Tag 527: Sirtaki

///Tag 527: Sirtaki

Tag 527: Sirtaki

Tag 527: Sirtaki

Mit Kučiće hatten wir den höchsten Punkt des Canyons erreicht. Von hier aus ging es also zunächst wieder bergab, bis wir mit dem Wasser erneut auf einer Höhe waren. Hier fanden wir nun auch die Einstiegsstellen für die Rafting-Gruppen. Unter einem Baum machten wir ein Picknick und schauten dabei der Einweisung für die Paddeltour zu. Wir verstanden nicht viel, was der Instrukteur erzählte, doch besonders kurz fasste er sich mit seiner Ansprache nicht. Fast eine halbe Stunde standen die Teilnehmer neben dem Gummiboot, das Paddel in der Hand und warteten darauf, dass es endlich losgehen konnte. Dann endlich wurden die Boote ins Wasser gelassen und die Teilnehmer durften darin Platz nehmen. So lässig, wie sie auf dem Rand des Bootes saßen konnte kein echtes Wildwasser auf sie zukommen. Auch der Guide, der in jedem Boot saß, verriet, dass „Rafting“ hier ein sehr großes Wort für einen netten kleinen Ausflug war. Die Teilnehmer hielten ihre Paddel in alle Richtungen und hantierten damit, als wollten sie das Wasser hypnotisieren. In einer ernsthaften Gefahrensituation hätte der Guide also keine Chance, das Boot zu steuern und auf seine Teilnehmer konnte er sich kaum verlassen. Aber sie schienen ihren Spaß zu haben und glaubten, dass sie etwas Großes erleben würden und darum ging es ja schließlich auch.

Kurz darauf kamen wir am vorläufigen Ende des Canyons an. Hier ragte ein gewaltiges Wasserkraftwerk in die Höhe, dass mit laut summenden Turbinen Strom erzeugte. Das Tor zu der Anlage stand offen und so wagten wir einen Blick hinein. Innerhalb von Sekunden kam jedoch der Wachmann und schrie uns an. Wir grüßten ihn freundlich, aber er war nicht besonders gut gelaunt.

Mehr für dich:
Tag 704: Als Aliens in einem Fremden Land

„Policija!“ rief er immer wieder und machte dabei eine Geste, die symbolisierte, dass wir in Handschellen abgeführt würden, wenn nicht verschwanden. Besonders glaubwürdig war das nicht, aber wir zogen uns dennoch wieder auf die andere Seite des Zaunes zurück. Kaum hatten wir das Grundstück verlassen, schloss sich hinter uns mit einem lauten Rattern das Tor.

Etwas seltsam kam uns die Sache schon vor. Die Anlage war ja kein Hochsicherheitstrakt sondern ein Wasserkraftwerk mitten in einer Touristenregion. Warum also war es den Menschen so wichtig, dass niemand etwas davon zu Gesicht bekam? Andernorts wurden in solchen Kraftwerken ja sogar Führungen angeboten. Und wenn man verhindern wollte, dass die Touristen einem hier auf die Nerven gingen, dann konnte man doch auch einfach ein Schild mit „Betreten verboten“ aufhängen. Ob es hier wohl etwas gab, das verborgen werden sollte?

Für uns war der entspannte Teil der Reise mit dem Erreichen des Wasserkraftwerkes jedoch aus einem anderen Grund vorbei. Von hier an wand sich die Straße in Serpentinen den kompletten Berg wieder hinauf, den wir zuvor heruntergegangen waren.

Hoch über dem Canyon, an der obersten Spitze des Felsens über dem Wasserkraftwerk stand eine kleine Kapelle, die von einem gewaltigen Jesuskreuz überragt wurde. Der Jesus blickte uns bereits von weitem entgegen, als wir den Berg hinaufgekeucht kamen und trotz seiner misslichen Lage zauberte er uns sofort ein Lächeln ins Gesicht. Dies lag an seiner sonderbaren Haltung. Seine Arme waren natürlich wie immer am Kreuz ausgebreitet, doch seine Beine führten nicht gerade nach unten, sondern waren seitlich gebeugt. Dadurch sah er auf eine skurrile Art aus, als würde er Sirtaki tanzen. Der Bildhauer musste also entweder ein großer Fan des griechischen Volkstanzes gewesen sein, oder zumindest einen besonderen Sinn für Humor gehabt haben.

Wenige Meter weiter kamen wir an eine Feuerwehrstation, an der wir einen Mann trafen, der uns ein kleines Apartment zur Verfügung stellte. Es wurde normalerweise nicht vermietet, sondern war eher ein Gästebereich für Verwandte, die zu Besuch kamen. Hier konnten wir unsere Sachen abstellen und noch einmal eine Runde durch den Ort drehen. Dabei konnten wir uns nicht nur das Wasserkraftwerk von oben anschauen, sondern gelangten auch zu einem Aussichtspunkt, von dem aus man einen guten Blick in den unzugänglichen Teil des Canyons hatte. Auf der gegenüberliegenden Seite rauschte der Fluss in einem gewaltigen Wasserfall die Klippen hinunter. Unten konnte man einige kleine, gelbe Punkte erkennen. Es waren die Helme einer Gruppe, die gerade auf einer Canyoning-Tour war und eine Einweisung bekam, wie man die Felsen erklimmen, oder sich davon abseilen konnte.

Später in unserem Apartment schauten wir uns unsere Wagen noch einmal genauer an. Irgendwie musste eine Lösung für die verbogenen Deichseln her. Heikos Vater hatte bereits einen Schlosser ausfindig gemacht, der bereit war uns zu unterstützen. Doch damit kamen natürlich wieder einmal Kosten auf uns zu, die wir nicht einkalkuliert hatten. Trotz der Spenden, die wir in den vergangenen eineinhalb Jahren von allen Seiten bekommen haben, befindet sich mein Kontostand nach der letzten Reparatur- und Umbauaktion mit den Wagen nun auf einem neuen Tiefpunkt. Wenn nun wieder unerwartete Kosten aufkommen, dann wird es langsam wirklich mau. Vor allem, wenn ich bedenke, dass mir langsam sogar die Unterhosen ausgehen. Daher möchte ich an dieser Stelle noch einmal fragen, ob ihr uns nicht vielleicht noch einmal mit einer kleinen Spende unterstützen könntet.

So es fällt mir immer noch genauso schwer wie früher, aber jetzt ist es raus. Die Ersatzteile, die wir für unsere Pilgerwagen bekommen haben, haben rund 350€ gekostet und das Material von Hans noch einmal ungefähr das Selbe. Wenn 35 Leser nur 10€ spenden würden, dann hätten wir die Kuh schon mal wieder vom Eis. Wenn es 70 Leser wären, dann würden wir wieder auf Null kommen und bei 71 wäre sogar noch eine Badehose drin.

Wenn nichts kommt, ist es auch ok, dann kommt es sicher von einer anderen Seite. Doch wenn ihr uns unterstützen möchtet, dann wären wir euch wirklich dankbar. Dabei fällt mir ein, ihr müsstet dafür gar nicht unbedingt etwas spenden, ihr könntet uns auch unterstützen, wenn ihr einige Sachen in unserem neuen, noch unfertigen und zugegebener Weise unglaublich hässlichen Heilungsshop oder bei einem unserer anderen Partner finden würdet.

Mehr für dich:
Tag 247: Alkohol

Vielen Dank schon einmal im Voraus.

Spruch des Tages: Der einzige Grund, nicht ein erfülltes Leben zu leben: NICHT DARAN ZU GLAUBEN! (David Tatuljan)

 

Höhenmeter: 190m

Tagesetappe: 13 km

Gesamtstrecke: 9514,77 km

Wetter: sonnig und heiß, abends kurzer, kräftiger Regenschauer mit Gewitter

Etappenziel: Gästezimmer eines Feuerwehrmannes, 21255 Zadvarje, Kroatien

Bewertungen:

 

About the Author:

Heiko Gärtner und Franz von Bujor sind ausgebildete Survivalexperten und Extremjournalisten. Seit 2014 wandern sie zu Fuß und ohne Geld um die Welt um auf diese Weise tiefe Einblicke in unsere Gesellschaft mit all ihren Facetten, Kulturen und Systemen zu bekommen. Als Medizinjournalisten sind sie unter anderem Mitglieder des Deutschen Fachjournalisten Verbandes und schreiben neben Artikeln für Blogs, Zeitungen und Magazine auch Sachbücher und Ratgeber. 2013 veröffentlichten sie gemeinsam ein Grundlagenwerk über Antlitzdiagnose mit dem Titel "Krankheiten auf einen Blick erkennen". 2016 folgte ihr zweites Werk "Die natürliche Heilkraft der Bäume". Dabei handelt es sich um ein Lehrbuch, um die Grundlagen der Naturheilung zu erlernen, wie sie seit Jahrtausenden von indigenen Völkern überall auf der Welt angewendet werden. Heiko Gärtner ist zudem gelernter Natur- und Landschaftspfleger, Wildnislehrer, Hochseilgartentrainer sowie Berg- und Höhlenretter. Nach seiner Ausbildung zum Versicherungsfachwirt leitete er unter anderem Motivation und Verkaufstrainings und übernahm später eine eigene Generalagentur. Aus dieser Zeit konnte er unter anderem auch ein umfangreiches Verständnis und Wissen aus den Bereichen Versicherungsrecht, Recht im Allgemeinen, Buchhaltung, Wirtschaftsmathematik und Unternehmensführung mitnehmen. Um mehr seinem Herzensweg zu folgen, gab er seine Büro-Karriere schließlich auf, um sich zum Survivalexperten, Nationalparkranger und Wildnismentor ausbilden zu lassen. In diesem Rahmen besuchte er unter anderem Naturvölker in Neuseeland, Kanada, den USA und Thailand. Dabei gründete er unter anderem seine eigene Wildnisschule, die bis heute besteht und Ausbildungen aus dem gesamten Wildnissektor anbietet. Franz von Bujor ist studierter Kultur- und Sozialpädagoge, sowie ausgebildeter Wildnislehrer, Mediator und Erlebnispädagoge. Auf seinen vielzähligen Reisen unter anderem nach Australien und Lateinamerika sammelte er Expertenwissen im Bereich alternatives Leben und Reisen, Minimalismus, Backpacking und Work and Travel, sowie allgemein im Bereich Kunst, Kultur, Religion und Geschichte. Seit 2016 lebt er als Wandermönch.

Leave A Comment

Translate »