Tag 219: Geschenke ohne Ende

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Tag 219: Geschenke ohne Ende

Tag 219: Geschenke ohne Ende

Heute war der Tag der großen Geschenke und der großen Umpackaktionen. Nach gut 13 Kilometern der Wanderung mitten durch die Weizenfelder kamen wir gegen 11:00Uhr in Peñaranda de Bracamonte an und noch ehe wir wirklich danach suchen konnten, standen wir schon direkt vor dem Postamt.

Wir suchten uns einen Platz als Basislager und nacheinander holten erst ich und dann Heiko unsere Pakete ab. Meine Eltern hatten uns eines auf meinen Namen geschickt und Heikos zwei auf seinen. Heute war also der Tag der großen Bescherung und der vielen Geschenke. Danke an Heikos und an meine Eltern für die viele Mühe und für die tollen Sachen, die ihr uns wieder beigelegt habt. Heute Nacht und in den nächsten Tagen können wir nun ein ordentlich Nüsse schlemmen und unsere Energiereserven wieder einmal kräftig auffüllen. Danke an Mama und Papa für die neuen Getränkeflaschen, die zu 100% ohne Kunststoff und Aluminium auskommen und aus denen wir nun endlich gesundes Wasser trinken können, auch wenn es noch so heiß ist. Danke auch für die kleinen Edelstahldosen für die Plastikfreie Essensaufbewahrung und für die vielen anderen kleinen Dinge, die uns den Alltag erleichtern und uns vor Pannen schützen. Danke an meine Schwester und ihren Freund Sören für die neue Kontaktjonglage-Kugel. Damit können wir nun auch im Sonnenlicht und auf Steinboden üben, ohne Angst vor Verbrennungen oder dem Zerbrechen der Kugel haben zu müssen.

Danke an Heikos Eltern, dass ihr gleich zwei Pakete geschickt habt, weil die Sachen so ungünstig angekommen sind. Wir haben heute einige Dinge aussortiert, die wir nicht brauchen und haben sie mit der Post zurückgesendet. Uiuiui, ist das teuer! Wir hatten ja keine Ahnung! Dass es nicht ganz billig ist war uns ja klar, aber 40€ für 3,5kg? Damit hatten wir auf keinen Fall gerechnet. Das war alles, was wir in den letzten Monaten an Geld von den Menschen hier geschenkt bekommen haben. Ein wirklich fettes Danke an unsere Eltern also noch einmal dafür.

Danke an die Firma Scarpa-Schuhe für die neuen Halbschuhe! Endlich können wir nun wieder wandern, ohne dass unsere Füße an einem Hitzschlag sterben. Vor allem jetzt, wo ich diese fette Blase an meiner rechten Ferse habe, ist es ein wahrer Segen! Heute hat sie sich übrigens abgelöst, so dass jetzt die darunterliegende Hautschicht offen liegt. Ich weiß nicht genau, ob mich das jetzt beruhigen soll oder nicht, aber ich hoffe es wird sich bessern. Ok, es sieht echt übel aus!

Danke auch an die Firma Schwalbe für die neuen Reifenmäntel. Der erste Satz hat uns nun erreicht und macht einen wirklich guten Eindruck. Die Mäntel sind so konstruiert, dass man locker durch eine Reißzwecke oder durch spitze Dornen damit fahren kann, ohne dass es ein Loch im Schlauch gibt. Auf dem Weg zu unserem Schlafplatz ist Heiko gleich einmal mit einer gekonnten Scheiß-Egal-Haltung durch die Glasscherben auf dem Weg, während ich vorsichtig um sie herumfuhr. Meine alten Mäntel halten noch eine Weile und so lange werde ich noch vorsichtig fahren müssen. Für alle abenteuerlustigen Fahrradfahrer und Pilgerwagenzieher ist hier einmal ein Video über die Funktionsweise der Reifen:

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Und Danke an meine Eltern und an die Firma nu3, die uns mit Heilkräutern, Algen und Sango versorgt haben, damit wir die Giftstoffe, die wir über die Nahrung aufgenommen haben wieder ausleiten können. Wir haben viel über die Wirkungen gelesen und können es nun selbst einmal ausprobieren. Wenn es wirklich so funktioniert wie wir uns das erhoffen, dann haben wir vielleicht endlich auch positive Antworten auf die vielen Hiobsbotschaften über die Giftstoffe des Alltags von denen wir euch berichten. Danke auch an Heikos Eltern für das Kokos und das Sesamöl, aus denen wir uns heute endlich eine eigene Sonnencreme mischen konnten. Auch die werden wir nun testen und euch demnächst erzählen, wie gut sie funktioniert.

Mit all diesen Geschenken standen wir nun auf dem Plaza de España in Peñaranda de Bracamonte und begannen unser Hab und Gut von Grund auf umzusortieren. Es dauerte nicht lange und wir hatten alles gleichmäßig über den Boden verteilt. Alles konnten wir nicht behalten, wenn das neue dazu kam, dann musste etwas altes weg. Heiko sortierte die Kabel für die Elektronik und alles in allem schafften wir es, 3,5kg zusammenzubekommen, die wir nicht benötigten. Dass es in meinem Wagen auch noch einiges an unnützem Material gab, viel mir erst später auf. Ganz offensichtlich habe ich einen gewissen hang zum Messi-Verhalten und kann nichts wegwerfen oder mich anderweitig davon trennen. So kam es, das mein Wagen am Ende fast zerbrach, ohne dass ich mir bewusst war, woran es liegen konnte. Es folgen einige bissige Kommentare von Heiko und einige „Ups, ich wusste gar nicht, dass das da ist!“-Äußerungen von mir und schon war mein Wagen wieder ausgepackt und erneut über den Platz verteilt. Nach einer weiteren Aussortierung und mit einem neuen Packsystem war er nur noch halb so schwer. Gefühlt natürlich. Ordnung und Übersicht bewahren ist offensichtlich nicht so mein Ding, obwohl ich dachte, ich wäre schon recht gut geworden. Aber ich habe ja noch Zeit.

Als wir mitten in unseren Sachen auf dem Platz knieten kamen plötzlich zwei Polizisten, und wollten wissen, ob wir hier einen illegalen Markt aufbauten. Wir mussten lachen und erklärten ihnen, was wir machten. Jetzt, wo ich neben ihnen stand und alles mit einem gewissen Abstand betrachtete, sah es wirklich so aus, als hätten wir hier einen Marktstand eröffnet.

Kurze Zeit später erhielten wir dann eine Nachricht von Heikos Vater, der uns mitteilte, dass wir sogar noch mehr Geschenke bekommen hatten, die nun bei ihm zu hause darauf warteten, abgeschickt zu werden. Vielen, vielen Dank an dich Susi, für die Schuhe und die Sonnencreme! Das ist wirklich klasse!

Das einzige Problem, das nun immer noch nicht gelöst war, war die Frage, wo wir heute schlafen sollten. Die Hotels und der Pfarrer hatten uns bereits abgesagt und langsam gingen uns die Optionen aus. Doch da kamen wieder die beiden Polizisten ins Spiel, die uns ja bereits kennengelernt hatten. Sie telefonierten mit ein paar Leuten und kamen kurz darauf mit der vielversprechenden Nachricht zurück, dass irgendwann im Laufe des Tages irgendjemand kommen würde, der uns irgendwo einen Raum anbieten würde. Unsere Umräumaktion nahm den ganzen Nachmittag in Anspruch und so kam es, dass die beiden Polizisten und der dritte Mann genau in dem Moment kamen, als wir fertig waren. Sie brachten uns aus der Stadt heraus zum Schwimmbad und meinten, dass wir hier in einer Halle schlafen konnten. Es war schon ein ulkiges Gefühl, mit Polizeibegleitschutz durch die ganze Stadt geführt zu werden.

Das Problem war nur, dass der Mann mit dem Schlüssel für unsere Halle nicht da war und erst am späten Abend kommen würde. So lange mussten wir uns also noch beschäftigen. Mit einem Pilgerwagen an der Seite ist das jedoch kein Problem, denn Heiko hatte auf dem Weg hierher festgestellt, dass seine Räder irgendwie komisch aussahen. War vielleicht die Achse doch wieder kaputt? Wir bauten den ganzen Wagen auseinander und wieder zusammen, wobei wir feststellten, dass offensichtlich alles in Ordnung war. Nur der eine Bremsklotz musste erneuert werden und bis wir damit fertig waren war auch der Abend schon fast rum. Unser Schlüsselmeister kam gut eine halbe Stunde nach der verabredeten Zeit, was für Spanien normal war, uns aber trotzdem etwas nervös machte.

Schließlich hatten wir alles verstaut und konnten uns auf die Suche nach einem Abendessen machen. Wieder wurden wir reich beschenkt! Gleich das erste Restaurant spendierte uns eine Suppe mit Meeresfrüchten und ein Schnitzel mit Pommes. Ein gelungener Abschluss für einen durch und durch verplanten aber reichen Tag.

Jetzt beim Berichtschreiben und Mails checken bekamen wir dann das vorerst letzte Geschenk des Tages: Carlos und Beate, die wir auf dem Camino in Portugal kennengelernt hatten, wollen mich wirklich mit 7€ im Monat unterstützen. Und darüber hinaus, suchen sie auch noch jemanden, der das Exposee von unserem Buch „Krankheiten auf einen Blick erkennen“ ins Spanische übersetzt, damit wir es auch hier veröffentlichen können! Vielen Dank dafür auch an euch beide!

Zu guter Letzt bleibt noch zu erwähnen, dass wir unsere Liste mit kuriosen Schlafplätzen um zwei weitere aufstocken konnten. Gestern Nacht haben wir letztlich doch nicht im Tageszentrum für Senioren übernachtet, sondern in einer Turnhalle. Und heute dürfen wir in einer Kletterhalle schlafen.

Spruch des Tages: Vielen, vielen Dank an alle die uns auf unserem Weg unterstützen!

Höhenmeter: 120 m

Tagesetappe: 13 km

Gesamtstrecke: 4363,97 km

Bewertungen:

 
Heiko Gärtner und Franz von Bujor sind ausgebildete Survivalexperten und Extremjournalisten. Seit 2014 wandern sie zu Fuß und ohne Geld um die Welt um auf diese Weise tiefe Einblicke in unsere Gesellschaft mit all ihren Facetten, Kulturen und Systemen zu bekommen. Als Medizinjournalisten sind sie unter anderem Mitglieder des Deutschen Fachjournalisten Verbandes und schreiben neben Artikeln für Blogs, Zeitungen und Magazine auch Sachbücher und Ratgeber. 2013 veröffentlichten sie gemeinsam ein Grundlagenwerk über Antlitzdiagnose mit dem Titel "Krankheiten auf einen Blick erkennen". 2016 folgte ihr zweites Werk "Die natürliche Heilkraft der Bäume". Dabei handelt es sich um ein Lehrbuch, um die Grundlagen der Naturheilung zu erlernen, wie sie seit Jahrtausenden von indigenen Völkern überall auf der Welt angewendet werden. Heiko Gärtner ist zudem gelernter Natur- und Landschaftspfleger, Wildnislehrer, Hochseilgartentrainer sowie Berg- und Höhlenretter. Nach seiner Ausbildung zum Versicherungsfachwirt leitete er unter anderem Motivation und Verkaufstrainings und übernahm später eine eigene Generalagentur. Aus dieser Zeit konnte er unter anderem auch ein umfangreiches Verständnis und Wissen aus den Bereichen Versicherungsrecht, Recht im Allgemeinen, Buchhaltung, Wirtschaftsmathematik und Unternehmensführung mitnehmen. Um mehr seinem Herzensweg zu folgen, gab er seine Büro-Karriere schließlich auf, um sich zum Survivalexperten, Nationalparkranger und Wildnismentor ausbilden zu lassen. In diesem Rahmen besuchte er unter anderem Naturvölker in Neuseeland, Kanada, den USA und Thailand. Dabei gründete er unter anderem seine eigene Wildnisschule, die bis heute besteht und Ausbildungen aus dem gesamten Wildnissektor anbietet. Franz von Bujor ist studierter Kultur- und Sozialpädagoge, sowie ausgebildeter Wildnislehrer, Mediator und Erlebnispädagoge. Auf seinen vielzähligen Reisen unter anderem nach Australien und Lateinamerika sammelte er Expertenwissen im Bereich alternatives Leben und Reisen, Minimalismus, Backpacking und Work and Travel, sowie allgemein im Bereich Kunst, Kultur, Religion und Geschichte. Seit 2016 lebt er als Wandermönch.

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