Tag 1600 bis 1603: Schietwetter!

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Tag 1600 bis 1603: Schietwetter!

Tag 1600 bis 1603: Schietwetter!

Bei dem Schietwetter kann sich doch keiner wohl fühlen!

Deutschland ist da auch nicht anders!

Falls wir je vergessen haben, warum wir unserer alten Heimat den Rücken den Rücken zu kehrten, wissen wir es nun wieder ohne jeden Zweifel. Nicht Böse gemeint, aber dieses Deutschland ist einfach nicht gemütlich. Da haben wir nun ziemlich heftig über Irland und Schottland gelästert, wo es nahezu nie einen Sonnenstrahl gibt, der es vollständig bis auf den Boden schafft und nun ist es hier keinen Deut besser. Auch die Verkehrsverhältnisse, der Straßenlärm und das Essen sind hier in Deutschland nicht auf einem höheren Level als in Großbritannien.

Ein Rathaus vor dem ewig grauen Himmel

Ein Rathaus vor dem ewig grauen Himmel

Dass es im Ruhrgebiet und in dessen unmittelbarer Umgebung nicht ruhig und idyllisch sein würde, hatte uns nicht überrascht. Aber nun waren wir vom Ruhrgebiet ins Münsterland, von dort ins Emsland und von dort nach Ostfriesland gekommen und nichts davon hatte etwas besser gemacht. Wohin wir auch kamen, immer gab es eine Straße, die im Hintergrund rauschte. Wo kam all der Verkehr her, wenn doch die größten Städte wie Leer und Papenburg gerade einmal 30 bis 40 tausend Einwohner hatten? War hier vielleicht doch wieder mehr Illusion im Spiel, als wir zunächst angenommen hatten?

Auch im Hafenviertel an der Küste herrscht Schietwetter

Auch im Hafenviertel an der Küste herrscht Schietwetter

Fastfood-Kultur in Deutschland

Ähnlich skurril war es auch mit dem Essen. Wie sehr hatten wir uns nach deutscher Kost gesehnt? Und wie sehr hatten wir uns die Finger nach Dönern und Currywürsten abgeschleckt, die wir so lange nicht mehr hatten essen dürfen? Nun befanden wir uns inmitten einer schlimmeren Fastfood-Kultur als in England und ernährten uns fast nur noch von Dönern und Currywürsten. So etwas wie Obst und Gemüse scheint hier nahezu unbekannt zu sein, vor allem in der saftig frischen Variante mit Geschmack, die wir aus dem Süden Europas gewöhnt waren.

Trotz der vielen Fischkutter konnten wir nur ein einziges Fischbrötchen abstauben

Trotz der vielen Fischkutter konnten wir nur ein einziges Fischbrötchen abstauben

Schietwetter!

Was aber am meisten an Nerven, Knochen und Gelenken zehrte war das Wetter. Sonne schien für uns längst ein Mythos zu sein, bei dem wir nicht wussten, ob er überhaupt auf einem wahren Kern beruhte oder nicht doch frei erfunden war. Denn sehen konnte man sie hier nie. Warum eine der berühmtesten Phrasen aus dieser Region „Schietwetter!“ lautet kann man gut verstehen. Hin und wieder kommen wir uns ein bisschen vor wie in diesem einen Film über eine alte Fernsehserie, wo plötzlich alle Schwarz-Weiß sind, wenn die Farbpalette reicht hier leider nicht so weit, als dass sie mit bloßem Auge wahrnehmbar wäre. Falls ihr euch schon gefragt habt, warum wir seit Tagen nur noch monochrome Bilder einstellen: Nein, dass ist kein Bildeffekt, es sieht hier wirklich so aus!

Typisches Schietwetter: Bei dem Einheitsgrau erkennt man farblose Häuser kaum noch.

Typisches Schietwetter: Bei dem Einheitsgrau erkennt man farblose Häuser kaum noch.

Wenn ich mir nun überlege, dass ich kaum 100km von hier entfernt aufgewachsen bin, dann stellen sich mir doch ein paar Fragen. Wie hatte ich es hier so lange aushalten und dabei immer noch glauben können, es sei hier schön? War mir in den ersten 30 Jahren meines Lebens tatsächlich nie aufgefallen, wie laut und unruhig es überall war? Vollkommen klar wurde mir hingegen, warum ich schon immer den Wunsch hatte ein Nomade und Reisender zu werden.

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Der Satz „Mich hält hier doch nichts“ war schon als Schüler stets in mir präsent gewesen. Nun verstand ich mehr denn je warum. Alles in allem schien es fast, als sollte mir noch einmal mit allem Nachdruck gezeigt werden, dass ich hier nicht mehr her gehöre. Die schillernde Seifenblase der perfekten, heilen und schönen Welt meiner Kindheit ist zerplatzt. Nicht nur aufgrund der Familiensituation sondern in Bezug auf alles. Ich fühlte mich hier einfach nicht heimisch. Alles war bekannt, aber es wirkte nicht vertraut und erst recht nicht anziehend.

Der Schnee lässt die Stadt ein bisschen freundlicher aussehen

Der Schnee lässt die Stadt ein bisschen freundlicher aussehen

Das Beste aus der Situation machen

Wenn man jedoch einmal die äußeren Umstände anerkannt hat, dann lässt es sich trotzdem noch immer recht gut leben. Wir haben es uns angewöhnt, jeden Tag den Schlafplatz für die nächste Nacht zu organisieren. So sparen wir uns eine Menge Wartezeit in der Kälte. Man muss nur wissen wie, dann kann man es sich überall gemütlich machen. Und wenn man längere Zeit in der Region ist, findet man unter www.reiseland-niedersachsen.de einige ganz spannende Tipps zum Thema Urlaub in Niedersachsen, mit denen man sich die Zeit noch etwas vertreiben kann.

Die Segelschiffe im Hafen wecken bereits wieder die Sehnsucht

Die Segelschiffe im Hafen wecken bereits wieder die Sehnsucht

Heute durften wir zur Abwechslung durch einen Schneeschlamm wandern, der die Erde leicht weißlich, überwiegend aber schmuddelig braun-grau überdeckte. Innen Minuten hatten wir nasse Füße, die erst stunden später an der Heizung wieder trockneren. Dafür bekamen wir jedoch einen guten Teller mit Grünkohl zum Mittagessen, der für Wärme und Stärkung von innen sorgte. Von hier aus wirkte das Schietwetter gar nicht mehr so erschreckend. Man versteht hier auf jeden Fall, warum man Kamine, Öfen und Isolierglasscheiben erfunden hat!

Franz beim Wandern in seiner früheren Heimat

Franz beim Wandern in seiner früheren Heimat

 

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Höhenmeter 250m / 240m / 90m / 1110m

Tagesetappe: 16km / 18km / 35km / 14km

Gesamtstrecke: 29.109,27km

Wetter: Überwiegend sonnig und warm

Etappenziel Tag 1600: Privates Gästezimmer bei einer Sami-Familie, Stornäs, Schweden

Etappenziel Tag 1601: STF Saxnäsgården Hotel , Saxnäs, Schweden

Etappenziel Tag 1602: Ferienhütte, Stalon , Schweden

Etappenziel Tag 1603: Bio-Schweinefarm, 3km nördlich von Strömnäs, Schweden

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About the Author:

Heiko Gärtner und Franz von Bujor sind ausgebildete Survivalexperten und Extremjournalisten. Seit 2014 wandern sie zu Fuß und ohne Geld um die Welt um auf diese Weise tiefe Einblicke in unsere Gesellschaft mit all ihren Facetten, Kulturen und Systemen zu bekommen. Als Medizinjournalisten sind sie unter anderem Mitglieder des Deutschen Fachjournalisten Verbandes und schreiben neben Artikeln für Blogs, Zeitungen und Magazine auch Sachbücher und Ratgeber. 2013 veröffentlichten sie gemeinsam ein Grundlagenwerk über Antlitzdiagnose mit dem Titel "Krankheiten auf einen Blick erkennen". 2016 folgte ihr zweites Werk "Die natürliche Heilkraft der Bäume". Dabei handelt es sich um ein Lehrbuch, um die Grundlagen der Naturheilung zu erlernen, wie sie seit Jahrtausenden von indigenen Völkern überall auf der Welt angewendet werden. Heiko Gärtner ist zudem gelernter Natur- und Landschaftspfleger, Wildnislehrer, Hochseilgartentrainer sowie Berg- und Höhlenretter. Nach seiner Ausbildung zum Versicherungsfachwirt leitete er unter anderem Motivation und Verkaufstrainings und übernahm später eine eigene Generalagentur. Aus dieser Zeit konnte er unter anderem auch ein umfangreiches Verständnis und Wissen aus den Bereichen Versicherungsrecht, Recht im Allgemeinen, Buchhaltung, Wirtschaftsmathematik und Unternehmensführung mitnehmen. Um mehr seinem Herzensweg zu folgen, gab er seine Büro-Karriere schließlich auf, um sich zum Survivalexperten, Nationalparkranger und Wildnismentor ausbilden zu lassen. In diesem Rahmen besuchte er unter anderem Naturvölker in Neuseeland, Kanada, den USA und Thailand. Dabei gründete er unter anderem seine eigene Wildnisschule, die bis heute besteht und Ausbildungen aus dem gesamten Wildnissektor anbietet. Franz von Bujor ist studierter Kultur- und Sozialpädagoge, sowie ausgebildeter Wildnislehrer, Mediator und Erlebnispädagoge. Auf seinen vielzähligen Reisen unter anderem nach Australien und Lateinamerika sammelte er Expertenwissen im Bereich alternatives Leben und Reisen, Minimalismus, Backpacking und Work and Travel, sowie allgemein im Bereich Kunst, Kultur, Religion und Geschichte. Seit 2016 lebt er als Wandermönch.

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