Tag 402: Immer Ärger mit der Post

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Tag 402: Immer Ärger mit der Post

Tag 402: Immer Ärger mit der Post

Jedes Mal, wenn wir ein Paket aus Deutschland erwarten, ist dies mit einer Menge Spannung und Aufregung verbunden. Diesmal war es jedoch noch eine Nummer extremer. Dass Monte Mario als Adressort nicht gerade ideal gewählt war, war uns schon einige Tage zuvor bewusst geworden. Als ich den Ort herausgesucht hatte, hatte er auf mich ideal gewirkt. Es war laut Wanderführer genau 14 Tagesetappen entfernt gewesen, hatte eine kostenlose Pilgerherberge und es gab für den Fall der Fälle einen Bahnhof in der Nähe. Doch nach und nach stellte sich heraus, dass es tausend Dinge gab, die ich bei meinen Überlegungen nicht mit einbezogen hatte. Ich hatte mir die Situation nicht wirklich vorgestellt, mich nicht plastisch in sie eingefühlt, sondern lediglich aus der Angst heraus entschieden, dass das gleiche Problem auftauchen könnte wie beim letzten Mal. Es war wieder einmal die gute alte Kurzsichtigkeit gewesen, die mich zur Entscheidung des Standortes veranlasst hatte. Das Gefühl, schnell entscheiden zu müssen und gleichzeitig nicht aus dem Vertrauen auf meine Urteilsfähigkeit sondern aus Angst vor Fehlern heraus gehandelt. So gab es in den Paketen der Vergangenheit eine durchgängige Linie, die immer wieder gleich ablief. Ich verschätzte mich in der Zeit, so dass wir zu schnell unterwegs waren. Beim nächsten Mal schlug es dann ins andere Extrem um, so dass wir uns stressen mussten. Jedes Mal schaukelte sich dieses Pendel ein bisschen höher, weil mit jedem neuen Versuch die Angst vor Fehlern größer wurde. Beim letzten Mal war die Post dann so langsam, dass wir am Ende nicht mehr als drei Kilometer am Tag machen durften, um es dann in letzter Sekunde noch zu erreichen. Diesmal legten wir als Gegenextrem mehrere Tage lang mehr als 30 oder 40 km zurück. Warum? Weil ich mich zwar an den Tagesetappen orientiert hatte, jedoch vergessen hatte nachzuschauen, wie lang diese Etappen waren. Nun waren fast alle von ihnen rund 30km lang und das Päckchen kam unerwarteter Weise bereits nach 5 Tagen an. Da wir es noch vor dem Wochenende erreichen mussten, blieb uns also nur noch wenig Zeit.

Vorgestern war es dann soweit. Wir erreichten nach einem Dauerlauf von über 40km Monte Mario. Doch Monte Mario war kein Vorort von Rom. Es war ein Stadtteil und dazu noch ein recht großer mit ekelhaft viel Verkehr und nahezu keiner Möglichkeit irgendwo in Ruhe entlangzuwandern. Es war Donnerstag Abend. Für Samstag hatte ich einen Platz in der Pilgerherberge in Roms Zentrum reserviert. Für Freitag konnten wir also die kostenlose Herberge von Monte Mario nutzen. Doch von Donnerstag auf Freitag brauchten wir noch einen Platz. Ich hatte damit gerechnet dass wir an diesem Tag bis zu einem Ort kurz vor Monte Mario gehen würden, so dass wir am Freitag ganz gemütlich zur Post laufen konnten. Doch diesen Ort gab es nicht. Plötzlich waren wir mitten im Außenbezirk von Rom. Ohne eine Karte und ohne einen Plan. Erst jetzt wurde mir bewusst, wie riskant mein Plan gewesen war. Heiko hatte bislang gedacht, dass wir für diesen Ort auch heute schon eine Unterkunft sicher hatten. Als ihm klar wurde, dass das nicht der Fall war, fiel er aus allen Wolken. Ich hatte mehr als nur ein schlechtes Gewissen deswegen. Was war, wenn wir hier wirklich keinen Schlafplatz finden würden? Es war eiskalt, den ganzen Tag hatte es in Strömen geregnet und wir waren nass bis auf die Haut. Die Regenkleidung war bereits seit Stunden vollkommen durchweicht und selbst an unserer Unterwäsche gab es keine trockenen Stellen mehr. Noch immer schüttete der Himmel seine Badewannen über uns aus und es sah nicht aus, als würde es je besser werden.

Zu allem Überfluss schafften wir es dann auch noch, uns mehrere Male zu verlaufen, so dass wir die gleichen Horror-Schnellstraßen immer und immer wieder entlangwandern mussten. Mal in die eine und mal in die andere Richtung.

Doch die Schöpfung war auf unserer Seite. Irgendwo hatte ich die tief in mir die ganze Zeit fest daran geglaubt, auch wenn der Glaubensfunken zu klein war um ihn auszusprechen. Und tatsächlich musste sich die Schöpfung schon einige Mühe geben um uns an den richtigen Ort zu führen.

An einer Bushaltestelle trafen wir zwei Nonnen. Vielleicht lag ihr Kloster ja in der Nähe und wir könnten bei ihnen übernachten. Diese Idee funktionierte zwar nicht, doch sie wiesen uns auf ein polnisches Kloster ganz in der Nähe hin. Dort wurden wir zwar der freundlich empfangen, doch auch hier konnten wir nicht bleiben. Der Grund war, dass das Haus komplett mit einer Managergruppe belegt war, die hier ein Entspannungsseminar abhielt. Dafür rief die Nonne unseres Vertrauens in einem französischen Kloster an und hier hatten wir Glück. Wir mussten zwar noch einmal rund 2,5km durch den strömenden Regen, aber nun hatten wir ein klares Ziel vor Augen. Und was für ein Ziel! Besser hätten wir es nicht treffen können. Bruder Michel empfing uns in seiner farbbeklecksten Arbeitskleidung und war uns sofort sympathisch. Unsere Wagen konnten wir in einem großen Seminarraum abstellen, dann zeigte er uns unser Zimmer.

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„Wie lange wollt ihr den bleiben? Eine Nacht? Zwei Nächte? Drei?“ fragte er wie in einem Nebensatz.

Wir schauten uns an und es war klar, dass dies genau das Angebot war, das wir brauchten. Wenn wir zwei Nächte bleiben konnten, dann hatten wir morgen genug Zeit um in aller Ruhe unser Paket abzuholen, alles umzupacken und dann frisch und frei nach Rom durchzustarten. Doch es kam noch besser: Wir Michel zeigte uns einen Heizungsraum, in dem wir unser Zelt trocknen konnten und die Nonnen wuschen und trockneten unsere nassen Kleider. Als krönenden Abschluss wurden wir dann auch noch für die gesamte Zeit unseres Aufenthalts mit wirklich gutem Essen versorgt.

Dann kam der Tag Wahrheit. Nach dem Frühstück machten wir uns auf und wanderten die letzten 5km an der Via Trionfale zur Poststation. Wieder regnete es und der Verkehr brachte uns fast um den Verstand. Die Straße war fast durchgängig vierspurig und die meiste Zeig gab es keine Gehsteige. Als wir die Post erreichten stand die Schlange bis auf die Straße. Es war eine riesige Traube an Menschen, die aus irgendeinem Grund alle genau jetzt irgendetwas verschicken oder empfangen wollten. In Anbetracht der Umstände kamen wir dann jedoch relativ schnell an die Reihe. Denn fast niemand wollte zu den Schaltern für Pakete. Vor uns waren nur zwei andere Kunden und die wurden bereits in etwas über einer halben Stunde abgespeist.

„Es tut mir sehr leid, aber auf dieser Poststation gibt es keine Annahme für postlagernde Pakete!“ entgegnete mir der Beamte am Schalter, als ich ihm von unserem Paket erzählte.

Wiebitte?!?

Das kann doch nicht sein!

„Laut Sendeverfolgung muss es aber hier sein!“ versicherte ich.

Der Mann erklärte mir kühl, dass es sich in der anderen Postfiliale, zwei Straßen weiter befinden würde, denn dort kämen alle Pakete hin. Zwei Straßen weiter bedeutete in seinem Maßstab leider, dass wir noch einmal gut einen Kilometer laufen mussten. Seine Kollegen hatten zunächst einmal keine Idee davon, dass es so etwas wie Postlagernd überhaupt gibt. Ohne eine italienische Sendeverfolgungsnummer könne man hier leider überhaupt nichts für uns tun. Auch dann nicht, wenn wir versichern, dass man postlagernde Pakete normalerweise einfach mit seinem Ausweis abholen kann. Die deutsche Post, bzw. die DHL vergibt jedoch nur deutsche Paketnummern und mit diesen können ihre italienischen Kollegen leider nicht das Geringste anfangen. Nach einigem Hin und Her verwies man uns an die Paket-Verteilungsstelle, die sich im gleichen Haus jedoch auf der anderen Seit und eine Etage tiefer befand. Unsere Odyssee ging also weiter. Diesmal gerieten wir an eine ebenso hübsche wie ahnungslose Postbeamtin, der wir vier Mal verzweifelt das gesamte Postsystem erklären mussten, bis sie einen leisen Schimmer davon bekam, was wir von ihr wollten. Am Ende konnte sie uns jedoch ebenfalls nicht weiterhelfen. Mein innerer Geduldsfaden war nun kurz vor dem Zerreißen. Als uns die junge Dame dann wieder nach oben zurück zur Poststation schickte, vergaß ich für einen Moment meine Harmoniesucht und wäre ihr am liebsten an die Gurgel gesprungen. Doch es half ja nichts.

So standen wir wenige Minuten später vor einer dritten Abteilung der gleichen Post, von wo wir dann wieder zur ersten geschickt wurden.

„Kann es nicht sein, dass das Paket vielleicht doch in der Filiale in der Via Floridiana liegt, so wie es adressiert war?“ fragte ich in einem letzten Hoffnungsschimmer.

„Nein!“ sagte der Beamte bestimmt, „so etwas machen sie grundsätzlich nicht. Wenn dann kommt das Paket zu uns, aber hier ist nichts. Wahrscheinlich dauert es einfach noch ein paar Tage!“

Währenddessen versuchte Heikos Vater von Deutschland aus mit der Sevicestelle der DHL Kontakt aufzunehmen, um herauszufinden, wo sich das Paket denn nun befand. Doch auch hier stieß er schon bald auf Granit. Die angebliche Servicezentrale entpuppte sich als Kundenverärgerungszentrale, die keine hilfreichen Informationen liefern konnte oder wollte. Die Nummer würde sich nicht verändern und auf den italienischen Paketdienst hätte die DHL keinen Einfluss. Die einzige Möglichkeit um herauszufinden, wo sich das Paket nun befand, lag darin einen Verfolgungsantrag zu stellen. Nur mit einem solchen schriftlich eingereichten Antrag war es möglich, die italienische Post nach ihrer internen Nummer zu fragen. Ein solcher Antrag dauerte in der Regel jedoch zwei bis vier Wochen. Bis dahin wäre unser Paket, wenn es Italien denn je erreicht hatte bereits wieder an den Absender zurückgesendet worden.

Da wir bei den Postämtern nicht weiterkamen wanderten wir die 6km wieder zurück zum Kloster um dort im Internet weitere Recherchen anstellen zu können. Auf dem Weg an der Schnellstraße reflektierten wir die Situation. Heiko und ich waren beide nicht nur sauer auf die Post, sondern auch auf mich, weil ich ausgerechnet dieses Postamt ausgewählt hatte. Es war einfach nicht gut durchdacht gewesen, ein Amt mitten in einer Großstadt auszuwählen, einer unter hunderten, umgeben von Verkehrshölle, Zuglärm und Stress. Eines an einem Ort, an dem wir unmöglich länger bleiben konnten, wenn das Paket wirklich noch nicht da war. Plötzlich waren wieder 1000 Selbstvorwürfe in meinem Kopf. Warum schaffte ich es einfach nicht, Dinge so zu planen, dass sie auch funktionierten? Warum musste ich immer etwas übersehen und damit so viel Stress, Unheil und Risiko anziehen. Was war, wenn das Paket nun wirklich verloren gegangen war? Wir brauchten dringend neue Schuhe und kaufen konnte ich mir keine. Außerdem hatte es Heikos Elter viel Zeit, Geld und Mühe gekostet, das Paket abzuschicken und ich hatte all das auf´s Spiel gesetzt. Unter meiner Unachtsamkeit litten nun auch Heiko und seine Eltern. Sofort kam das Gefühl des Schmarotzers wieder auf, dass ich noch immer tief in mir trug. „Du bist einfach nichts wert!“ schimpfte die Gehirnstimme meines Selbstzweifel-Ichs auf mich ein: „Du kannst nicht einmal richtig eine Poststation aussuchen! Wie will dir jemand vertrauen? Seit Jahren machst du immer wieder die gleichen Fehler! Sieh es endlich ein! Du bist ein Trottel und du wirst immer einer bleiben! Geh am Besten einfach wieder nach hause, vergiss alles über den Herzmagnetismus, such dir einen einfachen Job in dem du nichts falsch machen kannst und sei damit zufrieden. Du schaffst deine Wandlung zum Heiler ja doch nicht, also gib es doch einfach auf! Du nimmst dich selbst nicht ernst! Du magst dich nicht einmal! Warum auch, so dumm wie du bist? Wie kannst du da erwarten, dass dich sonst jemand mag? Und wenn jemand den Fehler macht und dir vertraut, dann endtäuscht du ihn und nutzt ihn nur aus! Weißt du was ich dabei empfinde? Ekel! Du ekelst mich richtig an!“

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Die Hasstirade in meinem Kopf ging so weiter bis wir das Kloster erreicht hatten. Dort wurde sie von den Gesprächen mit den Mönchen und Pfarrern und vom Mittagessen unterbrochen. Anschließend setzten wir uns an die hauseigenen Computer und bemühten uns mit der langsamen Internetverbindung irgendetwas herauszufinden. Auch dabei hatte ich nun keine Zeit mehr, mich selbst runterzumachen.

Angeblich war das Paket an jemanden oder etwas namens TIMBRO ausgehändigt worden. Die Dame vom Servicecenter meinte Heikos Vater gegenüber, dass es sich dabei wahrscheinlich um den Nachbarn handelte. Dass dies absoluter Blödsinn war war keine Frage, doch die Frau ließ sich davon nicht beeindrucken. Was aber war TIMBRO dann? Was er vielleicht ein italienischer Paketdienst? Es dauerte eine Weile bis wir die Lösung fanden. Timbro war weder eine Firma noch ein Name. Es war das italienische Wort für Stempel. Es bedeutete also nichts weiter, als dass der Empfänger mit einem Stempel bestätigt hatte, dass er das Paket erhalten hatte.

Wir versuchten es noch einmal bei der DHL. Die Frau, die ich nun am Apparat hatte war wahrscheinlich die gleiche, mit der auch Heikos Vater schon telefoniert hatte. Sie war pampig von der ersten Sekunde an und verweigerte jegliche Hilfe. Als ich nicht locker ließ, legte sie einfach mitten im Gespräch auf.

„Oh!“ meinte ich, „ich glaube wir sind unterbrochen worden,“ und wählte die Nummer noch einmal. Diesmal hatte ich einen jungen Mann am Apparat, der um einiges freundlicher klang. Er konnte uns zwar auch nicht weiterhelfen, erklärte uns jedoch die Gründe dafür. So waren für die Mitarbeiter des Centers alle Auslandsnummern gesperrt und das obwohl es sich um die Abteilung für internationalen Postversand handelte. Da der italienische Paketdienst keine Telefonnummer auf seiner Internetseite angab und die Angestellten über keine Informationen verfügten als die, die ihnen Google lieferte, waren sie nicht einmal in der Lage, einem eine Nummer zu geben, so dass man selbst nachfragen konnte. Auch die Aussage, sie könne uns nicht an die zuständige Abteilung von der DHL durchstellen, damit wir direkt beim Versandt nachfragen konnten, war nicht gelogen gewesen. Die Fachabteilungen der DHL geben grundsätzlich keine Nummern an ihr eigenes Servicecenter raus. Das ganze Zentrum ist also wirklich nur dafür da, dass die Mitarbeiter einem das vorlesen können, was man auch selbst im Internet sehen kann.

Da sich das nun also auch als Sackgasse herausgestellt hatte, blieb nur noch eine Hoffnung. Ich musste noch einmal zurück zum ersten Postamt und den Beamten so lange auf die Füße treten, bis ich eine Antwort bekam. Irgendwo musste das Paket ja sein!

Auf dem Weg zurück über die Schnellstraßen hatte ich dann wieder genug Zeit um mich meiner Selbstkritik-Stimme hinzugeben. Die letzten Tage haben wir uns so viel mit dem Thema Liebe und Selbstliebe beschäftigt und nun kam die erste schwierige Situation und schon war ich weiter davon entfernt als je zuvor. So sehr ich auch versuchte, mich dafür zu lieben, dass ich mich gerade nicht lieben konnte, es wollte mir einfach nicht gelingen. Meine Selbstzweifelsstimme hatte mich überzeugt. Ich konnte mich gerade einfach nicht leiden. Zum Teufel mit positiven Energien.

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Dann aber kam die Erlösung! Als ich das Postamt betrat konnte ich hinter dem Schalter bereits einen riesigen, würfelartigen Karton mit einem deutschen Paketaufkleber und der Aufschrift „Kissen, Deko, 8 Stück!“ erkennen. Wie viele riesige Pakete aus Deutschland würde es hier wohl geben? Hoffnung, Freude und Erleichterung stieg in mir auf. Ich zückte das Handy und schrieb eine SMS an Heikos Eltern: „Ist es ein Karton mit der Aufschrift: Kissen, Deko 8 Stück?“

Die Antwort kam prompt: „Ja, der ist es!“

Als ich dann an den Schalter trat begann ich gleich mit der Ansage: „Der Karton, der da hinter ihnen steht, das ist meiner, auf den warte ich!“

„Oh,“ sagte der Mann, „das ist ja interessant! Wir haben uns schon gefragt, was es damit auf sich hat. Normalerweise kommen solche Pakete nie hier an und so dachten wir, dass er vielleicht für uns ist. Ich habe ihn deshalb geöffnet. Tut mir Leid, war ein Versehen. Aber Sie haben Glück. Ich wollte ihn nämlich bereits zurückschicken, weil ich nichts damit anzufangen wusste aber dann dachte ich, wir warten lieber noch.“

An sich hätte ich dem Mann in diesem Moment eine Ohrfeige verpassen sollen, für so viel Unfähigkeit und Fehlverhalten aber ich war so glücklich, dass das Paket da war, dass ich ihn am liebsten geknutscht hätte. Er erzählte mir, dass das Paket wirklich bereits seit Tagen hier war, genauso wie es der Sendebericht gesagt hatte. Der Karton hatte eine Kantenlänge von mindestens 60cm und war also nicht zu übersehen gewesen. Demzufolge musste auch der andere Mitarbeiter vom Vormittag den Karton schon bemerkt haben. Warum er uns dennoch abwies ist mir ein Rätsel. Ebenso wie der Grund, warum das Paket am Nachmittag plötzlich vorne stand, am Morgen hingegen versteckt gewesen war. Nur das kleine Päckchen von Ben mit dem Ersatzteil für meine Deichsel ist wirklich nicht angekommen. Was damit los ist weiß ich nicht und hierfür haben wir leider nicht einmal eine Sendeverfolgung.

Auf dem Weg zurück ins Kloster war ich zwar körperlich durch das Paket beschwert, seelisch und geistig jedoch unendlich erleichtert. Dennoch fragte ich mich, was mit die Situation hatte sagen wollen. Theoretisch war die ganze Aufregung absolut umsonst gewesen, doch wenn alles aufgrund von Liebe passiert und alles einen Sinn hat, dann musste auch das hier einen Sinn haben. Mir fiel auf, dass ich mich selbst für unfähig gehalten hatte und mich aufgrund dieser Unfähigkeit verurteilt hatte. Gleichzeitig hatte ich nur mit Menschen zu tun, die genauso unüberlegt und kurzsichtig handelten. Mein Innen war mir also in Form von gleich acht verschiedenen Postbeamten gespiegelt worden. War es also vielleicht die Lektion gewesen, Menschen und dabei auch mich selbst, trotz ihrer großen Fehler und den daraus resultierenden Unannehmlichkeiten anzunehmen? Wahrscheinlich gab es noch mehr, aber bislang ist mir noch keine Idee dazu gekommen.

Als ich das Paket durch die Klosterpforten trug, war es bereits 18:00 Uhr. Jetzt begann die große Bescherung! Alles wurde ausgepackt, beäugt und umsortiert. Und damit komme ich nun auch zum Ende meines Berichtes und zur Danksagung für all die lieben Helfer, die uns hier wieder so großartig unterstützt haben.

Als aller erstes vielen, vielen Dank an Heikos Eltern für die viele Mühe, für die Hilfe beim Paketaufspüren, fürs Packen, für den finanziellen Aufwand, für das gute, eingekochte, bayrische Essen, für die Knödel und das Wildgulasch, für die Chips und die vielen Nüsschen, für den Tauchsieder mit dem wir nun noch besser kochen können und für die vielen anderen Dinge, die ich gerade noch vergesse. Dann vielen Dank an Paulina für den tollen Stempel, den du uns gemacht hast, für deine lieben Worte, für die Gewürze mit denen wir in der nächsten Zeit wieder einmal ein besonderes Essen kochen können und natürlich für den Ginko! Danke auch an Scarpa für zwei neue Paare der tollen Schuhe, die uns die letzten 3000km so gut getragen haben. Und danke an Meindl für das zweite Paar Schuhe, das wir nun im Wechsel an Regentagen tragen können. Vielen lieben Dank an Reine Olive für das Massageöl und die Naturseife! Und last but not least: Ein herzliches Dankeschön an Outdoorpacks für unsere neuen Packsäcke!

Spruch des Tages: Immer Ärger mit der Post

Höhenmeter: 120m

Tagesetappe: 38 km

Gesamtstrecke: 7413,27 km

Wetter: Regen in der Früh, dann Sonne, Wolken und hin uns wieder leichte Schauer

Etappenziel: Pilgerherberge des Jakobsvereins, 00185 Roma, Italien

Bewertungen:

 
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About the Author:

Heiko Gärtner und Franz von Bujor sind ausgebildete Survivalexperten und Extremjournalisten. Seit 2014 wandern sie zu Fuß und ohne Geld um die Welt um auf diese Weise tiefe Einblicke in unsere Gesellschaft mit all ihren Facetten, Kulturen und Systemen zu bekommen. Als Medizinjournalisten sind sie unter anderem Mitglieder des Deutschen Fachjournalisten Verbandes und schreiben neben Artikeln für Blogs, Zeitungen und Magazine auch Sachbücher und Ratgeber. 2013 veröffentlichten sie gemeinsam ein Grundlagenwerk über Antlitzdiagnose mit dem Titel "Krankheiten auf einen Blick erkennen". 2016 folgte ihr zweites Werk "Die natürliche Heilkraft der Bäume". Dabei handelt es sich um ein Lehrbuch, um die Grundlagen der Naturheilung zu erlernen, wie sie seit Jahrtausenden von indigenen Völkern überall auf der Welt angewendet werden. Heiko Gärtner ist zudem gelernter Natur- und Landschaftspfleger, Wildnislehrer, Hochseilgartentrainer sowie Berg- und Höhlenretter. Nach seiner Ausbildung zum Versicherungsfachwirt leitete er unter anderem Motivation und Verkaufstrainings und übernahm später eine eigene Generalagentur. Aus dieser Zeit konnte er unter anderem auch ein umfangreiches Verständnis und Wissen aus den Bereichen Versicherungsrecht, Recht im Allgemeinen, Buchhaltung, Wirtschaftsmathematik und Unternehmensführung mitnehmen. Um mehr seinem Herzensweg zu folgen, gab er seine Büro-Karriere schließlich auf, um sich zum Survivalexperten, Nationalparkranger und Wildnismentor ausbilden zu lassen. In diesem Rahmen besuchte er unter anderem Naturvölker in Neuseeland, Kanada, den USA und Thailand. Dabei gründete er unter anderem seine eigene Wildnisschule, die bis heute besteht und Ausbildungen aus dem gesamten Wildnissektor anbietet. Franz von Bujor ist studierter Kultur- und Sozialpädagoge, sowie ausgebildeter Wildnislehrer, Mediator und Erlebnispädagoge. Auf seinen vielzähligen Reisen unter anderem nach Australien und Lateinamerika sammelte er Expertenwissen im Bereich alternatives Leben und Reisen, Minimalismus, Backpacking und Work and Travel, sowie allgemein im Bereich Kunst, Kultur, Religion und Geschichte. Seit 2016 lebt er als Wandermönch.

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