Tag 288: Die Abenteuer von Rocking Rudi

///Tag 288: Die Abenteuer von Rocking Rudi

Tag 288: Die Abenteuer von Rocking Rudi

Tag 288: Die Abenteuer von Rocking Rudi

Gestatten, mein Name ist Rudi und es ist an der Zeit, einen Missstand zu beheben, der nun schon seit über einer Woche sein Unwesen treibt. Seit dieser Zeit bin ich nun ein vollwertiges, stimmberechtigtes Mitglied dieser Reisegemeinschaft und trotzdem wurde ich von dem Schreiberling dieses Reisetagebuchs noch mit keiner Silbe erwähnt. „Rudi,“ dachte ich mir also, „Rudi, es ist wie immer! Wenn man nicht alles selbst macht, dann wird nie etwas daraus!“

Also, kein langes Geschwafel! Hier bin ich!

Mein Abenteuer begann mit einer ziemlich heißen Nacht in so nem kleinen Kaff an der Spanischen Küste. Zuhause war nichts los, also hab ich ein paar Kumpels gepackt und wir sind ab in die Sonne um mal wieder richtig Party zu machen. Verdammte Scheiße, sag ich euch, das ging ordentlich ab! Und wie das so ist, irgendwann wachst du auf und liegst auf der Motorhaube eines dir völlig unbekannten Autos, ohne einen blassen Schimmer, wie du dort hinwegkommen bist. Noch ehe ich mich versah, blickte ich in die Gesichter von zwei fremden mit seltsamen Hüten, die mich eigensinnig anstarrten. Ohne groß zu fragen nahmen sie mich einfach mit setzten. Ich hinten auf ihren Wagen. Das ist eben das Ding, wenn man ein kleines, grünes Gummi-Tierchen mit einer Quietsche im Arsch ist. Man gerät immer wieder in Situationen, mit denen man nicht gerechnet hätte. Grad sitzt du noch am Tisch mit zwei heißen Quietscheentchen und einem rosa Plüschhasen und im nächsten Moment wirst du gepackt und mit einem Gurtspanner auf einen Pilgerwagen geschnallt, ohne dass du einen Plan hast, wohin die Reise geht. aber ist es nicht genau das, was das Leben lebenswert macht?

Ich für meinen Teil jedenfalls muss sagen, es hätte mich schlimmer treffen können. Ein Cousin dritten Grades von mir wurde bei einem Schulausflug von einem Mädchen gepackt und fristet seither ein leidvolles Dasein als Kau-Spielzeug für ihren Hund. Das ist mal ne Scheiß-Situation, sag ich euch! Da bin ich schon lieber als Reisemaskottchen unterwegs. Auch wenn diese Gurte ruhig etwas bequemer sein dürften. klar, ich bin aus Gummi, aber den ganzen Tag lang in der Mitte zusammengequetscht zu werden, geht einem trotzdem etwas auf die Wirbelsäule.

Aber wie sagt man so schön, besser schlecht gefahren, als gut gelaufen! Denn dieses Wanderding ist wirklich nichts für mich. Da häng ich lieber auf dem Wagen ab, lass mich ziehen, genieße die Aussicht und mach mich über die beiden keuchenden und schnaubenden Zweibeiner lustig, die schwitzend durch die Berge rumpeln. Wenn sie doch nur ihre Verdauung wieder in den Griff kriegen würden! Ich will ja echt nicht meckern, aber bei den vielen Bohnen, die es heute wieder gab war die Luft so dicht hinter den Zugpferden wahrlich kein Zuckerschlecken. Das ist eben der Unterschied, zwischen einem Menschen und einem Gummitier. Wenn bei euch Luft aus dem Hintern kommt, dann stinkt es unangenehm. Passiert das gleiche bei uns, vernimmt man nur einen fröhlichen, melodischen Pfeifton.

In den letzten Tagen hab ich schon einiges Erlebt. Einmal durfte ich dabei sogar meiner eigentlichen Berufung nachgehen und als Spielzeug mit in die Badewanne hüpfen. Das war ein Gefühl sag ich euch! Wie ein Sprung ins heiße Wasser! Heute aber ging es dann wirklich ab. Könnt ihr euch vorstellen, was für ein Nervenkitzel es für einen kleinen grünen Gummidämon ist, in einem Weihwasserbecken zu baden? Ich hätte ja keine Ahnung, ob ich nicht vielleicht wirklich der Teufel bin und mich vielleicht in einen langen, schrillen Quietschton auflöse, wenn ich das Wasser berühre. Fast hätte ich einen Herzschlag bekommen und wenn ich nicht eh schon so grün wäre, dann wäre ich es jetzt bestimmt geworden. Zum Glück IST alles gut gegangen, aber das lag vielleicht auch daran, dass in dem Weihwasserbecken überhaupt kein Weihwasser war. Trotzdem habe ich noch immer ein leicht flaues Gefühl um die Nasenspitze, wenn ich daran denke, dass wir heute Nacht in der Kirche schlafen werden. Ich persönlich steh ja eher auf diese Hotelsuiten, aber Hey, man kann nicht alles haben! Dafür war der Tag mal wieder der Knaller! Ich wurde durch echt beeindruckende Hügellandschaften immer weiter an die Pyrenäen herangezogen und konnte mir auf dem Markt sogar einige Dinge fürs Abendessen aussuchen. Ich hab mich für Oliven entschieden, weil sie genauso schön grün waren wie ich.

Am Abend wurde es dann noch einmal brenzlich. Als ich mit Tobias durch den Ort ging um die Menschen nach Obst zu fragen, hätte mich um ein Haar fast das gleiche Schicksal ereilt wie damals meinen Cousin. Wir kamen an ein Haus, vor dem zwei Hunde lagen, die an lange Leinen gekettet waren. Einer von ihnen schaute uns traurig an und auch wenn ich versuchte, ihn davon abzuhalten, ging Tobias auf ihn zu um ihn zu stricheln. Ok, er war wirklich ganz friedlich und er war echt ne Arme Sau, denn so Handscheu wie er war, wurde er sicher oft geschlagen.

Der zweite Hund lag einfach nur an der Seite und schaute uns an. Brave Viecher, denke ich mir! Wenn mein Cousin solche Exemplare erwischt hätte, dann würde er jetzt vielleicht noch aus einem und nicht aus drei Teilen bestehen. Doch dann dreht der plötzlich vollkommen ab! springt der nicht einfach auf, rennt auf uns zu und beißt Tobias in die Hand! Die Dreckstöle, die elende! Klar wars nicht schlimm und es hat nicht mal geblutet. ganz schön mager für so’n Action-Ereignis, wenn ihr mich fragt. Ich hätte ja bock auf nen richtigen Mann-gegen-Hund-Kampf gehabt, bei dem ordentlich Blut spritzt. Aber man kann wohl wirklich nicht alles haben.

Mehr für dich:
Tag 727: Steinbrüche

Jetzt hab ich auf jeden Fall erstmal Bock auf ein geiles Abendessen und nen ordentlichen Nachmittagsschlaf. Den ganzen Tag zuschauen, w.iie sich andere bewegen strengt ganz schön an. Also machts gut Leute!

Spruch des Tages: Rudi is on the road!

Höhenmeter: 110 m

Tagesetappe: 18 km

Gesamtstrecke: 5584,37 km

Bewertungen:

 

About the Author:

Heiko Gärtner und Franz von Bujor sind ausgebildete Survivalexperten und Extremjournalisten. Seit 2014 wandern sie zu Fuß und ohne Geld um die Welt um auf diese Weise tiefe Einblicke in unsere Gesellschaft mit all ihren Facetten, Kulturen und Systemen zu bekommen. Als Medizinjournalisten sind sie unter anderem Mitglieder des Deutschen Fachjournalisten Verbandes und schreiben neben Artikeln für Blogs, Zeitungen und Magazine auch Sachbücher und Ratgeber. 2013 veröffentlichten sie gemeinsam ein Grundlagenwerk über Antlitzdiagnose mit dem Titel "Krankheiten auf einen Blick erkennen". 2016 folgte ihr zweites Werk "Die natürliche Heilkraft der Bäume". Dabei handelt es sich um ein Lehrbuch, um die Grundlagen der Naturheilung zu erlernen, wie sie seit Jahrtausenden von indigenen Völkern überall auf der Welt angewendet werden. Heiko Gärtner ist zudem gelernter Natur- und Landschaftspfleger, Wildnislehrer, Hochseilgartentrainer sowie Berg- und Höhlenretter. Nach seiner Ausbildung zum Versicherungsfachwirt leitete er unter anderem Motivation und Verkaufstrainings und übernahm später eine eigene Generalagentur. Aus dieser Zeit konnte er unter anderem auch ein umfangreiches Verständnis und Wissen aus den Bereichen Versicherungsrecht, Recht im Allgemeinen, Buchhaltung, Wirtschaftsmathematik und Unternehmensführung mitnehmen. Um mehr seinem Herzensweg zu folgen, gab er seine Büro-Karriere schließlich auf, um sich zum Survivalexperten, Nationalparkranger und Wildnismentor ausbilden zu lassen. In diesem Rahmen besuchte er unter anderem Naturvölker in Neuseeland, Kanada, den USA und Thailand. Dabei gründete er unter anderem seine eigene Wildnisschule, die bis heute besteht und Ausbildungen aus dem gesamten Wildnissektor anbietet. Franz von Bujor ist studierter Kultur- und Sozialpädagoge, sowie ausgebildeter Wildnislehrer, Mediator und Erlebnispädagoge. Auf seinen vielzähligen Reisen unter anderem nach Australien und Lateinamerika sammelte er Expertenwissen im Bereich alternatives Leben und Reisen, Minimalismus, Backpacking und Work and Travel, sowie allgemein im Bereich Kunst, Kultur, Religion und Geschichte. Seit 2016 lebt er als Wandermönch.

One Comment

  1. doris pötzinger 17. Oktober 2014 at 14:56 - Reply

    lusstig geschriebener bericht.Hat spass gemacht ihn zu lesen.L.G. aus Schöntal

Leave A Comment

Translate »