Tag 353: Achsbruch die Dritte

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Tag 353: Achsbruch die Dritte

Tag 353: Achsbruch die Dritte

Noch 4 Tage bis Weihnachten

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Zurzeit sein die Tage so unvorhersehbar wie noch nie auf unserer Reise. So hätte ich es mir heute morgen noch nicht träumen lassen, dass ich meinen Nachmittag heute damit verbringen würde, meinen Pilgerwagen in seine Bestandteile zu zerlegen und die Achse auszuwechseln.

Niza entpuppte sich als wesentlich größer, als wir es gestern vermutet hatten. Nach unserem Extrem-Anstieg auf den Berggipfel waren wir überzeugt gewesen, die Stadt bereits hinter uns gelassen zu haben. Doch wie Maria-Christin, unsere Gastgeberin uns in der Früh mitteilte, bestand Niza, bzw. Nice, wie es im Französischen hieß, ebenso wie Rom aus sieben Bergen. Und wir hatten gerade einmal den ersten davon überwunden. Der Abstieg auf die andere Seite dauerte über eine Stunde und auf halbem Wege bemerkte ich das erste Mal, dass mit meinem Wagen etwas nicht stimmte. Heiko schaute mich besorgt an, als ich den Wagen vorsichtig hin und zurück schob und dabei auf meinen rechten Reifen starrte.

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„Alles in Ordnung?“ fragte er.

„Keine Ahnung!“ antwortete ich, „irgendetwas schleift da und ich habe das Gefühl, dass der Abstand zwischen Bremsscheibe und Wagen mal größer und mal kleiner ist.“

Wir schauten uns alles genau an, konnten jedoch zunächst nichts feststellen. Dennoch kam das seltsame Schleifgeräusch noch viele weitere Male am Tag zurück. Ok, vielleicht war es sogar permanent da, doch für gewöhnlich war die Hintergrundgeräuschkulisse so laut, dass man es nicht hören konnte. Hier an diesem Ort, an dem wir nicht die leiseste Ahnung hatten, wie wir uns zurechtfinden sollten, war ein Achsbruch natürlich das letzte was wir brauchten. Bis Monaco waren es noch gute zehn Kilometer und es wurde bereits immer später. Eigentlich hatten wir geplant, die Stadt bereits am Mittag zu erreichen, um einmal komplett hindurch wandern zu können. Denn so wie die Lage in Canne und Nice war, hatten wir kaum noch Hoffnung, dass wir in Monaco einen Schlafplatz finden würden.

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Plötzlich hielt jedoch ein Auto neben mir und eine freundliche, ältere Dame schaute heraus. Wir wechselten keine drei Sätze und schon hatte sie uns zu sich eingeladen. Genialerweise wohnte sie auch noch direkt auf dem Weg und nicht auf einem Berggipfel, 300 Höhenmeter darüber.

Sie lebte in einem recht eigensinnigen Haus, das über einen Parkplatz und eine Werkstatt gebaut wurde und zu rund der Hälfte aus einer Mischung aus Balkon und Innenhof bestand. Alles war über und über vollgestellt mit lauter verschiedensten Dingen, von denen sie einen Großteil nach Senegal schicken wollte, um Waisenkindern eine Freude zu machen. Sie selbst hatte lange Zeit in Senegal gelebt und hatte daher einen besonderen Bezug zu diesem Land. Doch ihre weihnachtliche Geschenkaktion war nicht der einzige Grund für das geordnete Chaos, das in ihrem Haus herrschte. Sie konnte einfach nichts wegwerfen und auch wenn sie es selbst überhaupt nicht wollte, sammelte sich so immer mehr bei ihr an.

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Es war das zweite Mal in drei Tagen, dass wir in einen Messi-Haushalt eingeladen wurden. Die Familie mit den Obstkisten im Hof, die uns in Antibes vor der Straße gerettet hatte, hatte ebenfalls in einem Haus gewohnt, das bis unter die Decke vollgestapelt war. Die alten Herrschaften hatten sogar so viel Zeug, dass sie selbst nicht mehr wussten, dass es existierte. Beim Abendessen entschuldigte sich die Frau mehrfach dafür, dass sie nicht mehr anbieten könne, weil sie sehr arm wären. Währenddessen standen draußen im Hof mehrere Kisten mit Karotten und Tomaten, die langsam vor sich hingammelten. Sie waren lediglich hinter ein paar alte Schränke geraten und wenn man nicht so groß war wie wir, konnte man sie nicht mehr sehen. Zum Schlafen hatten wir uns in einem Nebenraum einen kleinen Platz auf dem Boden freigeschaufelt und dabei Werte von A nach B geschlichtet, die fast unvorstellbar waren. Doch weil niemand wusste, dass sie existierten, kamen sie sich arm vor.

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Ded hingegen wusste was für Zeug sie überall herumstehen hatte und ihr war auch bewusst, dass sie das meiste davon nicht brauchte.

„Was ist das denn?“ fragte Heiko und deutete auf ein paar skurrile Gläser mit extrem langen Stielen.

„Die sind zum Champagner trinken!“ erklärte Ded.

„Und wann hast du das das letzte Mal gemacht?“ fragte Heiko.

„Noch nie!“ antwortete sie, „ich habe ja gar keinen Champagner.“

„Nicht?“ fragte Heiko verwirrt, „und was ist mit der Flasche da?“

„Oh, stimmt!“ sagte die Frau, „die habe ich einmal gegen eine Tafel Schokolade eingetauscht.“

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Die Frage war nur, warum wir genau jetzt und so dicht hintereinander mit Menschen in Kontakt kamen, deren größtes Problem das Loslassen war? Wieder einmal ein Wink mit dem Zaunpfahl vom Universum? Um schlafen zu können mussten wir beide Male den Raum, der uns zur Verfügung gestellt wurde aufräumen um Platz zu schaffen.

Wie im Innen, so in Außen.

Auch in unserem inneren herrschte zurzeit ein Chaos, das aufgeräumt werden musste, wenn wir Ruhe finden wollten. Loslassen war die Devise. Und das auf so unglaublich vielen Ebenen.

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In Heiko brodelte es ebenfalls, heute noch einmal mehr als gestern. Seine Lunge schmerzte und brannte, doch der Schleim wollte sich einfach nicht lösen. Er wollte nicht raus, keinen Platz machen. Erst am Abend wurde es besser, dann floss die Rotze wie bei einer Weltmeisterschaft. Es waren viele Prozesse am werkeln. Das Jahr nahm sein Ende. Wo uns das alles wohl noch hinführt?

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Mich führte es heute jedenfalls erst einmal in die Garage unterhalb des Hauses, wo ich meinen Wagen reparierte. Es war eine Prüfung und auf seine ganz spezielle Art auch ein besonderes Geschenk. Denn ausgerechnet heute konnte mir Heiko wegen seiner Erkältung nicht zur Hand gehen. Ich musste also alles alleine machen und konnte die Verantwortung nicht klammheimlich wieder an ihn abgeben. Der Achswechsel selbst war nicht das Problem, doch die neue Achse musste noch gebohrt werden und wenn ich hier einen Fehler machte, dann hatte ich verloren. Die Achse würde dann erneut brechen und mehr Ersatz hatten wir nicht. Doch wie es das Schicksal wollte, hatte ich wieder mehr Glück als verstand und in der Werkstatt eines Schiffsbauers direkt neben mir, stand eine große Standbohrmaschine mit der man eigentlich nichts falsch machen konnte. Ich durfte sie nutzen und ich machte auch nichts falsch. Drei Stunden später war ich komplett schwarz von der Schmiere meiner Steckachsen, aber mein Wagen funktionierte wieder einwandfrei. Jetzt waren wir bereit für Monaco.

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Vorausgesetzt, dass sich die Gerüchte, über den Weg in den Kleinstaat als Irrtum herausstellten. Denn wie es hieß, sei die Straße dorthin seit dem letzten Regen abgerutscht und noch immer nicht repariert. Für Autos war sie deshalb die letzten Wochen gesperrt. Wahrscheinlich war sie ab heute wieder passierbar, zumindest für Fußgänger. Doch so genau wusste das niemand.

Spruch des Tages: Monaco, wir kommen!

 

Höhenmeter: 210 m

Tagesetappe: 16 km

Gesamtstrecke: 6560,37 km

Bewertungen:

 
2016-02-18T23:55:30+00:00 Frankreich, Tagesberichte|

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