Tag 536: Medjugorje – Teil 3

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Tag 536: Medjugorje – Teil 3

Tag 536: Medjugorje – Teil 3

Noch 26 Tage bis zum Treffen mit Paulina!

 

Fortsetzung von Tag 535:

Darrel hatte bei einem unserer Treffen einmal gesagt, dass es unterschiedliche Qualitäten von Energien gibt, die einen Kraftplatz ausmachen. Da wir Gesellschaftsmenschen uns sehr viel mit aktiver Energie umgeben, also häufig im Stress, in Aufregung und in Action sind, sehnen wir uns nach Orten mit passiver Energie, die es uns ermöglichen, zur Ruhe zu kommen, Besinnung zu finden und gelassen zu werden. Dies sind Orte, an die es die Menschen schon immer gezogen hat, um dort Heilung zu finden. Viele dieser Orte wurden daher zu heiligen Plätzen bestimmt, an die nicht selten auch Tempel oder Kirchen gebaut wurden. Eben so ein Ort war auch Medjugorje. Energie ist jedoch nichts statisches, was bedeutet, dass sich alles in einem Fluss befindet. Wenn also viele Menschen an einen Kraftplatz mit ruhiger Energie kommen, dabei aber ihre aktive Energie mitbringen, dann verändern sie diesen Platz dadurch. Die passive Energie wird aktiviert und der Ort wird immer mehr von einem Platz der Ruhe und der Heilung zu einem Platz der Handlung und der Aktivität. Einkehr zu finden ist dann nicht mehr möglich, dafür entstehen dann andere Dinge. So wurden viele der alten Kraftplätze, die einst Orte des Rückzugs waren später zum Mittelpunkt kleiner Dörfer, die sich in große Städte verwandelten.

Hier auf dem Erscheinungsberg in Medjugorje konnte man die ruhige, passive Energie noch immer spüren, doch man spürte auch, dass sie immer mehr in eine aktive, Energie verwandelt wurde. Jeder Mensch, der hier herkam, brachte seine Erwartungen mit und viele wollten ihr Leid und ihren Schmerz hier ablegen um geheilt zu werden.

Als unsere Hintern platt genug waren um uns von der Aussicht lösen zu können, machten wir uns wieder an den Abstieg und auf den Heimweg zum Malteserhaus. Auch beim zweiten Mal war es nicht ganz einfach den Weg zu finden, denn die Einheimischen hatten zwar viel in eine Infrastruktur in Form von Hotels und Geschäften investiert, an Wegweiser und schöne Wanderwege hatten sie jedoch nicht gedacht.

Bereits von weitem hörten wir das schräge Gequietsche, das eigentlich ein Gesang hätte sein sollen, der den Abendgottesdienst begleitete, der auf dem Freiluftaltar hinter der Kirche stattfand. Besonders friedlich klang dieses Ave-Maria, dass da in die Welt hinausposaunt wurde nicht. Wenn die Gottesmutter bislang hier regelmäßig erschienen war, dann war sie jetzt in diesem Moment sicher gerade dabei, es sich noch einmal zu überlegen, ob sie sich das nochmals antuen sollte. Ein kleiner Junge, der mit seinem Vater vor uns über den Platz ging, sah das offensichtlich ähnlich. Er hatte die Zeigefinger jeder Hand bis zum Anschlag in seine Ohren gesteckt und schaute mitleiderweckend drein. Heiko klopfte ihm auf die Schulter und meinte: „Ich kann dich verstehen, Junge!“ Auch sein Vater musste dabei grinsen. Auffällig war auch, das sich die meisten Besucher des Gottesdienstes auf die hintersten Bänke zurückgezogen hatten um dem Spektakel aus sicherem Abstand zusehen und vor allem zuhören zu können. Einige hatten sich sogar Klappstühle mitgenommen, die sie noch hinter die letzten Bänke auf die Wiese gestellt hatten, und das obwohl die meisten vorinstallierten Bänke vollkommen frei waren. Später erfuhren wir von unseren Gastgebern jedoch, dass hier täglich andere Sänger auftraten und dass die meisten von ihnen sogar singen konnten.

Bei seinem ersten Rundgang über das Kirchengelände war Heiko an einer bronzenen Jesusstatue vorbeigekommen, vor der eine lange Schlange an Menschen auf irgendetwas wartete. Der jeweils erste in der Schlange trat dann auf ein kleines Holzpodest neben dem rechten Bein von Jesus und wischte wie wild mit einem Lappen an dessen Knie herum. Die Malteser hatten uns erzählt, dass dieses Schauspiel mit einem ganz besonderen Phänomen zu tun hatte. An dieser Stelle befand sich im Metall der Statue ein kleiner Fehler, der vom Künstler eigentlich nicht beabsichtigt war. Es war eine winzige Macke oder ein kleiner Riss und aus irgendeinem Grund, den sich niemand so recht erklären konnte, tropfte Wasser aus diesem Riss heraus. Das war nicht immer so, es hatte einfach eines Tages angefangen. Irgendjemandem war es aufgefallen und kurz nachdem er dieses Wasser aufgewischt und sich selbst damit bestrichen hatte, war ein Wunder geschehen. Was das für ein Wunder war weiß ich leider nicht, aber wahrscheinlich wurde er von irgendetwas geheilt. Seither hatte sich die Kunde verbreitet, dass dieses Wasser, dass Jesus Bein entrann, magische Kräfte hatte. Mehr noch, es war wahrscheinlich sogar das Blut von Jesus selbst, denn immerhin tropfte es aus seinem Bein.

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Nun, da sich fast alle Menschen beim Gottesdienst versammelt hatten um sich dem Ave-Maria zu stellen, war die Schlange vor der blutenden Jesus-Statue relativ kurz. Kurz genug um uns die Sache auch einmal aus der Nähe anzuschauen.

Die Schlange bestand aus etwa 10 Personen, die alle schon recht genervt dreinblickten und missmutig die Frau anstarrten, die vorne auf dem Sockel stand. Sie hielt ungefähr eine Einkaufstasche voller Tücher in der Hand und wollte mit dem Bein-Abwischen einfach nicht mehr aufhören. Der einzige, der wirklich entspannt dabei bleiben konnte, war ein zotteliger Hund, der dem Jesus zu Füßen lag und die letzte Abendsonne genoss, ohne sich um die Menschen zu kümmern, die um ihn herumstanden.

Wieder kramte die Frau ein neues Tuch hervor und ich war mir sicher, dass einer der Wartenden gleich explodieren und sie verprügeln oder wenigstens vom Sockel stoßen würde. Würden wir in einem Comic leben, dann hätten sie in diesem Moment alle so lustige Totenköpfe, Ausrufungszeichen und Bomben mit Zündschnüren über dem Kopf gehabt. Doch kurz bevor sich die Frau wirklich in ernsthafte Lebensgefahr begab, steckte sie ihre Tücher ein, wischte ein letztes Mal mit der Hand über das Bein, küsste es dann, bekreuzigte sich, küsste es erneut, verneigte sich und verließ dann den Sockel um Platz für die anderen zu machen. Ihre Ruhe wahr bewundernswert! Ebenso, wie das kollektive Seufzen der Erleichterung, als es nun endlich wieder voran ging.

Die Nachfolger brauchten jeweils nur rund zehn bis zwanzig Sekunden und so dauerte es nun keine zwei Minuten mehr, bis auch wir an der Reihe waren. Und tatsächlich! Aus einer kleinen Einkerbung im Bein der Statue lief ein winziger Wassertropfen heraus. Heiko wischte ihn weg und nur eine Sekunde später kam ein neuer. Da wir uns keine heiligen Jesus-Statue-Blut-aufwisch-Tüchlein für 6€ am Souvenirstand gekauft hatten, mussten unsere Halstücher herhalten. Außerdem wischten wir einmal mit der Hand über das Metall und Heiko berührte anschließend seine Ohren und die schmerzende Schulter, ich meine Augen, meine Trichterbrust und meinen verklemmten Rückenwirbel. Wer weiß, wenn es wirklich stimmte, dass dieses Wasser heilte, dann konnte man es zumindest versuchen. Die bloße Tatsache, dass es einfach so aus der Statue kam war jedenfalls faszinierend. Eine wirklich logische Erklärung hatten auch wir dafür nicht. Klar konnte es sein, dass die Statue durch die Sonne erhitzt wurde, so dass Wasser aus dem Boden in ihr verdampfte, sich niederschlug und dann wieder nach unten lief. Aber würde es dann wirklich so kontinuierlich aus einem so winzigen Haarriss im Bein laufen? Möglich war es, aber doch schon sehr unwahrscheinlich. Zu unwahrscheinlich jedenfalls um einfach bloß ein Zufall zu sein.

Als wir von der Statue zurücktraten und sie uns noch einmal im ganzen anschauten, hielt Heiko plötzlich inne. „Sie mal!“ sagte er und deutete in den Himmel, „die Wolke dort sieht aus wie eine Friedenstaube!“ Er hatte Recht, die Wolken formten wirklich eine weiße Taube am Himmel, das christliche Symbol für die Verbindung mit dem heiligen Geist. Langsam wurde es doch ein bisschen mystisch.

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Gleichzeitig wurde es aber auch ein bisschen kalt und windig, sodass wir beschlossen, ins Haus der Malteser zurückzukehren um uns aufzuwärmen. Um Empfangsraum trafen wir wieder auf Ludger, mit dem wir sofort ein längeres und sehr interessantes Gespräch begannen.

Jedes Jahr kommen mehr als eine Million Menschen von überall aus der Welt nach Medjugorje. Die Malteser führen eine Statistik darüber, wer bei ihnen in Behandlung war und woher er stammt. Dabei haben sie nun bereits mehr als 80 verschiedene Nationen aufgeführt.

Bernhard zeigte uns auch Fotos, die er in den Jahren seit seinem ersten Dienst hier gemacht hatte. Wolken in Vogelform waren hier offensichtlich keine Seltenheit. Einmal war bei einem abendlichen Gottesdienst mit besserem Gesang die Wolkendecke aufgerissen und hatte nur ein paar Sonnenstrahlen hindurchgelassen, die genau den Altar erhellt hatten. Was es genau war, wusste er auch nicht, aber Bernhard war sich sicher, dass es hier eine besondere Energie gab. Man konnte es spüren, jeder auf seine eigene Weise.

Doch diese Energie hatte vielleicht auch ihre Schattenseiten, die noch unerklärlicher waren, als die Zeichen des Lichtes und des Friedens. Als Sanitäter hatte Bernhard natürlich hauptsächlich mit den Kranken oder Verletzten zu tun. Das meiste waren dabei Unfälle mit verstauchten Füßen oder Schürfwunden, wenn Menschen bei der Besteigung des Erscheinungsberges oder des Kreuzberges stürzten oder umknickten. Häufig waren auch Überhitzungen oder Überanstrengungen, sowie Kreislaufzusammenbrüche und dergleichen. Doch es gab auch immer wieder Fälle, die anders waren und die sich der Rettungssanitäter und ehemalige Soldat nicht erklären konnte. Die er sich auch nicht erklären wollte, weil sie einfach zu weit von dem entfernt waren, was er mit dem Verstand begreifen konnte. Immer wieder kamen Menschen in die Station, die wild zuckten, die sonderbare Krämpfe hatten, die lauthals schrien oder stöhnten, die um sich schlugen, die Fluchten und Schimpften und die teilweise sogar auch Sprachen redeten, die sie selbst gar nicht kannten. Es waren Fälle von Besetzungen, also Fälle in denen Menschen von anderen Geistern oder Dämonen besetzt waren, die sich hier an diesem Ort von ihnen lösen sollten, es selbst aber nicht unbedingt wollten. Oft kamen dann Pfarrer mit in die Station um sich um diese Menschen zu kümmern. Einmal verbrachte ein Pfarrer mehrere Stunden mit einer Patientin hier bei den Maltesern um den Geist durch Exorzismus aus der Frau auszutreiben. Manchmal gelang es und die Menschen beruhigten sich wieder. Manchmal gelang es nicht. In diesem Fall verlor der Oberarzt irgendwann die Geduld und spritzte der Frau ein starkes Beruhigungsmittel. Die Zuckungen hörten auf und die Frau kam wieder mehr oder weniger zu Besinnung. Sie wurde zurück in ihr Hotel gebracht und alles schien wieder gut zu sein. Vielleicht war es doch kein dunkler Geist, sondern nur ein Krampfanfall. Später aber erfuhren sie, dass die Frau im Hotel wieder einen Anfall bekommen hatte, dass sie wieder außer Kontrolle geriet und dass es dieses Mal sogar noch heftiger wurde. Letztlich wusste man sich nicht anders zu helfen, als sie in eine Psychiatrie einzuweisen. Was aus ihr geworden ist, erfuhren wir leider nicht. Irgendwie machte es uns aber ein bisschen traurig, dass man die Frau eingewiesen hatte. Wenn sie wirklich besetzt war, dann war dies doch genau der Ort, an dem sie auf Hilfe hoffen konnte.

„Wir halten uns aus diesen Dingen jedenfalls raus!“ sagte Bernhard, „Ich weiß nicht was da los ist, ich kann nur sagen, was ich sehe. Doch wir sind für solche Fälle nicht zuständig. Das sage ich auch unseren Leuten hier. Wir kümmern uns um Verletzungen und um den Erhalt der Lebensfunktionen. Für den Rest sind die Pfarrer zuständig.“

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Das, was er uns über die Besetzungen erzählte, beschäftigte uns noch eine ganze Weile und gab ausreichend Gesprächsstoff für unsere Wanderung am nächsten Tag. Viele Fragen kamen in uns auf. Was bringt es dem Menschen oder dem Dämon, wenn er plötzlich in fremden Sprachen spricht, zittert und wild zuckt? Das Verkrampfen hat vielleicht mit dem Loslassen, bzw. der Angst davor zu tun, aber was ist mit dem Fluchen und den Fremdsprachen? Gibt es so etwas wie böse Geister überhaupt? Wie ist das Möglich, wenn doch eigentlich alles aus Liebe besteht? Die Einheimischen sagen, dass es vor allem die besonders frommen und reinen Menschen sind, die vom Teufel besetzt werden, denn diese sind für ihn am interessantesten. Die anderen kommen ja irgendwann von alleine. Eine interessante Theorie, aber was steckt wirklich dahinter? Noch sind wir nicht soweit, aber irgendwann demnächst gehen wir auch auf dieses Thema noch einmal genauer ein.

Spruch des Tages: Eines Tages sagte die Liebe zur Freundschaft: „Wozu existierst du überhaupt, wo es doch mich gibt?“

Und die Freundschaft sprach: „Weil ich fähig bin ein Lächeln zu zaubern, wo du Tränen hinterlässt.“

Höhenmeter: 390m

Tagesetappe: 18 km

Gesamtstrecke: 9672,77 km

Wetter: Dauerregen, fast den ganzen Tag lang

Etappenziel: Krankenzimmer der Pfarrei, Cerovica, Bosnien und Herzegowina

Bewertungen:

 

About the Author:

Heiko Gärtner und Franz von Bujor sind ausgebildete Survivalexperten und Extremjournalisten. Seit 2014 wandern sie zu Fuß und ohne Geld um die Welt um auf diese Weise tiefe Einblicke in unsere Gesellschaft mit all ihren Facetten, Kulturen und Systemen zu bekommen. Als Medizinjournalisten sind sie unter anderem Mitglieder des Deutschen Fachjournalisten Verbandes und schreiben neben Artikeln für Blogs, Zeitungen und Magazine auch Sachbücher und Ratgeber. 2013 veröffentlichten sie gemeinsam ein Grundlagenwerk über Antlitzdiagnose mit dem Titel "Krankheiten auf einen Blick erkennen". 2016 folgte ihr zweites Werk "Die natürliche Heilkraft der Bäume". Dabei handelt es sich um ein Lehrbuch, um die Grundlagen der Naturheilung zu erlernen, wie sie seit Jahrtausenden von indigenen Völkern überall auf der Welt angewendet werden. Heiko Gärtner ist zudem gelernter Natur- und Landschaftspfleger, Wildnislehrer, Hochseilgartentrainer sowie Berg- und Höhlenretter. Nach seiner Ausbildung zum Versicherungsfachwirt leitete er unter anderem Motivation und Verkaufstrainings und übernahm später eine eigene Generalagentur. Aus dieser Zeit konnte er unter anderem auch ein umfangreiches Verständnis und Wissen aus den Bereichen Versicherungsrecht, Recht im Allgemeinen, Buchhaltung, Wirtschaftsmathematik und Unternehmensführung mitnehmen. Um mehr seinem Herzensweg zu folgen, gab er seine Büro-Karriere schließlich auf, um sich zum Survivalexperten, Nationalparkranger und Wildnismentor ausbilden zu lassen. In diesem Rahmen besuchte er unter anderem Naturvölker in Neuseeland, Kanada, den USA und Thailand. Dabei gründete er unter anderem seine eigene Wildnisschule, die bis heute besteht und Ausbildungen aus dem gesamten Wildnissektor anbietet. Franz von Bujor ist studierter Kultur- und Sozialpädagoge, sowie ausgebildeter Wildnislehrer, Mediator und Erlebnispädagoge. Auf seinen vielzähligen Reisen unter anderem nach Australien und Lateinamerika sammelte er Expertenwissen im Bereich alternatives Leben und Reisen, Minimalismus, Backpacking und Work and Travel, sowie allgemein im Bereich Kunst, Kultur, Religion und Geschichte. Seit 2016 lebt er als Wandermönch.

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