Tag 461: Jerusalem Way

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Tag 461: Jerusalem Way

Tag 461: Jerusalem Way

Gerade als wir uns auf halbem Weg einen Platz für die Mittagspause suchen wollten, wurden wir auf ein kleines Schildchen aufmerksam, das an einem Straßenschild hing. Bereits in der Gegend um Santiago herum hatten wir die gleichen Schildchen immer mal wieder gesehen und auch später waren sie hin und wieder aufgetaucht. Sie waren klein, weiß-rot gestreift und trugen die Aufschrift Jerusalem-Way. Daneben fanden wir eine kleine gelbe Muschel, die an einen Stein gesprüht worden war. Wir befanden uns also wieder einmal auf einem Jakobsweg und gleichzeitig auch auf einem Pilgerweg nach Jerusalem. Gestern erst hatten wir uns über unsere weitere Reise Gedanken gemacht und heute stießen wir nun auf genau den Weg, der uns zu unserem neuen Pilgerziel führen konnte. Er wurde von eine Gruppe von Pilgern markiert, die selbst vor einiger Zeit nach Jerusalem gewandert sind und die uns bereits ein paar Tipps gegeben haben, wie wir unsere weitere Route planen konnten. Sie haben sogar ein Buch über den Weg ins heilige Land geschrieben und sind nun gerade dabei, die GPS-Daten über den Weg online verfügbar zu machen: www.jerusalemway.org


Der Weg, den ich selbst herausgesucht habe, führte zwar eigentlich in eine andere Richtung, doch wir beschlossen uns auf das Spiel einzulassen und den Wegmarkierungen zu folgen. Das brachte uns zwar einige Bonusmeilen ein, doch der Weg selbst war absolut bewandernswert. Er führte uns weit ab von den großen Straßen durch die Felder und sogar durch einige kleine Wäldchen. Wälder hatten wir schon lange nicht mehr gesehen und so freuten wir uns darüber ganz besonders. Der einzige Haken war nur, dass wir nicht wussten, wie weit der Weg uns führen würde, bis wir in die nächste Ortschaft kamen. Aus diesem Grund verließen wir ihn zwei Mal, in der Hoffnung in den nahegelegenen Dörfern eine Unterkunft zu finden. Doch einmal kehrten wir ganz ohne Erfolg wieder um, das zweite mal mit nichts al zwei Äpfeln. Wobei man sagen muss, dass es hervorragende und unglaublich saftige Äpfel waren, für die sich der 5km Umweg sogar fast gelohnt hatte. Am Ende stellte sich heraus, dass es doch das einfachste gewesen wäre, dem Weg einfach zu folgen, denn er führte uns sicher direkt an einer Kirche vorbei. Der ersten Kirche heute, an der wir wirklich jemanden antrafen.

Nach der langen Wanderung war es zwar schon etwas später, doch es war noch immer früh genug, um sich noch einmal dem Thema der Kernkraft zuzuwenden. Denn hier sind noch immer einige Fragen offen. Das letzte Mal, als ich euch zu diesem Thema etwas geschrieben habe, ging es um die Katastrophe von Tschernobyl und um die Frage, ob radioaktive Strahlung wirklich so gefährlich ist, wie man uns glauben lässt. Hier möchte ich gerne noch einmal einsteigen und ein paar Fragen hinzufügen.

Sind Energiekonzerne wirklich so rücksichtslos und blöd, dass sie Atomkraftwerke in Erdbebengebiete bauen, ohne über die Gefahren nachzudenken? Ist es wirklich ihr Ziel, die Welt einem unkalkulierbaren Risiko auszusetzen nur für ein bisschen Profit, dass sie sich auch ohne dieses Risiko mit anderen Methoden beschaffen könnten? Und selbst, wenn den Verantwortlichen alle anderen Menschen egal sind, wären sie dann aber wirklich so kurzsichtig, dass sie aus reiner Profitgier ihr eigenes Leben einem unkalkulierbaren Risiko aussetzen? Aus Verzweiflung machen wir das, darin besteht kein Zweifel. Anders könnte man die Menschen in Indien und Bangladesch nicht dazu zwingen, barfuß und mit nackten Händen in giftigen Farbbottichen für unsere Kleidungs- und Lederproduktion zu arbeiten. Doch machen wir immer noch das gleiche, wenn wir alle Möglichkeiten der Welt zur Verfügung haben?

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Die Wahrscheinlichkeit, dass es in einem Kernkraftwerk zu einem sogenannten Super-GAU kommt, liegt nach der Deutschen Risikostudie Kernkraftwerke Phase B, die im Jahr 1989 gemacht wurde, bei 0,003% pro Jahr. Das klingt zwar erst einmal nicht besonders gefährlich, ist jedoch auch kein Grund zur Entwarnung. Rechnet man dies auf die gesamte Anzahl von Atomkraftwerken in Europa und auf eine Laufzeit von 40 Jahren hoch, dann kommt man damit immerhin schon auf eine Wahrscheinlichkeit von 16%. In den letzten 25 Jahren seit Erstellung der Studie sind die Kraftwerke jedoch noch einmal ums einiges älter geworden und es haben sich Dinge ereignet, die damals noch nicht mit einberechnet wurden. Wir können also davon ausgehen, dass das Risiko noch um einiges höher ist und dass es sich jedes Jahr erhöht.


Wenn ein solcher GAU also wirklich die Verstrahlung und Zerstörung halb Europas zur Folge hätte, dann stellt sich doch die Frage, warum sich die Verantwortlichen ein solches Risiko in ihren eigenen Vorgarten bauen? Wenn ich ein Millionenschwerer Konzernchef wäre und den Bau eines Atomkraftwerkes in Auftrag geben würde, das möglicherweise einen ganzen Kontinent verstrahlt, dann würde zusehen, dass ich meinen Wohnsitz so weit wie möglich ans andere Ende der Welt verlege. Doch das ist nicht der Fall. Gleichzeitig halten die Vorstandsvorsitzenden von EnBW, E.ON, RWE und Vattenfall jedoch einen respektvollen Sicherheitsabstand ein. Ein Abstand der groß genug ist, dass sie von einer möglichen Explosion und einer Strahlenerhöhung in nächste Nähe des Kraftwerkes nichts mitbekommen. Auffällig ist dabei auch, dass erstaunlich viele Atomkraftwerke in Gebieten gebaut wurden, die geografisch betrachtet vollkommen ungeeignet dafür sind. Fukushima ist dafür ein besonders gutes Beispiel, doch es ist bei weitem nicht das einzige. In den USA gibt es viele Kraftwerke, die ebenfalls direkt an der Küste stehen und damit besonders Anfällig für Flutwellen und Tornados sind. In Brasilien wird mit deutscher Hilfe gerade ebenfalls ein Kraftwerk gebaut, das in einem Erdbebengebiet entsteht und sich außerdem direkt neben einer Millionenmetropole befindet. Selbst in Deutschland stehen die Atomkraftwerke gerne auf jenen Stellen, die als besonders instabil gelten. Das war sicher nicht leicht, denn in Deutschland ist die Erdbebengefahr so niedrig wie sonst fast nirgendwo. Es erscheint also fast, als wollte man das Risiko bewusst hoch halten. Die Frage ist nur wieder warum? Ist die Gefahr, die von Atomkraftwerken ausgeht also am Ende gar nicht so hoch, wie wir glauben? Gibt es vielleicht gar kein Risiko? Oder gibt es ein Risiko, das Kalkulierbar ist, und das vielleicht sogar bewusst in bestimmte Ballungsgebiete gebaut wird? Steckt hier vielleicht mehr dahinter? Etwas, das wir nicht sehen, weil wir uns so sehr darauf versteifen, gegen Atomkraft zu sein, dass wir den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen können?

Wenn die Atomkraft wirklich so risikoreich und gefährlich ist, wenn die Reaktoren keiner Erschütterung ausgesetzt werden dürfen und wenn es wirklich so leicht zu einer Strahlenkatastrophe kommen kann, wie ist es dann möglich, dass wir sie auch auf Kampf-U-Booten und Flugzeugträgern als Energiequelle einsetzen? Hier ist die Wahrscheinlichkeit ja absolut unkalkulierbar, dass eines getroffen wird, so dass es zu einem GAU kommen muss. Oder wird hier eine andere, sichere Technik eingesetzt? Doch wenn ja, warum nutzt man diese Technik dann nicht auch im zivilen Rahmen?

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Auf diese Frage werden wir später noch einmal genauer eingehen. Zunächst möchte ich einmal bei der Strahlung selbst bleiben.

Es ist schon etwas seltsam, dass in der Öffentlichkeit fast immer nur von der Strahlung gesprochen wird, ohne dass dabei berücksichtigt wird, dass es drei unterschiedliche Arten atomarer Strahlung gibt, die alle auch sehr unterschiedliche Eigenschaften haben. Alpha-Strahlung ist beispielsweise eine recht energiereiche Strahlung, die jedoch nur eine sehr kurze Reichweite hat. Man kann sie bereits mit einem Stück Papier abschirmen. Daher ist Plutonium 239 wenn man es in Papier eingewickelt in der Hosentasche trägt vollkommen ungefährlich. Selbst wenn man kleine Mengen davon verschluckt macht es dem Körper so gut wie nichts aus. Die Brocken werden einfach wieder ausgeschieden. Atmet man jedoch seine Dämpfe ein, so dass die Strahlung direkt in die Lunge gerät, dann richtet die Alpha-Strahlung hier einen nicht unerheblichen Schaden an den Bronchien und dem Lungengewebe an.

Beta-Strahlung, wie sie beispielsweise von Jod 131 ausgesendet wird verhält sich da schon deutlich anders. Ihre Reichweite ist höher und man braucht auch etwas mehr um sie abzuschirmen. Dies mag auch ein Grund gewesen sein, warum die Jod-Wolken bei Tschernobyl den größten Schaden angerichtet haben. Denn Jod wird vom Körper in der Schilddrüse eingelagert, wo es seine Beta-Strahlung an das umliegende Gewebe abgeben kann. Andererseits muss man an dieser Stelle jedoch sagen, dass auch nicht-radioaktives Jod Schilddrüsenkrebs auslösen kann, wenn wir zu viel davon im Körper haben. Ob die Krebsfälle, die durch die Tschernobyl-Explosion verursacht wurden also von der Beta-Strahlung oder vom Jod selbst ausgelöst wurde, mag ich an dieser Stelle nicht beurteilen.

Und schließlich gibt es noch die Gamma-Strahlung, die von den drei Strahlungsarten die größte Reichweite hat. Sie lässt sich durch nichts vollständig abschirmen und kann nur mit Hilfe von Blei oder Betonwänden aufgehalten werden, so dass sich auf der anderen Seite, die Strahlenintensität deutlich verringert. Doch auch diese Strahlung kommt auf ganz natürliche Weise überall in unserer Umwelt vor, so dass auch sie nur dann schädlich ist, wenn wir auf einen Schlag eine zu Hohe Dosis abbekommen.

Einzelheiten über diese Strahlungen bekommt man in der Presse so gut wie nie zu hören. Es interessiert nicht, worum es dabei wirklich geht, denn das wichtige ist, das Gefühl das dabei vermittelt wird. Und dieses Gefühl ist Angst.

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Oh, wartet kurz! Ich muss gerade einmal nach draußen schauen, was da los ist. Denn genau in diesem Moment klingt es, als hätte jemand eine Atombombe direkt über unseren Köpfen gezündet. Im Gebäude gegenüber findet gerade eine Art Konzert statt, bei dem ein paar Frauen mit quietschender Stimme Kinderlieder singen. Das Katzengejammer wird dabei nur gelegentlich von einem Mann unterbrochen, der irgendetwas Unverständliches in ein Megafon schreit und sich damit den Applaus der Zuschauer sichert. Er klingt ein bisschen wie die Parodie eines Zirkusdirektors. Oder die eines Marktschreiers. Oder nach einer Mischung aus beidem. Über uns befinden sich gerade einige Handwerker, die mit ihren Bohrmaschinen unsere Wände zum Wackeln und unsere Köpfe zum Dröhnen bringen. Gemeinsam mit dem Kinderliedgeplärre ergibt das eine recht brisante Mischung, die nur durch das schräge Jaulen eines Staubsaugermotors noch überboten wird, der sich genau in diesem Moment unter die anderen Geräusche mischt. Doch gerade als wir dachten, es könne nun nicht mehr schlimmer werden, begann dieses Rumoren, das sich nun endgültig nach Weltuntergang anhörte. Es war, als würde jemand einen LKW durch das Wohnzimmer des Pfarrers fahren, der den Eifelturm hinter sich herzog und mit einem beeindruckenden Getöse über den Küchenboden schliff. Ich habe ein bisschen Angst, dass sie nun das Haus über uns einreißen und uns hier für immer lebendig begraben werden. Deshalb werde ich einmal kurz nachsehen, was da wirklich los ist. Keine Angst, ich bin gleich wieder da! Hoffe ich jedenfalls!

Ok, da bin ich wieder. War alles halb so schlimm. Es war keine Atombombe und auch kein Eifelturm. Nur eine Klasse mit Kindern, die gerade ihren Kommunionsunterricht beendet haben. Mh, ob da die Eifelturmvariante nicht leiser gewesen wäre…

Wo war ich? Achja, beim Aufbauschen der Atomaren Gefahr.

Noch etwas ist auffällig an der ganzen Geschichte. Wenn Kernenergie doch angeblich so gefährlich ist, wie wir glauben, warum nutzen wir sie dann überhaupt? Wenn ein Bundeskanzler oder ein Präsident nur einen Hauch von Menschenverstand besitzt, dann müsste er diese Technik in seinem Land umgehend abschaffen. Und damit meine ich wirklich umgehend und nicht in Form eines langsamen, immer wieder aufschiebbaren und dadurch sehr werbewirksamen Atomausstiegs. Stattdessen werden wir jedoch immer in einer Wage zwischen Angstgeschühre und Vertrauenserhasche gehalten. Auf der einen Seite bekommen wir immer wieder vor Augen gehalten, wie gefährlich und schlecht diese Kernenergie eigentlich ist und auf der anderen Seite werden wir dann wieder davon überzeugt, dass wir sie unbedingt brauchen.

Fortsetzung folgt…

 

Spruch des Tages: Reisen heißt, an ein Ziel kommen; wandern heißt, unterwegs sein. (Theodor Heuss)

 

Höhenmeter: 7

Tagesetappe: 26 km

Gesamtstrecke: 8424,77 km

Wetter: sonnig, windig

Etappenziel: Gemeindehaus, 33050 Carlino, Italien

Bewertungen:

 

About the Author:

Heiko Gärtner und Franz von Bujor sind ausgebildete Survivalexperten und Extremjournalisten. Seit 2014 wandern sie zu Fuß und ohne Geld um die Welt um auf diese Weise tiefe Einblicke in unsere Gesellschaft mit all ihren Facetten, Kulturen und Systemen zu bekommen. Als Medizinjournalisten sind sie unter anderem Mitglieder des Deutschen Fachjournalisten Verbandes und schreiben neben Artikeln für Blogs, Zeitungen und Magazine auch Sachbücher und Ratgeber. 2013 veröffentlichten sie gemeinsam ein Grundlagenwerk über Antlitzdiagnose mit dem Titel "Krankheiten auf einen Blick erkennen". 2016 folgte ihr zweites Werk "Die natürliche Heilkraft der Bäume". Dabei handelt es sich um ein Lehrbuch, um die Grundlagen der Naturheilung zu erlernen, wie sie seit Jahrtausenden von indigenen Völkern überall auf der Welt angewendet werden. Heiko Gärtner ist zudem gelernter Natur- und Landschaftspfleger, Wildnislehrer, Hochseilgartentrainer sowie Berg- und Höhlenretter. Nach seiner Ausbildung zum Versicherungsfachwirt leitete er unter anderem Motivation und Verkaufstrainings und übernahm später eine eigene Generalagentur. Aus dieser Zeit konnte er unter anderem auch ein umfangreiches Verständnis und Wissen aus den Bereichen Versicherungsrecht, Recht im Allgemeinen, Buchhaltung, Wirtschaftsmathematik und Unternehmensführung mitnehmen. Um mehr seinem Herzensweg zu folgen, gab er seine Büro-Karriere schließlich auf, um sich zum Survivalexperten, Nationalparkranger und Wildnismentor ausbilden zu lassen. In diesem Rahmen besuchte er unter anderem Naturvölker in Neuseeland, Kanada, den USA und Thailand. Dabei gründete er unter anderem seine eigene Wildnisschule, die bis heute besteht und Ausbildungen aus dem gesamten Wildnissektor anbietet. Franz von Bujor ist studierter Kultur- und Sozialpädagoge, sowie ausgebildeter Wildnislehrer, Mediator und Erlebnispädagoge. Auf seinen vielzähligen Reisen unter anderem nach Australien und Lateinamerika sammelte er Expertenwissen im Bereich alternatives Leben und Reisen, Minimalismus, Backpacking und Work and Travel, sowie allgemein im Bereich Kunst, Kultur, Religion und Geschichte. Seit 2016 lebt er als Wandermönch.

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