Tag 8: Eine neue Etappe auf unserer Weltreise

///Tag 8: Eine neue Etappe auf unserer Weltreise

Tag 8: Eine neue Etappe auf unserer Weltreise

Tag 8: Eine neue Etappe auf unserer Weltreise

Als wir heute in der Früh aufstanden, wartete im Wohnzimmer bereits ein leckeres und überaus reichhaltiges Frühstück auf uns. Lore war bereits zur Arbeit gegangen und hatte uns einen kleinen Abschiedszettel hingelegt: „Lasst es euch schmecken! Ich wünsche euch einen guten Weg und passt gut auf euch auf. Für den Notfall habt ihr hier meine Telefonnummer. Liebe Grüße Lore“ Von so einer lieben Bewirtung hätten wir auf dem Weg nach Rothenburg nicht einmal zu träumen gewagt.

Mit dem Erreichen von Rothenburg ob der Tauber, haben wir auch unseren ersten Jakobsreiseführer durchgearbeitet. Heute haben wir also zum ersten Mal den zweiten Führer „Der Jakobsweg – Rothenburg ob der Tauber bis Speyer“ von Renate Florl aufgeschlagen. Oder besser gesagt angeklickt, denn wir haben ihn ja aus gewichtstechnischen Gründen in digitalisierter Form dabei. Ohne diesen Wanderführer wären wir auch wieder gleich am Anfang aufgeschmissen gewesen, denn in der Rothenburger Innenstadt sind Jakobswegwegweiser aus irgendeinem Grund verboten. Dafür begrüßte uns der heutige Tag dann mit dem bisher beeindrucktesten Streckenabschnitt.

Vor uns öffnete sich das Taubertal in das unser Weg über einen schlängeligen, steilen Pfad hinabführte. Die Aussicht war gewaltig. Unten angekommen liefen wir an einer ebenso beeindruckenden Kirche vorbei und unter einer alten, steinernen Brücke hindurch. Wie zu erwarten gewesen war, mussten wir kurze Zeit später natürlich auf der anderen Seite wieder hinauf, aber für den Ausblick hatte es sich allemal gelohnt. Das fanden wir sogar noch unterm Keuchen und Schnaufen.

Noch lange konnten wir auf die Türme der Stadt zurückblichen, während wir über die Hochebene liefen. Von hier an kamen wir in ein Agrargebiet, dass wir bis zum späten Nachmittag nicht mehr verließen. Wohin wir auch sahen, soweit das Auge reichte, gab es nur Felder. Hin und wieder unterbrochen durch vereinzelte Baumgruppen oder kleine Ortschaften, in denen die Menschen lebten, die sich um die Felder kümmerten. Als wir an einem riesigen Stall vorbeikamen, aus dem es ununterbrochen fiepte und schnatterte, konnten wir unsere Neugier nicht mehr zügeln. Wir stellten unsere Wagen ab und kletterten auf den Betonsims um durch die Fenster ins Innere sehen zu können. Es verschlug uns fast den Atem. In der großen Halle, lebten dicht an dicht gedrängt mindestens 3000 Truthähne. Sie hockten so eng aufeinander, dass sie sich nicht bewegen konnten, ohne einen ihrer Artgenossen anzurempeln. Wie eine Welle in einem Fußballstadion ging immer wieder ein intervallartiges Raunen oder Schimpfen durch die Menge. Als wir den Tieren in die Augen blickten spürten wir eine tiefe Traurigkeit, die von ihnen ausging.

Bei unserem Weiterweg mussten wir noch lange an die eingepferchten Vögel denken. Der Bauer Stief, bei dem wir vor einigen Tagen übernachtet hatten, hatte uns erzählt, wie stark die Auflagen für den Tötungsprozess von Zuchttieren sind. Warum aber machen wir solch einen Aufstand um das Töten, wenn die Tiere niemals leben durften? Denn leben kann man es nicht nennen. Es ist vielmehr ein Warten auf den Tod. Und diese Truthahnzucht ist da ja keine tragische Ausnahme. Sie ist vielmehr der einzige Weg, mit der sich der Bauer, der sie betreibt noch über Wasser halten kann.

Ein freundlicher Landwirt, den wir einige Kilometer später trafen, schilderte uns die andere Seite der Medaille. Er war gerade in Rente gegangen und seine Tochter wollte den Hof nicht übernehmen. Damit war er der letzte in einem jahrhundertealten Familienbetrieb, der nun aufgelöst wurde. Es tat ihm weh, aber er konnte seine Tochter gut verstehen. Mit 50 Hektar Land könne man heute keinen Betrieb mehr führen. Wäre es nicht pensioniert worden, hätte er den Betrieb demnächst dennoch aufgeben müssen. „Man kann nur entweder riesig werden, oder aufhören,“ sagte er. „Mehr Optionen hast du als Landwirt heute nicht mehr.“ Wie will ein Landwirt seine Nahrung auf gesunde und ethisch vertretbare Weise produzieren, wenn niemand bereit ist, diese Qualität zu bezahlen?

Ein Brathähnchen kostet an der Imbissbude 3,20€. Zieh davon einmal die Standgebühren, das Gehalt des Verkäufers, die Energiekosten, das Wasser und das Futter für das Tier und die Kosten für die Schlachtung ab, dann weißt du, was ein Bauer davon am Ende übrig hat! Doch wie soll uns unsere Nahrung heilen und gesund halten, wenn sie unter so kranken Bedingungen aufwächst? Wie soll sie uns positive Energie geben, wenn es im Leben der Tiere und auch der Pflanzen nichts positives gab? Irgendwie sind wir schon ein komisches Volk geworden.

Am späten Nachmittag kamen wir dann durch ein größeres Waldstück und gelangten schließlich nach Schrozberg. Unsere Füße waren inzwischen so Platt, das wir Briefe damit hätten frankieren können. An der Pfarrei begrüßte uns die Frau des Pfarrers, die uns ins Gemeindehaus führte, wo wir die Nacht verbringen dürfen. Bevor wir es uns hier jedoch häuslich einrichteten, machten wir noch einen kleinen Streifzug durch den Ort. In der Schlachterei bekamen wir von der Besitzerin ein unvergleichliches Abendessen. Heiko hatte sich bereits seit gestern Mittag Essiggurken gewünscht, und jetzt fragte und die freundliche Dame, ob wir nicht auch noch ein paar Essiggurken zu unserer Wurst haben möchten. Wir können es noch immer kaum fassen, wie herzlich die Menschen sind, und wie passgenau es mit der Anziehungskraft der Gedanken funktioniert.

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Spruch des Tage: Essen ist ein Bedürfnis – Genießen ist eine Kunst!

Tagesetappe: 24,5 km

Gesamtstrecke: 178,37km

Bewertungen:

 
51
2019-03-12T03:37:23+00:00 Deutschland, Tagesberichte|

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One Comment

  1. ines 10. Februar 2014 at 12:13 - Reply

    Genießen ist ein Bedürfnis, Essen ist eine Kunst- die darin besteht zu essen wenn man Hunger hat und nicht wenn man Genuss sucht.

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