Weltreise Tag 141: Wunderheilung

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Weltreise Tag 141: Wunderheilung

Weltreise Tag 141: Wunderheilung

 

Ein wirklich gutes Gefühl machte unsere notdürftig geflickte Achse beim Losfahren nicht. Vorsichtig trugen wir Heikos Wagen über jede kleine Stufe bis auf die Hauptstraße. Gut nur, dass unser Weg uns heute fast ausschließlich auf der alten, unbenutzten Nationalstraße entlangführte, die absolut eben und verhältnismäßig seicht durchs Gelände führte. Ein anderer Pilger, der aussah, als wäre er gerade frisch aus einem Simpsonsfilm ausgebrochen, versuchte einen freundlichen Kontakt zu uns aufzunehmen, indem er uns und unsere Wagen beleidigte und darüber lachte. Man merkte, dass es wirklich der Beginn einer Unterhaltung sein sollte, doch der Einstieg war so denkbar ungünstig gewählt, dass man nicht die geringste Lust hatte, sich darauf einzulassen. Das mit den Simpsons war übrigens kein Witz. Der Mann war tatsächlich so gelb wie seine Regenjacke, was wahrscheinlich auf eine leichte Leberschwäche hindeutete. Auch sein aggressiver Husten deutete daraufhin, dass ihm das viele Rauchen wahrscheinlich nicht allzu gut tat.

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Als wir die Wagen sicher auf die Straße gebracht hatten, kam er erneut auf uns zu und teilte uns mit, dass er eine Nachricht des Herbergsleiters für uns hatte. Dieser lies mitteilen, dass es auch eine Zugverbindung zu dem Ort gab, in dem sich die Werkstatt befand. Aus sicherheitstechnischen Gründen waren wir kurz versucht, den Hinweis anzunehmen und zum Bahnhof zu wandern. Um die genaue Adresse herauszufinden, fragten wir im gegenüberliegenden Hotel nach dem Weg. Dort erfuhren wir dann, dass der Bahnhof 1,5 Kilometer in der Gegenrichtung und steil den Berg hinauf zu finden war. Bis zur Abfahrtszeit des Zuges hätten wir jedoch nur noch gut 15 Minuten, wir müssten uns also beeilen. Ein kurzer Blick auf den Berg hinauf genügte um uns gegen den Zug zu entscheiden. Wenn wir 1,5km in die eine Richtung wandern müssten, konnten wir genauso gut auch 3km in die andere laufen.

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Trotzdem hat sich der Besuch in dem Hotel gelohnt, denn wir konnten dabei noch etwas anderes herausfinden. Der Hotelbesitzer war gleichzeitig auch der Besitzer der Bar, in der man die Herberge buchen musste und der Besitzer der Herberge. Ihm gehörte damit nahezu alles, was es in diesem Ort an Touristen- und Pilgerangeboten gab. Mit Ausnahme des Supermarktes. Jetzt leuchtete uns auch ein, warum es in der Herberge keine Küche gegeben hatte und warum der Mann bei seiner abendlichen Einweisung mehrfach auf die Öffnungszeiten des Hotel-Restaurants hingewiesen hatte. Die Pilger, die mit viel Geld reisten brachten ihm Geld durch das Hotel, alle anderen durch die Herberge. Nahezu jeder ging am Abend Essen und wenn nicht, dann setzte er sich zumindest in die Bar um dort noch ein Bier oder einen Kaffee zu trinken. Da laut seinen eigenen Aussagen die nächste Bar in der man am Morgen einen Kaffee trinken konnte, gute 8km entfernt lag und da seine eigene bereits um halb acht öffnete und ein Pilgerfrühstück anbot, konnte er so fast jeden Wanderer noch zu einem morgendlichen Besuch überzeugen. Ein Geschäftssystem, dass so brillant war, dass wir wirklich stolz auf den Mann waren. Lediglich die Tatsache, dass er sein Geld ausschließlich mit einer Tradition verdiente, die ursprünglich der geistigen Einkehr und des Gottvertrauens dienen sollte, konnten wir nicht gut heißen. Denn dazu trug er nicht im geringsten bei. Aber wer machte das heute schon noch?

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Heikos Wagen erlitt seinen Achsbruch rund drei Kilometer vor der einzigen traditionellen Schlosserei in ganz Asturien und damit dem einzigen Mann, im Umkreis von mindestens 50km, der uns helfen konnte. Wäre, die Achse auch nur einen Tag später gebrochen, hätten wir nie von ihm erfahren und wären damit vollkommen erledigt gewesen. Doch es ging noch weiter. Der Schlosser, hatte zwei unterschiedliche Arten von Stahlrohren auf Lager. Zwei, nicht mehr! Eine davon passte exakt auf die gebrochene Achse.

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Der Mann machte seine Arbeit noch genau so, wie man sie sich in einer alten Schmiede vorstellte. In der Ecke brannte ein Feuer, in dem er das Eisen zum Glühen brachte. Anschließend bearbeitete er es mit Hammer und Amboss und stellte so einzigartige Zäune, Türen und andere Gegenstände her. Darüber hinaus hatte er natürlich auch Schweißgeräte, Stahlsägen und andere Geräte, die für die moderne Stahlbearbeitung unabdingbar sind. Außer dem Schlosser war noch ein junger Mann anwesend, der in dem Betrieb mitarbeitete. Beide kümmerten sich abwechselnd um uns und halfen uns so gut sie konnten. Wir beanspruchten sie etwa zweieinhalb Stunden. Dann hatten wir einen Wagen, der stabiler und robuster war, als je zuvor. Kurz überlegten wir, ob wir meine Achse auch gleich noch auf die selbe Weise flicken sollten, um einen Achsbruch von vornherein zu verhindern. Doch damit hätten wir die Geduld und die Hilfsbereitschaft der beiden Männer definitiv überstrapaziert. Dennoch gaben sie uns ein Stahlrohr in der passenden Länge mit, so dass wir im Falle eines Falles nur noch eine Flex, eine Bohrmaschine und ein paar Schrauben brauchen. Wenn wir hier eine solche Werkstatt gefunden haben, dann müsste es möglich sein, woanders zumindest ein bisschen Werkzeug aufzutreiben.

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Glücklich und dankbar ließen wir die Schlosserei hinter uns und folgten der Nationalstraße weiter durch die Berge. Bis jetzt hatten wir außer je einer Banane noch nichts gegessen. Unsere Magen hingen uns daher in den Kniekehlen und selbst die seichte Steigung war uns bereits zu viel. Doch die Schöpfung hatte an diesem Tag noch mehr Überraschungen vorgesehen. Im nächsten Restaurant wurden wir zum Essen eingeladen. Es gab Kichererbsensuppe und Paella. Beides war sehr lecker, doch die Paella führte zu einem leichten Schlechtigkeitsgefühl in der Magengegend, das ich noch immer nicht losgeworden bin.

Durch unsere Mittagspause konnten wir auch dem größten Gewitterschauer entgehen, der die Pilger heute fast ausnahmslos in den Wahnsinn trieb. Auch den Rest des Tages regnete es sehr ausgiebig. Es war fast ein bisschen, als hätte sich das Universum in Bezug auf den heutigen Tag folgende Überlegungen gemacht: „Zu viele Wunder auf einen Schlag wirkt bestimmt übertrieben. Alse entweder, ich sorge für gutes Wetter oder ich kümmere mich um Heikos Wagen und ein gutes Essen… Ok, vielleicht ist der Wagen wichtiger.“

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In einer Regen- und Wanderpause am Nachmittag wurden wir von einer Gruppe Pilger überholt, die in unfreundlichem Ton und grausamen Spanisch auf eine Einheimische einschrien. Sie schrien nicht, weil sie ärgerlich waren, sondern weil sie sich dabei auf der anderen Straßenseite befanden und es ging ihnen nur um die Information, wo sich die Herberge befand. Eine Herberge, die 50m weiter hinter der nächsten Kurve direkt an der Straße lag. Dass die Einheimischen durch solche Vertreter der Pilgerschaft einen Hass auf die Jakobswanderer bekamen, war absolut nachvollziehbar. Unseren Segen dafür hatten sie jedenfalls. Wir erteilten ihnen damit offiziell die Erlaubnis, Pilger zu hassen, wenn sie ihnen so begegneten.

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Nach der Pause suchten wir selbst ebenfalls die Herberge auf. Eigentlich wollte ich nur nach einer Toilette fragen, doch wo ich schon einmal da war, fragte ich gleich auch nach einem Schlafplatz. Plötzlich schien es, als würde wirklich alles, das wir heute anfassten zu Gold werden. Ohne auch nur zu zögern sagte die freundliche alte Dame zu und zeigte uns ein Doppelzimmer in einem kleinen gemütlichen Hotel, das wir für die Nacht bewohnen dürfen. Vielleicht sollten wir noch schnell nach einem Lotto-Stand suchen, bevor der Tag vorbei ist. Wer weiß, was heute alles noch möglich ist.

Spruch des Tages: Wunder gibt es immer wieder!

 

Höhenmeter: 420 m

Tagesetappe 16 km

Gesamtstrecke: 2870,07 km

Bewertungen:

 
2016-03-02T00:56:59+00:00 Spanien, Tagesberichte|

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