus Deutschland die sich mit allen Formen von Naturmedizin beschäftigten und bereits durch halb Europa gereist waren in ein Zentrum für AIDS-Kranke, und ich frage nicht einmal nach, ob sie irgendeine Form von Wissen haben, das mich bei meiner Arbeit unterstützen könnte?

Immerhin wird offiziell noch immer davon ausgegangen, das AIDS eine unheilbare Virusinfektion ist. Jeder, der sich damit beschäftigt und dem etwas an seinen Patienten liegt sollte doch zumindest ein kleines Interesse daran haben, neue Informationen und Heilungsansätze kennenzulernen, um die Chance auf einen Erfolg zu erhöhen. Zumindest dann, wenn man wirklich ein Interesse an einer Heilung hat und nicht nur den Glauben an einen Krankheitsmythos aufrecht erhalten will, den es zumindest in der Propagierten Form eigentlich gar nicht gibt. Doch über AIDS schreiben wir an anderer Stelle später noch einmal ausführlicher, denn das Thema ist riesig und würde heute definitiv den Rahmen sprengen.

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Einer der Mitarbeiter bot an, den zuständigen Pfarrer anzurufen und ihm nach einem Schlafplatz zu fragen. Während er das tat schaute ich mich ein bisschen in den Gängen um. Einige Patienten standen herum oder liefen umher. Sie sahen wirklich fertig aus. Nicht krank in dem Sinne, sondern eher wie Junkies oder Menschen, die einen starken geistigen Schaden davongetragen hatten. Sie wirkten traurig und resigniert, so als hätten sie jede Freude am Leben schon vor Urzeiten aufgegeben. Sie sahen nicht aus, wie Opfer einer schweren Krankheit, sondern eher wie Insassen einer Psychiatrie, die man mit extremen Psychopharmaka ruhig gestellt hatte.

Der Mitarbeiter kehrte zurück und informierte mich über die Neuigkeiten. Der Pfarrer hätte wahrscheinlich einen Platz für uns, doch der lag fünfzehn Kilometer von hier entfernt oben auf einem Berg und komplett abseits unseres Weges. Nach der Rechnung des Mannes von vorhin war das zwar nur eine knappe Dreiviertelstunde, doch in der realen Welt war es undenkbar. Wir mussten uns also wieder auf den Weg machen und hoffen, dass wir in unserer Richtung etwas fanden. Zuvor jedoch gab mir die Köchin noch einen Teller mit Nudeln mit. Das war es also, was die Patienten hier zum Essen bekamen. Pasta, die aus nahezu Nährstofffreiem Getreide bestand, dessen Gluten-Anteil so hoch gezüchtet wurde, dass er unseren Darm verklebte. Na da musste man ja förmlich wieder gesund werden.

Der zweite Ort lag noch einmal gut dreihundert Meter oberhalb des ersten. Als wir ihn erreichten waren wir wieder einmal komplett nassgeschwitzt. Genau richtig also, um es sich anschließend in einem kalten, ungeheizten Raum gemütlich zu machen.

Eine ältere Dame führte uns zu ihrem Sohn, der gerade dabei war eine große Weihnachtskrippe zu bauen. Er war der Präsident der Region und damit nicht nur für diese Ortschaft sondern auch für alle im Umkreis zuständig. Es dauerte eine Weile, bis er seine Kontakte durchtelefoniert hatte, doch dann bekamen wir einen Raum in einem leerstehenden Haus, das eigentlich für Immigranten erbaut worden war. Es musste sich um ein EU-Förderprojekt gehandelt haben, durch dass die Gemeinde die Mittel für den Bau eines neuen und modernen Gebäudes erhalten hatte. Doch als es fertig war kam heraus, dass es keine Genehmigung für ein Migrationsprojekt in dieser Region gab und das Gebäude wurde nie in Betrieb genommen. Es war maximal zwei oder drei Jahre Alt und sah auf den ersten Blick aus, als wäre es gerade erst fertiggestellt worden. Doch bereits beim zweiten Blick stellte man fest, dass es schon wieder am Zerfallen war. Aus den feuchten Wänden trat das Salz aus und bildete zentimetergroße Kristalle. Die Türrahmen waren aufgequollen und verschimmelt. Teilweise waren sie so verzogen, dass man die Türen jetzt schon nicht mehr schließen konnte. Dafür bildeten sie an anderer Stelle dicke spalte, durch die der Wind fegte. Überall befanden sich schwarze Schimmelflecken, die sich über das feuchte Holz freuten wie Kinder über den Weihnachtsmann. Pino, unser Gastgeber bekam selbst die Krise, als er den Zustand dieses Gebäudes sah. Vor allem die klemmende Eingangstür brachte ihn fast zur Weißglut.

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Nachdem etwas Ruhe eingekehrt war und wir die meisten Fragen geklärt hatten, sprachen wir Pino auf sein Händezittern an. Er hatte Parkinson und allein das Halten eines Telefons an sein Ohr bereitete ihm schon große Schwierigkeiten. Erstaunlicherweise war er trotz dieser Schwierigkeiten ein begeisterter Bastler und baute die Weihnachtskrippe vollkommen alleine mit einer unglaublichen Präzision, die vielen Menschen auch ohne Muskelzuckungen unmöglich gewesen wäre. Erst vor ein paar Tagen hatte Heiko über die Auswirkungen von Glyzerin auf unser Nervensystem gelesen. Der Stoff, der in nahezu allen Waschmitteln, Seifen, Putzmitteln und in vielen Kosmetika enthalten ist, durchdringt sogar die Blut-Hirnschranke und ist so in der Lage unser zentrales Nervensystem dauerhaft zu schädigen. Auch darüber schreiben wir demnächst noch einmal ausführlicher. Wir sprachen mit Pino darüber und regten an, einmal auf alle Produkte zu verzichten, die Glycerin und Aluminium enthalten, da diese dafür bekannt waren, Parkinson auszulösen oder verstärken können. Doch wieder waren wir überrascht, wie wenig er darüber wissen wollte.

„Wenn wir auf der Reise jemanden treffen würden“, meinte Heiko später, „der ein Heilmittel oder eine Therapie für Tinnitus kennt, dann würde ich mich so lange auf seinen Schoß setzen, bis ich alles darüber erfahren habe. Ich würde ihn meinetwegen füttern, wenn es hilft. Vielleicht bin ich da komisch, aber ich kann mir nicht vorstellen, warum jemand so wenig Interesse an einer möglichen Heilung für eine so einschneidende Krankheit aufbringen kann.“

Spruch des Tages: Man kann niemandem helfen, der keine Hilfe will.

Höhenmeter: 490 m

Tagesetappe: 28 km

Gesamtstrecke: 13.600,27 km

Wetter: überwiedend bewölkt

Etappenziel: Misericordia (Italienischer Rettungsdienst), 84085 Carratù, Italien

 

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About the Author:

Heiko Gärtner und Franz von Bujor sind ausgebildete Survivalexperten und Extremjournalisten. Seit 2014 wandern sie zu Fuß und ohne Geld um die Welt um auf diese Weise tiefe Einblicke in unsere Gesellschaft mit all ihren Facetten, Kulturen und Systemen zu bekommen. Als Medizinjournalisten sind sie unter anderem Mitglieder des Deutschen Fachjournalisten Verbandes und schreiben neben Artikeln für Blogs, Zeitungen und Magazine auch Sachbücher und Ratgeber. 2013 veröffentlichten sie gemeinsam ein Grundlagenwerk über Antlitzdiagnose mit dem Titel "Krankheiten auf einen Blick erkennen". 2016 folgte ihr zweites Werk "Die natürliche Heilkraft der Bäume". Dabei handelt es sich um ein Lehrbuch, um die Grundlagen der Naturheilung zu erlernen, wie sie seit Jahrtausenden von indigenen Völkern überall auf der Welt angewendet werden. Heiko Gärtner ist zudem gelernter Natur- und Landschaftspfleger, Wildnislehrer, Hochseilgartentrainer sowie Berg- und Höhlenretter. Nach seiner Ausbildung zum Versicherungsfachwirt leitete er unter anderem Motivation und Verkaufstrainings und übernahm später eine eigene Generalagentur. Aus dieser Zeit konnte er unter anderem auch ein umfangreiches Verständnis und Wissen aus den Bereichen Versicherungsrecht, Recht im Allgemeinen, Buchhaltung, Wirtschaftsmathematik und Unternehmensführung mitnehmen. Um mehr seinem Herzensweg zu folgen, gab er seine Büro-Karriere schließlich auf, um sich zum Survivalexperten, Nationalparkranger und Wildnismentor ausbilden zu lassen. In diesem Rahmen besuchte er unter anderem Naturvölker in Neuseeland, Kanada, den USA und Thailand. Dabei gründete er unter anderem seine eigene Wildnisschule, die bis heute besteht und Ausbildungen aus dem gesamten Wildnissektor anbietet. Franz von Bujor ist studierter Kultur- und Sozialpädagoge, sowie ausgebildeter Wildnislehrer, Mediator und Erlebnispädagoge. Auf seinen vielzähligen Reisen unter anderem nach Australien und Lateinamerika sammelte er Expertenwissen im Bereich alternatives Leben und Reisen, Minimalismus, Backpacking und Work and Travel, sowie allgemein im Bereich Kunst, Kultur, Religion und Geschichte. Seit 2016 lebt er als Wandermönch.

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