Tag 334: Der 1. Dezember

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Tag 334: Der 1. Dezember

Tag 334: Der 1. Dezember

Der Blick auf die wild blinkende Werbeanzeige einer Apotheke ließ keinen Zweifel übrig: heute ist wirklich der erste Dezember! Damit sind wir nun bereits seit 11 Monaten unterwegs und es fehlen nun nur noch 31 Tage, zu unserem ersten Jahr als Nomaden! Es fällt uns selbst schwer das zu glauben. War nicht gerade erst der 1.1. an dem wir aufgebrochen sind?

Nun dauert es auch nicht mehr lange, bis Paulina uns das nächste Mal besuchen wird. Zumindest hoffen wir das, denn gerade sieht es ein bisschen so aus, als würden wir Weihnachten doch zu zweit verbringen müssen. Bei unserem Gespräch mit Paulina am gestrigen Abend klang sie niedergeschlagen und kraftlos. Zu groß und zu vielseitig erscheinen ihr die Veränderungen in ihrem Leben im Moment. Sie steht genau an dem Punkt, an dem auch ich schon viele Male stand und an dem wahrscheinlich jeder von uns einmal steht. Der Punkt, an dem einem die zu bewältigenden Aufgaben so groß und schwer vorkommen, dass man keine Hoffnung mehr hat, sie bewältigen zu können. Der Punkt, an dem man glaubt, man könne es niemals schaffen. Alles kostet Kraft und diese Kraft glaubt man einfach nicht mehr aufbringen zu können. Alles kommt einem anstrengend wie ein größer Kampf vor, dem man einfach nicht mehr gewidmet ist.

Das Leben ist eigentlich wie eine Fahrt mit einem tollen Auto, mit dem man überall leicht, schnell, einfach und mit Freude hinkommt. Doch wenn wir nicht aufpassen und uns zulange von unserem eigenen Lebensweg entfernen, dann kann es passieren, dass wir mit diesem Auto tiefer und tiefer in einen Sumpf fahren. Oftmals merken wir es nicht und machen es uns einfach im Sumpf gemütlich. Wir finden uns damit ab, dass wir nicht mehr vorankommen und glauben,das müsse so sein. Doch wenn wir es dann merken, dann wollen wir wieder zurück in die Leichtigkeit auf der Straße. Aber dafür müssen wir die Kraft aufbringen, uns selbst aus dem Sumpf wieder herauszuziehen. Das ist definitiv kein leichtes Unterfangen und ich muss sagen, dass auch ich noch immer so tief in diesem Sumpf stecke, dass ich oft nicht weiß wie ich je wieder auf festem Boden landen soll. Ich Frage mich ja oft genug sogar, wie so ein fester Boden überhaupt aussehen soll.

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Doch die Kraftlosigkeit ist nicht das einzige, was zwischen Paulina, uns und unserer Wiedervereinigung steht. Auch wenn sie hier mit uns ohne Geld lebt, so ist die Hin- und Rückreise doch sehr teuer und dieses Geld kann sie neben der Reisevorbereitung kaum aufbringen. Vor allem nicht, wenn sie sich kurz vor dem absoluten Burnout befindet.

 

Daher haben wir uns überlegt, Paulina mit einem Spendenaufruf aus der Patsche zu helfen. Weihnachten ist ja die Zeit der Familie und auch die Zeit der Spenden. Vielleicht möchte ja der eine oder die andere von euch Paulina auf ihrem Weg zur Heilerin und zur Wandernomadin ebenfalls unterstützen. Wir würden uns darüber sehr freuen, wenn es auf diese Weise möglich wäre, unsere kleine Weltreisefamilie über die heiligen Feiertage doch noch wieder zusammenzuführen.

 

Dafür darf sich jeder Spender dann auch etwas wünschen. Beispielsweise eine besondere Aufgabe, die wir gemeinsam erledigen müssen (Sowas wie: Lauft an heilig Abend mit Weihnachtsmannmützen durch das Land und beschenkt die Kinder mit Seifenblasen) oder ein Bericht zu einem bestimmten Thema, das euch schon lange interessiert. Vielleicht hat ja auch jemand vor, seine Weihnachten in Südfrankreich oder Norditalien zu verbringen und hat noch einen Platz im Auto frei. Oder jemand hat noch Bonusmeilen, die Ende des Jahres verfallen. Wir freuen uns auf eure Ideen und eure Unterstützung.

Mit dem 1. Dezember beginnt nun auch die Vorweihnachtszeit und eigentlich hätten wir heute das erste Türchen unseres Kalenders öffnen dürfen. Leider haben wir keinen Kalender und wir haben in der Früh ja nicht einmal bemerkt, dass wir den ersten Dezember haben. Trotzdem haben wir eine Art Kalendergeschenk bekommen, denn die lustige kleine Dekanin, die das Pfarrhaus betreute, in dem wir wohnen durften, hatte uns einem Presentkorb mit Äpfeln, Orangen und Eiern vor die Tür gestellt.

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Wirklich weihnachtlich war die Stimmung dennoch nicht so ganz. Vielleicht sind wir dafür ein bisschen zu weit weg. Doch immerhin gibt sich das Wetter alle Mühe um zumindest norddeutsches Weihnachtswetter zu imitieren. Es ist kalt, regnerisch und ungemütlich. Wieder einmal waren wir komplett durchnässt und durchweicht und durchfroren, als wir in unserem Zieldörfchen ankamen. Heiko versteckte sich vor des Kälte in einem Waschsalon und ich suchte nach dem Rathaus. Dass es hier in dieser Region selbst zu dieser Zeit und bei diesem Wetter noch immer eine Siesta gibt, zu der alles geschlossen hat, ist eher ein Hohn als eine gute Idee. So steht man ständig überall vor verschlossenen Türen. Besonders spannend wird es dadurch, dass man niemals weiß, wann diese Siesta beginnt und wann sie endet. In den meisten Orten findet sie zwischen 12:00 und 14:00 Uhr statt. Doch das muss nicht so sein. Das eine Rathaus öffnet erst wieder um 16:00, im nächsten gibt es keine Siesta und dafür schließt es um vier Uhr am Nachmittag. Dieses Rahthaus öffnete seine Pforten um 13:30 und so kehrte ich zunächst zu Heiko in den Waschsaal zurück, wo wir unsere Adventskalender-Orangen verputzten.


„Die Sache ist ein bisschen kompliziert!“ Erklärte mir der Rathausbeamte rund eine Stunde später. „Wir haben jemanden gefunden, der euch aufnimmt, aber der hat wieder jemand anderem bescheid gegeben. Wir wissen also, dass jemand kommt, um euch abholen, aber wir wissen nicht wann und nicht wer…“

Die Wartezeit nutzten wir für einen kleinen Abstecher zum Supermarkt, wo wir uns die Container einmal genauer anschauten. Das meiste war leider verdorben oder vermanscht. Aber wir fanden einen Kürbis, der noch astrein essbar war. Wir legten ihn auf die Seite, da wir ihn nicht mit in den Laden hineinnehmen wollten. Das war auch gut so, denn die Frau an der Kasse wollte beim hinausgehen meinen Rucksack inspizieren. Es wäre kein leichtes Unterfangen gewesen, ihr zu erklären, dass wir den Kürbis nicht aus dem Ladensortiment, sondern aus ihrem Mülleimer geklaut hatten.

Dann jedoch mussten wir entsetzt feststellen, dass wir es waren, die beklaut wurden. Denn unser fein säuberlich zurückgelegter Kürbis wär verschwunden. Das gab es doch nicht! Die konnten doch nicht einfach unser frisch geripptes Container-Gut klauen! Unser Verdacht fiel auf eine ältere Dame, die uns bei unserem Fund sehr genau beäugt hatte. Sie hatte nicht gefährlich ausgesehen und so hatten wir keinen Verdacht geschöpft. Wer hätte gedacht, dass sie es so faustdick hinter den Ohren hat. Wahrscheinlich schaut sie demnächst nun des Öfteren nach, ob es in den Abfallcontainern nicht noch gute Leckereien gibt. Wir müssen zwar heute ohne Kürbis auskommen, doch wenn das dadurch entstanden ist, dann hatte es ja doch noch einen guten Zweck.

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Höhenmeter: 40 m

Tagesetappe: 14 km

Gesamtstrecke: 6282,37 km

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About the Author:

Heiko Gärtner und Franz von Bujor sind ausgebildete Survivalexperten und Extremjournalisten. Seit 2014 wandern sie zu Fuß und ohne Geld um die Welt um auf diese Weise tiefe Einblicke in unsere Gesellschaft mit all ihren Facetten, Kulturen und Systemen zu bekommen. Als Medizinjournalisten sind sie unter anderem Mitglieder des Deutschen Fachjournalisten Verbandes und schreiben neben Artikeln für Blogs, Zeitungen und Magazine auch Sachbücher und Ratgeber. 2013 veröffentlichten sie gemeinsam ein Grundlagenwerk über Antlitzdiagnose mit dem Titel "Krankheiten auf einen Blick erkennen". 2016 folgte ihr zweites Werk "Die natürliche Heilkraft der Bäume". Dabei handelt es sich um ein Lehrbuch, um die Grundlagen der Naturheilung zu erlernen, wie sie seit Jahrtausenden von indigenen Völkern überall auf der Welt angewendet werden. Heiko Gärtner ist zudem gelernter Natur- und Landschaftspfleger, Wildnislehrer, Hochseilgartentrainer sowie Berg- und Höhlenretter. Nach seiner Ausbildung zum Versicherungsfachwirt leitete er unter anderem Motivation und Verkaufstrainings und übernahm später eine eigene Generalagentur. Aus dieser Zeit konnte er unter anderem auch ein umfangreiches Verständnis und Wissen aus den Bereichen Versicherungsrecht, Recht im Allgemeinen, Buchhaltung, Wirtschaftsmathematik und Unternehmensführung mitnehmen. Um mehr seinem Herzensweg zu folgen, gab er seine Büro-Karriere schließlich auf, um sich zum Survivalexperten, Nationalparkranger und Wildnismentor ausbilden zu lassen. In diesem Rahmen besuchte er unter anderem Naturvölker in Neuseeland, Kanada, den USA und Thailand. Dabei gründete er unter anderem seine eigene Wildnisschule, die bis heute besteht und Ausbildungen aus dem gesamten Wildnissektor anbietet. Franz von Bujor ist studierter Kultur- und Sozialpädagoge, sowie ausgebildeter Wildnislehrer, Mediator und Erlebnispädagoge. Auf seinen vielzähligen Reisen unter anderem nach Australien und Lateinamerika sammelte er Expertenwissen im Bereich alternatives Leben und Reisen, Minimalismus, Backpacking und Work and Travel, sowie allgemein im Bereich Kunst, Kultur, Religion und Geschichte. Seit 2016 lebt er als Wandermönch.

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