Schneechaos: Bilder vom größten Schneesturm unseres Lebens

von Heiko Gärtner
22.01.2021 18:11 Uhr

In den vergangenen Wochen haben wir unser Haus nun Schritt für Schritt immer mehr von einer abgeranzten Drogenbaracke in ein gemütliches und wohliges Zuhause verwandelt. So langsam fühlen wir uns hier auch richtig wohl und haben nun das Gefühl, endlich angekommen zu sein. „Jetzt kann der arktische Winter kommen!“, meinte Heiko zum Spaß, als wir die letzten Verdrahtungen für unsere Infrarotkabine erledigt hatten.

Dies war noch der harmlose Teil des Winters

Dies war noch der harmlose Teil des Winters.

 

Damit war der Umbau des Hauses nun vorerst abgeschlossen. Wir hatten drei separate Arbeitsbereiche, ein gemütliches Wohnzimmer, eine große Badewanne, eine voll funktionstüchtige Küche, einen kühlen, dunklen Vorratsraum, eine Sauna und nun auch eine Infrarotkabine. Was wollte man mehr? Was uns jedoch nicht klar war, war die Tatsache, dass die Natur Heikos Ausruf ein bisschen zu wörtlich nahm und gleich am kommenden Tag den Schneefall des Jahrhunderts schickte. Bereits in den Wochen zuvor hatte es immer wieder geschneit und die ganze Welt war von einer fantastischen weißen Schicht überzogen, die ihr dieses magische und zugleich beruhigende Etwas verlieh. Für mich als Norddeutschen war das bereits mehr Schnee, als ich es außerhalb von Skiurlauben her kannte. Doch was nun passierte, übertraf alles, was wir uns je hätten vorstellen können.

Skorped im Schneechaos

Skorped im Schneechaos: So viel Schnee auf einmal haben wir noch nie gesehen!

 

Leise rieselt der Schnee

Es begann mit ein paar harmlosen Schneeflocken am Abend und der merkwürdigen Aussage einer Nachbarin. Damit wir unseren Prinzipien der Reise trotz unserer neuen Sesshaftigkeit zumindest ein bisschen treu bleiben konnten, und damit wir überhaupt die Möglichkeit hatten den Winter hier zu überstehen, hatten wir eine Kooperation mit einem kleinen Supermarkt im Nachbarort aufgebaut. Dieser erlaubte es uns, die aussortierten Lebensmittel, die sonst in der Tonne landen würden, zu verwenden, wenn wir sie selbst abholten und quasi vor der Vernichtung retteten. Da der Supermarkt jedoch 25 km entfernt lag und die winterlichen Straßenverhältnisse eine Anreise mit dem Fahrrad unmöglich machten, begann ich von unserem Ort in den Nachbarort zu trampen. Manchmal funktionierte das gut, manchmal eher weniger, aber ich bin bisher immer an- und auch wieder zurückgekommen. Dabei hatte ich mit der Zeit herausgefunden, dass es einige Nachbarn gab, die die wie ich regelmäßig von einem Ort zum anderen mussten, die aber ein Auto besaßen und mitunter noch einen freien Platz hatten. So konnte ich also immer wieder nach einem Mitfahrservice fragen, wenn ich meine Lebensmittel-Rettungstouren früh genug plante. So war es auch an diesem Tag, an dem ich Katharina über Facebook anschrieb um zu fragen, ob sie am nächsten Morgen nach Bredbyn fahren und mich mitnehmen würde.

Blick von Heikos Zimmerfenster auf die Schneemassen

"Blick" von Heikos Zimmerfenster auf die Schneemassen.

 

„Vergiss es!“, lautete die überraschende Antwort. „Morgen wird überhaupt niemand irgendwo hinfahren!“

Zunächst verwunderte mich diese Aussage und ich dachte schon einen kurzen Moment lang, ich hätte sie vielleicht verärgert. Aber nach nur etwa zwei Stunden verstand ich vollkommen, was sie gemeint hatte. Die vereinzelten Schneeflocken waren zu einem schier undurchdringlichen weißen Vorhang geworden. Im Sommer hätte man gesagt, „Es schüttet wie aus Eimern!“, doch nun war es kein Regen, sondern Schnee. Dazu war ein heftiger Sturm aufgekommen, der es tatsächlich vollkommen unmöglich machte, das Haus zu verlassen.

So ging es die ganze Nacht. Am Morgen ließ der Sturm wieder nach und der Schneefall ging auf ein Maß zurück, bei dem man sogar einzelne Lücken zwischen den Flocken ausmachen konnte. Das ermöglichte es uns zum ersten Mal, das volle Ausmaß dieses Schneechaos wahrzunehmen.

Die Schneemassen haben fast die Wäschespinne erreicht

Am Morgen trauen wir unseren Augen nicht: Die Schneemassen haben fast die Wäschespinne erreicht!

Eingeschneit! Der Schneesturm des Jahrhunderts

Das ist kein Witz! Und es ist auch keine bewusst reißerische Überschrift, um euch bei der Stange zu halten. Wir waren tatsächlich vollkommen eingeschneit! Vor unserem Haus befindet sich eine Stahltreppe mit fünf Stufen, sodass man den guten Meter Höhenunterschied bis zur Eingangstür überwinden kann. Doch diese war nun vollständig verschwunden. Je nachdem, wie der Sturm die Schneemassen verteilt hatte, waren diese zwischen einem und drei Metern hoch. Die Welt vor unserer Tür, wie wir sie kanten, gab es nicht mehr. Es gab nur noch ein einziges, undefinierbares Weiß.

Meterhoch eingeschneit - Gut, dass wir kein Auto haben

Meterhoch eingeschneit - Gut, dass wir kein Auto haben.

 

Expedition im Tiefschnee: Erste Bilder vom Schneechaos

Bislang hatten wir geglaubt, dass es ein nettes Feature war, dass wir Schneeschuhe bekommen hatten. Es hatte Spaß gemacht, mit ihnen abseits der geräumten Wege ein wenig durch die schwedische Wildnis zu wandern. Dass wir jedoch einmal tatsächlich auf sie angewiesen sein würden, weil wir ohne Schneeschuhe nicht einmal mehr aus dem Haus kämen, hätten wir hingegen nicht gedacht. Doch genau so war es! Allein unser eigenes Grundstück zu verlassen, wäre ein Ding der Unmöglichkeit gewesen. Und tatsächlich ging es auch danach nicht viel anders weiter. Die Straßen waren zu großen Teilen noch gar nicht geräumt und wenn, dann nur spärlich. Unsere Briefkästen waren fast vollständig verschwunden und mit den Autos unserer Nachbarn sah es nicht viel besser aus. Die Ortschaft war Menschenleer. Doch wir waren schließlich nicht extra nach Schweden ausgewandert, um einen arktischen Winter zu erleben, um diesen dann rein durchs Fenster hindurch zu beobachten. Wir wollten raus und diese Schneemassen selbst kennenlernen.

Unsere erste Tiefschneeexpedition im eigenen Garten

Unsere erste Tiefschneeexpedition - im eigenen Garten!

 

Was wir dabei erlebten, ist mit Worten kaum zu beschreiben. Schaut euch dazu also am besten unsere Bilder an!

Wo sind unsere Briefkästen hin?

Wo sind unsere Briefkästen hin?

 
Shania bei einem Spaziergang durch den Ort

Shania bei einem Spaziergang durch den Ort.

 
Einkaufen ist nur noch mit Schneeschuhen möglich

Einkaufen ist nur noch mit Schneeschuhen möglich.

 
Der Schneesturm hat seine Spuren hinterlassen

Der Schneesturm hat seine Spuren hinterlassen.

 
Der Eingang wurde vom Schneesturm Blockiert

Der Eingang wurde vom Schneesturm blockiert.

 
Die Anwohner haben sich einen kleinen Pfad zu den hinteren Häusern freigetreten

Die Anwohner haben sich einen kleinen Pfad zu den hinteren Häusern frei getreten.

 

Der Schneesturm geht weiter

Auch während unserer Wanderung hatte der Schneefall nicht aufgehört, wenngleich er im Verhältnis zum Schneesturm der Nacht nun geradezu niedlich wirkte. Doch der Frieden wehrte nicht lange. Schon auf dem Rückweg spürten wir, wie es wieder stärker wurde und in der Nacht setzte sich der Schneefall noch einmal genauso fort, wie am Vortag. Insgesamt schneite es damit knapp drei Tage ohne Unterbrechung durch. Selbst für diese Region in Schweden war das ein neuer Rekord. Es gab hier durchaus in fast jedem Winter meterhohen Schnee, aber so viel in so kurzer Zeit hatten selbst die alteingesessenen Schneehasen unter unseren Nachbarn noch nicht erlebt. Und auch nachdem es aufgehört hatte, herrschte noch immer ein gewisses Schneechaos. Denn nun begannen die Aufräumarbeiten, bei denen die Schneemassen mit großen Traktoren und Baggern von der Straße geräumt wurden. Wir hatten Glück, dass wir direkt an der Ortsstraße lagen, denn die Nebenstraßen blieben zum Teil noch drei oder vier Tage vollkommen unpassierbar.

Die Bahn ist im Schneechaos entgleist

Die Bahn ist im Schneechaos entgleist...

 
Auch für den großen Zug gibt es kein Weiterkommen mehr

... aber auch für den großen Zug gibt es kein Weiterkommen mehr.

 

Bilder vom Schneechaos:

Hier haben wir euch noch einige weitere unserer eindrucksvollsten Bilder vom Schneesturm und Schneechaos zusammengestellt:
Heiko mit Eisbart

Heiko mit Eisbart

Temperaturen um -25°C wurden nun normal

Temperaturen um -25 °C wurden nun normal

Die Rekordkälte lag bei -33°C

Die Rekordkälte lag bei -33°C

Das Auto ist vollkommen unter dem Schnee versteckt

Das Auto ist vollkommen unter dem Schnee versteckt.

 
Schneechaos in Skorped

Schneechaos in Skorped.

 
Shania beim Schneeschippen vor unserem Haus

Shania beim Schneeschippen vor unserem Haus.

 
Heiko hat sich den Weg zum Container Freigeschaufelt

Heiko hat sich den Weg zum Container freigeschaufelt.

Haus, Auto, Traktor - Alles eingeschneit

Haus, Auto, Traktor - Alles eingeschneit

Die Sicht aus dem Fenster wurde durch den Schneesturm eingeschränkt

Die Sicht aus dem Fenster wurde durch den Schneesturm eingeschränkt

Heiko steckt bis zur Hüfte im Schnee

Heiko steckt bis zur Hüfte im Schnee. Ob er da wohl wieder rauskommt?

Unser Container im Schneechaos

Unser Container im Schneechaos.

 
Schneemann Heiko

Schneemann Heiko.

 
Schneemann Franz

Schneemann Franz.

 
Schneefrau Shania

Schneefrau Shania.

Schnee Schippen mit ICEBUG Stiefeln

Schnee Schippen mit ICEBUG Stiefeln.

Gut, dass unsere Eingangstür erhöht liegt.

Gut, dass unsere Eingangstür erhöht liegt.

 
Der neue Weg zu unserem Haus liegt nun etwa einen Meter oberhalb des Erdbodens

Der neue Weg zu unserem Haus liegt nun etwa einen Meter oberhalb des Erdbodens.

Überleben im arktischen Winter - Unser Film

Ihr wollt noch mehr vom Schneesturm sehen? Dann schaut euch doch noch unseren Kurzfilm über unseren arktischen Winter an:    
Heiko Gärtner
Heiko Gärtner ist Wildnismentor, Extremjournalist, Survivalexperte, Weltreisender und einer der führenden Experten auf dem Gebiet der Antlitz- und Körperdiagnostik. Nachdem er einige Jahre als Agenturleiter und Verkaufstrainer bei einer großen Versicherungsagentur gearbeitet hat, gab er diesen Job auf, um seiner wahren Berufung zu folgen. Er wurde Nationalparkranger, Berg- und Höhlenretter, arbeitete in einer Greifenwarte und gründete schließlich seine eigene Survival- und Wildnisschule. Seit 2014 wandert er zu Fuß um die Welt und verfasste dabei mehrere Bücher.

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