Tag 619: Die Regeln des Clans

Heiko Gärtner
19.09.2015 01:54 Uhr

Fortsetzung von Tag 618:

So trug meine Mutter die Angst in sich, dass ich verhungern könnte, wenn ich keine ordentliche Ausbildung bekommen würde. Mein Vater hingegen hatte ein anderes Denkmuster von seinem Familiensystem übertragen bekommen. Sein Vater starb als er noch sehr jung war. Plötzlich musste er der Mann im Haus sein und die Rolle des Vaters übernehmen. Da er aber als kleines Kind wahrscheinlich einen Granatsplitter in sein Bein bekommen hatte, woraus eine Knocheneiterung resultierte, blieb sein eines Bein 7 Zentimeter zu kurz. Er erfuhr dadurch den Lebensleitsatz: „Das Leben bedeutet Leid. Nur wenn du hart Arbeitest kannst du deine Familie versorgen.“

Erst nach vielen Jahren habe ich verstanden, dass die Existenzangst meines Vaters in vollkommener Liebe zu mir stattfindet und dass meine Ausraster, bei denen ich sehr laut geschrien habe absolut unnötig gewesen waren. Damit hatte ich meinen Vater ebenso wie meine Mutter lediglich zutiefst verletzt und keinerlei Verbesserung erzielt. Aber glaubt mir ihr zwei, ich konnte die Ängste nicht sehen und ich habe nur das gefühlt, was ich mir durch das Familiensystem auferlegt hatte.

Ich schaute zu den zwei kleinen Lebewesen und heulte. Oh mein Gott, ich habe so viel Liebe aus meinem Leben vertrieben, nur weil ich immer geglaubt habe, wenn sie nicht gesund werden, werden sie wie Hans von jemanden abgeholt und ich kann sie nie wieder sehen! Wie ich das meine? Ganz einfach. Hans wurde in einem Himmelfahrtskommando einfach der Familie entrissen. Zunächst sollte er vergast werden und der Onkel konnte durch seine Überzeugungskraft die Leute mit Entscheidungsgewalt davon überzeugen, dass er nicht getötet wird, sondern in die Psychiatrie kam. Ist es nicht das gleiche System das ich anwende? Ich bin ein Seher und kann jegliche Krankheit diagnostizieren und erkennen. Wenn ich nun einen Menschen kennen und lieben lerne, dann will ich, dass er heil wird. Denn wenn er nicht heil wird, dann lebt in mir die Angst, dass er wie Hans mit seiner Behinderung abgeholt, in der Psychiatrie misshandelt und dem Verhungerungstod ausgesetzt wird. Vielleicht ziehe ich deswegen die ganze Zeit Frauen in mein Leben die Essstörungen haben, also einem Verhungerungskonflikt unterleiden und im Verstand ein Opfer für Misshandlungen sind. Mein Konflikt ist nun in meinem Gedankenmuster verankert das sagt: „Wenn dein Partner sich nicht zur Gesundheit transformiert, so wird er krank, bzw. er wird missbraucht oder muss verhungern und sterben.“

Aber was bedeutet das im Klartext?

Es ist einfach in mir eine Angst, dass ich den Menschen verliere, wenn er nicht in sein Sein kommt. Aus diesem Grund habe ich meinen Herzmagnetismus so ausgerichtet, dass ich immer Partnerinnen oder auch Partner in Form von Freunden wie Tobias angezogen habe, die sich im Tiefsten ihrer Seele wandeln wollten.

Und genau hier haben wir gerade einen Konflikt mit Paulina. Sie bringt Leichtigkeit und Fröhlichkeit in unser Camp. Dafür sind wir ihr unendlich dankbar. Sie bringt aber auch das reine Opfersein und einen Verhungerungskonflikt mit die Gruppe. Das wäre noch nicht schlimm. Das bin ich ja schon seit vielen Beziehungen gewohnt und es ist ein so festzementierter Magnetismus in mir, dass ich mich schon lange nicht mehr darüber aufrege oder wundere. Die Problemstellung jedoch ist, dass wenn wir ihr in ihrer hochakuten Phase des Konflikts helfen wollen, sie unbewusst unsere Worte abblockt und nichts von dem hören kann, was wir wirklich aussprechen. Sie fühlt sich angegriffen und ist sehr stark im Ego verstrickt. Sie rechtfertigt sich obwohl sie weiß, dass sie in diesen Bereichen Defizite hat. Das heißt, all die Gesprächsstunden die wir investieren, bringen kaum einen Erfolg. Hier kommt unsere erste Angst zum tragen. Was ist, wenn sie nie unsere Worte wahrnehmen kann, so das eine Transformation also eine Wandlung zu ihrem gesunden göttlichen Sein stattfinden kann? Das wäre immer noch nicht schlimm, da ich auch dieses Verhalten schon lange gewohnt bin. Viel mehr geht es darum, dass ein Leben mit einer Person nicht möglich ist, die sich in einem solch hohen Konfliktpotential befindet und wie gelähmt ist. Schon die kleinen alltäglichen Dinge überfordern sie. In ihr ist ein Glaubenssatz verborgen der es uns sehr schwer macht, mit ihr zusammen zu leben. Es ist der Satz: „Ich bin ein Taugenichts!“

Sie fühlt sich als ein Wesen, das nichts alleine erschaffen kann. Sie braucht also immer eine Bezugsperson, die dann eingreift wenn sie etwas versemmelt. So ist in ihrem Familiensystem der Satz entstanden: „Ich bin nicht richtig.“

Viel mehr noch: „Ich bin nicht gut genug. Alleine schaffe ich das alles nicht. Ich brauche immer Hilfe.“

Und genau das erleben wir gerade. Wir bieten natürlich gerne unsere Hilfe an aber was machen wir durch unser Rettersyndrom wirklich? Wir blockieren ihren Heilungsweg. Wir blockieren unseren eigenen Heilungsweg. Wir blockieren das erschaffen von wichtigen Arbeitsmaterialien und wir kommen kaum mehr zum Buchschreiben. Wir verhindern also durch das Helfen, dass sie selbstständig werden kann. Wenn wir ihr aber nicht helfen, warten wir und warten und warten. Ergo verstreicht unsere Lebens- und Erschaffungszeit. Wir sitzen in der Warteschleife und das macht uns kirre. Wie wollen wir Heilungswerke schreiben, wenn wir andauernd in der Warteschleife sitzen? Wie wollen wir erschaffen wenn uns jeden Tag durch einen Zeitfresser rund vier bis fünf Stunden Lebenszeit geklaut werden? Das war unsere Entspannungszeit. Ergo ist unsere Entspannungszeit so gut wie dahin. Das heißt wir werden nervös und wollen so viel Entspannungszeit wie möglich retten. Also schicken wir sie nach den Gesprächen um circa zehn Uhr ins Bett und bitten sie darum, das angesprochene aufzuschreiben, da sie jegliche Informationen durch eine innere Blockade vergisst. So können die Infos nur dann gerettet werden wenn sie sofort aufgeschrieben werden. Das heißt im Klartext: Wir beschreiben ihr wichtige Zusammenhänge und erklären ihr, wie sie aus den psychischen Spiralen ausbrechen kann. Wenn wir sie jedoch eine Minute später fragen ob sie noch einmal zusammenfassen kann, was sie verstanden hat, kommt jedes mal die Aussage: „Ich habe alles vergessen. Weißt du Heiko ich kann mich so schwer an Sachen erinnern.“

So spüre ich jedes Mal, dass aus irgendeiner versteckten Angst in ihr eine Lernresistenz eingetreten ist. Sie macht dies nicht mit böser Absicht. Ganz im Gegenteil. Sie entschuldigt sich und sagt sie könne nicht anders. „Ich war schon immer zu langsam. Das war in meinem Leben schon immer so.“

Da sie sich so sehr dafür schämt, dass sie in dem Jahr in dem sie sich auf die Reise vorbereitet hatte, nur zehn Sponsorentelefonate führen konnte und für den Gelderwerb nur wenige male mit den Seifenblasen auf der Straße war, kommt es zu innerlichen Ablehnungsreaktionen. Es war für ihre Psyche so schwer in diesem besagten Jahr das alte Leben loszulassen, dass sie nur auf der geistigen Ebene mit sich kämpfte und auf der physischen Ebene kaum etwas vorbereiten oder erlernen konnte. Es war also logischerweise keine Vorbereitung auf die Reise möglich. Sie musste also mit einem vollgestopften Wagen ankommen, ohne eine Vorstellung davon, worauf sie sich eigentlich einließ.

So, wie sie ein Seelenmessi war und keine alten Gefühle loslassen konnte, konnte sie auch ihr Hab und Gut nicht vollkommen reduzieren. Demzufolge mussten wir den Wagen am ersten Tag um 10 Kilogramm unnötigen Ballast reduzieren. So konnte sie sich im Vorbereitungsjahr nicht auf das Losgehen vorbereiten. Ihr geistiger Prozess nahm fast die vollkomme Vorbereitungszeit ein.

Wer will ich sein?

Wie kann ich wieder Frau werden?

Wer bin ich?

Wo will ich hin?

Wie kann ich meine Lieben loslassen?

Diese Prozesse hat sie mit Bravur gemeistert. Was aber nicht eingetreten ist, ist eine reale, konkrete Vorbereitung auf die Reise und das Leben als Nomadin.

Wie baue ich ein Zelt in einer gewissen Zeit X auf?

Sind meine Muskeln so ausgebildet dass ich einen 50 Kilogramm schweren Wagen 20 Kilometer weit ziehen kann?

Diese Fragen standen für sie nicht ein mal im Raum.

Wie kann ich ohne Strom meiner Arbeit nachgehen?

Welchen Laptop brauche ich dafür?

Welches Material wäre das richtige für mich, wenn ich auf diese Weise unterwegs sein will?

So haben wir unendliche Packlisten geschrieben, mit allem was nötig ist und was für sie Sinn machen würde. Wir wollten ihr die Beste Hilfe zukommen lassen. Natürlich hat sie sich zum großen Teil an die Absprachen gehalten und doch spüren wir, dass die Funktionalität und ein geschlossenes System fehlen. Es gibt keine Zimmer in ihrem Wagen. Also keine Säcke für die Badeutensilien, für die Schlafutensilien usw. Es gibt einen großen Stauraum und der wurde am Anfang bis zum letzten Millimeter mit allem Material zugestopft. Sie hatte einfach Angst, nicht genug oder nicht das Richtige dabei zu haben. „Das Draußenleben werde ich schon lernen, wenn ich bei euch bi!“ mit diesem Satz ist sie bei uns aufgeschlagen.

Wie kann man mit einer Frau reisen, die sagt ich lerne das Reisen, wenn ich ankomme? Ergo hat sie sofort beim Grenzübertritt vergessen, sich den Pass abstempeln zu lassen. Also war sie nun eine illegale Einwanderin. Heute haben wir über zwei Stunden mit zwei Polizisten gefeilscht, dass sie nicht ins Gefängnis musste, eben weil sie illegal eingewandert ist.

„Ja, das habe ich nicht gewusst!“

Ist es nicht das Mindeste, das man sich über das Land informiert, das man bereisen will? Wir können zwar die Gründe verstehen warum sie in dieser Situation ist und doch spüren wir, dass wir Energie verlieren. Sie ist wie ein kleines Mädchen, das den Rückhalt der Mutter braucht. Wenn ich das nicht schaffe, dann macht das schon meine Mutter. Aber das geht bei solch einer Expedition nicht. Wir sind wie ein Naturklan. Wenn ein Mitglied dem Klan nichts bringt wird das Mitglied verstoßen. Warum? Der Taugenichts gefährdet das Überleben des ganzen Klans.

Josch, ein Freund von mir, war für ein Jahr in Nordamerika in einem Ausbildungscamp bei einem Naturvolk. Sie lebten für ein Jahr in einem kleinen Klan im Wald zusammen. Hier gab es einen Mann, der keine Jagd- und Sammelerfolge verbuchte. Er war also Nutzlos für den Klan. Das war für den Klan soweit in Ordnung da jeder in einer Lernphase war. Als er dann aber noch Nahrungsreserven klaute weil er so hungrig war, banden ihn die anderen Klanmitglieder für 14 Tage an einen Baum. Ihr werdet nun denken: „Wie kann man das machen?“

Bedenkt aber, diese Personen leben wild in der Natur. Wenn ein Mann den anderen die Sachen wegfrisst, muss ein anderer deswegen sterben. Ergo haben die Klanmitglieder eine hohe Absicht den Taugenichts darauf aufmerksam zu machen, dass es so nicht geht. Sie fütterten ihn 14 Tage lang mit genau so viel Nahrung und Wasser, das er nicht verhungerte. Nach dieser Zeit wurde der besagte Mann der beste Jäger. Warum? Er spürte den Leidensdruck. Wenn der Klan mich verstößt und ich nicht jagen und sammeln kann, werde ich sterben. Er wusste also, dass es ernst ist. Es geht um mein Leben. Wenn ich weiterhin lernresistent sein will und ein Parasit bin, werde ich verstoßen. Ergo bin ich TOT!

Wie aber können wir Paulina beibringen das wir uns auf dem gleichen Weg befinden?

Wir sind auf einem Heilungsweg und da braucht jede Person seine eigene Energie. Wir sollten nicht wie Parasiten die Energie des anderen abzapfen, sondern uns gegenseitig nähren.

Und so kam es wie es kommen musste.

Kurz bevor wir Bosnien verließen gab es Gewitter, nicht nur im realen Sinne sondern auch im Gesprächsbereich. Wir teilten Paulina mit, dass wir mit diesem Energieraub nicht mehr leben konnten.

Und Schwups ich bin schon wieder bei meinem Kernthema.

Ich soll nicht zustechen, sondern mit meiner Partnerin eine Lösung finden, so dass Heilung überhaupt erst möglich ist.

Aber wie?

Sie ist in einer so tiefen Spirale das wir absolut hoffnungslos sind. So wissen wir, wenn wir sie weiterhin bemuttern, wird sie weiterhin lernresistent bleiben. Da die Schöpfung aber nichts übersieht und jeden genau kennt, weiß sie auch, dass Paulina sich vor ihrer Lebensaufgabe verweigert. Da dies zu einer Einschränkung der Liebesausdehnung führen würde, muss die Schöpfung einschreiten.

Wie macht sie das?

Sie gibt ihr Druck. Ergo schenkt sie ihr eine Krankheit, einen Trauerfall oder einen Unfall. Das kann also nicht die Lösung sein. Wenn wir sie aber auf die Straße setzen, also an den Baum binden, wissen wir, dass ihr Opfersein in wenigen Minuten einen Täter anzieht. Sie wäre auf sich gestellt und würde die Absicht spüren. Das wäre sicher. Aber muss das sein? Kann sie nicht auch lernen wenn sie bei uns ist? Die Frage ist nur, wie mache ich das, wenn ein Mensch alles vergisst, egal was man ihm gesagt hat? So sind wir in dem Dilemma das wir gesund bleiben wollen und den Energiefresser nicht mehr dulden, zum anderen aber auch wissen, dass sie ein Bestimmungsmitglied für diese Herde ist. Gerade fühlt es sich so an, als würde ihre Gefühlskette die meinige umgreifen und in die Knie zwingen wollen. Wisst ihr, ich bin so stolz auf mich dass ich nicht mehr oberflächlich bin und selbst das an ihr lieben kann was sie nicht mal im geringsten an sich selbst lieben kann und nun macht uns die abstrakte Gefühlskette einen Strich durch die Rechnung. Es ist wie mit meinen Ex-Beziehungen. Es kam irgendwann immer ein Tag X auf, an dem wir nicht mehr reden konnten, sondern nur noch diskutierten.

„Ich will nicht mehr dein Wirt sein!“ schrie es dann aus mir. Und aus ihr schrie es: „Ohne Wirt kann ich nicht überleben!“

Wie will man da die Kuh vom Eis bringen?

Ich kann sie nur an die Hand nehmen und in die Selbstständigkeit führen. Vielleicht brauche ich eine kleine Peitsche um die störrische Lolita anzutreiben. Aber was sein muss, muss sein. So testeten wir nicht nur mich auf Besetzungen durch Geister, sondern auch Paulina und kamen dabei sogar auf fünf verschiedene Präsenzen, die sie steuern, bewegen und ausbremsen. Demzufolge weiß ich, dass nicht jede Handlung von ihr herrührt und doch sehe ich den Energieraub an uns, den wir nicht dulden können wenn wir weiterhin gesund bleiben wollen. Was für uns am schwierigsten anzunehmen ist, ist die unbewusste Ablehnung von Wissen. Es ist wie verhext.

Ein weiterer Bestandteil, der hier noch mit dazukam war, dass die meisten Personen, die mir wichtig in meinem Leben sind, in einer sogenannten Opferrolle stecken. Und so ist es auch mit Paulina, wenn wir ihr sagen „Du bist gerade dabei, uns Energetisch auszusaugen“, schaut sie uns mit großen Augen an und mimt uns das Opfer: „Ich kann doch nichts dafür! Ich habe doch das und das erlebt.“

Selbst wenn wir sagen, dass es so nicht weiter gehen könne und sie nach Hause gehen müsse, geht das nicht, da sie ja das Opfer ist. Sie ist so sehr in der Angst gefangen, dass sie alleine an jeder Ecke vergewaltigt und misshandelt wird, dass sie allein bei dem Gedanken daran sofort erstarrt.

Ihr Gefühl ist: „Wenn ich alleine gehe in diesem Land dann werde ich verschleppt!“

Und ja, dass stimmt wahrscheinlich sogar wenn man solch einen Opferkomplex, also den Magnetismus für einen Täter in sich trägt. Ergo haben wir das Gefühl, wir dürfen sie nicht alleine lassen, so dass eine Absicht entstehen könnte, durch die sie bemerken würde um wie viel schwerer es ist zu überleben, wenn man alleine ist. Demzufolge kann sie nicht raus finden, dass unser Herde gut für sie ist. Das heißt: Der Kreislauf geht ewig weiter, da ja keine Absicht erschaffen werden kann. Wenn man einen jugendlichen Schläger nicht sanktionieren darf, spürt er nie einen Druck um sein Verhalten zu ändern. Paulina hat uns nicht nur einmal offenbart, dass sie nur dann arbeitet oder etwas erschafft wenn ihr jemand ordentlich Feuer unter dem Hintern macht. Sie weiß natürlich, dass dieses Verhalten aus ihrer Kindheit resultiert und doch stört es unseren Gruppenfrieden. Sie ist der wohl faszinierendste Mensch den ich je kennengelernt habe und doch weiß ich nicht wie ich die Ketten des Opferseins sprengen kann. Sie ist wie Hans. Sie sieht sich nur als Opfer. Hans hat seine Talente durch den Autismus vergraben. Das war seine Entscheidung. Er hatte Angst vor dem, was da kommen mochte, wenn er seine Gabe annimmt. Ähnlich ist es bei Paulina. Sie ist in die Opferrolle gegangen und wunderte sich dann, dass sie andauernd in Opferbeziehungen mit Cholerikern festhing. Des Weiteren versteckt sie ihre Gabe so geschickt hinter der Maske von antrainierten Schwächen, dass sie selbst einfach nicht ins Handeln kommen muss. „Ich bin zu langsam!“ „Ich kann das doch eh nicht!“ „Da fehlt mir einfach die Struktur!“

Was erlebte sie in der Kindheit?

Ähnliches?

So wie die Ursachen für meine Lebensthemen in meiner Kindheit liegen, so liegen auch die Ursachen für ihre in der ihrigen.

Hans hatte aber noch eine zweite Sache in sich, die er erst loslassen konnte, als er ins Licht ging. Seine unglaubliche Wut auf die Peiniger. Seine Wut bezog sich auf den Verantwortlichen der dies alles organisiert hat und mich dazu angestachelt hat mich 20 Jahre mit Medizin zu beschäftigen: IG-Farben, der Konzern also, der die Menschenversuche durchführen ließ. So hält Paulina an dem erlebten fest, also an der Wut, die sie in sich abgespeichert hat. In jeder Pore kann man fühlen, dass sie sich selbst ablehnt für ihre Wut. Sie schämt sich sogar dafür, dass sie endlich frei sein will und nun nicht mehr in einem geregelten Arbeitsleben steht. Sie will Menschen zum strahlen bringen, also ihnen den Weg zur Erleuchtung, also zur Glückseligkeit grafisch und in weiblichen Worten vermitteln aber sie glaubt, sie sei zu klein dazu.

Ich bin es nicht wert.

Ich kann das nicht.

Es ist wie mit mir und den 120 Rechtschreibfehlern. Wer hätte gedacht, das ich mal Bücher schreibe? Zu meinen Schulzeiten niemand und doch tue ich es. In ihr schlummert solch eine immense Kraft. So hat sie glühende Hände, die wie Herdplatten auf meinem Körper pulsieren. Sie konnte mit Hans in Verbindung treten und ihn ins Licht bitten. Ist das nicht vollkommen gigantisch? Und doch findet sie nicht ihren eigene Weg in die Glückseligkeit also in den inneren Frieden. Sie ist wie ein Tornado der Wut, der alles verwüstet nur weil sie nicht weiß, das sie ein Tornado ist. Sie glaubt sie ist eine erfrischende Sommerpriese und doch kreist die Wut die sie nicht loslassen kann in ihr.

So saß sie nun im Wald für einen Tag und eine Nacht bei einer Visionssuche im Regen und stellte sich die Fragen: „Wer bin ich? Darf ich, überhaupt ich sein? Habe ich solch eine große Schuld gegenüber der Gesellschaft oder zuhause das ich nicht frei sein kann? Was ist in mir, das raus will? Wie kann ich meine Ängste loslassen? Wie kann ich das erste Mal in meinem Leben wirklich produktiv und strukturiert werden? Wie kann ich ein wertvoller Teil des Teams werden?“

Fortsetzung folgt...

Spruch des Tages: Alles, was gegen die Natur ist, hat auf Dauer keinen Bestand.

Höhenmeter: 60 m

Tagesetappe: 28 km

Gesamtstrecke: 10.908,27 km

Wetter: Endloser Dauerregen

Etappenziel: Zeltplatz im Keller einer Bauruine, Grabanicë, Kosovo

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Heiko Gärtner
Heiko Gärtner ist Wildnismentor, Extremjournalist, Survivalexperte, Weltreisender und einer der führenden Experten auf dem Gebiet der Antlitz- und Körperdiagnostik. Nachdem er einige Jahre als Agenturleiter und Verkaufstrainer bei einer großen Versicherungsagentur gearbeitet hat, gab er diesen Job auf, um seiner wahren Berufung zu folgen. Er wurde Nationalparkranger, Berg- und Höhlenretter, arbeitete in einer Greifenwarte und gründete schließlich seine eigene Survival- und Wildnisschule. Seit 2014 wandert er zu Fuß um die Welt und verfasste dabei mehrere Bücher.

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