Tag 1: Die Reise beginnt

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Tag 1: Die Reise beginnt

Tag 1: Die Reise beginnt

Tag 1: Aufbruch in die Freiheit

Heute ist es soweit! Das Leben als sesshafte Gesellschaftsbürger liegt hinter uns und wir beginnen unsere Zeit als Nomaden und Lebensabenteurer. Die Welt hat uns in unserer neuen Lebensphase mit eher gemischten Gefühlen empfangen. Seit unserem Ritual in der Silvesternacht im Berngauer Wald ist ein wenig der Wurm drin. So als ob uns das Universum wirklich noch einmal fragen wollte,  ob wir unsere Unternehmung auch ernst meinen. Der Morgen begann schon mal mit einer guten Portion Regen. Um 11:00 sind wir dann mit Ingrid von in-TV verabredet die unseren Aufbruch filmt. Unsere Stimmung ist eher gedeckt. Irgendwie haben wir noch immer nicht realisiert, dass dies nun unser Start als nomadische Abenteurer ist. Es fühlt sich eher an, als machen wir uns auf zu einem längeren Spaziergang. Dieses Gefühl ändert sich jedoch schon bald, denn unser heutiges Etappenziel liegt im rund 45km entfernten Nürnberg. Man soll ja klein Anfangen! Pünktlich zum Start kommt für einige Minuten die Sonne durch, um uns eine gute Reise zu wünschen. Dann hat sie aber wohl noch etwas anderes vor und verschwindet für den Rest des Tages. Ihre Urlaubsvertretung übernimmt eine graue, geschlossene Wolkendecke, die gelegentlich von einem leichten Regen unterstützt wird. Um die Stimmung etwas aufzuhellen, beschließen wir, nach einigen Kilometern eine Frühstückspause einzulegen. Dies ist der erste Moment, an dem wir unsere morgendliche Unausgeschlafenheit bereuen. Denn von den sechs eingepackten Scheiben Brot sind 4 komplett verschimmelt. Mit offenen Augen hätte man das beim Brotschmieren merken können, aber offensichtlich war uns das entgangen. Unser Frühstück fällt dementsprechend spartanisch aus. Aber kein Thema! Wir haben ja noch zwei hartgekochte Eier! Dann die nächste Enttäuschung. Eines ist komplett schlecht. Das Eiweiß war gelber als das Eigelb. Dafür war das Eigelb eher von einem zarten grün und der Geschmack erinnerte leicht an Schwefelsäure. Wir beginnen unsere Reise also mit je  einem einzigen Frühstücksbrot und einem halben Ei. Immerhin muntert uns unser warmer Tee etwas auf. Wie um unsere Frühstückspleite wieder wett zu machen haben wir kurze Zeit später eine ganz besondere Begegnung. Zum ersten Mal in unserem Leben sehen wir einen wildlebenden Eisvogel.

Einen Eisvogel hätten wir hier nicht erwartet.

Einen Eisvogel hätten wir hier nicht erwartet.

Von Postbauer-Heng geht es in Richtung Kanal, dem wir bis an die Stadtgrenze von Nürnberg folgen. Nach 20km fühlt es sich schon nicht mehr wie ein längerer, sondern wie ein wirklich langer Spaziergang an. Als unser Magen ernsthaft beginnt gegen unserer Wandern-ohne-Nahrung-Diät zu rebellieren, bekommen wir von einer kleinen Bäckerei ein paar Brötchen geschenkt. Nach 30km wird unser langer Spaziergang eine wirklich ernstzunehmende Herausforderung. Unsere Pilgerwagen rollen zwar gemächlich hinter uns her und nehmen uns fast alles von der Gepäcklast ab, aber die Strecke beginnt dennoch mit jedem Meter anstrengender zu werden. Als dann auch noch unsere Bitte nach einer kleinen Nahrungsspende vom einzigen Wirtshaus im Umkreis von gefühlten 50 Meilen ablehnt, sind wir kurz davor, uns zum Schlafen einfach in den Wald zu legen. Doch keine 10 Minuten später ist das Glück wieder auf unserer Seite. Wir bekommen von einer freundlichen Dame den wahrscheinlich besten Kuchen unseres Lebens geschenkt, zusammen mit einem halben Käsebaguette als Hauptgericht. Plötzlich ist unsere Stimmung wieder auf dem Höchstpunkt. Wo wir eben noch dachten, wir schaffen keinen Millimeter mehr, fühlt sich unser Körper nun wieder bereit, es mit der letzten Etappe aufzunehmen. Als wir es kaum noch für Möglich gehalten haben, kommen wir an die Grenze von Nürnberg. Doch Nürnberg ist zu Fuß deutlich größer, als man es vermuten würde, wenn man die Stadt bisher nur als Autofahrer kennt. Als wir schließlich in einem Wohngebiet mit Mehrfamilienhäusern ankommen, stellen wir etwas Erstaunliches fest. Es ist still! Zum ersten Mal auf unserer Wanderung von Postbauer-Heng nach Nürnberg erleben wir so etwas wie Stille. Zuvor sind wir zwar durch schöne Wälder und entlang des Kanals gelaufen, doch war der Lärm der Autobahnen unser ständiger Begleiter. Komisch, dass man inmitten einer Großstadt mehr Ruhe hat als im Umland. Als wir das Nürnberger Zentrum erreichen steht fest: Solch eine Tageetappe machen wir so schnell nicht wieder. Völlig fertig kommen wir bei Hansi an, der uns die Nacht beherbergt und uns mit einem guten Abendessen und einer warmen Dusche empfängt. Doch zuvor gilt es, unsere Pilgerwagen bis in die zweite Etage zu schleppen, was bei einem Gesamtgewicht von knapp 40kg und nach einem solchen Gewaltmarsch keine leichte Sache ist. Doch jetzt genießen wir die warme Stube, das gemütliche Sofa, die heiße Dusche, das leckere Essen und die Gesellschaft unseres guten Freundes und neuen Wildnisschulenleiters.

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Heiko Gärtner und Franz von Bujor sind ausgebildete Survivalexperten und Extremjournalisten. Seit 2014 wandern sie zu Fuß und ohne Geld um die Welt um auf diese Weise tiefe Einblicke in unsere Gesellschaft mit all ihren Facetten, Kulturen und Systemen zu bekommen. Als Medizinjournalisten sind sie unter anderem Mitglieder des Deutschen Fachjournalisten Verbandes und schreiben neben Artikeln für Blogs, Zeitungen und Magazine auch Sachbücher und Ratgeber. 2013 veröffentlichten sie gemeinsam ein Grundlagenwerk über Antlitzdiagnose mit dem Titel "Krankheiten auf einen Blick erkennen". 2016 folgte ihr zweites Werk "Die natürliche Heilkraft der Bäume". Dabei handelt es sich um ein Lehrbuch, um die Grundlagen der Naturheilung zu erlernen, wie sie seit Jahrtausenden von indigenen Völkern überall auf der Welt angewendet werden. Heiko Gärtner ist zudem gelernter Natur- und Landschaftspfleger, Wildnislehrer, Hochseilgartentrainer sowie Berg- und Höhlenretter. Nach seiner Ausbildung zum Versicherungsfachwirt leitete er unter anderem Motivation und Verkaufstrainings und übernahm später eine eigene Generalagentur. Aus dieser Zeit konnte er unter anderem auch ein umfangreiches Verständnis und Wissen aus den Bereichen Versicherungsrecht, Recht im Allgemeinen, Buchhaltung, Wirtschaftsmathematik und Unternehmensführung mitnehmen. Um mehr seinem Herzensweg zu folgen, gab er seine Büro-Karriere schließlich auf, um sich zum Survivalexperten, Nationalparkranger und Wildnismentor ausbilden zu lassen. In diesem Rahmen besuchte er unter anderem Naturvölker in Neuseeland, Kanada, den USA und Thailand. Dabei gründete er unter anderem seine eigene Wildnisschule, die bis heute besteht und Ausbildungen aus dem gesamten Wildnissektor anbietet. Franz von Bujor ist studierter Kultur- und Sozialpädagoge, sowie ausgebildeter Wildnislehrer, Mediator und Erlebnispädagoge. Auf seinen vielzähligen Reisen unter anderem nach Australien und Lateinamerika sammelte er Expertenwissen im Bereich alternatives Leben und Reisen, Minimalismus, Backpacking und Work and Travel, sowie allgemein im Bereich Kunst, Kultur, Religion und Geschichte. Seit 2016 lebt er als Wandermönch.

2 Kommentare:

  1. Angelika 4. January 2014 um 13:36 - Antworten

    Volle Hochachtung vor diesen Lebensabenteuer, werde Euch sehr interessiert folgen..:) verfolgen!
    Ihr verwirklicht einen Traum von mir…Liebe Grüße aus Sachsen von Angie

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