Tag 799: Treffen mit dem Weihnachtsmann

///Tag 799: Treffen mit dem Weihnachtsmann

Tag 799: Treffen mit dem Weihnachtsmann

Tag 799: Treffen mit dem Weihnachtsmann

Pünktlich um 13:00 Uhr kehrten wir zum Mittagessen ins Kloster zurück. Der Speisesahl war groß und unpersönlich wie immer, aber er war schön gemacht und gut geheizt. Außer den 20 Mönchen und uns waren noch einige weitere Gäste anwesend. Darunter befand sich auch ein Mann mit einem Holzfellerhemd und einem auffällig langen, weißen Bart. Seine ganze Erscheinung kam uns irgendwie vertraut vor und so konnten wir es uns nicht verkneifen, den Bruder neben uns zu fragen, wer denn der lustige Weihnachtsmann am anderen Ende der Tafel war.
„Kein Witz!“ sagte der Bruder, „das ist wirklich der Weihnachtsmann!“

Wir schauten ihn etwas ungläubig an, denn es war schon eine Weile her, seit man das letzte Mal versucht hatte, uns von dessen Existenz zu überzeugen. Der Bruder führte seine Erklärung etwas weiter aus: „Er ist der berühmteste Weihnachtsmann von Amerika. Im Winter lebt er in New York, aber außerhalb der Saison wohnt er bei uns.“
Das wollten wir natürlich genauer wissen! Kaum war das Essen vorbei gingen wir auf den bärtigen Mann zu und sprachen ihn an. Er war ein überaus freundlicher, lebensfroher und lustiger Zeitgenosse, ganz so wie man sich einen Weihnachtsmann vorstellt. Und wirklich, der Mönch hatte nicht übertrieben. Im richtigen Leben hieß unser neuer Bekannter Michael Ciallella, doch wenn Weihnachten nahte wurde er zu Brady White, auch bekannt als „Santa to the Stars“. Mit Stars waren hier aber keine Sterne gemeint und der Name bezog sich nicht auf klare, kalte Winternächte. Stars waren wirklich Stars, also die High Society aus Beverly Hills, Hollywood, Malibu und anderen Reichengegenden Amerikas. Angefangen hatte er mit seinem Leben als Weihnachtsmann bereits 1969, also genau in dem Jahr, in dem Padre Pio verstarb. Zu ihm hatte Brady einen ganz besonderen Bezug und aus diesem Grund war er vor etwas mehr als zehn Jahren hierher nach San Giovanni Rotondo gezogen. Tagsüber lebte er im Kloster, nachts hatte er jedoch seine eigene Wohnung unten in der Stadt. Er selbst sah sich als „eine Art Bruder“ an und er bedauerte es ein wenig, kein richtiger Mönch zu sein. In unseren Augen war er jedoch mehr Mönch als jeder andere, den wir bislang getroffen hatten. Denn für ihn gab es eine Verbindung zu Gott und sein Grund für das Leben im Kloster kam aus dem Herzen. Das konnten nicht viele Mönche von sich behaupten, denn fast immer waren die christlichen Riten und Gebräuche nicht mehr als ein Pflichtprogramm, das abgerissen wurde, weil es eben irgendwie dazugehörte. Ernst nahm es eigentlich niemand.

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Doch auch das Leben als Santa Claus war ein wichtiger Teil von ihm. Er erzählte einige Anekdoten, die er mit verschiedenen Stars hatte und zum ersten Mal an diesem Tag waren wir richtig begeistert. San Giovanni Rotondo hatte also doch etwas zu bieten, für das sich die Reise lohnte, auch wenn es etwas vollkommen anderes war, als wir uns vorgestellt hatten.
Viele Stars kannte er schon aus der Zeit bevor sie richtig berühmt wurden. Denn Stiefvater von Kim Kardashian beispielsweise, der sich später zur Frau umoperieren ließ oder die beiden Hilton Schwestern.
„Paris Hilton kenne ich noch von früher“, meinte er, „aus der Zeit als sie noch Kleidung trug. Aber um ganz ehrlich zu sein, sie war als Kind schon eine arrogante Zicke!“

Andere Stars hingegen mochte er sehr gerne und er meinte, dass sie außerhalb ihres Rampenlebens bedenständige und sympatische Leute waren. Darunter waren einige Basketballspieler die ich nicht kannte, aber auch Schauspieler wie Keanu Reeves. Eine lustige Geschichte erzählte er auch über Jennifer Lopez. Nach einem gemeinsamen Bühnenauftritt fragte sie ihn, was er denn mache, wenn gerade nicht Weihnachten ist. Er erzählte von seinem Leben im Kloster und erwähnte auch Padre Pio, der in Amerika normalerweise nicht allzu bekannt ist. Doch Jennifer kannte ihn und so kamen sie in ein tieferes Gespräch über den Heiligen. Zum Abschied schenkte Santa der Sängerin eine kleine Karte mit einer Art Schutzwidmung von Padre Pio. Sie freute sich riesig und wollte das Papier in ihre Tasche stecken, als sie merkte, dass sie keine hatte. Sie trug ein hautenges und relativ gewagtes, halb durchsichtiges Gewand, das keine Verstauungsmöglichkeiten bot. Naja, fast keine. Sie schaute sich einmal kurz um, um zu überprüfen wie viele Kameras auf sie gerichtet waren und steckte sich die Padre-Pio-Karte kurzerhand in den Ausschnitt.
„So!“ meinte sie nur knapp, „jetzt trage ich Padre Pio immerhin am Herzen!“
Auf seinem Smartphone zeigte er uns dann noch ein paar Bilder von ihm als Weihnachtsmann zusammen mit seinen Klienten.

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„Oh, dass hier war auch eine lustige Geschichte“, kommentierte er ein Bild, auf dem er neben einer Frau stand, deren großen Brüste unter einem Hauch von nichts hervorschauten und dem Betrachter gewissermaßen ins Auge stachen. Es war eine der Kardashian-Schwestern.
„Dieses Foto hier ging nach seiner Aufnahme innerhalb von drei Tagen um die ganze Welt!“ fuhr er mit der Erzählung fort. „Es wurde getwittert, geliked und war in sämtlichen Boulewardblättern überall auf der Erde zu sehen. Als ich nach San Giovanni zurückkehrte, hatten es auch die Mönche bereits in die Finger bekommen. Der Superior hielt mir bei meiner Ankunft eine Zeitschrift entgegen, bei der er das Foto bereits aufgeschlagen hatte. Mit einem schälmischen Lächeln tadelte er mich: ‚So so! Was muss man da wieder von unserem Bruder in der Zeitung sehen? Das wirft aber kein gutes Licht auf unser Kloster'“

Besonders lustig waren auch die Fotos, auf denen er als Rocker-Weihnachtsmann, oder als Südsee-Santa in Bermudershorts und Sonnenbrille zu sehen war. Passend für Malibu hatte er auch einen Schlitten, der nicht von Rentieren gezogen werden musste. Es war ein Schneeweißer Rolls Royce.
Schließlich durften wir selbst dann auch noch ein Foto mit dem Weihnachtsmann machen. Einmal für unsere eigene, und einmal seine Galerie. Wenn er also das nächste Mal sein Handy jemandem zeigt, dann tauchen wir dort in einer Reihe mit Keanu Reeves und Jennifer Lopez auf.
Dann verabschiedeten wir uns, nicht jedoch ohne zuvor noch einige Daten auszutauschen. Wenn ihr wollt, könnt ihr euch also selbst einmal ein Bild vom Weihnachtsmann auf seiner eigenen Homepage machen: www.santatothestars.com. Auch ein Video von ihm als rappender Santa Claus haben wir entdeckt. Es zeigt ihn recht gut und wir wollen es euch nicht vorenthalten:

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Am Nachmittag unternahmen wir einen dritten Ausflug ins Santuario. Dieses Mal waren wir fast alleine und konnten uns den Leichnam von Padre Pio noch einmal aus der Nähe anschauen. Viel gab es jedoch leider nicht zu sehen, denn aus irgendeinem Grund hatte man ihn fast vollständig versteckt. Sein Gesicht war unter der Kunststoffmaske verborgen und alles andere Steckte in einem langen Franziskanergewand. Sogar die Füße waren in braune Socken gehüllt und anschließend in Sandalen gesteckt worden. Das einzige, was zu sehen war, waren seine Fingerspitzen. Der Rest der Hand war in braune, fingerlose Handschuhe gehüllt. Dabei war doch gerade dies das interessante an dem Mann. Einer der Hauptgründe für seine Berühmtheit waren die Stigmata, die er an Händen, Füßen und an den Rippen trug. Es waren die selben, oder zumindest ähnliche Wunden, wie sie auch Jesus durch seine Kreuzigung erhalten haben soll. Stigmata, wie sich auch San Francesko in den letzten Jahren seines Lebens bekommen hatte. Warum also wurden die Hände und Füße nun so gut verborgen?

Zurück im Zimmer machten wir uns gleich erst einmal auf die Suche nach Antworten. Wie bei heiligen Menschen und Orten üblich, gab es auch hier sehr viele gegensätzliche Ansichten und einen äußerst verwirrenden Wust an Behauptungen, Widerlegungen und Gegendarstellungen. Wir haben mal verucht, die Sache so gut wie möglich zu ordnen, um ein bisschen Licht ins Dunkle zu bekommen. Leider wird es wohl noch eine Weile dauern, bis wir den Bericht über den guten, alten Pio ausformulieren können, denn wie der Zufall so will, haben sich einige andere Dinge in den Vordergrund gedrängt, die erst noch erledigt werden wollen.

Spruch des Tages: Ja ist denn heut schon Weihnachten!?

Höhenmeter: 150 m
Tagesetappe: 19 km
Gesamtstrecke: 14.259,27 km
Wetter: bewölkt und windig
Etappenziel: Gemeindehaus der Kirche, 70013 Ceglie Messapica, Italien

Hier könnt ihr uns und unser Projekt unterstützen. Vielen Dank an alle Helfer!

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About the Author:

Heiko Gärtner und Franz von Bujor sind ausgebildete Survivalexperten und Extremjournalisten. Seit 2014 wandern sie zu Fuß und ohne Geld um die Welt um auf diese Weise tiefe Einblicke in unsere Gesellschaft mit all ihren Facetten, Kulturen und Systemen zu bekommen. Als Medizinjournalisten sind sie unter anderem Mitglieder des Deutschen Fachjournalisten Verbandes und schreiben neben Artikeln für Blogs, Zeitungen und Magazine auch Sachbücher und Ratgeber. 2013 veröffentlichten sie gemeinsam ein Grundlagenwerk über Antlitzdiagnose mit dem Titel "Krankheiten auf einen Blick erkennen". 2016 folgte ihr zweites Werk "Die natürliche Heilkraft der Bäume". Dabei handelt es sich um ein Lehrbuch, um die Grundlagen der Naturheilung zu erlernen, wie sie seit Jahrtausenden von indigenen Völkern überall auf der Welt angewendet werden. Heiko Gärtner ist zudem gelernter Natur- und Landschaftspfleger, Wildnislehrer, Hochseilgartentrainer sowie Berg- und Höhlenretter. Nach seiner Ausbildung zum Versicherungsfachwirt leitete er unter anderem Motivation und Verkaufstrainings und übernahm später eine eigene Generalagentur. Aus dieser Zeit konnte er unter anderem auch ein umfangreiches Verständnis und Wissen aus den Bereichen Versicherungsrecht, Recht im Allgemeinen, Buchhaltung, Wirtschaftsmathematik und Unternehmensführung mitnehmen. Um mehr seinem Herzensweg zu folgen, gab er seine Büro-Karriere schließlich auf, um sich zum Survivalexperten, Nationalparkranger und Wildnismentor ausbilden zu lassen. In diesem Rahmen besuchte er unter anderem Naturvölker in Neuseeland, Kanada, den USA und Thailand. Dabei gründete er unter anderem seine eigene Wildnisschule, die bis heute besteht und Ausbildungen aus dem gesamten Wildnissektor anbietet. Franz von Bujor ist studierter Kultur- und Sozialpädagoge, sowie ausgebildeter Wildnislehrer, Mediator und Erlebnispädagoge. Auf seinen vielzähligen Reisen unter anderem nach Australien und Lateinamerika sammelte er Expertenwissen im Bereich alternatives Leben und Reisen, Minimalismus, Backpacking und Work and Travel, sowie allgemein im Bereich Kunst, Kultur, Religion und Geschichte. Seit 2016 lebt er als Wandermönch.

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